Antikriegs-
tag 2001


vom:
05.09.2001


 voriger

 nächster

Antikriegstag 2001 - Inhalt

 Presse zum Antikriegstag

Pressesplitter Hörfunk

Quelle: Kritisches Tagebuch, 01.09.2001, (WDR 3 HF, [http://www.wdr3.de])

Hans-Detlev v. Kirchbach über die Verleihung des Aachener Friedenspreises 2001 an Kazuo Soda



O-Ton Kazuo Soda -japanisch-






"Wenn eine Katastrophe passiert und wenn diese durch menschliche Fehler verursacht wurde, versuchen Machthaber im allgemeinen, die Wahrheit zu verschweigen. Als die Wahrheit über Atombombenschäden in Hiroshima und Nagasaki ersichtlich wurde, waren inzwischen zehn Jahre vergangen."


Kazuo Soda am Samstag in seiner Dankesrede für die Verleihung des Aachener Friedenspreises über die ersten Jahre nach dem Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki, das "Jahrzehnt im Schweigegetto" der "Nachrichtensperre", die die amerikanische wie auch die eigene Regierung über die Opfer verhängt hatten.

Von den "Gezeichneten" wollte man nichts wissen - erinnerten sie doch an die "Schmach" der Niederlage, trugen den Makel genetischer Schäden, galten als Träger von Erbkrankheiten.

Der 72jährige ehemalige Lehrer ist Sprecher derer, die auf Japanisch "Hibakusha" heißen, was zu deutsch, erläutert Soda, sowohl die "Bombardierten" wie auch die "Gebrandmarkten", die "Aussätzigen" bedeutet. Als 16jähriger hatte er den Atombombenabwurf auf Nagasaki mit schweren Strahlenschäden überlebt. Seit Jahrzehnten kämpft er national und international um die Anerkennung der Bombenopfer und für die vollständige weltweite Abschaffung aller Atomwaffen - und die Ächtung des Krieges. Dafür setzt er sich unermüdlich ein, reist als Zeuge des Schreckens und Mahner für Abrüstung und Frieden um den Erdball, Alter und Krankheit zum Trotz. Seit 1993 zieht es ihn jedes Jahr im August zum Gedenktag für Hiroshima und Nagasaki ausgerechnet ins ferne Köln. Denn mit den Initiatoren der 1996 gewaltsam abgeräumten "Kölner Klagemauer", die 1998 selbst den Aachener Friedenspreis erhalten hatten, verbindet ihn eine enge Freund-schaft. 125 Unterschriften von Atombomben-Überlebenden brachte er aus Japan mit, um gegen das Verbot der Kölner Friedens-Klagemauer zu protestieren. Überhaupt kennt sein Einsatz keine Grenzen und gilt auch dem ehemaligen "Gegner". So solidarisierte er sich mit Bewohnern von Hanford im US-Bundesstaat Washington, bei denen durch eine nahegelegene Anlage, in der Plutonium für Nagasaki aufbereitet worden war, Krebs und genetische Schäden aufgetreten waren. Soda zog Parallellen zwischen Hanford und Hiroshima:

"Die Behörden waren hier wie dort genauestens informiert, ließen die Betroffenen im Unklaren und führten heimlich Tests durch. Was war das anderes als Menschenversuche?"

Die "Hölle auf Erden" überlebte Kazuo an jenem 9. August 1945 zweieinhalb Kilometer vom Epizentrum der Bombe entfernt im Hause seiner Eltern, weil er einer Erkrankung wegen nicht in die Munitionsfabrik gehen konnte, in der er zwangsverpflichtet war. Sein Bruder wurde 900 Meter vom Epizentrum entfernt verstrahlt und starb noch im selben Jahr. Seine Schwägerin, in einem Krankenhaus nahe des Bombeneinschlags tätig, wurde nie gefunden. Sehr wahrscheinlich sei ihr Körper durch die 2000 Grad heißen Druckwellen verdampft. Seine Eltern starben innerhalb von sechs Jahren nacheinander an offiziell "ungeklär-ten Krankheiten". Damals, so Kazuo Soda, "wußte noch keiner, daß die Ursache radioaktive Verstrahlung war" - außer den Behörden natürlich, die die Opfer im Unklaren ließen.

Und bis heute, kritisierte Soda, seien nichtjapanische Opfer, darunter vor allem koreanische Zwangsarbeiter, nicht entschädigt worden.

O-Ton Kazuo Soda -japanisch- (Übersetzung)






"Der japanische Staat hat mit dem Krieg angefangen; ebenso hat der Staat Bürger aus Nachbarländern verschleppt, um sie in Munitionsfabriken einzusetzen, in denen sie ebenfalls zu Opfern von Atombomben geworden sind. Daß sie keine Japaner sind, berechtigt den Staat nicht, sich vor der Verantwortung zu drücken."


Mit diesen deutlichen Worten der Kritik am eigenen Land entkräftete der Friedenspreisträger manch wohlfeilen Verdacht, es gehe den Atombombenopfern um nationalistische Propaganda oder einseitige Schuldzuweisung.

Daß er die "Mitschuld des japanischen Imperialismus" an der atomaren Apokalypse von Hiroshima und Nagasaki klar benennt, statt ausschließlich die USA anzuklagen, wurde in der Begründung für den Aachener Friedenspreis ausdrücklich hervorgehoben. In seiner Rede geißelte Soda denn auch neu aufblühende nationalistische und militaristische Tendenzen in Japan und die Vergiftung der Jugend durch Schulbücher, in denen neuerdings wieder die asiatischen Eroberungskriege des kaiserlichen Japan verherrlicht würden. Töne, die manche zuhause in Nippon sicher nicht gern hören.

Zum Schluß warnte Kazuo Soda auch vor einer neuen atomaren Aufrüstungsspirale infolge des amerikanischen "Star-Wars"-Programms:

O-Ton Kazuo Soda (erschüttert)






"Man muß sich des Risikos bewußt sein, daß es neue Strahlenopfer geben wird, solange es nukleare Waffen gibt. Wir Atombombenopfer sind der Menschheit verpflichtet, als überlebende Zeitzeugen lebenslang die Warnglocke zu läuten. 380 Nie wieder darf sich dieses Greuel für die nächste Generation und in diesem neuen Jahrhundert wiederholen."


(Beifall)

Redaktion: Judith Heitkamp

siehe auch Bildreportage der Arbeiterfotografie:
http://www.arbeiterfotografie.com/galerie/reportage/2001-09-01-a
achen-friedenspreis




E-Mail: friekoop@bonn.comlink.org

Website: www.friedenskooperative.de
 voriger

 nächster




       
Bereich:

Netzwerk
Die anderen Bereiche der Netzwerk-Website
          
Themen   FriedensForum Ex-Jugo Termine   Aktuelles