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FF1/2000
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vom:
01.02.2000


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Überblick:

Der Kaukasus und seine Konflikte

Die Kaukasus-Region, in der insgesamt rund 22 Mio Menschen leben, besteht aus vier selbständigen Staaten mit mehreren Autonomen Gebieten. Der Norden des Kaukasus gehört zu Russland mit den Russischen Republiken Dagestan, Tschetschenien, Inguschetien, Nord-Ossetien und Kabardino-Balkarien. Außerdem gehören die Autonomen Gebiete der Karatschaier und Tscherkessen sowie die Bezirke Stawropol und Krasnodar zum Kaukasus. Im Westen liegt Georgien mit dem umstrittenen Autonomen Gebiet Abchasien. Im Süden liegen Armenien und Aserbaidschan.


Wirtschaftlich ist der Kaukasus vor allem durch seine Erdölquellen in Tschetschenien (Raum Grozny), Erdgas- und Steinkohle-Vorkommen, Mineralwasser-Produktion, Phosphate und Getreideanbau am Schwarzen Meer bedeutsam. Dazu kommen die verschiedenen Öl-Pipelines, die die Region durchziehen.

Der Kaukasus ist durch eine Vielzahl an Sprachen und Schriften (neben kyrillisch auch lateinisch, arabisch, und georgisch), drei Religionen (christlich-orthodox, katholisch und islamisch) und einer noch größeren Vielzahl an ethnischen Gruppen gekennzeichnet. Geschichtlich lag er immer im Grenzgebiet zwischen verschiedenen Imperien (Osmanisches Reich, Persisches Reich und Russisches Reich), die ihren Einfluss hinterließen. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jh geriet der ganze Raum in das russische und nachfolgend dann sowjetische Imperium.

Russland
Die Russische Föderation besteht aus 89 sog. "Föderationssubjekten" (ähnlich Bundesländer); davon sind 21 ethnisch definierte autonome Republiken.

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Tschetschenien
Hauptstadt:
Grozny

Tschetschenien ist offiziell eine autonome Republik im Bestand der Russischen Föderation. Im November 1991 hatte es sich allerdings unter Präsident Dudajev aus dem Republiksverbund mit Inguschetien gelöst und einseitig seine Unabhängigkeit erklärt.

Der erste Tschetschenien-Krieg vom November 1994 bis August 1996 endete mit einer Niederlage der russischen Truppen und der Übereinkunft, sich innerhalb von fünf Jahren auf den zukünftigen Status Tschetscheniens zu einigen. Nach kurzer Entspannung spitzte sich die Lage wieder zu, besonders als tschetschenische Kämpfer 1999 in das benachbarte Dagestan eindrangen. Nach Bombenanschlägen in Moskau und anderen russischen Städten, die angeblich von tschetschenischen Terroristen begangen wurden, griff Russland Tschetschenien Anfang September 1999 erneut an.

Inguschetien
Hauptstadt:
Nazran

Inguschetien bildete mit Tschetschenien bis November 1991 eine gemeinsame Republik. Nach der Abspaltung Tschetscheniens wurde es eine eigene autonome Republik innerhalb der Russischen Föderation.

Inguschetien profitiert heute von den vielen Hilfsorganisationen, die wegen des Tschetschenien-Krieges kamen und ihre Hauptquartiere in Nazran eröffneten.

Dagestan
Hauptstadt:
Mahachkala

Dagestan hat ca 2 Mio Einwohner, die sich aus über 100 Ethnien zusammensetzen ("Dagestan" bedeutet "Bergland" und ist nicht der Name einer einzelnen Nation).

Ungleich seinen Nachbarn kam es nach Auflösung der Sowjetunion nicht zum Bürgerkrieg in Dagestan, wenngleich die ethnischen Spannungen und die Belastung durch tschetschenische Flüchtlinge groß sind.

Konfliktherde in Dagestan sind Konflikte zwischen Rückkehrern, die 1942/43 nach Zentralasien deportiert wurden, mit den heutigen Einwohnern; die Grenzgebiete zu Aserbaidschan und Tschetschenien und die Minderheiten der Terek Kossaken und Nogai, die Autonomierechte in drei Regionen fordern.

1999 riefen wahrscheinlich aus Tschetschenien gekommene islamische Rebellen einen "Unabhängigen islamischen Staat Dagestan" aus, was eine Ausweitung des Krieges auf Dagestan in bedrohliche Nähe rücken ließ.

Nord-Ossetien
Nord-Ossetien wird von ca 610.000 Menschen bewohnt, davon sind 52 % Osseten und 39 % Russen.

Hauptstadt:
Wladikawkas (früher Ortschonikidse)

Die Teilung zwischen Nord- und Süd-Ossetien erfolgte bereits 1810 nach der Eingliederung Georgiens in Russland. 1990 erklärte sich Nord-Ossetien für souverän und wurde schließlich Republik innerhalb Russlands.

Der Konflikt zwischen Inguschen und Osseten 1992 entzündete sich am Streit um ein Gebiet, das heute zu Nord-Ossetien gehört, aber früher von Inguschen besiedelt war. Letztere waren 1944 von Stalin nach Zentralasien deportiert worden.

Georgien
5,4 Mio Einwohner, davon 70% ethnische Georgier.

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Hauptstadt: Tbilisi

Zu den Minderheiten zählen Armenier, Azeris, Adjaren, Russen, Griechen, Osseten und Abchasen.

1990 fanden nach Zusammenbruch der Sowjetunion die ersten freien Wahlen in Georgien statt, die der Nationalist Gamsachurdia gewann. Es kam zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen in ganz Georgien, bei denen sich Anfang 1992 eine Militärjunta durchsetzte, die dann den ehemaligen sowjetischen Außenminister Eduard Schewardnadse einlud, die Regierung zu übernehmen. Ihm gelang es in den folgenden Jahren, das Land, das sich in einer schweren Wirtschaftskrise befand, allmählich zu sanieren, wenngleich das ungelöste Flüchtlingsproblem und ethnische Spannungen das Land weiterhin sehr belasten.

Nach der georgischen Niederlage im Abchasien-Krieg 1993 wurde Georgien gezwungen, der GUS beizutreten und russische Militärbasen in Georgien zu akzeptieren. In den letzten Jahren hat Georgien sich zunehmend pro-westlich orientiert und 1999 zusammen mit Azerbeidschan verkündet, die Nato-Mitgliedschaft anzustreben.

Abchasien
Hauptstadt:
Sukhumi

Abchasen stellen 1,8 % der Bevölkerung Georgiens und waren seit der Einverleibung in das Russische Reich 1864, in deren Folge viele Abchasen abwanderten (davon viele in die Türkei, wo heute 200.000 Abchasen leben), bis zum Krieg 1992-93 auch in Abchasien selbst in der Minderheit (17 %). 46 % der Bevölkerung sind Georgier, daneben Russen, Armenier, Griechen. Jetzt leben geschätzt 200.000 Menschen in Abchasien, davon sind 50 % ethnische Abchasier.

Nach dem Bürgerkrieg in Georgien 1992 erklärte Abchasien seine Souveränität, worauf Georgien mit einem Einmarsch seiner Truppen im August 1992 reagierte. Der Krieg führte zu massiven Zerstörungen und vielen zivilen Opern auf allen Seiten; über 300.000 Menschen flohen. Abchasien gewann ihn schließlich in einer Großoffensive, wobei es militärische Unterstützung aus Russland erhielt.

1994 besetzen Peacekeeping-Truppen der GUS (3.000 Mann) die 12 km breite Demarkationslinie am Inguri-Fluss. Ihre Tätigkeit wird durch eine UN-Mission (UNOMIG) überwacht.

Nach dem Krieg verschlechterte sich die Lage Abchasiens. Georgien erreichte eine Blockadepolitik der GUS-Staaten; Abschasien erhielt keine Wiederaufbauhilfe und seine Grenzen sind weitgehend geschlossen. 1998 kam es erneut zu intensiven Kämpfen.

Süd-Ossetien
Rund 100.000 Einwohner 1989, davon 65 % Osseten, 20 % Georgier.

Hauptstadt:
Tskhinvali

Im September 1990 erklärte sich Süd-Ossetien zur "Demokratischen Sowjetrepublik". Georgien rief im November seine Unabhängigkeit aus und löste die Autonome Republik auf. Gorbatschow setzte diesen Beschluss daraufhin per Dekret außer Kraft. Es begann ein Krieg, der auch unter Schewardnadse fortgeführt wurde und in den sich in Nord-Ossetien stationierte Russische Verbände einmischten, bis 1992 ein Waffenstillstand vereinbart wurde.

Armenien
3,2 Mio Einwohner; davon 96% Armenier

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Hauptstadt: Jerewan

Seit 1992 unabhängig.

Hauptkonflikt: Um Berg-Karabach (von Armeniern bewohnte Enklave in Aserbaidschan).

Armenien ist eher russland-orientiert, im Gegensatz zu dem pro-westlichen Aserbaidschan, das eine Nato-Mitgliedschaft anstrebt.

Im letzten Jahr kam Armenien wieder in den Schlagzeilen, als einem Attentat im Parlament mehrere führende Politiker zum Opfer fielen.

Aserbaidschan
ca 7 Mio Einwohner

Hauptstadt:
Baku

Berg-Karabach (Nagorny-Karabach)
Diese mehrheitlich armenisch bewohnte Enklave in Aserbaidschan war Ort eines langandauernden Krieges von 1989 bis 1994 mit über 50.000 Todesopfern. Er endete mit Wiederherstellung der Autonomie Berg-Karabachs und der Vertreibung fast aller Aseris. 1979 lebten dort 125.000 Armenier und 37.000 Aseris.


Zusammengestellt von: Christine Schweitzer (Red.).

E-Mail:  c.schweitzer@bionic.zerberus.de
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