Ostermarsch
2008


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Ostermärsche und -aktionen 2008

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Redebeitrag zum Ostermarsch 2008 in Mannheim am 22. März

"Das Werk der Gerechtigkeit wird der Friede sein." ( Jes 32,17)

Jürgen Weber (in Mannheim)



- Es gilt das gesprochene Wort -



Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Aus den unterschiedlichsten Gruppen haben wir uns auf dem Paradeplatz versammelt, um in der Öffentlichkeit ein Plädoyer für den Frieden abzulegen, einen Frieden, der nicht nur die aktuellen gewalttätigen Konfliktherde in den Blick nimmt, sondern, und dies macht der Aufruf zum Ostermarsch deutlich, sondern es geht um einen umfassenden Frieden zwischen den Völkern und Kulturen, zwischen Menschen und der Schöpfung. Es geht grundsätzlich um Frieden.

In diesem Kontext kann und will ich als Theologe reden, nicht als Politiker. Dies wird schon deutlich durch die Überschrift zu meiner Rede aus dem Buch des Propheten Jesaja: Doch ich möchte den ganzen Kontext hier zitieren:

"Das Werk der Gerechtigkeit wird der Friede sein, / der Ertrag der Gerechtigkeit sind Ruhe und Sicherheit für immer." (Jes 32,17).

Friede gibt es nicht ohne Gerechtigkeit.

Diese Gerechtigkeit die zum Frieden führt ist eine sittliche Forderung an das Leben, die nicht nur in einer globalisierten Welt zu ihrer Anwendung kommen muss, sondern die ein Grundprinzip der Lebensgestaltung sein muss, von den kleinsten Beziehungen, der Paarbeziehung, über Familie, die konkreten Gesellschaften bis hin zur Regelung der Beziehung zwischen Staaten, Kulturen und Religionen. Gerechtigkeit ist kein Wert, der erst in bestimmter Weise definiert werden muss, sondern sie selber ist schon Definition der Beziehung zwischen Menschen, unabhängig von ihrer Unterschiedlichkeit, sie ist auch das Grundprinzip der Beziehung zwischen Gott und seinen Geschöpfen, nicht zuerst im Sinne einer moralischen Leistung sondern im Sinne einer geschenkten Beziehung. Gerechtigkeit will den Ausgleich von Interessen herstellen, die angemessene Verteilung der Güter und Chancen zwischen zwei oder mehren Beteiligten erreichen. Doch die vorhandenen Ungerechtigkeiten, die, so wie sie z.B. das zweite vatikanische Konzil in Gaudium et Spes - Freude und Hoffnung -, formuliert, entspringen allzu großen wirtschaftlichen Ungleichheiten oder auch der Verzögerung der notwendigen Hilfe. Andere entstehen aus Herrschsucht und Missachtung der Menschenwürde, Hochmut und anderen egoistischen Leidenschaften." Mögen die letztgenannten Aspekte eher individuell klingen, so bestimmen sie dennoch auch die Beziehungen zwischen Religionen, Kulturen und Staaten. Ungerechtigkeit wird mit Gewalt durchgesetzt und es wird zu oft versucht erlebte Ungerechtigkeit durch Gewalt zu beenden. Doch die Anwendung von Gewalt, sie wird nicht den Frieden begründen, weil sie immer auch neue Ungerechtigkeit hervorrufen wird.

In der globalisierten Welt, in einer Welt, in der die Ressourcen knapper werden, nicht nur die Energieressourcen, sondern auch so existentielle Ressourcen wie das gute, trinkbare Wasser, sind wir umso mehr darauf angewiesen allen Menschen und Völkern Gerechtigkeit zukommen zu lassen, wenn wir denn in Frieden das Leben dieser Erde gestalten wollen. Dies setzt voraus, dass ein Diskurs, ein Gespräch mit allen Völkern stattfindet. Gerechtigkeit, die den Ausgleich schaffen will, bedeutet dann auch Teilen, bedeutet, eigenes Abzugeben, bedeutet, zu verzichten. Ohne diese Bereitschaft auch zu einer Selbstbeschränkung um der Gerechtigkeit willen, wird es keine Gerechtigkeit geben. Dies gilt für Individuen und soziale Gemeinschaften gleichermaßen und nicht nur für die Gestaltung der Gegenwart, sondern auch im Hinblick auf die Zukunft, die Zukunft der kommenden Generationen.

Für den Propheten Jesaja ist der Friede die Folge der Gerechtigkeit und somit auch ein Gradmesser der verwirklichten Gerechtigkeit. Doch die Situation ist anders. Papst Benedikt der XVI zeichnet sie folgendermaßen: "Die Menschheit erlebt heute leider tiefe Spaltungen und starke Konflikte, die düstere Schatten auf die Zukunft werfen. Weite Zonen des Planeten sind in wachsende Spannungen verwickelt, während die Gefahr, dass immer mehr Länder in den Besitz von Nuklearwaffen gelangen, in jedem verantwortungsbewussten Menschen begründete Besorgnis aufkommen lässt. . Auf einer allgemeineren Ebene ist mit Betrübnis festzustellen, dass die Anzahl der in den Rüstungswettlauf verwickelten Länder zunimmt: ."

Friede bedeutet aber nicht nur, dass in diesen Konfliktherden die Waffen schweigen, sondern dass die Menschen in Sicherheit leben können, dass sie über die Grundlagen für ein menschenwürdiges Leben verfügen, dass sie frei und vertrauensvoll die Reichtümer ihres Geistes und Herzens teilen können.

Es ist Unerträglich, dass die Menschen, dass die Zivilbevölkerung in so vielen Ländern dieser Erde eben nicht den Ertrag der Gerechtigkeit erfahren, Ruhe und Sicherheit, sondern dass ständige Bedrohung, ständige Angst, Vertreibung und Flucht das Leben prägen.

Und es ist auf Dauer unerträglich, dass durch den Unfrieden zwischen Menschen und Natur sich Unsicherheit und Unruhe ausweiten, die große Sorge viele Menschen ergreift, dass die kommenden Generationen eine eingeschränkte und erschwerte Lebensgrundlage durch uns erhalten.

Sowie die Gerechtigkeit, so ist auch der Friede eine ständige Herausforderung an das Tun von uns Menschen, von allen Menschen, ohne Ausnahme, weil wir in einer globalisierten Welt leben, weil sich Ungerechtigkeit und Unfriede nicht auf regionale Krisenherde beschränken lässt, sondern in einer globalisierten Welt alle an diesen Ungerechtigkeiten und dem Unfrieden beteiligt sind. Aber auch die andere Richtung, hin zu Friede und Gerechtigkeit ist jeder gleichermaßen wichtig und befähigt durch konkretes Tun an der Entwicklung einer gerechten und friedlichen Lebensgestaltung mitzuwirken.

Der Ostermarsch in Mannheim 2008 fordert den Frieden ein für Afghanistan, den nahen und mittleren Osten, tritt ein für den Dialog, will Klimaschutz statt Rüstung, tritt für Demokratie, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte ein. Doch wie sollen diese Ziele erreicht werden, wer ist dafür verantwortlich?

Das folgende Zitat aus der Erklärung des zweiten vatikanischen Konzils, Gaudium et Spes, Freude und Hoffnung, verdeutlicht die Problematik: "Denn die Staatsmänner, die das Gemeinwohl ihres eigenen Volkes zu verantworten und gleichzeitig das Wohl der gesamten Welt zu fördern haben, sind sehr abhängig von den öffentlichen Meinung und Einstellung der Massen. Nichts nützt ihnen ihr Bemühen, Frieden zu stiften, wenn Gefühle der Feindschaft, Verachtung, Misstrauen, Rassenhass und ideologische Verhärtung die Menschen trennen und zu Gegnern machen. . Wer sich der Aufgabe der Erziehung, vor allem der Jugend, widmet und wer die öffentliche Meinung mitformt, soll es als seine schwere Pflicht ansehen, in allen eine neue Friedensgesinnung zu wecken."

Soweit das Zitat.

Letztlich geht es um eine Kultur des Friedens. Der Friede fällt nicht vom Himmel, sondern er beginnt da, wo Menschen sich zum Frieden auf der Basis von Gerechtigkeit entscheiden, er beginnt da, wo Menschen, auch in den kleinsten und privatesten Beziehungen Gerechtigkeit pflegen und so den Frieden erlebbar machen, dessen Früchte Ruhe und Sicherheit sind. Es ist mehr als wichtig, das Zeichen der Ostermärsche zu setzen, der Sehnsucht nach Frieden Ausdruck zu verleihen, ihn zu fordern. Es ist aber unerlässlich, dabei nicht nur die anderen einzufordern, sondern auch den eigenen, alltäglichen Beitrag zu Gerechtigkeit und Friede in den Blick zu nehmen. Nur durch dieses ständige Bemühen um Gerechtigkeit und Friede auf allen Ebenen des Lebens wird die Forderung nach Friede nicht nur glaubwürdiger, sondern überhaupt erst realisierbar. So sehr die Amtsträger der Staaten, der Religionen, die Vertreter und Vertreterinnen unterschiedlichster Kulturen und Weltanschauungen ständig daran zu erinnern sind, sich für einen umfassenden Frieden einzusetzen, so sehr muss die alltägliche Lebenskultur in den Staaten, Religionen, Kulturen und Weltanschauungen dieses Bemühen tragen und unterstützten.

Dieses Prinzip gilt in gleicher Weise auch für den Umgang mit der Schöpfung. Nur die Forderungen allein reichen nicht aus, wenn sie nicht von dem deutlichen Bemühen der Menschen getragen sind, dass ein Ausstieg aus der Kernenergie auch getragen ist von einer allgemeinen Bereitschaft zu einem schonendem Umgang mit der Ressource Energie.

Lassen sie mich abschließen nochmals Gaudium et Spes zitieren, diesen Beschluss des zweiten Vatikanischen Konzils:

"Wenn Feindschaft und Hass nicht aufgegeben werden, wenn es nicht zum Abschluss fester und ehrenhafter Verträge kommt, die für die Zukunft einen allgemeinen Frieden sichern, dann geht die Menschheit, die jetzt schon in der Gefahr schwebt, trotz all ihrer bewundernswürdigen Wissenschaft jener dunklen Stunde entgegen, wo sie keinen anderen Frieden mehr spürt als die schaurige Ruhe des Todes."

Setzen wir gegen diese dunkle Möglichkeit das Fest des Lebens, dass wir in diesen Tagen feiern.



Jürgen Weber ist Hochschulpfarrer der kath. Hochschulgemeinde (KHG) in Mannheim. Vita siehe hier

E-Mail: weber (at) khg-mannheim (Punkt) de

Website: www.khg-mannheim.de
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