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Erstellt:
April 1998


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FriedensForum 3/1998


Nes Ammim - Zeichen für die Völker

Gerda Koch

"Nes Ammim" ist hebräisch und heißt "Zeichen für die Völker". Es steht beim Propheten Jesaja, Kapitel 11, Vers 10. "Nes Ammim" ist der Name einer internationalen, christlich-ökumenischen Bewegung, die zu Beginn der sechziger Jahre nach den Erfahrungen des Holocaust entstanden ist. Ländervereine (Niederlande, Schweiz, Deutschland) tragen und fördern das Projekt. Hauptziel von Nes Ammim ist es, in Israel ein Zeichen zu setzen für ein neues Verhältnis zwischen Christen und Juden und einen Beitrag zur Versöhnungsarbeit zu leisten, deutscherseits vor allem auch mit dem israelischen Volk.

"Nes Ammim" wurde deshalb auch der Name der kleinen christlichen Siedlung in Galiläa in Israel, die versucht, diese Ziele in die Praxis umzusetzen. Etwa 100 Freiwillige (junge Menschen, Singles und Familien, Zivildienstleistende und auch Senioren) leben dort für ein Jahr oder länger und tragen selbst etwas zum Erhalt des Projektes durch ihre Arbeit in den Betrieben (Landwirtschaft und Gästehaus mit Studienabteilung) bei. Sie tun dies für ein Taschengeld und schenken einen Teil ihres Lebens dieser Friedens- und Versöhnungsarbeit.

Leben in Nes Ammim bedeutet für die Freiwilligen, vielfältige Erfahrungen zu machen: Sie leben dort als Ausländer, sie beherrschen die Sprache nicht (ausreichend), sie gehören zu einer christlichen Minderheit in einem überwiegend jüdischen, aber auch muslimischen und insgesamt anderen kulturellen Umfeld.

Leben in Nes Ammim bedeutet zudem, in praktischer Solidarität im alltäglichen Leben mit den dortigen Bewohnern verbunden zu sein und für längere Zeit in einem Land zu leben, in dem das Wort "Frieden" noch Zukunft ist, in dem Terror-Attentate immer noch an der Tagesordnung sind und Schutzbunker zum Alltag gehören. Nes Ammim liegt im Nordwesten Israels, inmitten anderer kleinerer Orte: jüdische Kibbuzim und Moschawim sowie Dörfer mit muslimischen und christlichen Bewohnern.

 zum AnfangLeben in Nes Ammim bedeutet aber auch,

- das Judentum vor Ort, im Land der Bibel,
  kennenzulernen und von ihm als Wurzel des
  Christentums zu lernen,

- die Möglichkeit des friedlichen Miteinanders von
  Menschen verschiedenen Glaubens und
  verschiedener Herkunft in unmittelbarer
  Nachbarschaft mit dem jüdischen und arabischen
  Umfeld vorzuleben,

- das eigene Heimatland in Israel positiv zu
  repräsentieren. Nes Ammim ist somit gewissermaßen
  die praktische Umsetzung des christlich-jüdischen
  Dialogs und dessen gelebter Prüfstein vor Ort.

Nes Ammim sucht ständig Freiwillige für den Einsatz in Israel und Förderer und Mitglieder, die das Projekt finanziell und ideell unterstützen.

Der deutsche Nes-Ammim-Verein hat aus Anlaß des 50jährigen Bestehens des Staates Israel eine Wanderausstellung erarbeitet, die einen Überblick gibt über fast 2.000 Jahre jüdischer Geschichte in der Diaspora (einschließlich der Shoah), die Geschichte und Entwicklung des Staates Israel, die Neuanfänge im Verhältnis zwischen Christen und Juden, Deutschen und Israelis sowie über Ziele und Geschichte Nes Ammims. Zu der Ausstellung ist eine ausführliche Dokumentation erschienen, die auch unabhängig von der Ausstellung genutzt werden kann. Ausstellung und Buch sind mit Blick auf Einsatzmöglichkeiten in Schule und Erwachsenenbildung erstellt.

Nes Ammim Deutschland e.V., Einbrungerstr. 82, 40489 Düsseldorf, Tel.: 0211/4059750, Fax: 0211/4059753



Gerda Koch ist Generalsekretärin von Nes Ammim.
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