Antikriegs-
tag 2003


vom:
01.09.2003


 voriger

 nächster

Antikriegstag 2003

 Presse zum Antikriegstag

Pressesplitter zum Antikriegstag 2003

div. Zeitungen

30.08.03

Tübinger Tagblatt Am Montag ist Antikriegstag

Bremer Nachrichten Antikriegstag in Delmenhorst

Schweriner Volkszeitung Friedensfest lädt ein ans Pfaffenteich-Südufer

01.09.03

Südkurier DGB und SPD zum Antikriegstag

Der Prignitzer Was ist aus dem Weltfriedenstag geworden?

WAZ Auch "Krieg gegen Terrorismus" beenden

ND Kann es Frieden geben in Nahost?

Nordwest Zeitung Aachener Friedenspreis geht an Juden und Palästinenserin

RBB Weltfriedenstag: Veranstaltungen in Berlin und Brandenburg

02.09.03

FR Reuven Moskovitz, Nbila Espanioly

Kölnische Rundschau Aachener Friedenspreis an Juden und Palästinenserin

Saarbrücker Zeitung Sitzblockade an Bundeswehrflugplatz

Aachner Zeitung "Ohne Gerechtigkeit gibt es für niemanden Frieden"

Tübinger Tagblatt Antikriegstag: Für gerechtere Weltordnung eintreten

Südkurier "Krieg führte in Sackgasse" - Gedenken am Antikriegstag

Allgemeine Zeitung Mainz Jahres- wurde Antikriegstag: Kundgebung am Haupbahnhof/Kritik an Medien und Bundesregierung

NRZ Eine Stunde für den Frieden

Heilbronner Stimme "Terrorismus genährt" statt Wurzeln bekämpft

NRZ (Duisburg) "In der Welt muss die Stärke des Rechts gelten"

WR Globalisierung macht nicht satt



Quelle: Tübinger Tagblatt, 30.08.03

TÜBINGEN: Am Montag ist Antikriegstag

(uha). "Nie wieder Krieg", lautet das traditionelle Motto zum Antikriegstag am 1. September. In diesem Jahr stellen verschiedene Tübinger Initiativen außerdem die Forderung auf: Abrüstung statt Sozialabbau.

Am 1. September 1939 begann mit dem Überfall Deutschlands auf Polen der zweite Weltkrieg. Mittlerweile wird der Tag als Antikriegstag begangen. Von 16 Uhr an gibt es am kommenden Montag auf dem Holzmarkt viele Infostände, unter anderem von Greenpeace, der Informationsstelle Militarisierung, dem Friedensplenum und der Frauengruppe Courage. Um 17.30 Uhr beginnt eine Kundgebung mit dem Ex-Bundestagsmitglied der PDS Winfried Wolf, Martin Gross von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, Michael Stadelmann von Attac und Peter Dietrich, Betriebsrat bei der Walter AG.

Ebenfalls am Montag um 20 Uhr hält im großen Saal des Schlatterhauses der schon auf der Kundgebung am Nachmittag zu Wort gekommene Winfried Wolf einen Vortrag. Unter dem Titel "Kapitalismus - Krise - Krieg" will er die Zusammenhänge zwischen Weltwirtschaft, Öl und Militarisierung aufzeigen.



Quelle: Bremer Nachrichten, 30.08.03

Antikriegstag in Delmenhorst

DGB organisiert Kranzniederlegungen und Vortrag

Von unserem Redakteur Arno Schupp

Delmenhorst. Bürgerkrieg in Liberia, bewaffnete Auseinandersetzungen im Irak, ein ungelöster Konflikt im Nahen Osten. Nicht nur Friedensaktivisten beobachten die weltweite Entwicklung mit Sorge. Im Gedenken der Opfer der Auseinandersetzungen hat der DGB am kommenden Montag, dem Antikriegstag, Kranzniederlegungen organisiert. Als zweite Veranstaltung gegen den Krieg folgt am Mittwoch, 3. September, ein Vortrag von Ludwig Baumann zum Thema "Desertion - Hoffnung und Friede".

Ludwig Baumann ist im Sommer 1942 von seiner Hafenkompanie in Bordeaux desertiert. Er wollte an den Verbrechen des Zweiten Weltkriegs nicht schuldig werden. Doch seine Flucht missglückte. Während des zweiten Weltkriegs verhängten die deutschen Militärgerichte rund 50.000 Todesurteile gegen Angehörige der Wehrmacht. 35.000 dieser Urteile waren wegen Desertion. 20.000 deutsche Soldaten wurde wegen Fahrerflucht hingerichtet, die anderen kamen in Wehrmachtsgefängnisse, Konzentrationslager oder wurden zu Strafbataillonen abkommandiert. Einer von ihnen war Ludwig Baumann.

In seinem Vortrag erzählt er davon, wie die Fahnenflucht sein Leben prägte. Baumann gründete 1990 die Bundesvereinigung "Opfer der Militärjustiz". Bis heute ist er in der Friedensbewegung aktiv.

Die Kranzniederlegungen sind für 17 Uhr am katholischen Friedhof an der Oldenburger Landstraße und für 17.30 Uhr am Friedhof Bungerhof an der Friedensstraße vorgesehen. Der Vortrag von Ludwig Baumann am 3. September beginnt um 19 Uhr im DGB-Haus am Kirchplatz.



Quelle: Schweriner Volkszeitung, 30.08.03

Friedensfest lädt ein ans Pfaffenteich-Südufer

Zur Erinnerung an den Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen wird alljährlich am 1. September der "Antikriegstag" begangen. Erstmals rief der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) 1957 unter dem Motto "Nie wieder Krieg" zu Aktionen an diesem Tag auf. In der DDR wurde am 1. September der "Weltfriedenstag" gefeiert. Als Bestandteil der Interkulturellen Wochen findet am Montag das vierte Friedensfest in Schwerin statt - von 14 bis 18 Uhr am Südufer des Pfaffenteiches. Organisiert wird es unter der Federführung des DGB vom "Aktionskreis Schweriner Friedensfest", in dem sich 17 Initiativen zusammen gefunden haben.

Das Friedensfest will alle Menschen zusammenbringen, die gegen Krieg und Gewalt ein Zeichen setzen wollen. Es wird eine Bühne geben und viel Musik. Es spielen die Trommler der RAA Schwerin, der Kurdische Männerchor aus Schwerin, die Gruppe Seven Seas aus Schwerin und andere. Der Liedermacher Rolf Linke singt Antikriegs- und Friedenslieder, das Friedensforum gibt ein eigenes Schauspiel über Krieg und Frieden zum Besten, die Orientalische Tanzgruppe aus Lübeck tritt auf. Darüber hinaus gibt es viele Aktionen zum Mitmachen: eine Mal- und Bastelstraße sowie Spiele aus dem Bauspielplatzbus für die Kinder. Groß und Klein kann sich mit Henna bemalen oder Zöpfe flechten lassen oder an einem der Tische Platz nehmen und bei Medeweger Kaffee und Kuchen über Friedens- oder Kriegszeiten sprechen. Um 17.30 Uhr werden unzählige Friedenstauben über den Pfaffenteich fliegen. Im Doktor K. am Platz der Freiheit spielt um 21 Uhr die Berliner Band "De Ruths". Timo Weber



Quelle: Südkurier, 01.09.2003

DGB und SPD zum Antikriegstag

Villingen-Schwenningen - Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der am 1. September 1939 mit dem Überfall der Hitler-Armeen auf Polen begann, wird dieses Datum als Antikriegstag begangen. Mit Kundgebungen und Mahnwachen wird an diesem Tag für Abrüstung und eine friedliche Welt demonstriert. Auch dieses Jahr laden laut einer Pressemitteilung der DGB in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg und der SPD Ortsverein Villingen-Schwenningen zum Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges am heutigen Montag, 18.30 Uhr, am Geschwister-Scholl-Platz in VS-Schwenningen, ein. Bei der Gedenkstunde sprechen Oberbürgermeister Rupert Kubon, der DGB-Regionssekretär Peter Fischer und der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Harry Frey.



Quelle: Der Prignitzer, 01.09.03

Was ist aus dem Weltfriedenstag geworden?

Gedanken von Kantor Johannes Wauer, Wittenberge, 64 Jahre nach Ausbruch des 2. Weltkrieges

Vor 64 Jahren am 1. September 1939 begann um 4.45 Uhr mit den Schüssen des deutschen Panzerkreuzers "Schleswig-Holstein" auf die Westernplatte, die polnische Festungsanlage in Danzig, der 2. Weltkrieg.

Erstaunlich, wie weit das Hitler-Regime schon vorher hatte gehen können, ohne auf Widerstand und Protest der Weltmächte zu stoßen: Da war zunächst die Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes, Österreichs und des Sudetenlandes und die Pogromnacht am 9. November 1938. Die Westmächte hatten sogar ihren Verbündeten, die Tschechische Republik, verraten, um Hitler zufrieden zu stellen. Doch das war ein Trugschluss. Mit dem Blitzkrieg auf Polen kehrte er zu seinem ideologischen Ziel - Lebensraum im Osten für Deutsche zu schaffen - zurück. Zuerst fielen die deutschen Bomben auf Warschau, aber später fielen Bomben auf Berlin, Dresden und Hamburg, und der Größenwahn endete in einer völligen Katastrophe. Da waren nun nicht nur die zerstörten Städte, die vielen Toten und Vertriebenen, da waren nun auch die Bilder des Schreckens in den Menschen, die weiter lebten, und sie mussten seelisch bewältigt werden. Aus den Bildern des Schreckens die Lehre zu ziehen "Nie wieder Krieg", wurde vom DGB in der Bundesrepublik 1957 aufgerufen, den 1. September als Antikriegstag zu begehen. Die vom Deutschen Gewerkschaftsbund organisierten Kundgebungen waren am größten in den späten 70er Jahren. In der DDR wurde der 1. September als Weltfriedenstag begangen. Neben den politischen Reden war es da vor allem die Aufgabe der Schulen, im Unterricht und Fahnenappell diesen Tag zu gestalten.

Wo ist er heute geblieben, der Antikriegstag oder Weltfriedenstag? Im Kalender steht er nicht mehr, und wenn daran erinnert wird, dann nur durch die äußerste politische linke Seite. Genau so war es auch nach dem 1. Weltkrieg. Man hatte damals den 1. August, den Tag des Ausbruchs des 1. Weltkrieges, gewählt, um zu Massenkundgebungen unter dem Motto "Nie wieder Krieg" aufzurufen. Beteiligt waren Vertreter der SPD, der USPD, des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Arbeiterjugend aber auch pazifistische Organisationen.

In den Jahren 1920, 1921 und 1922 fanden die größten Kundgebungen im Berliner Lustgarten und in vielen anderen Städten zum Antikriegstag statt. Dann wandte sich das allgemeine Denken mehr der Dolchstoßlegende und dem Gedanken an Revanche zu, und man rüstete innerlich auf auch mit dem Kult um die gefallenen Helden.

Dass das Engagement für den Frieden ein Auftrag ist an alle Menschen, hat auch die Kirche neu entdeckt seit Beginn der 80er Jahre. Der NATO-Doppelbeschluss drohte mit einer neuen Runde des Wettrüstens, was in den Augen einer immer größeren Öffentlichkeit eine Sackgasse war und keine erhöhte Sicherheit mehr durch die gegenseitige Abschreckung brachte. Als Umkehrpunkt empfand ich den Reaktorunfall von Tschernobyl. Wir hatten in unseren Kirchengemeinden damals viele Gespräche mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Orientierung suchten zwischen dem staatlich gelehrten Sozialismus, der in seiner Fortschrittsgläubigkeit sich nun doch als eine Philosophie aus dem 19. Jahrhundert erwies, und den Fragen an Fortschritt und Technik, die dieser atomare Unfall aufwarf. Dieses Aufwachen der Menschen war ein Ansatzpunkt, wirklich über Gott und die Welt zu reden. Es wurden Texte gelesen, wie die Bergpredigt Jesu aus dem Matthäusevangelium, wo steht: "Selig sind, die Frieden stiften" und gefragt, was dem Frieden dient, und dies nicht nur im militärischen Sinne, sondern auf allen Ebenen: den zwischenmenschlichen, der zwischen arm und reich, dem sinnvollen Einsatz der Technik und der Bewahrung der Natur als Lebensraum.

In diesem Jahr hat uns die Frage nach Krieg und Frieden im Irak beschäftigt. Viele haben es wieder der politischen Linken überlassen, auf die Straßen zu gehen und gegen den angekündigten Krieg zu protestieren.

Aber einige ältere Bürger hat auch besonders die Erinnerung an den 2. Weltkrieg bewegt und sie dazu gebracht, ihren Einsatz für Frieden öffentlich zu machen. Es gab in Wittenberge eine Fotoausstellung über die Zerstörungen hier. Und bei den Versammlungen im Gemeindehaus kam dieser Zusammenhang zwischen dem erlebten Krieg und dem Einsatz für Frieden heute zur Sprache. Auch wenn der 1. September nicht mehr als Antikriegstag oder Weltfriedenstag in Kalendern steht: Mögen wir doch heute daran denken, dass wir als Deutsche in besonderer Weise zu einer Politik des Friedens aufgrund unserer Geschichte verpflichtet sind.



Quelle: WAZ 01.09.03

Auch "Krieg gegen Terrorismus" beenden

Einen Ausstieg aus der "Gewaltspirale im weltweiten `Krieg gegen den Terrorismus`" und die Hinwendung zu "friedlicher Konfliktbearbeitung und globaler Gerechtigkeit" fordert die Gewerkschaft anlässlich des heutigen Antikriegstags.

Traditionell laden IG Metall, DGB-Ortskartell und Kubischu für heute zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Unterdrückung ins Ludwigstal. Um 17 Uhr beginnt am Mahnmahl der russischen Zwangsarbeiter auf dem Ehrenfriedhof die Gedenkfeier.

Mit dem Antikriegstag erinnern Gewerkschaften und Friedensgruppen seit 1957 alljährlich an den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, der am 1. September 1939 mit dem Überfall der Hitler-Armeen auf Polen begann. "Es ist gut, dass wir an den Beginn des Krieges erinnern und nicht an das Ende", sagt Thomas Hay, Jugendsekretär der IG Metall. "Schließlich war das der Anfang von unbeschreiblichem Leid, brutaler Vertreibung und unmenschlichen Verbrechen."

Doch nicht nur der Opfer des Nazi-Terrors soll gedacht werden, sondern auch "an Lügen zur Rechtfertigung des Irak-Kriegs" erinnert und gegen die "Interventions-Doktrin von USA und Nato" protestiert werden, heißt es im Aufruf zur heutigen Gedenkfeier.



Quelle: Neues Deutschland, 01.09.03

Kann es Frieden geben in Nahost?

Reuven Moskovitz - Der 74-jährige Überlebende des Holocaust ist in Friedensinitiativen in Israel und Deutschland aktiv. Er erhält heute mit anderen den Aachener Friedenspreis.

ND: Die Gewalt zwischen Juden und Palästinensern eskaliert. Warum?

Moskovitz: Es ist das Ergebnis einer unverantwortlichen Politik aller israelischen Regierungen. Sie alle wollten seit der Staatsgründung die Palästinenser als einen Faktor, der sich politisch selbst bestimmen könnte, ausschalten. Nicht weniger verantwortlich sind die USA und die Vereinten Nationen, die sich nicht genug dafür einsetzen, den Palästinensern zu helfen, so dass sie selbstbestimmt in ihrem Teil Palästinas leben könnten. Der Grund für die schlimme Eskalation ist also auch, dass die Welt nicht den Mut hat, ein freundliches Machtwort an Israel zu richten: Genug ist genug!

ND: Sie kritisieren die israelische Politik. Tragen nicht auch die militanten Palästinenser zur Eskalation bei?

Moskovitz: Israel und Palästina gleichzusetzen, wäre, als würden Sie einen Elefanten gleichsetzen mit einer Maus, auf die er tritt. Die Palästinenser sind seit mehr als fünfzig Jahren Opfer von Verfolgung, sei es in Jordanien, sei es in Israel. Man kann und darf daher die Geschichte nicht bei den Selbstmordattentätern beginnen. Selbstverständlich sind das Verbrecher, aber ich frage: Woher kommen sie? Warum haben sie sich vor 20 Jahren nicht in die Luft gesprengt? Weil sie hoffnungslos geworden sind. Man redet in Israel davon, die Infrastruktur des Terrors zu beseitigen. Aber die Infrastruktur des Terrors ist die Besatzung.

ND: Sie engagieren sich gemeinsam mit Nabila Espanioly in der israelischen Friedensbewegung. Wie stark ist diese heute?

Moskovitz: Sie ist genauso stark oder schwach wie die deutsche. Zu Zeiten von Ministerpräsident Ehud Barak war die Friedensbewegung sehr erfolgreich. Dann aber hat sie sich fast aufgelöst, weil die Menschen dachten, der Mann vertritt ihre Meinung. Aber Barak hat diese Erwartungen zwischen Mai 1999 und Februar 2001 nicht erfüllt. Er hat gesagt, mit den Palästinensern ist nicht zu reden. Aber das ist nicht die Wahrheit. Die Palästinenser sind auch an Frieden interessiert. Niemand hätte einmal zu träumen gewagt, dass die Palästinenser das Existenzrecht Israels anerkennen würden. Sie taten es, aber das scheint den Nationalisten unter Baraks Nachfolger Ariel Scharon noch nicht zu reichen. Der palästinische Ministerpräsidenten Mahmud Abbas wollte doch den Frieden, und er wollte die Extremisten bekämpfen. Aber was wollte Scharon? Einen Bürgerkrieg, und zwar einen, der alles nur verschlimmert und ihn vielleicht berechtigt, die Palästinenser zu vertreiben.

ND: Ihr jahrzehntelanger Kampf für den Frieden wurde und wird wiederholt von Rückschlägen erschüttert. Woher nehmen Sie Ihre Energie?

Moskovitz: Die Vorstellung, dass das am meisten verfolgte Volk in der Geschichte ein anderes Volk verfolgt und dass in meinem Staat Menschen mitregieren, die offen rassistische Vorstellungen aussprechen - das lässt mir keine Ruhe. Und im Judentum heißt es: ein Held ist nicht jemand, der seinen Feind umbringt, sondern jemand, der seinen Feind zum Freund macht.

Fragen: Michael Klarmann



Quelle: Nordwest Zeitung, 01.09.03

Aachener Friedenspreis geht an Juden und Palästinenserin

Aachen (dpa) - Ein Jude und eine Palästinenserin werden heute mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet. Die israelischen Friedensaktivisten Reuven Moskovitz und Nabila Espanioly erhalten die Auszeichnung für ihre Bemühungen um die Verständigung zwischen Juden und Palästinensern. Nationale Preisträger sind die Ordensleute für den Frieden. Den Friedenspreis erhalten Männer und Frauen, die zur Verständigung der Menschen und Völker "von unten" beigetragen haben.



Quelle: Radio Berlin/Brandenburg, 01.09.03

Weltfriedenstag: Veranstaltungen in Berlin und Brandenburg

Gedenken an den Überfall auf Polen

Am Anfang war die Lüge. "Seit 4.45 Uhr wird zurückgeschossen" - mit diesen Worten rechtfertigte Adolf Hitler den Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen. Vor genau 64 Jahren, am 1. September 1939, begann der Zweite Weltkrieg, der 55 Millionen Menschen den Tod brachte. Und an diesen Tag wird am Montag in Berlin und Brandenburg mit zahlreichen Veranstaltungen erinnert.

Krakauer Professoren

Die Vergangenheit als Mahnung für die Gegenwart: Im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen in Oranienburg (Oberhavel) legte der polnische Botschafter Andrzey Byrt einen Kranz nieder - an der Gedenktafel für die "Krakauer Professoren": Am 6. November 1939, zwei Monate nach der deutschen Besetzung Krakaus, wurden in der Jagiellonen-Universität 183 Personen, die meisten von ihnen Professoren, von einem Kommando der deutschen Sicherheitspolizei verhaftet und verschleppt.

Einige der Verhafteten kamen bereits nach kurzer Zeit aus dem Krakauer Gefängnis wieder frei. 168 Wissenschaftler wurden Ende November in das Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert. Zwölf starben dort nach kurzer Zeit; drei jüdische Hochschullehrer wurden in verschiedenen Konzentrationslagern ermordet. Alle anderen jedoch erlangten, aufgrund internationalen Drucks auf das deutsche Auswärtige Amt und die deutsche Sicherheitspolizei bis Oktober 1941 wieder die Freiheit. Dies ist ein einmaliger Akt in der Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager.

Sportlich am Weltfriedenstag

Sport als friedliches Bindeglied zwischen Staaten und Menschen: Brandenburgs Sportminister Steffen Reiche (SPD) hat am Vormittag gemeinsam mit Bürgermeister Klaus-Dieter Hübner (FDP) in der Grenzstadt Guben (Spree-Neiße) eine Serie von Staffelläufen durch elf Städte des Landes gestartet. Sie stehen unter dem Motto "Brandenburg läuft für Frieden und Toleranz - Wir bringen Brandenburg in Bewegung". Die Brandenburgische Sportjugend als Veranstalter rechnet mit mehr als 3.000 Läufern, die 264 Stunden am Stück unterwegs sein werden.

Die Staffellauf-Serie wird in Löwenberg (Spree-Neiße), Wittstock (Ostprignitz-Ruppin), Elsterwerda (Elbe-Elster), Potsdam, Luckenwalde (Teltow-Fläming), Eisenhüttenstadt (Oder-Spree), Kyritz (Ostürignitz-Ruppin), Prenzlau (Uckermark), Cottbus und Forst (Uckermark) fortgesetzt. Die 24-Stunden-Läufe werden vom Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit finanziell gefördert.

Vergangenheit als Mahnung

In Frankfurt (Oder) veranstaltete der Verband der Heimkehrer am Vormittag ein Großmeeting am "Mahnmal für den Frieden". Anschließend stand eine Besichtigung der Heimkehrer-Ausstellung "Willkommen in der Heimat" an. Die Ausstellung in der früheren Hornkaserne gibt einen Überblick über das Heimkehrer-Lager Frankfurt, wo 1,2 Millionen aus der Sowjetunion zurückkehrende Kriegsgefangene ihre Entlassungspapiere erhielten.

Das Mahnmal war 1998 vor den Toren der früheren Kaserne zur Erinnerung an das Lager eingeweiht worden. Jetzt hat das Polizeipräsidium Frankfurt in den Gebäuden seinen Sitz.

Dialog mit dem Nachbarn

Ganz im Zeichen des Dialogs mit dem Nachbarland steht die polnische Länderwoche, zu der das Berliner Kinder- und Jugendfreizeitzentrum FEZ in der Wuhlheide von Monatg an einlädt. "Frieden und Partnerschaft in der heutigen Zeit" lautet das Thema der Podiumsdiskussion zum Auftakt. Bis kommenden Sonntag stehen Spiel- und Lernangebote für Kindertagesstätten und Grundschulen auf dem Programm. Zudem gibt es Gesprächsreihen für Jugendliche, Ausstellungen und multimediale Präsentationen.

Gegen Aufrüstung

Daran, dass der 1. September auch als Antikriegstag begangen wird, erinnern Veranstaltungen der Friedenskoordinationen Berlin und Potsdam. Jeweils um 18.00 Uhr rufen sie bei Kundgebungen auf dem Berliner Wittenbergplatz sowie dem Platz der Einheit in Potsdam zum Frieden auf - und schlagen auch den Bogen in die aktuelle Politik: Der Protest richtet sich gegen die Höhe der Rüstungsausgaben in Deutschland. Die Veranstalter fordern, diese Mittel zu kürzen und stattdessen in soziale Sicherung, Bildung sowie Ausbildung zu investieren. Außerdem sprechen sie sich gegen Auslandseinsätze der Bundeswehr aus.

Axel Klauwer (mit dpa, ddp)



Quelle: FR 02.09.03

Reuven Moskovitz, Nbila Espanioly

Die israelischen Friedensaktivisten haben zusammen mit der deutschen "Initiative Ordensleute für den Frieden" (IOF) den Aachener Friedenspreis 2003 erhalten. Das Friedenspreis-Komitee erklärte zur Begründung, der Holocaust-Überlebende Moskovitz (75) und die Palästinenserin mit israelischem Pass, Espanioly (48), engagierten sich unermüdlich in der Friedensbewegung und im jüdisch-palästinensischen Dialog. Ebenso vorbildlich sei das gewaltfreie Eintreten der IOF für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Abrüstung seit den Protesten gegen den Nato-Raketenbeschluss vor 20 Jahren. (kna)



Quelle: Kölnische Rundschau, 02.09.03

Aachener Friedenspreis an Juden und Palästinenserin

Aachen - Die israelischen Friedensaktivisten Nabila Espanioly und Reuven Moskovitz sind für ihre Bemühungen um Frieden und Versöhnung mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet worden. Die Palästinenserin mit israelischem Pass und der jüdische Historiker seien trotz ständig wachsender Gewalt in ihrem Land Hoffnungsträger für Frieden zwischen Juden und Palästinensern, sagte der Vorsitzende des Aachener Friedenspreis Vereins, Gerhard Diefenbach, am Montag bei der Preisverleihung in Aachen.

Als deutscher Preisträger wurde die Initiative "Ordensleute für den Frieden" geehrt. Der mit jeweils 2000 Euro dotierte nationale und internationale Preis würdigt das Engagement von Menschen und Initiativen, die zu Frieden und Völkerverständigung beigetragen haben. Nach den "Frauen in Schwarz" (1991) und der Friedensgruppe "Gush Shalom" mit ihrem Gründer Uri Avneri (1997) geht der Friedenspreis zum dritten Mal nach Israel.

Moskovitz griff in seiner Dankesrede die israelische Regierung scharf an: "Alle Israel regierenden Politiker haben mit ihrer kollektiven Vertreibungs- und Bestrafungspolitik das Leben des palästinensischen Volkes in eine unerträgliche Hölle verwandelt." Die Gewalttaten palästinensischer Jugendlicher und Fanatiker seien nicht zu rechtfertigen, aber aus der Empörung und Hoffnungslosigkeit heraus zu verstehen, sagte der 75-jährige Historiker. Er appellierte an Europa, Druck auf Israel auszuüben.

Im Vorfeld der Preisverleihung hatte Moskovitz die Rückgabe aller besetzten Palästinensergebiete gefordert. Erst dann könne der Terror beendet werden. Die Preisträgerin Nabila Espanioly setzt sich gegen die Diskriminierung palästinensischer Kinder und Frauen in Israel ein. Die 48-Jährige engagiert sich seit 25 Jahren in der Friedensarbeit.

Der nationale Preisträger, die "Initiative Ordensleute für den Frieden", ist ein seit 1983 bestehender Zusammenschluss von Mitgliedern katholischer Ordensgemeinschaften, Christen und Nicht-Christen. Die Gruppe hatte sich anlässlich der Proteste gegen den NATO-Doppelbeschluss gegründet. Sie hatte durch spektakuläre Friedensaktionen sowie durch Mahnwachen vor der Deutschen Bank gegen die kapitalistische Geldwirtschaft auf sich aufmerksam gemacht. (dpa)



Quelle: Saarbrücker Zeitung, 02.09.03

Sitzblockade an Bundeswehrflugplatz

Cochem (epd). Friedensgruppen haben am Montag aus Anlass des internationalen Antikriegstages auch am Bundeswehrflugplatz Büchel bei Cochem demonstriert und Zufahrten blockiert. Mit der zweistündigen Aktion hätten rund 30 Demonstranten aus acht Nationen den Abzug und die Verschrottung von Nuklearwaffen gefordert, sagte Koordinator Roland Blach von der Organisation "Gewaltfreie Aktion Atomwaffen Abschaffen" dem Evangelischen Pressedienst (epd). Nach Angaben der Cochemer Polizei ist die Protestaktion "friedlich und einvernehmlich" verlaufen. Von fünf Sitzblockierern seien die Personalien festgestellt worden. Die Staatsanwaltschaft Koblenz werde prüfen, ob in diesem Fall Nötigung vorliege.

Nach Angaben der Demonstranten lagern auf dem Bundeswehrstützpunkt Büchel vermutlich zehn US-amerikanische Atomwaffen. Blach verwies auf ein Gutachten des Internationalen Gerichtshofes von 1996, wonach die Stationierung von Atomwaffen völkerrechtswidrig sei.

Die Protestaktion in Büchel bildete den Abschluss der Protestkampagne "Friedenssommer", die Anfang August in Mutlangen gestartet war. Bereits am Sonntag hatten etwa 70 Anhänger der Friedensbewegung den Bundeswehrflugplatz Büchel umwandert und sich dabei für die weltweite Abrüstung von Nuklearwaffen eingesetzt.

Zu dem "Friedenssommer" unter dem Motto "Atomwaffen abschaffen - bei uns anfangen" hatten mehrere deutsche Friedensorganisationen aufgerufen. Ziele des mehrwöchigen Protests waren nach Auskunft der Initiatoren auch die Militärflughäfen der US-Streitkräfte in Ramstein und Spangdahlem.



Quelle: Aachner Zeitung, 02.09.03

"Ohne Gerechtigkeit gibt es für niemanden Frieden"

Von Matthias Hinrichs

Aachen. Rund 350 Menschen beim satirischen Auftakt mit Starkabarettist Heinrich Pachl auf dem Willy-Brandt-Platz, eine gesteckt volle Aula Carolina bei der Preisverleihung an zwei couragierte "Einzelkämpfer" sowie eine denkbar ungewöhnliche kirchliche Initiative...

... DGB und Verein Aachener Friedenspreis haben zum Antikriegstag am Montag einmal mehr eine beeindruckende Demonstration gegen Ursachen und Verlauf aktueller Konflikte in Deutschland und der ganzen Welt auf die Beine gestellt.

Einer brachte die im Grunde ebenso schlichte wie eindringliche Botschaft der "Initiative Ordensleute für den Frieden" (IOF) vorab auf seine Weise auf den Punkt: Ohne Gerechtigkeit kann Gewalt nicht dauerhaft und wirksam bekämpft werden.

In einem scheinbar völlig frei formulierten und doch raffiniert spöttischen Rundumschlag zeichnete statt der Gewerkschaftsfunktionäre der Kölner Kabarettist Heinrich Pachl bei der DGB-Kundgebung zum Antikriegstag verantwortlich für die etwas anders geartete Einstimmung auf einen ansonsten sehr harmonischen Abend im Zeichen der Preisverleihung.

Pachl spießte die "Präventionsstrategie" der Krieg führenden Mächte aus der jüngsten Vergangenheit auf, indem er sie mit allerlei satirischen Betrachtungen aus dem Alltag typisch konsumversessener Zeitgenossen verglich, die, zum Beispiel, nach dem Häuslebau das Klo auf dem Balkon vorfinden.

Das Vorgehen der US-Streitkräfte gegen Husseins Regime erinnere gar an einen (Schwieger-)Vater, der seine Tochter verprügele, weil die beständig unter brutalen Übergriffen ihres Gatten leide. Begründung: "Wenn du meine Tochter verhaust, verdresche ich deine Frau."

Am Montag freilich waren es allein die Musiker von der Percussiontruppe "Aixotic Sambistas", die zur allgemeinen Freude auch zahlreicher Passanten die Stöcke schwingen durften - beim Demozug vom Willy-Brandt-Platz bis zur dicht gefüllten Aula in der Pontstraße.

Und dort galt nach der begeisterten Begrüßung der neuen Preisträger Reuven Moskovitz, Nabila Espanioly und der etwa ein Dutzend IOF-Vertreter der erste große Applaus CDU-Bürgermeisterin Sabine Verheyen. Die nämlich hatte das "Friedensangebot" des Vereins nach den vier Jahre zurückliegenden Querelen um die Mitgliedschaft der Stadt spontan angenommen und traf offenbar auch nun den richtigen Nerv.

"Wir würdigen Ihren beharrlichen Einsatz von unten", sagte Verheyen an die Adresse der Preisträger. "Wir brauchen Menschen wie Sie, die im Spannungsfeld von Visionen und realen Situationen ohne Resignation für den Frieden zwischen den Völkern eintreten."

Die vielfältigen Aktivitäten der Preisträger würdigte Laudator Andreas Zumach teils aus ganz persönlichen Erfahrungen heraus. Zumach, heute UNO-Korrespondent in Genf, hat die Aktivitäten von Moskovitz, Nabila Espanioly und den "Ordensleuten für den Frieden" bereits in den kritischsten Phasen des Nahost-Konflikts und des Kalten Kriegs intensiv verfolgt und teils aktiv begleitet.

So berichtete er über sein erstes Zusammentreffen mit Moskovitz 1982 in Israel und seine ersten Kontakte zur Initiative "Kirche von unten" im gleichen Jahr, aus der kurz darauf das Ordens-Projekt hervorging. Über zwei Jahrzehnte später sei die Notwendigkeit des Engagements offensichtlicher denn je.

Als "Heldinnen und Helden in eurem Land, die ihr Feinde zu Freunden gemacht habt", blieben Moskovitz und Espanioly Vorbilder für eine beharrliche, basisorientierte Friedensarbeit, die gleichwohl die scharfe Auseinandersetzung mit den Mächtigen niemals gescheut hätten.

Auch und gerade die deutsche Regierung sei gefordert, angesichts der weiter akut drohenden Eskalation am Gazastreifen den Druck auf die Regierung Scharon zu erhöhen.

Denn nichts gefährde die Existenz Israels mittelfristig stärker als die Fortsetzung der Politik Scharons, sagte Zumach unter großem Beifall. Dass dauerhafte Gerechtigkeit nicht mit Gewalt, sondern nur durch couragiertes Entgegenkommen und Mut zu strukturellen Veränderungen herbeizuführen sei, dafür stehe auch der Einsatz der "Ordensleute für den Frieden" heute deutlicher denn je.

"Ihre Analysen und Warnungen vor dem globalisierten ,Kasino-Kapitalismus` haben sich leider als weitgehend zutreffend erwiesen", betonte Zumach: "Heute profitieren bei weitem nicht alle 146 Mitgliedsländer der Welthandelsorganisation von den Liberalisierungen der 90er Jahre."

Die Palästinenserin Nabila Espanioly erinnerte daran, dass ihr Volk seit Jahrzehnten selbst sein Recht auf einen eigenen Staat nicht habe verwirklichen können: "Die Palästinenser mussten ihr Dasein immer rechtfertigen." Es müsse alles getan werden, um den Teufelkreis der Gewalt in Nahost endlich zu durchbrechen.

"Ich will den Friedenspreis gern als die Blume betrachten, die jeden Freitag von einem Mann an alle Frauen in Schwarz an Jerusalem verteilt wird", sagte sie in Anspielung auf zahlreiche friedliche Mitstreiter in ihrer Heimat.

Umso unverständlicher sei die aktuelle Regierungspolitik in "seinem" Land Israel, kritisierte Reuven Moskovitz. In deren offensichtlichem Bestreben, Freiheit durch brutale Unterdrückung der schwächeren Palästinenser zu erkämpfen, "liegen die Wurzeln und Ursachen dieses schrecklichen Konfliktes", sagte er.

Deshalb sei eine entschlossene Intervention der internationalen Mächte längst unabdingbar. Denn die Politik Scharons und seiner Sachwalter habe "inzwischen koloniale und rassistische Züge angenommen."

Dass auch der Westen seiner Verantwortung für ein gedeihliches Zusammenleben der Völker nicht ausreichend wahrnehme, betonte Angela Kruppa im Namen der "Ordensleute für den Frieden". Was sich derzeit in Deutschland abspiele, geschehe auch weltweit: "Die Schere zwischen den armen und den reichen Nationen geht immer weiter auf. Die Folge sind Hunger, Kriege, Flüchtlingsströme, Umweltzerstörung."

Um einer zunehmenden sozialen Polarisierung zu begegnen, müsse ganz konkret ein neues Geldsystem entwickelt werden, bei dem statt des Profits der Mensch im Mittelpunkt stehen müsse. "Wir wollen uns weiter dafür einsetzen, dass ins Bewusstsein vieler Menschen die Tatsache dringt, dass es Unrecht und Ungerechtigkeiten gibt. Es gilt, dem mit Ausdauer und Phantasie entgegenzutreten."



Quelle: Tübinger Tagblatt, 02.09.03

Antikriegstag: Für gerechtere Weltordnung eintreten

Redner bei der Kundgebung kritisierten Aufrüstung und Sozialabbau

TÜBINGEN (kai). Eine friedliche Welt ist nur möglich, wenn sich die Ökonomie ändert. Dies war eine der Botschaften der Kundgebung zum gestrigen Antikriegstag auf dem Tübinger Holzmarkt. Gut 80 Friedensbewegte fanden sich dazu ein.

Der Geigerzähler tickte, vier Menschen in weißen Schutzanzügen und mit Gasmasken lagen reglos am Fuß der Stiftskirchentreppe. Umweltaktivisten von Greenpeace hatten ein kleines Areal auf dem Holzmarkt zum Sperrgebiet erklärt. Rot umrandete Schilder warnten vor der atomaren Kontamination. Die Gruppe zog die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich.

Mit Informationsständen waren auch das Tübinger Friedensplenum, das überparteiliche Bündnis Solidarität international, der Frauenverband Courage, Globalisierungsgegner von Attac und "solid", die sozialistische Jugend der PDS, vertreten. Sie protestierten mit Transparenten und Flugblättern gegen Aufrüstung und Sozialabbau.

Die weltweite Militarisierung, so Moderatorin Heike Hänsel von der Gesellschaft Kultur des Friedens, gehe einher mit dem Abbau der Sozialstaaten. Deshalb sei es wichtig, dass so vielfältige Gruppen wie gestern in Tübingen zusammenarbeiteten. Anlass für die Kundgebung war der Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen, mit dem am 1.September 1939 der Zweite Weltkrieg begann.

"Dieser Krieg begann mit einer Lüge", sagte Martin Gross von der Gewerkschaft Verdi zu den Ereignissen vor 64 Jahren. Und: "Die Lügen im Irak werden gerade entlarvt." Einen "sozialen Krieg" - genannt Reformen - gegen immer mehr Teile der Bevölkerung machte der Gewerkschafter in Deutschland aus. Ein Beispiel: Im Militärhaushalt sei elf Mal so viel Geld, wie bundesweit für Bildung ausgegeben werden. Gross forderte die Zuhörenden auf, sich gegen Aufrüstung und Sozialabbau zu wehren.

"Kriege sind Bankrotterklärungen der Politik", erklärte Peter Dietrich, Betriebsrat bei der Tübinger Walter AG. Auch das Beispiel Irak zeigte für ihn, dass "Krieg, Terror und Völkermord programmiert sind, wo Staaten ihre politischen und ökonomischen Interessen durchsetzen wollen". Dietrich hielt den "machtbesessenen und ölhungrigen Politikern" vor, dass sie nur von Demokratie reden, tatsächlich aber die Weltherrschaft meinten. Seine Kritik richtete sich auch gegen die rot-grüne Bundesregierung und die Gewerkschaften, die in seinen Augen mehr Widerstand leisten könnten.

Die Globalisierung sei nicht zum Motor für Frieden geworden, erklärte Dietrich. Im Gegenteil. Von ihren Folgen wie etwa dem immer weiteren Auseinanderdriften von Arm und Reich sprach auch Michael Stadelmann von Attac. Wer gegen den Krieg sei, so der Aktivist, müsse daher auch "für eine gerechtere Weltordnung eintreten".

Nachdem Heike Hänsel das 18-Uhr-Läuten mit Termindurchsagen überbrückt hatte, übernahm Winfried Wolf das Mikrofon. Der ehemalige PDS-Bundestagsabgeordnete und Buchautor sprach den "inneren Zusammenhang" von Kapitalismus und Krieg - genauer: Weltwirtschaft, Öl und Militarisierung - an, den er gestern Abend bei seinem Vortrag im Schlatterhaus noch vertiefte.

Drei Lehren gab Schlussredner Wolf den Friedensfreunden mit. Dass sie "gleich große Distanz zu allen Militaristen haben" sollten - egal ob in Washington, Paris oder Berlin. Dass "der Krieg nach außen und der nach innen zusammenhängen". Und dass eine andere Ökonomie nötig ist, um eine andere Welt zu ermöglichen.



Quelle: Südkurier, 02.09.03.

"Krieg führte in Sackgasse" - Gedenken am Antikriegstag

Villingen-Schwenningen (jos) "Zeichen setzen für den Frieden in der Welt" wollten am gestrigen Antikriegstag Redner der SPD Villingen-Schwenningen und der DGB-Region Schwarzwald-Baar-Heuberg des Deutschen Gewerkschaftsbundes auf dem Schwenninger Geschwister-Scholl-Platz.

Vor etlichen Vertretern der Partei, der Gewerkschaft und der Kirchen, erinnerten DGB-Regionssekretär Peter Fischer, Villingen-Schwenningens Oberbürgermeister Rupert Kubon (SPD) und der SPD-Ortsvorsitzende Harry Frey an die Opfer des Irak-Krieges und des Terrorismus.

Besonders wurde Kritik am Verhalten der USA laut. So entfielen laut Peter Fischer von den weltweiten Rüstungsausgaben im Jahre 2002 in Höhe von 794 Milliarden Dollar dreiviertel auf die USA. "Das sind Tatsachen, die mit Antiamerikanismus nichts zu tun haben", meinte er bei der Gedenkstunde am gestrigen Abend.

Fischer erinnerte an die vielen kriegerischen Konflikte weltweit, man sei noch weit von einem Weltfrieden entfernt. Der DGB, der sich gegen den Irak-Krieg ausgesprochen hatte, sei der Überzeugung, dass es Sache der Völkergemeinschaft sei, gegen den weltweiten Terrorismus anzugehen. Angesichts der US-Opfer des Irak-Krieges dürften die Toten auf irakischer Seite nicht vergessen werden.

Für Oberbürgermeister Rupert Kubon (SPD) hat der Irak-Krieg nicht zu einer Befriedung geführt. Der scheinbar "schnelle" Krieg führt seiner Meinung nach nur in eine Sackgasse. Und je länger die amerikanische Besatzung im Irak dauere, desto größer wird der Widerstand, war sich Kubon bei der Gedenkstunde sicher. Die Völkergemeinschaft müsse aktiv handeln



Quelle: Allgemeine Zeitung Mainz, 02.09.03

Jahres- wurde Antikriegstag: Kundgebung am Haupbahnhof/Kritik an Medien und Bundesregierung

agm. - Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Zum gestrigen Jahrestag erklärte das Mainzer Bündnis für Frieden und Gerechtigkeit den 1. September zum Antikriegstag hatte zu einer Kundgebung eingeladen. Die Veranstaltung auf dem Bahnhofsvorplatz war der erste gemeinsame Aktionstag aller Mainzer Friedensinitiativen.

In seiner Eröffnungsrede erinnerte der Regionsvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Gunther Heinz, an den deutschen Überfall auf Polen. Seit dem habe es nicht einen Tag gegeben, an dem nicht irgendwo auf der Erde ein Krieg stattgefunden habe. "Die mangelnde Berichterstattung in den Medien vermittelt den Eindruck, die Welt sei friedlicher geworden", erklärte Heinz. Mit dem Antikriegstag möchten das Bündnis dafür sorgen, dass die 29 Kriege und 18 bewaffneten Konflikte wieder in dem Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt werden.

Die Veranstalter wollen aber nicht nur gedenken, sondern auch etwas tun. Alle beteiligten Organisationen haben gemeinsam für die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" gesammelt. Horst Schmittbauer von der IG Metall mahnte, dass "von deutschem Boden nie wieder ein Krieg ausgehen dar"f. Er kritisierte die neuen strategischen Richtlinien der deutschen Verteidigungspolitik. "Die Bundeswehr muss eine Verteidigungsarmee bleiben, sie darf auf keinen Fall eine Offensivarmee mit globalem Einsatzgebiet werden", forderte Schmittbauer.

Es gab zwar nur vereinzelt Kritik unter den Anwesenden, aber spätestens an dieser Stelle wurde ein Dissens zwischen den beteiligten Gruppen deutlich. Während die Lokalgruppen der SPD und der Grünen die Politik der Bundesregierung weitgehend befürworteten, wurde sie von anderen Friedensinitiativen kritisiert. So hatte Hans Ripper von der Friedensinitiative Mainz erwartet, dass die Schuld der Industrienationen an diesen Kriegen stärker gewürdigt werden würde. "Ein solches Bündnis ist immer eine Gradwanderung. Einerseits ist es sinnvoll, dass die Friedensinitiativen ihre Kräfte bündeln, andererseits müssten wir Kompromisse machen", erklärt Ripper.



Quelle: NRZ, 02.09.03

Eine Stunde für den Frieden

ANTIKRIEGSTAG / Der DGB-Tag lud in die Gedenkhalle Schloss Oberhausen ein, um über den Krieg und seine Folgen zu sprechen.

"Und noch im Massengrab wart ihr die Schweine: Die Offiziere lagen alleine!" Eindrucksvolle Momente beim Antikriegstag lieferte David Hugo von der Antifa-AG des Bertha-von-Suttner-Gymnasiums. Er trug das Gedicht "Drei Minuten Gehör" vor, in dem sich Kurt Tucholsky 1921 an die Soldaten des 1. Weltkrieges wandte. Auch 80 Jahre später sind diese Gedanken aktuell.

Jedes Jahr rufen die Gewerkschaften am 1. September zu einem Antikriegstag auf. Genau 64 Jahre nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs versammelten sich gestern etwa 30 Zuhörer in der Gedenkhalle Schloss Oberhausen. Egon Look, DGB-Kreis-Vorsitzender, verurteilte in seiner Rede den Irakkrieg als "völkerrechtswidrig, in höchstem Maße menschenverachtend und grausam". Gerade das Gefühl der Ohnmacht, das sich bei den Kriegsopfern breit mache, schüre den Terrorismus.

Gerd Immich vom Bündnis gegen den Krieg versuchte in seiner Rede, die Frage zu klären, ob das Volk in einer Demokratie in der Lage sei, einen Krieg zu verhindern. Er sei da skeptisch, denn für die meisten Menschen seien die Entscheidungen der Politiker nicht plakativ genug.

Als Beispiel nannte er die Entscheidung des Bundestages vom Mai diesen Jahres, weiterhin auf militärische Stärke zu setzen und den Etat der Bundeswehr nicht zu kürzen. "Dies wäre eine geradezu historische Gelegenheit gewesen, in Europa massiv abzurüsten, um so frei werdende Mittel in soziale Sicherungssysteme zu investieren", meinte er. Mit spontanem Applaus gab ihm das Publikum Recht..(bk)



Quelle: Heilbronner Stimme, 02.09.03

"Terrorismus genährt" statt Wurzeln bekämpft

Von Carsten Friese

"In dieser globalisierten Welt kann sich niemand mehr abwenden. Wir alle müssen auf eine neue Weltordnung drängen, die mehr Gerechtigkeit, Sicherheit und Frieden schafft." Mit dieser Botschaft schloss Rudolf Luz, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Heilbronn/Neckarsulm, die Gedenkrede zum Antikriegstag.

Rund 90 Menschen hatten sich gestern Abend vor der Ehrenhalle am Heilbronner Rathaus versammelt, um der Gedenkstunde gegen Krieg beizuwohnen. Der Irak-Krieg mit all seinen Hintergründen und Folgen war der logische Schwerpunkt der Gedenkrede. Dass der Irak inzwischen näher an einem Bürgerkrieg als am Frieden sei, führte Luz ins Feld und verwies darauf, dass auch die Wurzeln des Terrorismus genährt statt ausgeräumt worden seien. Die Kosten des Friedens würden zudem ein Mehrfaches der Kosten der Zerstörung ausmachen. Deutschland habe zu Recht seine Stimme gegen den Feldzug von USA und Großbritannien erhoben.

"Friedenspolitik ist notwendiger denn je", unterstrich Luz und forderte "ein verbindliches internationales Recht" und gestärkte internationale Organisationen. Er sprach den USA auch wirtschaftlich die Fähigkeit ab, die Welt zu führen. Mit den hohen Rüstungsausgaben "überfordert sich dieses Land", wie dort vorhandene Armut und die aktuellen Stromprobleme zeigten.

Eine gerechte Welt-Wirtschaftsordnung sieht der DGB-Vertreter als Fundament für Frieden an. Ein Globalisierungsprozess, "der Menschen und Völkern Entwicklungschancen nimmt, ist eine permanente Bedrohung des Friedens". Aktuell spannte Luz den Bogen nach Deutschland. Wenn öffentliche Haushalte mit Finanzproblemen kämpften, die Verschuldung steige, Ausgaben im Bildungs- und Sozialbereich gekürzt würden, dann "müssen wir auf Kürzungen im Rüstungsetat drängen".

Begleitet von wehmütig klagenden Melodien von Hans Kumpf auf der Klezmer-Klarinette zogen die Antikriegstags-Teilnehmer, darunter Vertreter von SPD, Grünen, PDS und MLPD, in die Ehrenhalle ein. DGB-Regionsvorsitzender Bernhard Löffler stellte einen Kranz auf mit der Aufschrift "Krieg ist keine Lösung". Mit einer Schweigeminute gedachten die Teilnehmer den Opfern jeglicher Kriege. Ein globales Gewaltmonopol der Vereinten Nationen unter Einhaltung der Völkerrechtsregeln hatte Löffler in seiner Begrüßungsrede gefordert.



Quelle: NRZ (Duisburg), 02.09.03

"In der Welt muss die Stärke des Rechts gelten"

ANTIKRIEGSTAG / Ministerin Wieczorek-Zeul sprach im Rathaus.

Ein Stück Erinnerung an Willy Brandt, den Reform-Kanzler am Ende der 60-er Jahre, zog gestern abend durch den Ratssaal. Denn Heidemarie Wieczorek-Zeul war als Gastrednerin zum Antikriegstag 2003 ins Rathaus gekommen. Die Ministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erläuterte im Gedenken an den Kriegsausbruch am 1. September 1939 die Grundzüge der Entwicklungshilfe. Und griff dabei ein Wort von Willy Brandt auf, das vom "Wandel durch Zusammenarbeit".

"Warum Entwicklungszusammenarbeit? Sie ist die kostengünstigste Sicherheitspolitik, auch für uns selbst", so Wieczorek-Zeul, "damit müssen wir die Ursachen für Kriege angehen." Natürlich ging die Rednerin auch auf den Irak-Krieg ein, betonte, dass die Bundesregierung mit ihrer Ablehnung "dieses schändlichen Krieges Recht gehabt hat". Vor rund 80 Zuhörern beklagte die Ministerin, dass für Kriegshandlungen immer wieder rasch Geld aufgebracht werde, zugleich aber täglich 6000 Kinder in der Welt daran sterben würden, dass sie kein sauberes Trinkwasser bekommen.

Rainer Bischoff zollte ihr als DGB-Regionsvorsitzender Dank für die Haltung der Bundesregierung gegen den Irak-Krieg. Bürgermeisterin Monika Busse dankte persönlich in ihrem Grußwort dafür. Sie nannte das Eintreten für Gewaltfreiheit auch ein Anliegen der Kommunalpolitik.

Die Veranstaltung endete traditionell am Mahnmal für die ermordeten Gewekschafter an der Ruhrorter Straße. (ama)



Quelle: Westfälische Rundschau, 02.09.03

Globalisierung macht nicht satt

Eine "Globalisierung der Menschenrechte" hat Gesamtschulleiter Ulrich Kops gestern Abend bei der Gedenkfeier zum Antikriegstag auf dem Ehrenfriedhof im Ludwigstal gefordert.

Das Theater "SinnAnTrieb" lädt zu einer "Zeitreise mit Antikriegsgedichten" ein ("Der Tod ist eine Meister aus Deutschland"), IG-Metall-Jugendsekretär Thomas Hay erinnert daran, dass durch den Zweiten Weltkrieg über 55 Millionen Menschen ums Leben gekommen sind. "Niemals wieder was damals geschah" steht auf dem Kranz, den er später zusammen mit Ulrich Kops "zu Ehren der Opfer von Krieg und Faschismus" am Mahnmal für russische Zwangsarbeiter niederlegt. 155 Russen, die als Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg in Hattingen ihr Leben ließen, liegen auf dem Friedhof im Ludwigstal.

Hauptredner Kops sagt, der Blick in die Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg zeige: die Lernfähigkeit von Menschen ist offenbar sehr begrenzt. Weltweit habe es seither über 200 Kriege gegeben, "allein Großbritannien, Frankreich und die USA waren und sind in mehr als einem Viertel der Kriege seit 1945 aktiv". Spätestens die Kriege in Jugoslawien und Afghanistan zeigten, dass sich auch Deutschland offenbar nicht heraushalten kann.

Kops schlägt den Bogen zu einer großen Globalisierungs-Kritik. Während weltweit fast uneingeschränkter Handel möglich sei, fehlten "soziale Menschenrechte", die verhindern, "dass täglich 35 000 Kinder an heilbaren Krankheiten sterben", dass denjenigen 1,2 Milliarden Menschen, die täglich über weniger als einen Dollar verfügen können, Nahrung und ein angemessener Lebensstandard ermöglicht wird.

"Welcher Investor versorgt die Slums?", fragt Kops, der mit der globalen freien Marktwirtschaft noch mehr Armut und damit ein erhebliches Konfliktpotenzial heranwachsen sieht. Kops zitiert Buchautor Günther Nenning ("Gott ist verrückt"): Gemeinwohl statt Profit müsse der Maßstab sein einer Politik, "die willens und fähig ist, hemmungslose Wirtschaft und Wissenschaft zu zügeln". (cm)



E-Mail: friekoop@bonn.comlink.org
 voriger

 nächster




       
Bereich:

Netzwerk
Die anderen Bereiche der Netzwerk-Website
          
Themen   FriedensForum Ex-Jugo Termine   Aktuelles