Trägerkreis
"Atomwaffen abschaffen!"



vom:
Dezember 2000


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Trägerkreis "Atomwaffen abschaffen":

  Jahrestagungen

Tagung in München 12.-12. April 1997

München 1997: Atomwaffen abschaffen
Für eine atomwaffenfreie Welt!


Münchener Erklärung

Pressemitteilung

Programm der Tagung



Münchener Erklärung
Abschlußerklärung der Veranstalterinnen des Münchener Kongresses - der Trägerkreis der Kampagne: ATOMWAFFEN ABSCHAFFEN - BEI UNS ANFANGEN


ð12. - 13. April 1997

Mit der Göttinger Erklärung von 1957 beabsichtigten 18 Wissenschaftler gegen die drohende atomare Aufrüstung für Deutschland, "öffentlich auf einige Tatsachen hinzuweisen, die alle Fachleute wissen, die aber der Öffentlichkeit noch nicht hinreichend bekannt zu sein scheinen". Eine Aufgabe, auf die wir uns berufen, wenn wir heutige Gefahren durch Atomwaffen nennen.

Nach dem Ende des Kalten Krieges ist die Hoffnung auf eine radikale Abrüstung der Atomwaffen enttäuscht worden. Zwar verkünden die Atomwaffenstaaten immer wieder ihre Absicht zu weiterer Abrüstung - so wie jüngst aus Anlaß der Überprüfüngskonferenz des Atomwaffensperrvertrages. Tatsächlich benutzen sie diese Waffensysteme aber weiterhin zur Durchsetzung ihrer Interessen und modernisieren sie sogar. Alle bislang gültigen Verträge, die Atomwaffen betreffen, reichen nicht aus, um sie aus der Welt zu schaffen.

Der Einsatz und die Androhung des Einsatzes von Atomwaffen sowie die atomare Erstschlagsopfton ist nach wie vor wesentlicher Bestandteil der Strategie der NATO. Diese schafft aber keine Sicherheit, sondern fördert, was sie zu bekämpfen vorgibt: Die atomare Proliferafion, die Weitergabe an und die Entwicklung von Atomtechnologie in Staaten, die sie noch nicht besitzen.

Die "nukleare Teilhabe" Deutschlands im Rahmen der NATO-Mitgliedschaft ist unvereinbar mit dem Atomwaffensperrvertrag. Zudem lehnen wir ausdrücklich eine zukünftige atomare "Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik" der EU ab, wie sie aus dem jüngst bekannt gewordenen "geheimen" deutsch-französischen Strategiepapier abzulesen ist.

Die Quellen atomarer Gefahren sind vielfältig: Sie gehen von den bekannten Atomwaffenländern und den Schwellenländern aus. Zu letzteren zählen wir jedes Land, das über zivile Atomtechnologie verfügt, also auch Deutschland. 50 Jahre zivile Nutzung der Atomenergie haben bewiesen, daß aus ihr in kurzer Zeit eine atom-militärische Aufrüstung erwachsen kann.

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Atomwaffen_abschaffen Jahrestagungen
Der Internationale Gerichtshof hat 1996 den Einsatz und die Androhung des Einsatzes von Atomwaffen für generell völkerrechtswidrig erklärt. Die UN-Vollversammlung und das Europaparlament haben inzwischen diesen Richterspruch aufgenommen. Sie fordern mit deutlicher Mehrheit die sofortige Aufnahme von, Verhandlungen über eine Atomwaffenkonvention, die die Atomwaffen international ächtet und vollständig abschafft. Die Atomwaffenstaaten und die deutsche Regierung ignorieren all dieses.

Vor 40 Jahren sagten die Göttinger Achtzehn, sie hätten "keine Kompetenz, konkrete Vorschläge für die Politik der Großmächte zu machen." Die seitdem gewachsene Politikfähigkeit der Friedensbewegung sowie kritischer Wissenschafterlnnen befähigt uns heute, folgende konkrete Forderungen zu stellen:

-Deutschland erklärt seinen strikten Verzicht auf sämtliche Optionen nuklearer Teilhabe und steigt aus der NATO-Atomwaffenstrategie aus;

-Deutschland beteiligt sich nicht an der Atomwaffenstrategie der Westeuropäischen Union und setzt sich für die Schaffung einer atomwaffenfreien Zone in Mitteleuropa ein;

-sämtliche Atomsprengköpfe auf deutschem Boden werden des Landes verwiesen;

-alle atomaren Einrichtungen, Institutionen und Forschungsinstitute, mit denen atomwaffenfähiges Material hergestellt werden könnte, werden sofort geschlossen. Der Atomreaktor in Garching wird nicht gebaut.

Wer Atomwaffen weltweit und nachhaltig abschaffen will, muß aus der sogenannten zivilen Nutzung aussteigen. Auch hier gilt: Bei uns anfangen!

Wir fordern zudem vom Deutschen Bundestag eine Grundsatzentschließung, in der sich Deutschland dazu verpflichtet:

-keinerlei Produktion, Stationierung oder Forschungsvorhaben von Atomwaffen auf deutschem Boden zuzulassen;

-mit Atomwaffen bestückten Trägersystemen das Überfliegen und das Anlaufen deutschen Territoriums zu untersagen;

-sich für ein internationales Vertragswerk einzusetzen, um Atomwaffen weiter abzurüsten (START III), zu ächten und völlig abzuschaffen (Atomwaffenkonvention);

-eine nationale Abrüstungs- und Kontrollbehörde unter Einbeziehung von Nichtregierungsorganisationen zügig zu schaffen und auf eine internationale hinzuwirken.

Unter Berufung auf die Göttinger Erklärung von 1957 stellen wir uns unserer Aufgabe der Aufklärung über jegliche atomare Bedrohung Wir engagieren uns für diese Forderungen und das Ziel einer Welt frei von jeglicher atomarer Bedrohung.

Der Trägerkreis "Atomwaffen abschaffen - bei uns anfangen"



Pressemitteilung

Münchener Kongreß "Atomwaffen abschaffen - bei uns anfangen"

Friedensorganisationen fordern atomare Abrüstung als Beitrag zu mehr Sicherheit - Klares Bekenntnis gegen bayrischen Atomforschungsreaktor Garchung

München, den 13. April. Die Bundesregierung soll zukünftig auf jegliche Beteiligung an militärischen und militärrelevanten Atomprogrammen verzichten. Der mit waffenfähigem Uran betriebene Forschungsreaktor in Garching darf nicht gebaut werden. Mit diesen Forderungen endete der Münchener Kongreß "Atomwaffen abschaffen - bei uns anfangen". Das veranstaltende Netzwerk "Atomwaffen abschaffen" aus 20 deutschen Friedensorganisationen wendete sich an Wissenschaftler und Fachleute mit der Aufforderung, ihre Beteiligung an militärisch relevanter Forschung zu verweigern.

Anlaß für den Kongreß war der 40. Jahrestag der Göttinger Erklärung von 18 namhaften Atomwissenschaftlern gegen atomare Aufrüstungspläne in der Bundesrepublik. Aufgrund ihrer wissenschaftlichen Kompetenz lehnten Atomphysiker wie Otto Hahn, Werner Heisenberg und Carl Friedrich von Weizäcker es damals ab, "sich an der Herstellung, der Erprobung oder dem Einsatz von Atomwaffen in irgendeiner Weise zu beteiligen."

Auf der Eröffnungsveranstaltung des Konngresses erinnerte von Weizäcker an die Entstehungsgeschichte der Göttinger Erklärung. Die Wissenschaftler formulierten: "Für ein kleines Land wie die Bundesrepublik glauben wir, daß es sich heute noch am besten schützt und den Weltfrieden noch am besten fördert, wenn es ausdrücklich und freiwillig auf den Besitz von Atomwaffen jeder Art verzichtet."

Deutschland hatte damals keine eigenen Atomwaffen entwickelt, aber später als NATO-Mitglied durch das "Atomare Teilhabe-Konzept" indirekten Zugang zu Atomwaffen erhalten. Aktuellen Überlegungen zu Eurobombe unnd NATO-Osterweiterung erteilt das Friedensbündnis eine Absage. Der Physiker Jürgen Scheffran vom "Trägerkeis Atomwaffen abschaffen" setzt sich dafür ein, daß "die Bundesregierung die Aushandlung einer Atomwaffenkonvention unterstützt, die Atomwaffen international ächtet und alle Atomwaffen abschafft." Einen entsprechenden Vertragsentwurf legte ein internationales Komitee von Nichtregierungsorganisationen am 7. April bei den Vereinten Nationen in New York vor.

Der "Trägerkeis Atomwaffen abschaffen" ist Teil des internationalen Netzwerkes "Abolition 2000" aus mehr als 700 Friedensgruppen weltweit.



1. Jahrestagung "Atomwaffen abschaffen - bei uns anfangen!" München, 12.-13. April 1997, DGB, München, Schwanthaler Straße 64

Freitag, 11. April 1997

19.30 Uhr, Audimax der Uni-München, Geschwister-Scholl-Platz

Öffentliche Veranstaltung
"Für eine atomwaffenfrei Welt" zur Rolle und Verantwortung der Wissenschaftler 40 Jahre nach der Göttinger Erklärung der 18 Atomwissenschaftler


Moderation und Schlußbeitrag: Prof. Dr. Hans-Peter Dürr (Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler)

Es sprechen:

-Prof. Dr. Joseph Rotblat (Präsident der Pugwash-Konferenzen, Friedensnobelpreis 1995)

-Prof. Dr. Carl-Friedrich von Weizsäcker (VDW, Unterzeichner der Göttinger Erklärung der 18 Atomwissenschaftler)

Grußwort: Hep Monatzeder (Bürgermeister München)

Samstag, 12. April 1997

10.00 - 12.30 Uhr

1. Plenum

Begrüßung: Elfi Padovan (Münchener Friedensbündnis). Moderation: Tobias Damjanov (DFG-VK)

 Die "neue" atomare Bedrohung, Dr. Wolfgang Liebert (INESAP)

 Paradigmenwechsel beim Militär: Initiative der Generäle für die Abschaffung aller Atomwaffen, Prof. Dr. Ulrich Albrecht (FU Berlin)

 Crude Nudear Weapons: Ein Terrorangriff auf München. Vorstellung einer IPPNW-Studie. Xanthe Hall (IPPNW)

 Die Zeichen der Ermutigung mehren sich - Unter besondere Berücksichtigung des IGH-Gutachtens - ! Renate Reupke (IALANA)

14.00-18.00 Uhr

Arbeitsgruppen

 1. Deutschland, NATO und die europäischen Atomwaffenstrategie

Dr. Matthias Küntzel und Oberstleutnant a.D. Lothar Liebsch (Darmstädter Signal). Moderation: Dr. Dieter Deiseroth (IALANA, VDW)

 2. Zivilmilitärische Verflechtung der Atomtechnologie, u.a. am Beispiel Garching.

Dr. Roland Kollert und Simone Probst (MdB). Moderation: Ingrid Wundrak

 3. Atomwaffen im Nord/Süd-Konflikt: Proliferatlon und Counterproliferation

Ruth Stanley. Moderation: Dr. Götz Neuneck (ISFH)

 4. Konkrete Schritte zur Abschaffung von Atomwaffen

Dr. Jürgen Scheifran (INESAP). Moderation: Xanthe Hall, IPPNW

 5. Deutschland, die Osterweiterung der NATO und die russische Atomwaffen als Drohpotential

Dr. Stephan Rogalski

19.00 Uhr

Aktion zum 150. Geburtstag von Siemens:
"Ausstieg als Geburtstagsgeschenk". Demonstration und Kundgebung vor der Siemens-Zentrale am Wittelsbacher Platz




Sonntag, 13. April 1997, 9.30-10.30 Uhr

2. Plenum

 Unsere Utopie - Die Welt ohne Atomwaffen

Moderation: Reiner Braun, Naturwissenschaftler Initiative

 Berichte aus den Arbeitsgruppen unter dem Aspekt »Handlungsbezug und politische Forderungen«

 Zur aktuellen Diskussion um Garching

Karin Wurzbacher (Umweltinstitut München)

11.00 -13.00 Uhr

3. Plenum

 Atomwaffen abschaffen: Handlungsperspektiven aus deutscher Sicht

Kurzreferate:

-Dr. Dorothea Wagner-KoIb, IPPNW

-Mani Stenner, Netzwerk Friedenskooperative

-Uta Zapf, MdB, SPD

-Angelika Beer, MdB, B9O/Die Grünen

-Monika Painke, Gewaftfreie Aktion Atomwaffen abschaffen

-Wolfgang Sternstein, EUCOMmunity

Moderation: Reiner Braun, Naturwissenschaftler-Initiative

Diskussion



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