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Erstellt:
August 1997

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FriedensForum 5/1997


Bericht über die 7.Entzäunungsaktion am EUCOM bei Stuttgart.

"Eine einzige Atombombe kann dir den ganzen Tag versauen!"

Dr. Wolfgang Sternstein

Maria und Do schmückten ihre ohnehin mit zahlreichen Inschriften versehene Arrestzelle mit folgenden Texten: Eine einzige Atombombe kann dir den ganzen Tag versauen! Entweder: Wir schaffen die Atomwaffen ab, oder die Atomwaffen schaffen eines Tages auch diese Zeile ab Anno 1997.

Mit Liebe und Lust / Gegen Atombombenfrust / Saßen hier ein / Zwei alte Weiberlein, / 60 und 75 Jahre. / Ist das nicht wunderbar(e)? / Gegen EUCOM und Vernichtung / Diese kleine, schöne Dichtung! / Atomwaffen abschaffen - / bei uns anfangen / Do + Maria

Aus Pauls und meiner Zelle eine Ergänzung (leider nicht von uns): Ich bin das Arschloch, das Euch haßt! Darunter, von anderer Hand: Ich liebe diese Zeile und ich lieb Uschi.

Samstag, 13. September 1997: Der Auftakt - ein Infostand auf dem Vaihinger Marktplatz - war total verregnet. Das Wasser lief einem in den Hemdkragen und quietschte in den Schuhen. Die Marktbesucher würdigten uns und unser wichtiges Anliegen keines Blickes. Der Demonstrationzug zum Haupttor des EUCOM war auch nicht viel besser. Die massen hatten es offenbar vorgezogen, wegen des schlechten Wetters zuhause zu bleiben. dabei führten wir so`n schönes Transparent mit. Immerhin war der Demonstrationszug zwanzig Meter lang.

Durch Vermittlung des Polizeieinsatzleiters kam am Samstag nachmittag ein Gespräch mit dem Sicherheitschef, Captain Joe Jo Johnson, in einem Wäldchen auf dem EUCOM-Gelände zustande. Es verlief für die fünfköpfige "Delegation" der EUCOMmunity jedoch ganz unbefriedigend.

 zum AnfangSonntag, den 14, September: Der Aktionstag entschädigte uns dafür voll. Die Sonne ging an einem strahlend blauen Himmel auf. Zwei Gruppen näherten sich nach einem erholsamen Waldspaziergang von verschiedenen Seiten dem Zaun des EUCOM mit dem Ziel, zum Hauptquartier vorzudringen, um dort zu demonstrieren und eventuell zu blockieren. Die erste Gruppe von sieben Personen verirrte sich in dem weitläufigen Gelände, traf einen GI, der sie von da an begleitete und mit dem Handy Verstärkung herbeirief.

Die zweite Gruppe aus sechs Personen begegnete einer Polizeistreife. Drei Mitglieder schafften es aber doch, das Gelände zu betreten und sogar bis zum Hauptquartier vorzudringen.

Diesmal übernahm die Abteilung Staatssicherheit - pardon Staatschutz den "Fall". Sämtliche "Staatsfeindinnen und -feinde" wurden in eine "Wanne" gepackt und zur Polizeidirektion Stuttgart II gefahren. Dort sperrte man je zwei Personen in Arrestzelle mit der Begründung, ihre Wohnsitzangaben müßten überprüft werden. nach zwei bis vier Stunden waren sie wieder frei und versammelten sich zu einer Auswertungsrunde.

Alle Beteiligten äußerten sich überwiegend positiv. Das Aktionsziel wurde erreicht. Die Vorbereitung und Organisation wurde gelobt. Natürlich gab es auch Kritik am Detail. Wir von "harten Kern" der "kriminellen Vereinigung" EUCOMmunity werden uns Mühe geben, es das nächste Mal noch besser zu machen.

Die schreibende Presse hat gut berichtet, desgleichen der Süddeutsche Rundfunk. Vier Wochen vor der Aktion schrieb die EUCOMmunity den anschließend dokumentierten Brief an den NATO-Oberkommandierenden General Clark, der gleichzeitig Oberkommandierender des EUCOM ist.



Dr. Wolfgang Sternstein ist Mitbegründer der EUCOMmunity
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