Ostermärsche und -aktionen 2012

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03.04.2012


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Ostermärsche und -aktionen 2012

 Reden/Kundgebungsbeiträge

Redebeitrag für die Karfreitagsmahnwache 2012 in Biberach am 6. April

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Freundinnen und Freunde,

Dorothee Sauer (in Biberach)

dach



- Sperrfrist: 6. April, Redebeginn: ca 17 Uhr -

- Es gilt das gesprochene Wort -



Gier Macht Krieg - Macht Krieg Gier? Krieg Macht Gier.

Mit diesen drei Worten lässt sich spielen. Und alle Kombinationen ergeben einen Sinn. Doch was Gier Macht und Krieg tagtäglich auf unserer Erde anrichten ist kein Spiel. Ganz und gar nicht. Es ist bittre Realität an vielen Orten der Erde, zu vielen.

Krieg ist ein einträgliches Geschäft. Fleißig wurden und werden auch von deutschen Firmen Waffen in Krisen- und Konfliktgebiete verkauft. In Libyen, Tunesien, Syrien und Ägypten dienten sie den alten Machthabern dazu die Aufstände niederzuknüppeln.

Die Gier nach Reichtum begegnet uns jeden Tag. Alle wollen immer mehr haben. Die Grenzen zu den armen Ländern werden dicht gemacht, Europa baut seine Festung aus. Von unserem Wohlstand hier darf niemand etwas abhaben. Wir wollen aber umgekehrt sehr wohl etwas von euren Rohstoffen haben.

Immer noch wird weiter von Wachstum geredet, so als ob es unendliche Möglichkeiten des Wachstums hier auf der Erde gäbe. Woher sollen die Ressourcen dafür kommen? Schon jetzt werden um Öl, Coltan, seltene Erden und andere wichtige Rohstoffe Kriege geführt.

Und Macht wird dazu missbraucht, die eigenen Interessen durchzusetzen. Diktatoren beuten ihr Volk aus, begünstigen ihre Anhänger, nehmen sich was sie wollen. Macht wird eingesetzt, um die eigene Gier zu befriedigen, um Kriege zu legitimieren, um andere zu unterdrücken.

Die Liste der Klagen und Anklagen ist lang und könnte noch endlos weiter geführt werden. Die Klage und die Anklage, aber auch die Trauer und die Traurigkeit gehören zu diesem Tag heute.

Christinnen und Christen begehen an diesem Tag den Karfreitag, den Tag, an dem Gott sich in Jesus Christus ans Kreuz nageln ließ, stellvertretend für die geschundene Menschheit, für die geschundene Schöpfung, als Gegenbild, als einer, der auf der Seite der Entrechteten steht, als einer, der auf der Seite derer steht, die keine Lobby haben und keine Stimme. Dieser Tag hält uns auch den Spiegel vor, er zeigt uns, wozu wir Menschen fähig sind.

Doch dabei soll es nicht bleiben, wir blicken bereits jetzt auf Ostern. So wird uns dieser, Karfreitag, zur Herausforderung und zur Aufgabe. Auch wir sollen auf der Seite derer stehen, die keine Stimme haben, und ihnen unsere Stimme geben. Und die Botschaft dieses Tages, die Botschaft der Bibel ist für Christinnen und Christen klar:

Gier wird verurteilt und Gerechtigkeit an die erste Stelle gesetzt. Für Christinnen und Christen heißt es in der Bibel im Brief des Jakobus (aus Jak 3+4): "Wo Neid und gemeinschaftsschädigender Ehrgeiz das Handeln bestimmen, da gibt es ein großes Durcheinander und jede schändliche Tat, die man sich nur vorstellen kann." Und Jakobus fragt. "Woher kommen denn Kämpfe und Streitereien unter euch? Doch von eurer Gier, die euch und eure Fähigkeiten benutzt, damit ihr einander bekriegt." Und er ruft uns auf: "Doch die Frucht der Gerechtigkeit wird dagegen gesät in Frieden für die, die Frieden stiften."

Auch Krieg wird verurteilt. Dagegen stellen wir Friede und die Bewahrung der Schöpfung, das ist unser Programm. Ein Programm, das uns die Richtung vorgibt und uns auch verbindet mit Menschen anderer Religionen, die dasselbe Ziel haben, Menschen muslimischen und jüdischen Glaubens.

Friede, das bedeutet:

- Frieden in Gemeinschaft - wir sind gegen Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art

- Friede mit der Erde - wir werden nicht müde uns gegen Atomkraft aufzulehnen, zu fordern, dass die CO2-Emissionen verringert werden.

- Friede in der Wirtschaft - wir lehnen uns auf gegen strukturelle Gewalt und die scheinbare Eigenlogik der Wirtschaftssysteme. Sie alle sind von Menschen gemacht.

- Friede zwischen den Völkern - Gewalt ist keine Lösung, um Konflikten zu begegnen. Wir machen uns auf den Weg aufeinander zu, miteinander, nicht gegeneinander.

- Friede zwischen den Religionen - wir suchen das, was uns verbindet und stärkt, der Glaube an den einen Gott, der Frieden für alle will. Wir lassen uns nicht auseinander bringen.

Macht ist letztlich nur dann in guter Weise eingesetzt, wenn sie dazu dient andere zu ermächtigen. Wer Macht hat, soll sie abgeben und weitergeben. In paradoxer Weise steht dafür der ohnmächtige Gott am Kreuz, der gerade darin seine Macht gezeigt hat, dass er es sich leisten kann bei den Armen und Ärmsten zu sein. Und er ermächtigt diejenigen, die ihm nachfolgen in seinem Namen Gutes zu tun. Also lasst uns das tun!

Zu Gier Macht Krieg sagen wir nein! Und mit all unserer Kraft stellen wir dem entgegen: Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung.



Dorothee Sauer ist Gemeindepfarrerin der Ev. Kirchengemeinde Erolzheim-Rot. Vita siehe hier

E-Mail: pfarramt (at) kirche-erolzheim-rot (Punkt) de

Website: www.kirche-erolzheim-rot.de
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