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![]() Antikriegs- tag 2001 vom: 02.09.2001 | Antikriegstag 2001: 1. September 2001 in der Aula Carolina, Aachen Begründungsrede zur Verleihung des Aachener Friedenspreises Gerhard Diefenbach Es gilt das gesrochene Wort Lieber Kazuo Soda, lieber Heiko Kauffmann und liebe Freunde von PRO ASYL, sehr geehrten Gäste, liebe Freundinnen und Freunde des Aachener Friedenspreises, ich darf Sie heute abend ganz herzlich begrüßen und wünsche uns eine würdige Preisverleihung. Ich meine unsere diesjährigen Preisträger haben das in besonderem Maße verdient. Der Atombombenabwurf im August 1945 auf die Städte Hiroshima und Nagasaki hat die katastrophalen Auswirkungen und Bedrohung der gesamten Menschheit durch atomare Waffen gezeigt. Unermesslicher Schmerz und unbeschreibliches Elend wurde über die Menschen gebracht und noch heute leiden die Überlebenden des Massakers unter den Folgen der Bombenabwürfe. Die damals von den USA genannte Begründung, dass der zweite Weltkrieg damit früher zu Ende geführt worden sei, dass das Leben vieler Soldaten und Zivilisten damit gerettet worden seien, ist in der historischen Betrachtung und Analyse nicht haltbar. Aber völlig abgesehen davon: Niemals und durch nichts kann der Tod von 200.000 Menschen gerechtfertigt werden. Durch nichts ist der Einsatz von Massenvernichtungswaffen zu begründen und zu rechtfertigen. Weder gestern, noch heute und auch nicht in der Zukunft! Die historische Chance der Abrüstung atomarer Waffen und ihre Vernichtung ist nach dem Zusammenbruch des sogenannten Ostblocks zu Beginn der 90er Jahre leichtfertig verspielt worden. Im Gegenteil wächst heute die Zahl der Staaten, die Kenntnisse erwerben, diese massenmörderischen Atomwaffen herzustellen. Besonders gefährlich sind aber vor allem die neuerlichen Planungen der USA ein Raketenabwehrsystem zu errichten. Dieses Raketensystem ist nicht nur ein enorm teures Rüstungsprogramm mit durchaus auch offensiven Waffensystemen, sondern es birgt vor allem das Risiko einer weiteren weltweiten Aufrüstung und bedeutet folglich das Ende atomarer Abrüstung. Erhard Eppier schrieb in seinem Buch (1983) "Die tödliche Utopie der Sicherheit": |
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| "... die schäbige Utopie von der vollkommenen Sicherheit ist auch die Folge technokratischer Blickverengung, die wie alle Verengungen, mit Angst zu tun hat. Sie ist das Ergebnis eines kaum vorstellbaren Verlustes an Wirklichkeit, eines Leugnens menschlicher und geschichtlicher Realität. Sie ist ein sicherer Weg zum Tode und dabei noch nicht einmal ein heroischer, sondern ein durchaus spießbürgerlicher ..." |
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| So pervers, so unmenschlich, es auch ist, Sicherheit in der glaubwürdigen gegenseitigen Todesdrohung zu suchen, so schlüssig war dieses Konzept im Vergleich zu dem, was heute geplant und kalkuliert wird. Es ist schon gut so, dass der Mensch verwundbar, physisch und psychisch verletzbar, geschaffen ist. Denn der eine unverwundbare Mensch - hier der unverwundbare Staat - wäre der Herr über alle anderen. Kazuo Soda hat sich als einer der Überlebenden des Atombombenangriffs auf den Weg gemacht, für die Ächtung der Atomwaffen zu kämpfen. Sein zentrales Anliegen ist, weltweit möglichst viele Menschen durch die Schilderungen seines Erlebens über die Schrecken der Bombe und der atomaren Bedrohung aufzuklären. Sein ganz persönlicher Einsatz, sein Mut, sein Engagement für eine Versöhnung mit den koreanischen Opfern, sein Beitrag für Frieden und Völkerverständigung haben uns bewogen ihn in diesem Jahr mit dem Aachener Friedenspreis zu ehren. Dazu gratuliere ich Ihnen, lieber Kazuo Soda von ganzem Herzen. Ich wünsche Ihnen auf Ihrem weiteren Weg Gesundheit und Überzeugungskraft, Ihren Beitrag zur Versöhnung der Menschen und der Ächtung von Massenvernichtungswaffen leisten zu können. Liebe Freundinnen und Freunde, sehr geehrte Damen und Herren, gerne möchte ich Ihnen zurufen: hören wir doch endlich auf mit dem Gerede über Asylmissbrauch, Zuwanderung, Greencard, nützliche und weniger nützliche Menschen oder über Ausländer, die uns angeblich ausbeuten wollen und ähnlichem Unsinn. Aber es sind ja nicht Sie, die so reden, sondern es ist das politische Establishment und ihre Klientel, die diese ständige menschenverachtende Debatte führen - natürlich immer zu unserem Wohle, zum Wohle der Bevölkerung unseres Landes -. Genau dieses Gerede ist es aber, das den geistigen Nährboden für rechtsradikale Gewalttäter bereitet, die Menschen durch die Stadt hetzen oder auf der Straße zusammenschlagen. Dabei sollten sich Politiker besser die Frage stellen, warum Millionen Menschen auf der Welt aus ihrer Heimat fliehen müssen, inwieweit wir - wenn auch indirekt - verantwortlich dafür sind und vor allem was wir dagegen tun können. Mit unserem hemmungslosen Ausbeuten der letzten Ressourcen dieser Erde, mit der weltweiten Zerstörung der Umwelt und mit dem Rüstungsexport selbst in Krisengebiete, tragen wir zu einem erheblichen Maße an Krieg und Verfolgung auf dieser Welt bei. |
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| Deshalb müssen wir eine öffentliche politische Debatte über die unheilvollen Auswirkungen des deutschen Rüstungsexports führen, statt zuzulassen, dass in geheimen Regierungszirkeln über diese Exporte entschieden wird. Und wir sollten endlich darüber sprechen wie wir Rüstungskonversion durchsetzen können, statt Hilfe suchenden Menschen die Tür zuzuschlagen. | ||||
| Deshalb müssen wir eine öffentliche politische Debatte über Kriegseinsätze der NATO und die Notwendigkeit einer Beteiligung der Bundeswehr führen, statt zuzulassen, dass die Entscheidungsgewalt vom Parlament auf die Regierung verschoben wird. | ||||
| Krieg und Gewalt verursachen immer, dass Menschen fliehen müssen, um ihr blankes Leben zu retten. |
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| Deshalb müssen wir eine politische Debatte darüber führen, wie wir die globale Umweltzerstörung aufhalten können, statt mit dem Finger stets auf die Versäumnisse der anderen Staaten hinzuweisen. |
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| Die globale Umweltzerstörung - und daran haben wir einen ganz erheblichen Anteil - wird neu Flüchtlinge bewirken, weil breite Landstriche und ganze Regionen unbewohnbar werden. Aber all dies geschieht nicht. Stattdessen werden die Restriktionen im Asylrecht und im Ausländerrecht immer weiter verschärft. Das deutsche Asylrecht ist zu einer Worthülse geworden. Es hat den Namen den es trägt nicht mehr verdient. Die Abschiebung unseres Preisträgers Hüseyin Calhan - das liegt nun fast ein ganzes Jahr zurück und wie gerne hätte ich ihn heute Abend wieder unter Ihnen begrüßt - zeigt die alltägliche Umsetzung des Asylrechts und auch die Ohnmacht der Menschen, die sich für Hüseyin Calhan einsetzten wollten. Demonstrationen, Petitionen, Briefe an den Bundespräsidenten, an den Landesinnenminister, an Bundestagsabgeordnete und viele andere, sie haben alle nichts bewirken können. Fast immer nur die stereotype Antwort: "Nicht zuständig, da können wir nichts tun." Der Verwaltungsapparat jedoch, einmal in Bewegung gesetzt, führte die Abschiebung gnadenlos durch. Wir brauchen also noch mehr Menschen, Organisationen und Einzelkämpfer, die bereit sind, sich für die Schwachen einzusetzen. Die einem Menschenrecht zu seiner Anwendung verhelfen. In Deutschland. Immerhin schickt das deutsche Parlament für das gleiche Menschenrecht Soldaten in den Krieg! - Aber wir dürfen uns nicht entmutigen lassen. Wir dürfen niemals aufgeben. Dazu brauchen wir Unterstützung und Hilfe und welche, die uns durch ihr Beispiel immer wieder Mut machen und Ansporn geben. PRO ASYL und ihr Sprecher Heiko Kauffmann ist eine der Organisationen, ist einer der Menschen, die unbeeinflusst und über viele Jahre hinweg unbeirrt diese Arbeit für Asylsuchende und Flüchtlinge leisten. Menschen, die auch uns Mut machen. Darum wollen wir Ihnen für Ihren unermüdlichen Einsatz für Ihr Engagement den Aachener Friedenspreis 2001 verleihen. Die uns oft als letzte Hoffnung sehen - Asylbewerber und Flüchtlinge und andere - sie brauchen Euch weiterhin sehr nötig. Lieber Heiko Kauffmann, liebe Freundinnen und Freunde von PRO ASYL, ich gratuliere Euch sehr herzlich. Ich wünsche Euch auch weiterhin, die Unbestechlichkeit und Unentwegtheit, den Mut und die Kraft Euer Engagement fortzuführen. Vielen Dank fürs Zuhören. Gerhard Diefenbach ist Vorsitzender des Aachner Friedenspreis e.V. E-Mail: gerhard.diefenbach@philips.com Internet: http://www.comlink.apc.org/aachener-friedenspreis | |||
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