Aktionstag
26.10.2002


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Aktionstag gegen Irak-Krieg 26.10.2002

 Echo / Presse

Pressesplitter 26.10.02

div. Zeitungen /Agenturen / Hörfunk / TV

Berliner Zeitung: Der lange Marsch

dito Demo gegen Irak-Krieg

Tagesspiegel Großdemonstration gegen einen Irak-Krieg

Berliner Morgenpost Staus in Sicht: Großdemo gegen Irak-Krieg

Karlsruher Nachrichtenmagazin Weltweiter Aktionstag gegen drohenden Irak-Krieg

Welt Pax Christi: Irak-Demo verteidigt Massenmörder

Nürnberger Nachrichten Friedensbewegung wird wieder stärker

FR Nicht mit uns, Mr. Bush!

Der Neue Tag Vereint gegen Krieg

jW Kulturelles Mißverständnis (Kommentar)

Ostthüringer Zeitung Aktionstag von PDS unterstützt

ND US-Kriegsgegner hoffen auf Medienecho

ND Im Schatten bewegterer Tage

dpa Bundesweite Demonstrationen der Friedensbewegung gegen Irak-Krieg

Hörfunk Nachrichten

WDR Protest gegen Irakkrieg, 8 Uhr

ORB Aktionstag gegen Irak-Krieg: Demonstration in Berlin, 6 Uhr

NDR DEMONSTRATIONEN WEGEN IRAK-KONFLIKT, 8 Uhr

DLF In zahlreichen deutschen ..., 15 Uhr

WDR Demos gegen Irak-Krieg, 15 Uhr

NDR DEMONSTRATIONEN GEGEN KRIEG, 15 Uhr

SR Saarbrücken: 600 Teilnehmer bei Friedens-Demonstration

Tagesschau Tausende demonstrieren gegen möglichen Irak-Krieg



Quelle: Berliner Zeitung, Politik, 26.10.02

Der lange Marsch

Sie lassen sich festnehmen, sie besetzen Büros, sie fahren nach Washington - wie in Amerika eine neue Friedensbewegung entsteht

Anja Reich

NEW YORK, im Oktober. Als Max losgeht, ruft er seiner Mutter zu, er werde heute an einer Aktion teilnehmen. Er hat es eilig, seine Freunde warten auf ihn. Seine neuen Freunde. So nennt der Student der New York Universität die Mitglieder der Gruppe "Kein Blut für Öl". Mit seinen alten Freunden hat er Baseball gespielt. Mit den neuen macht er Aktionen. "Was für eine Aktion denn?", fragt seine Mutter. "Was in der Uno", antwortet er. "Pass auf, dass sie dich nicht wieder einsperren", ruft sie ihm hinterher. "Okay", sagt Max.

Vierundzwanzig Stunden später steht der zweiundzwanzig Jahre alte Journalistikstudent Max Uhlenbeck vor dem Kriminalgericht, 100 Centre Street in Downtown Manhattan. Er ist angeklagt, die Sicherheitsbestimmungen im Uno-Hauptquartier verletzt zu haben. Max und seine Freunde hatten sich in der Haupthalle der Vereinten Nationen auf den Fußboden gesetzt, die Arme ineinander gehakt und gerufen: "Kein Krieg im Irak! Kein Krieg im Irak!" Das war die Aktion. Sie wurden verhaftet und eine Nacht in Untersuchungshaft gesperrt. Die Richterin verlegt die Verhandlung auf Mitte Dezember. Max ist entlassen.

Draußen warten seine Freunde. Sie klatschen, umarmen ihn und halten die "New York Times" hoch. Auf der Inlandseite steht ein zweispaltiger Bericht über die Anti-Bush-Demonstration. Mit einem Foto von der Festnahme. Max lacht. Er ist blass und hat kurze dunkle Haare, die nach allen Seiten abstehen. Er trägt Turnschuhe, ein hellblaues Hemd und entschuldigt sich, dass er sicher schlecht rieche, weil er im Gefängnis nicht duschen konnte. Er ist ein netter amerikanischer Junge. Ein Elite-Student, der Vorlesungen schwänzt, weil er für den Frieden kämpft.

Max Uhlenbeck ist in San Francisco geboren, seine Eltern sind Fotografen, als er zwei war, sind sie mit ihm nach Holland gezogen, elf Jahre später nach New York. Max sagt, dass die Medien in Europa kritischer berichten würden. Das gefalle ihm. Genauso wie die Demonstrationskultur. "Hier wirst du immer gleich eingesperrt, wenn du auf die Straße gehst." Am meisten gelernt habe er von seinem Professor für Medien. Der habe das amerikanische Fernsehen und die Presse analysiert, über Palästina geredet und erklärt, woher der Terror komme. "Das waren Sachen", sagt er, "von denen ich noch nie gehört hatte."

Dann hat Max Studenten getroffen, die so denken wie er. Seine neuen Freunde. Mit ihnen hat er T-Shirts bedruckt, Senatoren-Büros besetzt, ist nach Washington gefahren, um Straßen zu blockieren. Dort wurde er das erste Mal verhaftet. Sein Pflichtverteidiger warnte ihn, dass er auf seine Strafakte achten solle. Max sagt, dass der Anwalt auch gesagt habe, dass er ebenfalls gegen den Krieg sei. Und die Richterin habe ihn angelächelt. Das zählt.

Max hat dunkle Ringe unter den Augen, er würde gerne schlafen und duschen, aber er hat zu viel zu tun. Er muss vor der Uni Busfahrkarten für den Friedensmarsch in Washington verkaufen. Abends geht er zum Treffen seiner Friedensgruppe. Dann ist Trommelworkshop vor der Uno. Freitag kommt Dick Cheney in die Stadt, da müssen sie auch was machen. Trommeln oder Losungen rufen. Transparente hoch halten. Irgend so was. Sonnabend ist Demo in Washington. Sie werden immer mehr. Vor den Universitäten stehen Studenten und verteilen Aufkleber und Flugblätter. Nachts schreiben Kriegsgegner Losungen an die Mauern auf dem Campus.

Linke Schriftsteller erklären in Kirchen, warum es Bush nicht um Demokratie geht, sondern um Öl. In der New Yorker U-Bahn sind die Hinweisschilder: "Türen aufhalten verboten" überklebt. "Kein Krieg im Irak", steht jetzt da. Der Hollywoodstar Sean Penn hat für 53 000 Dollar eine Zeitungsseite der Washington Post gekauft, um darauf zu erklären, warum er gegen eine Irak-Invasion ist. In der 7th Avenue in Brooklyn sammeln Mitglieder einer Gruppe "Eltern für Frieden" Unterschriften gegen Bush. Ein paar Straßen weiter hat jemand an die Fenster seines Hauses geschrieben: "Für Inspektionen. Gegen den Krieg."

Vor einem Jahr hingen hier noch überall amerikanische Flaggen. Die Stimmung ist umgeschlagen. Manche sagen, in Amerika bilde sich derzeit eine Friedensbewegung, die größer und stärker sei als die im Vietnamkrieg. Margaret Groarke sagt, es sei zu früh, das einzuschätzen. "Aber ich habe gehört, dass es im Vietnamkrieg so angefangen hat. Genau so. Mit kleinen Treffen, Unterschriftensammlungen, Sit-Ins, Demonstrationen."

Margaret Groarke ist Leiterin des Instituts für Friedensstudien am Manhattan College. Sie erzählt von Nachbarschaftsinitiativen, die sich nach dem 11. September gebildet haben, aus Sorge, Bush werde sich rächen und unschuldige Menschen töten. "Es ging um Afghanistan und um arabische Menschen in New York. Jetzt ist es Irak." Sie selbst gehört einer Friedensgruppe in der Bronx an und ermutigt ihre Studenten, statt zu Vorlesungen zu gehen gegen die Pläne der Bush-Regierung zu demonstrieren. "In solchen Zeiten kann man nicht so tun, als würde das Leben ganz normal weitergehen." Es sei wichtig, die Menschen aufzuklären: "Was ist der Islam? Worum geht es im Irak? Warum will Amerika Militäraktionen?"

Michael Schenker muss man nicht erst überzeugen, wie wichtig Demonstrationen sind. Er ist fünfundvierzig, hat mal in einem kleinen New Yorker Theater gespielt, aber eigentlich ist er Demonstrant von Beruf. Er hat schon gegen Rassendiskriminierungen in New York protestiert, gegen die Bebauung einer Rasenfläche vor seinem Haus und gegen Immobilienhaie. Im Moment kämpft er gegen den Krieg im Irak. Er trommelt mit Max für den Frieden und war bei der Menschenkette dabei. Ins UN-Gebäude ist er nicht mitgegangen. Er ist mit den Jahren ein bisschen vorsichtig geworden, er war schon oft im Gefängnis. Meist wurde er am nächsten Tag wieder entlassen. "Aber angenehm ist es da drin nicht."

Er gibt Max und seinen Freunden lieber Hinweise. Dass eine Aktion praktisch wertlos ist, wenn kein Kamerateam dabei ist. Wie man bei Polizeibefragungen reagiert und dass es gut ist, wenn man vor einer Protestaktion gut frühstückt, weil die Verpflegung im New Yorker Untersuchungsgefängnis ziemlich schlecht ist. Das Haus in der Lower East Side, das er besetzt hat, gehört jetzt ihm und ein paar Freunden. Und Bush, vermutet er, hält auch nicht mehr lange durch. Spätestens wenn er merke, dass ihm die Wähler verloren gingen, gebe er auf. Schenker ist der Talisman der Kriegsgegner.

Der Barnard Hörsaal der Columbia Universität hat holzgetäfelte Wände, gepoltsterte Sitze und Säulen in der Mitte. Normalerweise halten hier gut bezahlte Professoren Vorträge. Aber an diesem Abend gibt es ein Teach In, eine Art Agitationsveranstaltung. Am Eingang steht ein Mädchen in engem T-Shirt. Sie verkauft Fahrkarten für den Friedensmarsch in Washington. Dreißig Dollar das Stück. Die Busse haben Toiletten und Fernseher in den Sitzen, sagt sie und lächelt, als verkaufe sie Kreuzfahrten. Es gibt auch "Kein Blut für Öl"-Aufkleber, drei Stück für fünfzig Cent, ein Buch über das Recht auf Abtreibung sowie "Staat und Revolution" von Lenin. Aber das verkauft sich nicht so gut.

Vorne auf der Bühne sitzen vier Leute, die als Experten vorgestellt werden. Der erste heißt Danny Miller, ist Ende zwanzig und sagt, dass er gerade aus dem Irak komme, wo er Hilfsgüter verteilt habe. Danny Miller hat schulterlange Haare und einen Mittelscheitel und sagt, es sei wichtig, daran zu denken, dass im Irak Menschen leben. "Menschen wie wir." Er erzählt, wie einmal ein Iraker mit einer Kalaschnikow auf ihn zugerannt gekommen sei und sich bloß erkundigt habe, wie es George Michael gehe. Die Leute lachen. Der Hörsaal ist halb voll. Studenten in ausgefransten Jeans und Kinnbärten sind da. Ein paar Professoren. Hippies. Leute aus dem Viertel. Mitglieder von anderen Friedensgruppen. Ein paar schreiben mit, eine Frau filmt. Alles wirkt ein wenig unbeholfen.

Es ist die erste Veranstaltung dieser Art in der Columbia Universität. Es fängt alles erst an. "Habt ihr wirklich Illusionen, dass es Bush um Demokratie geht", ruft jetzt ein Redner, der Mitglied einer sozialistischen Organisation ist. "Es geht ihm doch nur um Öl. Er will den Ölmarkt kontrollieren." Er bekommt Beifall. Der nächste sagt, es gebe überhaupt keine Beweise, dass Saddam Hussein irgendwas mit dem 11. September zu tun habe. "Wir müssen uns einmischen. Wenn wir jetzt anfangen, können wir den Krieg noch stoppen." "Was sollen wir machen?", ruft ein Mann im Publikum. "Lernen, studieren. Guckt ins Internet, lest Bücher. Die Kongressmitglieder bekommen ihre Informationen auch nicht anders."

Der Redner erzählt, dass sich überall Friedensgruppen bilden. Dass es Demonstrationen gebe. "20 000 waren im Central Park. 8 000 in San Francisco, 9 000 in Los Angeles. Die Bewegung wächst. Wir können den Krieg stoppen. Aber erwartet nicht, dass es über Nacht passiert." Jemand sagt, George Bush sei ein globaler Sniper. Er habe keine einzelne Waffe, sondern eine ganze Armee und man wisse nie, wo er als Nächstes angreife. Plötzlich geht das Licht aus. Der erste Redner ruft in die Dunkelheit: "Das passiert im Irak ständig. Die USA haben das irakische Elektrizitätssystem bombardiert." Die Leute schweigen.

Dann geht das Licht wieder an. In der Upper West Side fallen keine Bomben. Jemand hatte sich aus Versehen gegen den Schalter gelehnt. Zum Schluss gibt es gute Nachrichten. Fünfzig Busfahrkarten wurden allein heute Abend verkauft. Der Sniper ist gefasst, und das Wetter in Washington soll am Sonnabend auch gut werden. Am Anfang soll es nieseln, aber später, wenn zehntausende Amerikaner den größte Friedensmarsch seit dem Vietnamkrieg beginnen, soll die Sonne scheinen.



Berliner Zeitung, Lokales, 26.10.02

Zehntausende gehen Sonnabend auf die Straße

Demo gegen Irak-Krieg

(dpa, ddp) Gegen einen Irak-Krieg wollen tausende Anhänger der Friedensbewegung am Sonnabend ab 14 Uhr in Berlin protestieren. Die Veranstalter rechnen mit rund 30.000 Teilnehmern. Die Demonstration führt vom Alexanderplatz zum Gendarmenmarkt. Am Alex wird der Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele (Grüne) sprechen, auf der Abschlusskundgebung Ken Nichols. Zu der Aktion haben Friedensgruppen, Gewerkschaften, die PDS und Teile der Grünen aufgerufen.

Die Demonstration findet im Rahmen eines weltweiten Aktionstages parallel zu geplanten Protesten der US-Friedensbewegung in Washington und San Francisco statt. Es seien in knapp 70 deutschen Städten Demonstrationen, Kundgebungen und Mahnwachen geplant, sagte der Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag, Peter Strutynski, am Freitag. Bundesweit rechnen die Organisatoren mit mehreren 10.000 Teilnehmern. In London, Rom, Paris, Madrid und New York hatten in den vergangenen Wochen bereits Hunderttausende gegen einen US-Angriff auf den Irak demonstriert.

Neben dem Bundesausschuss Friedensratschlag und dem Bündnis "Achse des Friedens" hätten auch Gewerkschaften, kirchliche Verbände, die PDS sowie Parteigliederungen der Grünen und der SPD zur Teilnahme an den Demonstrationen aufgerufen, sagte Strutynski. Regionale Schwerpunkte sollen unter anderem Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Köln, Frankfurt und Dresden sein.

Auch in Bayern sind mehrere Demonstrationen geplant. Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums haben Kriegsgegner Kundgebungen in München, Nürnberg, Fürth, Augsburg und in der Kreisstadt Bad Tölz angemeldet. In Frankfurt haben mehrere linke Gruppen, darunter "attac" und Ostermarschbüro, zu einer Demonstration vom Universitätsviertel in die Innenstadt aufgerufen. In Kiel ist in der Innenstadt eine Kundgebung geplant. Veranstalter ist das "Kieler Friedensforum". (dpa, ddp)



Quelle: Tagesspiegel, Lokales, 26.10.02

Großdemonstration gegen einen Irak-Krieg

Für den heutigen Samstag hat die Friedensbewegung eine Großdemonstration gegen einen Irak-Krieg angekündigt. Die Veranstalter erwarten bis zu 30 000 Teilnehmer. Der Demonstrationszug startet um 14 Uhr am Alexanderplatz und zieht durch die östliche Innenstadt in Richtung Gendarmenmarkt. Die Polizei rechnet mit erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen rund um den Aufzug. babs



Quelle: Berliner Morgenpost, Lokales, 26.10.02

Staus in Sicht: Großdemo gegen Irak-Krieg

Gegen einen Irak-Krieg wollen Tausende Anhänger der Friedensbewegung heute von 14 Uhr an protestieren. Die Demo vom Alex zum Gendarmenmarkt richtet sich besonders an die Bundesregierung, ihr Wahlversprechen zu halten und einem militärischen Einsatz der USA die Unterstützung zu verweigern. Die Veranstalter rechnen mit rund 30.000 Teilnehmern. Zu der Aktion haben Friedensgruppen, Gewerkschaften, die PDS und Teile der Grünen aufgerufen. Auf der Abschlusskundgebung soll auch der Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele (Grüne) sprechen. (ddp)



Karlsruher Nachrichtenmagazin, Politik, 26.10.02

Weltweiter Aktionstag gegen drohenden Irak-Krieg

Große Demonstration in Berlin erwartet

Protest gegen drohenden Irak-Krieg in USA (AFP/Archiv)

Kriegsgegner und Globalisierungskritiker wollen heute weltweit Aktionen gegen einen drohenden Irak-Krieg starten. In Deutschland werden in mehr als 50 Städten Proteste erwartet. Zu den Veranstaltern zählen neben verschiedenen Organisationen der Friedensbewegung auch Gewerkschaften, die PDS, kirchliche Verbände und das globalisierungskritische Attac-Netzwerk.

Die größte Demonstration soll am Samstag ab 14.00 Uhr auf dem Berliner Alexanderplatz stattfinden. In den USA sind Kundgebungen in Washington und San Francisco geplant. Beobachter rechnen mit den größten Anti-Kriegs-Demonstrationen seit dem Vietnamkrieg. Proteste sollen auch in zahlreichen EU-Staaten sowie in Asien und Australien stattfinden.



Quelle: Die Welt, Lokales 26.10.02

Pax Christi: Irak-Demo verteidigt Massenmörder

Innerhalb der Friedensbewegung ist um eine für den heutigen Sonnabend geplante Demonstration ein heftiger Streit entstanden

An dem Protest gegen einen möglichen Irak-Krieg beteiligen sich auch GAL und Jusos. Pax Christi, bisher regelmäßig bei Aktionen dabei, erhob allerdings am Freitag schwere Vorwürfe gegen die Organisatoren. In einer Erklärung der katholischen Friedensbewegung, die auch von dem evangelischen Pastor Ulrich Hentschel und dem Rabbiner Kai Eckstein unterzeichnet wurde, heißt es, der offizielle Aufruf enthalte die Verteidigung Saddam Husseins. Die Demonstration diene vor allem der "symbolischen Selbstvergewisserung der Mitmarschierenden", da ihr Hauptanliegen auf der Linie der Bundesregierung liege. Die Demonstranten verschwiegen bewusst Massenmord, Terror und Krieg, der von dem irakischen Regime ausgegangen sei. Sie betrieben damit Antisemitismus und den demonstrativen Freispruch für einen Massenmörder.

Die Demonstration des "Hamburger Forum" ist Teil einer Reihe von Veranstaltungen, die am Sonnabend bundesweit stattfinden. Hauptredner ist der Verdi-Vorsitzende Wolfgang Rose. Beginn: 12 Uhr, Dammtordamm. CUK/epd



Quelle: Nürnberger Nachrichten, Lokales, 26.10.02

Demo gegen Irak-Krieg und für globale Gerechtigkeit heute um 13 Uhr vor der Lorenzkirche

Friedensbewegung wird wieder stärker

Das Nein der Bundesregierung zum Kampfeinsatz reicht nicht - Bedeutende Ölreserven

Unter dem Motto "Keinen Krieg im Irak - Für Solidarität und globale Gerechtigkeit" findet am kommenden Samstag um 13 Uhr vor der Lorenzkirche in Nürnberg eine Kundgebung statt. Das Nürnberger Friedensforum will sich mit der amerikanischen Friedensbewegung solidarisieren, die am selben Tag landesweit mehrere Aktionen startet. Als Redner werden Renate Popp von der Gewerkschaft ver.di, Pfarrer Rainer Oechslen sowie Fürther Schülerinnen auftreten. Die Lokalredaktion sprach mit Hans-Joachim Patzelt, einem der Sprecher des Friedensforums.

Herr Patzelt, in den USA hat die harte Haltung der Regierung Bush in der Irak-Frage dazu geführt, dass die Friedensbewegung urplötzlich wieder erstarkt ist.

Verspürt auch das Nürnberger Friedensforum neuen Zulauf?

Patzelt: Wir begrüßen natürlich, dass trotz des Schocks vom 11. September 2001 die amerikanische Friedensbewegung wieder langsam auf die Beine kommt, denn sie hat es schwer genug. Bei uns meinen viele Menschen dagegen, dass das Nein der Bundesregierung zu diesem Krieg reicht. Deshalb glauben viele, nicht zu Friedenskundgebungen gehen zu müssen. Wir versuchen nun, die Leute davon zu überzeugen, dass sie für die Nachhaltigkeit dieses Neins auf die Straße gehen müssen.

Momentan sieht es so aus, als würden die Uno-Inspektoren eine Chance bekommen, das Problem zu lösen. Halten Sie diesen Weg für richtig?

Patzelt: Ich glaube, dass die US-Regierung so auf Kriegskurs ist, dass sie im Notfall auch ohne Uno-Mandat ein Bündnis schmiedet. Insofern kommt es sehr auf die internationale öffentliche Meinung an. Und das ist unsere Chance.

Halten Sie die Uno-Mission der Inspektoren für aussichtsreich?

Patzelt: Die Sache ist nicht einfach, das ist klar. Der Trickreichtum von Saddam Hussein ist ja hinlänglich bekannt. Wir befürchten aber, dass es trotz eines Mandats des Weltsicherheitsrates zum Krieg kommt. Man darf ja nicht übersehen, dass Irak über bedeutende Ölreserven verfügt. Wir sagen aber ganz klar: Kein Krieg gegen den Irak!

Ein anderes Thema: Im Koalitionsvertrag der Regierung ist festgeschrieben worden, dass die Wehrpflicht noch im Laufe dieser Legislaturperiode überprüft werden muss. Hat das Friedensforum dazu eine Position?

Patzelt: Ja. Sie ist aber schwierig zu begründen, denn wir sind prinzipiell für Abrüstung und nicht für Wehrpflicht. Wenn der Abbau der Wehrpflicht dazu benutzt wird, Interventionstruppen aus Profis aufzubauen, dann ist das nicht in unserem Sinn.

Interview: GEORG ESCHER



Quelle: Frankfurter Rundschau, Vermischtes, 26.10.02

Nicht mit uns, Mr. Bush!

Nach einer Phase der patriotischen Lähmung wächst in den USA die Ablehnung gegen einen drohenden Irak-Krieg. Prominente wie CNN-Gründer Ted Turner oder Hollywood-Star Paul Newman stellen sich öffentlich gegen die Politik der Bush-Regierung. Und auch Friedensinitiativen verzeichnen einen immer größeren Zulauf.

Von Kirsten Pape

"Nur noch das amerikanische Volk selbst kann diesen Krieg stoppen" steht auf einem der Plakate. Es ist ein regnerischer Morgen in Montpelier, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Vermont. Ich treffe Joseph Gainza vom American Friends Service Committee. Die unabhängige Quäkerorganisation wurde 1917 gegründet, sie gilt als die älteste pazifistische Bewegung in den USA. Zusammen mit 20 anderen Friedensaktivisten steht Joseph vor der Kirche und hält sein Plakat hoch: "Krieg ist NICHT die Lösung, eine andere Welt ist möglich." Lange wurden die Friedensaktivisten ein wenig belächelt, mitunter auch angefeindet - das Land und seine Bürger befinden sich schließlich nach offizieller Lesart in einem langen Krieg gegen alle Terroristen dieser Welt. Doch inzwischen bleiben viele Leute bei den wöchentlichen Friedenswachen vor der Kirche in Montpelier stehen und fragen, was sie selbst beitragen können zu einem anderen außenpolitischen Kurs der USA.

Gut ein Jahr nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und möglicherweise nur wenige Wochen vor einem Krieg gegen den Irak erhalten Joseph Gainza und seine Mitstreiter immer mehr Zuspruch. Anfang Oktober sagten einer Gallup-Umfrage zufolge zwar 79 Prozent der Amerikaner, sie wären für eine Invasion Iraks, wenn diese von den UNO unterstützt würde. Ohne internationales Mandat befürworteten jedoch nur noch 37 Prozent einen Krieg. Einer jüngsten Umfrage zufolge ist die Opposition gegen einen Irakkrieg am größten unter den Stammwählern der Demokraten: Liberale, Schwarze und Frauen lehnen zu 76 Prozent eine Militäraktion ab. Die spannende Frage lautet, wie sich der noch diffuse Widerstand zu politischen Aktionen bündeln lässt.

Alleine ist die Friedensbewegung jedenfalls inzwischen nicht mehr. In die patriotische Grundstimmung nach dem 11. September mischt sich allmählich die Angst vor dem unkalkulierbaren Risiko eines amerikanischen Alleingangs. Die katholische und die evangelische Kirche haben moralische Einwände erhoben, die Gewerkschaften melden sich kritisch zu Wort, selbst CIA-Leute und Militärexperten aus der Ära von Bush Senior sowie der gerade mit dem Friedens-Nobelpreis ausgezeichnete Ex-Präsident Jimmy Carter warnen vor den unabsehbaren Folgen eines Krieges gegen den Irak.

In Joseph Gainzas Büro stapeln sich Flugblätter, Broschüren, Zeitungen. Der 59-jährige hauptamtliche Friedensaktivist mit dem dunklen Vollbart versucht gerade, einen Aufruf zu zivilem Ungehorsam zu starten, falls es wirklich zum Krieg kommt. Bereits jetzt werden Seminare angeboten, in denen man den gewaltfreien Widerstand trainieren kann. Joseph sammelt Unterschriften von Freiwilligen, die sich im Fall des Falles vor Regierungs- oder Militäreinrichtungen anketten lassen würden. Die Medien, allen voran die privaten Kabelnetzwerke, schweigen die wachsende Friedensbewegung tot. Noch. "Es ist hart, gegen die geballte private Medienmacht anzustehen", sagt Joseph, "aber wir geben nicht auf." Die Friedensaktivisten setzen auf die amerikanische Graswurzeldemokratie - sie organisieren den Widerstand von unten, über das Internet, über Telefonketten, über die Arbeit kleiner Gemeindegruppen, Friedens-, Menschenrechts- oder Antirassismus-Initiativen. Und verschaffen sich so mühsam ihre eigene Öffentlichkeit. Viele lokale Medien fangen nun an, über die Aktionen der Friedensaktivisten zu berichten.

Und die Bewegung wächst. Das unabhängige Institut für politische Studien in Washington hat alleine in den vergangenen zwei Wochen landesweit 400 verschiedene Anti-Kriegsveranstaltungen gezählt. Joseph Gainza berichtet von einer täglich steigenden Zahl von Anrufen in seinem Büro, von Menschen, die "irgendetwas tun wollen, damit dieser Krieg nicht stattfindet". Besonders freut er sich dabei über Mitstreiter von unerwarteter Seite. Kürzlich sei ein ihm unbekannter Mann zu einem Treffen des American Friends Service Committee gekommen. Er habe sich als Soldat der US-Marines vorgestellt, seinen Namen wollte er nicht nennen. "Der Mann sagte, er sei in die Armee gegangen, um sein Land zu verteidigen. Aber dieser Krieg gegen den Irak habe mit Verteidigung nun wirklich nichts zu tun. So wie er dächten viele Marines, und er wolle, dass wir das wissen."

Solche Unterstützung gibt Joseph und seinen Mitstreitern Auftrieb. Sie hoffen, dass die Angst der Mütter um ihre Söhne, die Sorge um die schwache Wirtschaft und steigende Ölpreise nach einem Krieg, die Befürchtungen um eine internationale Isolation die Menschen aus ihrem Gefühl der Hilflosigkeit herausholten, "ja ohnehin nichts gegen die da oben" machen zu können.

Unterstützt werden sie mittlerweile auch von Seiten der Wirtschaft: Am 15. Oktober erschien eine ganzseitige Anzeige in mehreren großen Zeitungen. Mehr als 200 Unternehmer, darunter der CNN-Gründer Ted Turner und der Schauspieler und Geschäftsmann Paul Newman sprachen sich darin vehement gegen den Irak-Krieg aus. "Truemajority.com" - die wahre Mehrheit - nennt sich die vom legendären Gründer der Eiscremekette "Ben & Jerrys" ins Leben gerufene Initiative. Sie hat nach eigenen Angaben 35000 Mitglieder, darunter 400 führende Geschäftsleute. Und auch der Hollywood-Schauspieler Sean Penn meldete sich vergangene Woche zu Wort. In einer großformatigen Annonce in der Washington Post, für die Penn 56000 US-Dollar bezahlt hat, übt er heftige Kritik an der Politik von Präsident George W. Bush.

An diesem Samstag will die Friedensbewegung nun ihrem Protest mit großen Demonstrationen Ausdruck verleihen: an der Ostküste in Washington D.C. und an der Westküste in San Francisco. Die Organisatoren, ein unter dem Namen "Answer" agierendes Bündnis verschiedener Gruppen, hoffen auf mehrere hunderttausend Teilnehmer. Auch Joseph Gainza wird mit dabei sein. "Wir glauben nicht ernsthaft, dass die Demonstrationen Bush zum Einlenken bewegen werden", sagt er mit Sorgenfalten auf der Stirn. "Aber natürlich will ich dabei sein. Wir müssen uns Gehör verschaffen. Wir müssen daran arbeiten, unser Land und die US-Politik insgesamt zu verändern. Den Menschen muss klar sein, dass die US-Regierung dabei ist, ein Welt-Imperium aufzubauen. Die Pläne dafür gibt es schon seit 1945. Sie wurden durch den Kalten Krieg aufgehalten, aber nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat der jetzige US-Vizepräsident Cheney die alten Papiere wieder rausgeholt."

Wie aber effektiven Widerstand leisten angesichts der Angst vor weiteren Terroranschlägen? Wer Einfluss nehmen will auf die Gestaltung der US-Politik, braucht Geld. Viel Geld. Die "move on-peace organisation" setzt auch da an. Übers Internet sammelt sie Spenden und ruft zur Unterstützung einzelner Kandidaten auf, die gerade im Wahlkampf für die kommenden Kongresswahlen stehen und sich gegen die Bush-Linie stellen. Mit Aussicht auf Erfolg. Immerhin 126 Demokraten und sechs Republikaner trauten sich, jüngst im Kongress gegen die Bush-Linie zu stimmen. Das reichte bei weitem nicht aus - der amerikanische Präsident bekam die erwünschte breite Zustimmung für seinen außenpolitischen Kurs. Aber es war ein Anfang.

Dem Gewerkschafter Gary Goff, den ich auf einer nationalen Friedenskonferenz in Boston treffe, treibt das Abstimmungsergebnis trotzdem noch die Zornesröte ins Gesicht. "Bush wurde nicht vom amerikanischen Volk, sondern vom obersten Verfassungsgericht gewählt", ärgert er sich. "Dass er die Wahlen verloren hat, macht seine Position sehr wacklig. Die wenigen Verbündeten, die er in Washington hat, sind von der extremen Rechten. Er ist dadurch viel schwächer, als er es zu seiner Zeit als Gouverneur von Texas war." Goff hat die Bewegung "New Yorker Stadtarbeiter gegen den Krieg" mitgegründet und hofft auf breite Mobilisierung vor allem der Arbeiterschaft. Allerdings wird das mühsam: "Viele Mitglieder der Gewerkschaften und der Friedensbewegung sind mit der demokratischen Partei verheiratet und gucken nicht über den eigenen Tellerrand hinaus. Und die Vorstellung, dass wir in unserem politischen System sowieso immer nur das kleinere Übel wählen können, bewirkt, dass dieses Übel immer schlimmer wird: Die demokratische Partei rückt weiter nach rechts." Die Friedensaktivisten versuchen dem zu begegnen, indem sie mit E-Mails, Faxen und Telefonanrufen ihren örtlichen Abgeordneten klar machen, dass sie keinen Krieg wollen und von ihren politischen Vertretern erwarten, dass sie sich dementsprechend im Parlament äußern.

Ob es hilft? Gary Goff macht sich und den anderen Mut: Man sei diesmal so viel weiter als damals, zur Zeit des Vietnamkriegs. Damals seien die Leute erst Jahre, nachdem der Krieg schon in vollem Gang war, auf die Straße gegangen. Das sei jetzt ganz anders, und der Krieg gegen den Irak habe ja noch nicht mal begonnen.

Gary Goff, Joseph Gainza und all die anderen hoffen natürlich auch auf den wachsenden internationalen Druck. Die Ohrfeige, die sich die USA jüngst im UNO-Sicherheitsrat abholten, gibt ihnen Auftrieb. Alle Mitglieder, auch Washingtons engste Verbündete, lehnten jüngst den von den USA gewünschten Freibrief für militärische Aktionen ab.

Die Friedensbewegung fordert ihre Mitglieder seit vergangenem Dienstag über das Internet dazu auf, auch den drei ständigen Mitgliedern im Weltsicherheitsrat Frankreich, Russland und China E-Mails oder Faxe zu schicken mit der klaren Botschaft: "Bitte stimmen Sie keiner UN-Resolution zu, die zu militärischer Gewalt ermächtigt."

Ganz alleine kann die amerikanische Friedensbewegung ihren Präsidenten wahrscheinlich eben doch nicht stoppen.



Quelle: Der Neue Tag, Lokales, 26.10.02

Vereint gegen Krieg

DGB-Ortskartell und Ver.di rufen auf zu Demos

Sulzbach-Rosenberg. (bt) "Keinen Krieg im Irak - Für Solidarität und globale Gerechtigkeit": Unter diesem Motto findet am Samstag, 26. Oktober, im Rahmen internationaler Aktivitäten Kundgebungen in Fürth und Nürnberg statt. Das DGB-Ortskartell und der Ortsverein von Ver.di fordern dazu auf, diese Aktionen zu unterstützen.

Die Kriegsvorbereitungen der US-Regierung gegen den Irak laufen auf Hochtouren und Präsident Bush habe dafür freie Hand vom Kongress erhalten, obwohl es bis jetzt nicht einmal Beweise für die von den USA vorgebrachten Begründungen gäbe, erläutert dazu der Ortsvorsitzende von Ver.di, Manfred Weiß.

Selbst der CIA müsste dies einräumen. Ein weiterer Krieg gegen den Irak hätte verheerende Folgen für die leidgeprüften Menschen dort und für die gesamte Region.

Doch gegen diese Politik der amerikanischen Regierung rege sich Widerstand, auch in den USA selbst. Unter dem Motto "Nicht in unserem Namen" würden sich immer amerikanische Bürger zu Wort melden und für diese Ziele auf die Straße gehen. Mit eigenen Demonstrationen und Kundgebungen unterstützt die deutsche Friedensbewegung diese Aktivitäten.

Es müsse beim konsequenten Nein der rot-grünen Bundesregierung zu einem Irak-Krieg bleiben, stellte dazu der DGB-Ortskartellvorsitzende Wolfgang Berndt fest. Solidarität mit der amerikanischen Bevölkerung dürfe nicht dazu missbraucht werden, um US-Kriegspläne zu unterstützen.

Der Ablauf der Veranstaltungen: 12 Uhr Kundgebung in Fürth, Fürther Freiheit, 13 Uhr Kundgebung in Nürnberg vor der Lorenzkirche mit Redebeiträgen von Renate Popp, Ver.di Ortsverein Nürnberg, Pfarrer Dr. Rainer Oechslen, Dekan des Prodekanatsbezirks Nürnberg-West, Fürther Schülerinnen. Der Kulturbeitrag wird von der Afro Percussion-Band "Tamboo" gestaltet.



Quelle: Junge Welt, Vermischtes, 26.10.02

Kommentar von Werner Pirker

Kulturelles Mißverständnis

Die Friedensbewegung und der Antiimperialismus

Die Friedensbewegung heutzutage artikuliert sich am Stammtisch. Das ist die gute Nachricht. Und die schlechte? Die Friedensbewegung will damit nichts zu tun haben. Denn am Stammtisch, heißt es politisch korrekt, regiere das Ressentiment - pfui Deibel! Am Stammtisch mache sich primitiver Antiamerikanismus breit - widerlich! Und vom Antiamerikanismus zum Antisemitismus sei es nur ein Katzensprung. Mehr sei dazu nicht zu sagen. Ende der Aufklärung.

Noch nie war die Friedensbewegung so nahe am Massenbewußtsein wie heute. Davon scheinen weder die Massen noch die Friedensbewegung etwas mitbekommen zu haben. Nachsichtig könnte man das ein kulturelles Mißverständnis nennen. Doch Nachsicht ist am Vorabend des dritten Weltkrieges nicht angebracht.

Um das Massenbewußtsein aus der provinziellen Enge des Stammtisches herauszuführen, bedürfte es keiner politischen Spitzenleistung. Nur eines tradierten Antimilitarismus jenseits des liberalen "common sense". Die Friedensbewegung kann nur bewegend wirken, wenn sie sich als Milieu positiv aufhebt. Dafür existieren objektiv die besten Voraussetzungen.

Ein Lob den Friedensaktivisten, die aus der Logik ihres Engagements nichts anderes im Sinn haben können als die massenhafte Verbreitung der Friedensidee - ob als Pazifisten oder antimilitaristische Militante. Die Kritik richtet sich gegen eine Linke, die ihr Kräftepotential nicht in einer Kampagne gegen den imperialistischen Krieg bündelt und damit aufgehört hat, äußerste Opposition zu den bestehenden Verhältnissen zu sein. Die Krise der Friedensbewegung ist die Krise der linken Friedensbewegung. Die linke Bewegung, wie sie sich gegenwärtig in ihrer Mehrheit präsentiert, ist eine Bewegung falschen Bewußtseins.

Der Imperialismus versteht es, seine Gegenkräfte gegeneinander auszuspielen. Das betrifft die unterdrückten Völker und auch die unterschiedlichen Bewegungsformen der Linken. Das Paradigma des konjunkturellen Antifaschismus ist nicht das Paradigma des Antiimperialismus. Obwohl der Antiimperialismus einem konsequenten Antifaschismus und Antirassismus doch immanent sein müßte.

In der konkreten Praxis aber halten sich die bekennenden Antifas von Antikriegsaktionen weitgehend fern. Weil sie in der imperialistischen Aggression gegen ein arabisches Land die Verhinderung eines "zweiten Auschwitz" sehen? Die Antiglobalisierungsbewegung schafft das theoretische Kunststück, in ihren Widerstandskonzeptionen von realen Befreiungskämpfen gegen die imperialistische Globalisierung zu abstrahieren. Mehr noch: Die EU-Liste terroristischer Organisationen ist identisch mit den in Porto Allegre ausgeladenen Widerstandsbewegungen.

Der "Antiamerikanismus" wäre, würde er organisiert auftreten, die größte und fortschrittlichste Massenbewegung unserer Zeit. Ihn zu einem bewußten Anti-US-Imperialismus zu gestalten, wäre die vornehmste Aufgabe der Linken. Doch die betrachten es als ordinär, "dem Volk nach dem Mund zu reden". Alt-68er erweisen sich als die eifrigsten Stichwortgeber eines elitären Liberalismus. Immerhin haben sie den Kapitalismus zivilisiert. Daß er unzivilisierter denn je ist, kommt ihnen gar nicht erst in den Sinn. Kritik an der Irak-Politik sei berechtigt, meinen ehemals antiautoritäre Studenten auf deutschen Lehrstühlen, doch sollte dies bitte nicht auf dem Marktplatz geäußert werden.

Schröder hatte immerhin begriffen, daß an der Basis eine pazifistische Stimmung herrscht. Sollte er seine Opposition gegen den Krieg im Nahen Osten durchhalten, wäre er ein würdiger Kandidat für den Friedensnobelpreis. Doch das wird der Außenminister, der aus der Frankfurter Revoluzzerszene kam, zu verhindern wissen.



Quelle: Ostthüringer Zeitung, Lokales, 26.10.02

Aktionstag von PDS unterstützt

Hermsdorf (OTZ). Der PDS-Kreisverband Saale-Holzland unterstützt den weltweiten Aktionstag der Friedensbewegung gegen den drohenden Irak-Krieg. An einem Info-Stand vor dem Hermsdorfer Aldi-Markt werden am heutigen Sonnabend von 9 bis 11 Uhr Unterschriften für den Appell an die Bundesregierung "Kein Krieg gegen den Irak" gesammelt. Zudem beteiligt sich die PDS an Veranstaltungen in Gera und in Erfurt. Unterschriftslisten können auch unter Tel. (03 66 01) 40 559, 41 130 oder Tel. (03 66 91) 50 687 angefordert werden.



Quelle: Neues Deutschland, Politik, 26.10.02

US-Kriegsgegner hoffen auf Medienecho

Zehntausende nach Washington und San Francisco

Von Max Böhnel, New York

Am Sonnabend zeigt das "andere Amerika" sein Gesicht. In Washington und San Francisco werden mehr als 100.000 Menschen erwartet, die gegen den drohenden Irak-Krieg demonstrieren.

Stop the war before it starts" - den Krieg stoppen, bevor er beginnt. Unter diesem Motto werden am Sonnabend Zehntausende von US-Amerikanern mit dem Flugzeug, per Bahn, mit PKW und Bussen aus dem ganzen Land zusammenströmen, um in der Bundeshauptstadt Washington gegen den drohenden Irak-Krieg zu protestieren. Die Mainstream-Medien, die bislang nur spärlich über die wachsende Friedensbewegung berichtet haben, erwarten zwischen 50.000 und 100.000 Menschen. Die tatsächliche Zahl wird - falls das Wetter mitspielt - mit Sicherheit darüber liegen. Auch in San Francisco an der amerikanischen Westküste und an anderen Orten werden mehrere Zehntausend ihrem Protest Ausdruck verleihen.

Die örtliche Polizei verhält sich kooperativ. Ihre Sprecher haben für die Organisatorinnen und Organisatoren der Demos bislang nur Lob übrig. Da Störungen die Ausnahme bleiben dürften, kann das Politische im Vordergrund stehen. Mit Spannung wird von den Demonstranten auf das Echo der Medien gewartet. Denn sie allein können im Fernsehland USA der außerparlamentarischen Opposition ein Gesicht verleihen. Seit Monaten bereitet das Netzwerk "International Answer", eine von der leninistischen Workers World Party (WWP) nach dem 11. September ins Leben gerufene Organisation, die Demonstrationen vor. Die WWP, ihrerseits die größte und bestorganisierte der rings um sie herum zerfallenen ML-Parteien, stellt zwar den Großteil des organisatorischen Gerüsts für die Demos, ist aber bemüht, das Rednerspektrum möglichst weit offen zu halten. So wird in Washington nicht nur der ehemalige USA-Justizminister Ramsey Clark, der dem International Center (ebenfalls ein WWP-Ableger) freundschaftlich verbunden ist, eine Rede halten, sondern auch der Bürgerrechtsaktivist und Demokrat Jesse Jackson und seine Parteikollegin Cynthia McKinney, Abgeordnete aus Georgia, die in den parteinternen Vorwahlen unterlag und bei den Kongresswahlen am 5. November nicht mehr antreten kann.

Die zweite große Koalition, die USA-weit mobilisieren kann, namens "Not in our name", ruft zur Teilnahme an den Demonstrationen ebenso auf wie weitere progressive Gruppierungen. Da sich in vielen Universitätsstädten Studierende in "teach ins" mit Argumenten gegen Kriegsbefürworter und -treiber gewappnet haben, sind Zehntausende von jungen Menschen zu erwarten. Viele von ihnen waren bisher auf keiner Großdemonstration gewesen. Die Empörung, aber auch Furcht vor der Kriegstreiberei ist so groß, dass sich ganze Kontingente von Vietnamkriegsveteranen beteiligen werden. Für etliche ehemalige Linke aus Zeiten der Vietnamkriegsproteste in den 60er Jahren haben die Demonstrationen den Charakter eines "coming outs" und der Re-Politisierung nach Jahren der Passivität.

Wie es nach dem Aktionstag mit der Friedensbewegung weitergehen wird, dürfte nicht unwesentlich vom Ausgang der Kongresswahlen abhängen. Die Mehrheitsverhältnisse in Senat und Abgeordnetenhaus sowie deren Stellung gegenüber dem Weißen Haus üben einen wichtigen Einfluss auf den Umfang, die Inhalte und Schlagkraft der außerparlamentarischen Opposition aus. Gemessen am Ziel, den Irakkrieg zu stoppen, und an der Wucht, mit dem das Weiße Haus und Mehrheiten im Kongress ihn weitertreiben, steckt die Bewegung gerade erst in den Kinderschuhen.



Quelle: Neues Deutschland Politik 26.10.02

Im Schatten bewegterer Tage

Die Friedensbewegung war schon mal stärker - und will es wieder werden

Von Tom Strohschneider

Es gibt gute Gründe, gegen eine Irak-Invasion zu sein, tausend Argumente für den Frieden. Und doch verlässt sich Kriegsgegnerschaft auch auf Emotionen: Es ist auch Wut einer schier übermächtigen Militärmaschinerie gegenüber; Angst vor neuen Konflikten, die Menschen auch heute auf die Straßen gehen lässt. Manchen mag das bloße Gespür treiben, auf der richtigen Seite zu stehen. Andere sind seit Jahren dabei, ruhelos.

Es heißt eben nicht umsonst Friedensbewegung, sagt Laura von Wimmersperg, die Grand Dame der Berliner Anti-Kriegs-Aktivisten und schiebt ein "immer noch" hinterher, als gäbe es einen Rechtfertigungsgrund. Gibt es den denn nicht? Die Friedensaktionen der letzten Jahre sind nur mehr der Schatten einer großen Vergangenheit - der Massendemonstrationen gegen Wiederbewaffnung oder Pershing-II-Raketen. Uns selbst im zweiten Golfkrieg Anfang der 90er Jahre gingen noch Hunderttausende auf die Straße. Wegen der "neuen" Kriege der "Nachwendezeit" zog es nur noch wenige vor die Tür. Erst seitdem das Thema Afghanistan auf der Agenda steht, hofft die Friedensbewegung wieder auf Zulauf.

Friedliche Wachablösung in der Anti-Kriegsbewegung?

Ein Neuanfang für die Anti-Kriegsbewegung, friedliche Wachablösung gar? "Wir alten Kämpfer sind ein bisschen müde geworden", sagt Wimmersperg. Aber es kämen jetzt wieder mehr junge Leute. Zum Beispiel vom Netzwerk Attac, einem der Schwungräder der Berliner "Achse des Friedens". Ursprünglich als Initiative zur Spekulations-Besteuerung entstanden, sieht sich das Netzwerk inzwischen auch als Teil der Anti-Kriegsbewegung. Bei den Demonstrationen zum Bush-Besuch im vergangenen Mai prangte allerorten das Attac-Motto: "Eine andere Welt ist möglich". Nun müssen die Attacies lernen, die eigene Parole neu zu lesen. Schließlich gilt es zunächst einmal, eine schlechtere Welt zu verhindern. Es drohe, sagt einer der Netzwerker, gar "der Dritte Weltkrieg".

Peter Strotmann, der die "junge, dynamische Bewegung" in der "Achse des Friedens" vertritt, ist ein alter Hase und hat, wie Laura von Wimmersperg, schon einiges mitgemacht. Manchmal mit Erfolg, nicht selten auch ohne. "Stoppt den Krieg, bevor er beginnt!", heißt heute das Motto, das sich schon morgen als überholt herausstellen könnte. Gibt es noch eine Chance, einen Krieg aufzuhalten, der so sicher erscheint, wie jener der USA gegen Irak? "Ich weiß es nicht", sagt Strotmann; auch Peter Strutynski vom Kassler Friedensratschlag hält sich bedeckt. "Wir müssen aber nicht hoffnungslos sein", macht Laura von Wimmersperg ein wenig Mut. Wenn heute doch wenigstens genauso viel Menschen demonstrierten, wie es gegen Bush in Berlin auf die Straße zog.

Eine Vorhersage über Teilnehmerzahlen wagen Wimmersperg und die anderen nicht - die Sorge um schlechte Nachrichten macht vorsichtig. Auch, weil hinter den Kulissen noch der Streit um die richtige Mobilisierung nachwirkt. Während man auf der einen Seite für eine zentrale Demonstration votiert hatte, konnte sich dennoch ein dezentraler Aktionstag durchsetzen - weil sich, so hofft man, von Aachen bis Wiesloch mehr Menschen an den Mahnwachen, Kundgebungen und Friedensgebeten beteiligen, als für eine Großdemo in Berlin je zu mobilisieren gewesen wäre. Die Zeiten, in denen Hunderttausende im Bonner Hofgarten standen, sind vorbei.

Doch warum? Was hält mehr Menschen als in der Vergangenheit ausgerechnet in diesen Tagen davon ab, sich für Frieden zu engagieren oder wenigstens einen Vormittag im Freien dafür herzugeben? Mit "persönlichen Querelen", die es in der Friedensbewegung genauso geben mag wie in jedem Schrebergartenverein, ist es nicht zu erklären, dass selbst gestandene Aktivisten schon einmal von einem "mickrigen Haufen" sprechen. Laura von Wimmersperg bemüht eine eigene Theorie: "Manchmal schwellen die Aktivitäten an und dann gehen sie wieder zurück. So ist das eben." Die Frage nach dem Warum bleibt. Auch wenn man, wie Wimmersperg sagt, für die Größe mancher Demo in der größten Not auch das Wetter verantwortlich machen kann.

Peter Strutynski hört die Frage nach den erwarteten Teilnehmerzahlen nicht zum ersten Mal und wieder wird den Organisatoren vorgehalten, die Friedensbewegung in der Bundesrepublik sei vergleichsweise klein. In Großbritannien protestierten in den vergangenen Wochen bereits mehr als 250000 Menschen gegen die Irak-Politik der USA und des britischen Premiers Tony Blair. Doch dort, sagt Strutynski, herrsche eine andere Situation. Hier zu Lande hätten viele Menschen "das Dramatische" an dem Konflikt noch nicht erkannt. Außerdem sei auch Rot-Grün gegen den Krieg - das heizt den Widerstand nicht gerade an.

Uneingeschränkte Solidarität statt kritischer Öffentlichkeit

Auf der anderen Seite mag die Friedensbewegung gar nicht recht an Gerhard Schröders Nein glauben. Peter Strotmann fürchtet "Hintertürchen" und sieht in der Option des Verteidigungsministers, deutsche Truppen auf dem Balkan zu verstärken, eine direkte Unterstützung einer möglichen US-Intervention am Persischen Golf. Zu einer Menge Menschen scheint das ebenso wenig durchzudringen, wie die hinter "Demokratie"-Parolen verborgene ökonomische und geostrategische Interessenlage. Der Irak-Krieg, so Strotmann, sei "ein reiner Ressourcenkrieg" - sozusagen an einer der wichtigsten Zapfsäulen der Tankstelle Erde.

Davon höre man in den deutschen Medien kaum etwas, ruft Peter Strutynski dazwischen und hält eine Ausgabe der liberalen englischen Tageszeitung "The Guardian" in die Höhe. "US plans military rule and occupation of Iraq", titelt die nämliche Ausgabe, Saddam Hussein solle durch den US-General Tommy Franks abgelöst werden. In der deutschen Öffentlichkeit sei statt solcher Enthüllungen "uneingeschränkte Solidarität" mit den USA - und einem Denken, das von den Hintergründen nichts wissen will - weiterhin oberstes publizistisches Gebot. Auch dies mache es der Friedensbewegung schwer.

Und dann ist da noch das Problem mit der Organisation. "Im Gegensatz zur Nato", beklagt Strutynski, ist die Friedensbewegung international bedenkenswert schlecht vernetzt. Wenigstens habe sich der 26. Oktober "herumgesprochen" und außerdem wolle niemand "ein Weltfriedenszentrum, das gültige Parolen herausgibt". Gegen den Krieg zu sein, sagt Strutynski, heißt sich aus freien Stücken und aus den richtigen Gründen zu engagieren. Und mancher verlässt sich auf Emotionen.



Quelle: WDR Hörfunk Nachrichten 26.10.02, 8 Uhr

Protest gegen Irakkrieg

Kriegsgegner und Globalisierungskritiker haben für heute zu bundesweiten Demonstrationen gegen einen drohenden Irakkrieg aufgerufen.

Die Veranstalter teilten mit, in mehr als 50 Städten seien Kundgebungen und Mahnwachen geplant. Erwartet würden mehrere zehntausend Teilnehmer. Zu den Veranstaltern zählen neben verschiedenen Organisationen der Friedensbewegung auch Gewerkschaften, die PDS, kirchliche Verbände und das Attac-Netzwerk. Die größte Demonstration ist in Berlin geplant.



Quelle: ORB HF Nachrichten, 26.10.02, 6 Uhr

Aktionstag gegen Irak-Krieg: Demonstration in Berlin

Friedensgruppen, Gewerkschaften sowie Teile der PDS und der Grünen haben für Samstag nach Berlin zu einer Demonstration gegen einen drohenden Irak-Krieg aufgerufen.

Vor allem die Bundesregierung solle an ihr Wahlversprechen erinnert werden und einem Militär-Einsatz der USA jegliche Unterstützung verweigern, sagten die Veranstalter. In 70 deutschen Städten sind aus Anlass des weltweiten Aktionstages Veranstaltungen geplant.

In Berlin führt der Demonstrationszug vom Alex zum Gendarmenmarkt, wo eine Kundgebung stattfinden soll.



Quelle: NDR 4 HF Nachrichten, 8 Uhr

DEMONSTRATIONEN WEGEN IRAK-KONFLIKT

Berlin: Kriegsgegner und Globalisierungskritiker haben für heute zu bundesweiten Demonstrationen gegen einen drohenden Irakkrieg aufgerufen. Die Veranstalter teilten mit, in mehr als 50 Städten seien Kundgebungen und Mahnwachen geplant. Erwartet würden mehrere zehntausend Teilnehmer. Zu den Veranstaltern zählen neben verschiedenen Organisationen der Friedensbewegung auch Gewerkschaften, die PDS, kirchliche Verbände und das Attac-Netzwerk. Die größte Demonstration ist in Berlin geplant.



Quelle: DFL Nachrichten, 15 Uhr

In zahlreichen deutschen Städten haben Demonstrationen gegen einen möglichen Irak-Krieg begonnen.

Dazu aufgerufen hatten Friedensgruppen, Gewerkschaften und Parteien. In Frankfurt am Main marschierten nach Angaben der Organisatoren mehr als 4000 Menschen durch die Innenstadt. In Stuttgart beteiligen sich 1500 Menschen an Protesten. Die zentrale Kundgebung findet gegenwärtig auf dem Berliner Alexanderplatz statt. Auch in anderen EU-Staaten sowie in den USA, Asien und Australien sind Demonstrationen geplant.



Quelle: WDR HF Nachrichte`n, 26.20.02, 15 Uhr

Demos gegen Irak-Krieg

In zahlreichen deutschen Städten haben tausende Anhänger der Friedensbewegung gegen einen möglichen Irak-Krieg demonstriert.

In Frankfurt am Main marschierten unter dem Motto "Kein Krieg gegen den Irak" rund 5.000 Menschen durch die Innenstadt. Sie trugen Transparente mit den Aufschriften "Kein Blut für Öl" oder "Scharon und Bush: Stoppt die Kriegssüchtigen".

In Stuttgart beteiligten sich 1.500 Menschen an der Protest-Aktion.

Das Friedensnetzwerk rechnet im Laufe des Tages mit Protesten in 77 Städten mit mehreren 10.000 Menschen.

Heute wird weltweit gegen einen Irak-Krieg demonstriert. Gewerkschafter, Friedenaktivisten und Globalisierungsgegner kündigten Aktionen unter anderem in Frankreich, Italien, Dänemark, in der Schweiz sowie in Japan und Mexiko an. In den USA werden in Washington und San Francisco die größten Anti-Kriegs-Demonstrationen seit den Protesten gegen den Vietnam-Krieg in den siebziger Jahren erwartet.



Quelle: NDR 4 Nachrichten, 26.10.02, 15 Uhr

DEMONSTRATIONEN GEGEN KRIEG

Hamburg: Mehrere tausend Menschen haben sich am bundesweiten Aktionstag der Friedensbewegung beteiligt und gegen einen möglichen Krieg gegen den Irak demonstriert. In Hamburg zogen etwa 350 Menschen durch die Innenstadt und forderten ein Stopp der Kriegsvorbereitungen in den USA. Ähnliche Aktionen gab es in Frankfurt am Main, Stuttgart und anderen deutschen Städten. Auch in den USA sind heute zahlreiche Kundgebungen gegen einen Militär-Einsatz im Irak geplant.



Quelle: SR HF Nachrichten, 26.10.2002, 15 Uhr

Saarbrücken: 600 Teilnehmer bei Friedens-Demonstration

Rund 600 Menschen haben in Saarbrücken gegen den drohenden Irak-Krieg demonstriert. Nach Angaben der Polizei zogen sie von der Johanneskirche zum Staatstheater. Zwischenfälle gab es keine.

Zur Demo aufgerufen hatte das Bündnis "Achse des Friedens", dem fast 20 Gruppierungen angehören. Nach seiner Ansicht wäre ein Krieg gegen den Irak ein schwerer Angriff auf das Völkerrecht.

Das Bündnis befürchtet einen "Flächenbrand" im Nahen Osten. In ganz Deutschland haben Friedensaktivisten heute in rund 70 Städten demonstriert.



Quelle: Tagesschau, 26.10.02, 15 Uhr

Tausende demonstrieren gegen möglichen Irak-Krieg

In zahlreichen deutschen Städten haben tausende Menschen gegen einen drohenden Irak-Krieg protestiert. Friedensgruppen, Gewerkschaften, Verbände und Parteien hatten anlässlich eines weltweiten Aktionstages zu Kundgebungen, Demonstrationen und Mahnwachen aufgerufen.

In Frankfurt am Main marschierten nach Angaben der Organisatoren unter dem Motto "Kein Krieg gegen den Irak" zwischen 4000 und 5000 Menschen durch die Innenstadt. In Stuttgart beteiligen sich 1500 Menschen an Protesten. Bundesweit rechnete das Friedensnetzwerk bei Aktionen in 77 Städten insgesamt mit mehreren Zehntausend Menschen.

30.000 Teilnehmer in Berlin erwartet

Die größte Demonstration wird am Nachmittag in Berlin erwartet. Die Veranstalter rechnen mit rund 30.000 Teilnehmern. Der Protestzug führt vom Alexanderplatz zum Gendarmenmarkt, wo die Abschlusskundgebung stattfindet. Als Redner wird hier auch der Grünen-Abgeordnete Christian Ströbele erwartet. Für den Abend sind ein interreligiöses Gebet und eine Podiumsdiskussion in der Friedrichstadtkirche vorgesehen.

In den USA sind Kundgebungen in Washington und San Francisco geplant. Beobachter rechnen mit den größten Anti-Kriegs-Demonstrationen seit dem Vietnamkrieg. Proteste sollen auch in zahlreichen EU-Staaten sowie in Asien und Australien stattfinden.



Quelle: dpa, 26.10.02, 18.56 Uhr

dpa-Nachrichtenüberblick Politik

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Bundesweite Demonstrationen der Friedensbewegung gegen Irak-Krieg

Frankfurt/Main (dpa) - Bundesweit haben Friedensaktivisten gegen einen drohenden Krieg im Irak demonstriert. In rund 90 deutschen Städten waren nach Angaben der zentralen Koordinierungsstelle der Veranstalter in Frankfurt mehrere zehntausend Menschen bei Demonstrationen, Kundgebungen und Mahnwachen unterwegs. Auf der Berliner Kundgebung sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Christian Ströbele, ein Krieg gegen den Irak sei völkerrechtswidrig. Die Bundesregierung müsse bei ihrer Ablehnung bleiben.



E-Mail: friekoop@bonn.comlink.org

Website: www.friedenskooperative.de
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