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![]() Antikriegs- tag 2002 vom: 19.09.2002 | Antikriegstag 2002: Redebeitrag am 1. September 2002, dem Antikriegstag in Gronau Udo Buchholz (AKU) Liebe Freundinnen und Freunde, Als Vertreter des Arbeitskreises Umwelt (AKU) Gronau begrüße ich Euch am heutigen Antikriegstag, 63 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, vor der bundesweit einzigen Urananreicherungsanlage. Ich freue mich über die Teilnahme von Freundinnen und Freunde aus den Niederlanden und der näheren Umgebung. Und ich freue mich, daß viele von Euch auch weite Anfahrtswege nicht gescheut haben. Wir befinden uns hier vor der wunderschönen Panorama-Kulisse der neuen Urenco-Zaunanlagen. Die Firma Urenco hat keine Kosten und Mühen gescheut, um ihren wunderhübschen Parkplatz, mitsamt Informationszentrum und Gleisanschluß, rechtzeitig zum heutigen Tag einzäunen zu lassen. Um die Abschirmungspolitik der Fa. Urenco zu perfektionieren, haben am vergangenen Freitag ca. 20 münsterländische Atomkraftgegnerinnen und Atomkraftgegner die UAA für zwei Stunden von 6 - 8 Uhr blockiert. Heute, zwei Tage nach der wirksamen Blockade, stehen wir vor der UAA, um erneut für den sofortigen Atomausstieg und gegen jegliche militärische Aktivitäten zu demonstrieren. Vorbereitet wurde die Kundgebung vom Trägerkreis "Antikriegstag in Gronau", der Aufruf zur Teilnahme an der Kundgebung wurde von 36 Initiativen und Verbänden unterschrieben. Erfreulich dabei ist, daß der Aufruf u. a. sowohl aus den Reihen der Anti-Atomkraft-Bewegung als auch aus der Friedensbewegung heraus Unterstützung fand. Wir hoffen, daß unsere in den letzten Wochen neu entstandenen Kontakte anhalten und zu einer dauerhaften Stärkung des UAA-Widerstandes führen werden. Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle im Namen des AKU Gronau bei all denjenigen, die bei den Vorbereitungen zu dieser Kundgebung mitgeholfen haben. Bedanken möchte ich mich bei denjenigen, die aktive Arbeit geleistet haben und bei denjenigen, die mit kleinen und großen Spenden unser finanzielles Risiko verringert haben. Hinweisen möchte ich darauf, daß weitere Spenden dringend erforderlich sind. Die Möglichkeit zu Spenden besteht beim Informationsstand des AKU Gronau. |
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Antikriegs- tag 2002 | In vielen Städten finden heute Aktionen anläßlich des Antikriegstages statt. Besondere Beachtung gilt dabei nach unserer Auffassung u. a. den Aktionen im Rheinland-Pfälzischen Büchel und unserer hier in Gronau. Beide Aktionen finden direkt am Ort atomarer Bedrohung statt: In Büchel befindet sich eines der letzten Atomwaffenlager in der Bundesrepublik, hier in Gronau steht die bundesweit einzige Urananreicherungsanlage. In Büchel findet in diesem Moment zu Fuß eine Umrundung des dortigen Atomwaffenlagers statt. Die Wegstrecke, die dabei gelaufen wird, beträgt fast 20 Kilometer. Mit der Kundgebung hier vor der UAA demonstrieren wir gegen den Weiterbetrieb der Urananreicherungsanlage und generell gegen Uranabbau und jegliche Uranverarbeitung. Wir wehren uns ebenfalls gegen die Produktion von Atomwaffen und Uranmunition und gegen deren Einsatz. Die UAA versorgt AKWs im In- und Ausland mit Brennstoff und steht heute symbolisch für alle anderen Uranfabriken, die oft unbeachtet vor sich hinstrahlen (die Brennelementefabrik im emsländischen Lingen, die Urananreicherung im niederländischen Almelo, die Uranverarbeitung im französischen Pierrelatte usw.). Hier in Gronau wird am diesjährigen Antikriegstag exemplarisch gegen den gesamten Uran-Themenkomplex demonstriert. Gerade bei der Urananreicherung wird die Schnittstelle zwischen ziviler und militärischer Atomenergienutzung besonders deutlich. Uranabbau und Urantransporte sind für den Betrieb der UAA Gronau unverzichtbar - sind für uns aber nicht hinnehmbar. Wir fordern das Verbot jeglichen Uranabbaus und aller Atomtransporte. Die UAA wurde 1985 in Betrieb genommen. In ihr wird Uran für den Einsatz in Atomkraftwerken vorbereitet. Verbunden mit dem Anlagenbetrieb sind zahlreiche Urantransporte, z. B. mit der Bahn aus Frankreich über Koblenz, Bonn und Köln nach Gronau. Auf dieser Tour rollen die Züge auch durch kleinere Städte wie Dülmen, Coesfeld und Ahaus. Bei dieser Route kommt der Zug aus Pierrelatte, wo das Uranhexafluorid hergestellt wird, das in Gronau verarbeitet wird; im letzten Jahr wurde ein Gleisanschluß zwischen der Gronauer Atomfabrik und der angrenzenden Bahntrasse von Gronau nach Münster gebaut. Viele Städte entlang der Transportstrecken wissen überhaupt nicht, daß Urantransporte auch durch ihre Bahnhöfe und vorbei an Schulen und Wohngebiete führen. Aber auch die Straßentransporte rollen seit Jahren durch viele Städte und werden dabei oft nicht wahrgenommen. Um diese Situation zu ändern und um den Bekanntheitsgrad der Transporte zu steigern, können beispielsweise potentielle Durchfahrtskommunen mit diesbezüglichen Anfragen und Verbotsanträgen gegen Atomtransporte jeglicher Art überschüttet werden. Neben der konkreten Auseinandersetzung seit 1976 mit dem Bau und Betrieb der UAA, befaßten sich Gronauer Aktivistinnen und Aktivisten schon frühzeitig mit der Problematik der Urantransporte. Lange bevor 1992 der erste Castor-Transport aus dem AKW Hamm-Uentrop in das Ahauser Atommülllager rollte, rollten seit 1985 Uranhexafluoridtransporte zur UAA Gronau, bzw. auch wieder von ihr weg. Weil die UF-6-Transporte, die in Gronau (und anderswo) ständig rollen, die Grundlage für den Betrieb der UAA, und damit auch letztlich für den Betrieb von AKW, sind, muß ihnen mehr Aufmerksamkeit als bisher geschenkt werden. Entsprechendes gilt natürlich auch für die Urantransporte von und nach Lingen, bzw. Almelo. Weitere Urantransporte führen mit LKW und Schiffen von Gronau nach Rußland. Dabei wird das sogenannte abgereicherte Uran von Gronau zur Weiterverarbeitung zu russischen Urananreicherungsanlagen transportiert. Ein kleiner Teil dieses Urans kommt wieder nach Gronau zurück, der überwiegende Teil bleibt jedoch in Rußland. Auf diese Art und Weise soll offenbar Atommüll in großen Mengen, der bei der Anreicherung in Gronau in Form von abgereichertem Uran anfällt, entsorgt werden. Ob aus dem Material in Rußland evtl. zu einem späteren Zeitpunkt, oder vielleicht sogar bereits jetzt, Uranmunition produziert werden könnte, ist für uns nicht kontrollierbar. Nicht unerwähnt bleiben darf eine weitere militärpolitische Brisanz der Urananreicherung. Grundsätzlich kann in UAAs auch atomwaffentaugliches Uran hergestellt werden. Dabei handelt es sich um Uran, das so hoch angereichert wird, daß es aus 70-90% U-235 besteht. Offiziell darf in Gronau bisher nur auf "zivile" 5% angereichert werden. Nach Umbauarbeiten ließe sich aber sicherlich ein höherer Prozentsatz erreichen. Der Betrieb der UAA Gronau ist mit zahlreichen Gefahren verbunden, die bereits beim Uranabbau beginnen. Hinzu kommen z. B. das Unfallrisiko, ständige Niedrigstrahlung, Gefahren durch denkbare Flugzeugabstürze oder Sabotage und das unlösbare Atommüllproblem. Das angereicherte Uran wird von Gronau zur Weiterverarbeitung zu Brennelementefabriken transportiert, so zum Beispiel auch nach Lingen (Emsland). Dort steht die derzeit einzige in Betrieb befindliche deutsche Anlage, in der Uranhexafluorid wieder in Uran und Fluor aufgetrennt werden kann - eine wichtige Voraussetzung zur späteren Brennelementeherstellung. Die bisher größte Demonstration gegen die UAA Gronau fand 1987 mit ca. 400 TeilnehmerInnen statt. Langjähriger Bestandteil des UAA-Widerstandes sind die Gronauer Sonntagsspaziergänge. Sie finden traditionell seit Ende 1986 an jedem ersten Sonntag im Monat um 14 Uhr an der UAA statt. Die Beteiligung schwankte bisher von zwei bis 200 Personen. Nähere Informationen über den bisherigen UAA-Widerstand enthält die umfangreiche Dokumentation "20 Jahre AKU Gronau", die beim Infostand des AKU erhältlich ist. Hier in Gronau wird die Widersinnigkeit des sogenannten Atomausstiegs besonders deutlich. Im sogenannten "Atomkonsens" wird die UAA Gronau nicht einmal erwähnt., im Gegenteil: der massive Ausbau der UAA ist geplant. Zur Zeit kann in der UAA mit einer Kapazität von etwa 1500t Urantrennarbeit pro Jahr (UTA/a) Uran für den Betrieb von etwa 12 AKWs vom Typ Lingen II oder Brokdorf angereichert werden. Genehmigt ist die Erweiterung auf 1800t UTA/a. Die BetreiberInnen der UAA Gronau haben zusätzlich beim nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium eine Kapazitätserhöhung auf insgesamt 4500t UTA/a beantragt. Damit könnten jährlich 36 AKWs versorgt werden. Fest steht: In Gronau wird nicht nur für deutsche AKW`s angereichert, sondern für den weltweiten Markt. Die UAA Gronau sorgt für den Weiterbetrieb von AKW`s im In- und Ausland. Ein Schwerpunkt in der nächsten Zeit wird in Gronau, sollte aber auch bundesweit, die Sammlung von Einwendungen gegen den UAA-Ausbau sein. Das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium bereitet weitgehend unbeachtet die sogenannte "Öffentlichkeitsbeteiligung" zum Ausbau der UAA in Gronau vor. Die öffentliche Auslegung der Pläne (Kapazitätserweiterung der UAA von genehmigten 1800t UTA/a auf 4500t UTA/a und Bau eines Hallen-Lagers für ca. 60.000 Tonnen Uranoxid neben der UAA) soll vermutlich im Herbst erfolgen, mit der Erörterung der (hoffentlich zahlreichen) Einsprüche wäre dann 2003 zu rechnen. In dem sogenannten Zwischenlager soll Uranoxid gelagert werden, das aus dem abgereicherten UF-6 in Frankreich zurück gewonnen werden soll. Die in Nordrhein-Westfalen nach dem Bundesnaturschutzgesetz anerkannten Naturschutzverbände BUND, NABU und LNU haben bereits in einer gemeinsamen Stellungnahme verdeutlicht, daß sie den Betrieb und beantragten Ausbau der UAA ablehnen. Auch sie werden sich an einer Einspruchskampagne gegen die neuen Ausbaupläne beteiligen. Selbstverständlich darf man nicht erwarten, daß der Ausbau der UAA alleine durch das Erheben von Einsprüchen gestoppt werden kann - obwohl auch das nicht unmöglich sein muß. Erfahrungsgemäß kann die Teilnahme an derartigen Genehmigungsverfahren jedoch viel Sand ins Getriebe der Atomlobby streuen, z.B. durch einen errungenen Abbruch eines Erörterungstermins. Politisch ist es außerdem ein beachtlicher Unterschied, ob 1000, 10.000 oder 100.000 Einsprüche zusammen kommen. Gegen den Bau der 1000t-UAA wurden in den 70er Jahren rund 7000 Einsprüche gesammelt (davon kam etwa die Hälfte aus den Niederlanden), 1996 kamen gegen die Erweiterung auf 1800t rund 8000 Einsprüche zusammen. Eine Steigerung ist möglich und wünschenswert. Ein langdauerndes Genehmigungsverfahren kann sogar deutlich knirschender Sand im Getriebe des Uranabbaus sein und kann indirekt zahlreiche Urantransporte blockieren. Um umfassende Strategien für eine bundesweite Einspruchskampagne zu erarbeiten, wird der AKU Gronau im Herbst eine Strategietagung durchführen. Dabei sollen formelle Informationen über das Genehmigungsverfahren ebenso vermittelt werden, wie Ideen für phantasievolle Einwendungen. Es gibt viele Gründe, um gegen die UAA Gronau aktiv zu werden (Uranabbau, Unfallrisiko, Niedrigstrahlung, fehlende Entsorgung, zahllose Urantransporte, mögliche Gefahr des militärischen Urangebrauchs). Es gab und gibt bereits seit über 25 Jahren Proteste und Aktionen gegen Bau, Betrieb und Erweiterung der UAA. Laßt uns gemeinsam die Rüstungs- und Atomindustrie stoppen, in Büchel, Gronau und anderswo! . Jede Tonne Uran, die in Gronau nicht angereichert wird, verringert das Atommüllproblem. Und Widerstand gegen Urananreicherung ist praktische Solidarität mit dem Widerstand gegen Uranabbau in Australien, Kanada und anderswo. Abschließend möchte ich Euch auch im Namen des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) grüßen, dessen Vorstand ich angehöre. Der BBU unterstützt den Widerstand gegen die UAA Gronau schon seit vielen Jahren, und hat bereits vor über 20 Jahren den Widerstand gegen Uranabbau unterstützt. So hieß es 1980 in einer Ausgabe des BBU-Umweltmagazins: "Im Uranabbau sind militärische, wirtschaftliche und politische Interessen und Mächte weltweit miteinander verknüpft. Wir sind gezwungen, diese Herausforderung aufzunehmen und auch bei uns den Kampf der australischen Aborigines und Gewerkschaften, der Indianer und Naturschützer in den USA, Kanada und anderswo bekannt zu machen und auch darüber hinaus zu unterstützen. Hier gilt allgemein, was der BBU in seinem Vorwort zu dem in diesem Zusammenhang ungemein wichtigen Buch von Janine Roberts, bezogen auf die Aborigines, gefordert hat.: ´Unterstützen wir den Kampf der australischen Ureinwohner gegen Uranabbau, gegen Landraub und für Selbstbestimmung, dann haben wir eine Chance, unser Harrisburg zu verhindern.` " Mit diesen Worten, die immer noch aussagekräftig sind, möchte ich schließen. Ich bedanke mich für Eure Aufmerksamkeit und hoffe, daß der Widerstand gegen Urananreicherung und Uranabbau, gegen Uranwaffen und Urantransporte in den nächsten Wochen und Monaten weiteren Aufschwung erhalten wird. E-Mail: f-jrottmann@gmx.de Internet: http://www.aku-gronau.de | ||
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