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Erstellt:
02.09.1999


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Antikriegstag des Gewerkschaftsbundes auf dem Friedhof Jammertal

60 Jahre - und kein bisschen weise

Braunschweiger Zeitung, Josef Jassan

Zum Antikriegstag `99 hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund den 1. September ausgerufen. Weil an diesem Tag vor 60 Jahren Deutschland den Zweiten Weltkrieg mit dem Angriff auf Polen begonnen hat. Doch selbst dieses denkwürdige Datum bewegte nur ein Häuflein engagierter Idealisten zur Teilnahme an der abendlichen Gedenkveranstaltung auf dem Friedhof Jammertal.

Nachdem sich die Gruppe um 18 Uhr vor dem Lebenstedter Gewerkschaftshaus getroffen hatte zog sie, für den Frieden demonstrierend, durch die Innenstadt zum Ort der Besinnung, auf dem 2970 Opfer des Nazi-Terrors in Salzgitter ihre letzte Ruhe gefunden haben. "Die, die es eigentlich angeht", sagte einer der Marschierer, "sind sowieso nicht da." Aber auch von Rat und Verwaltung ließ sich kein Offizieller blicken.

"Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen", erinnerte DGB-Ortskartellvorsitzender Jürgen Mainka an das, was er als die "größte Lüge der Weltgeschichte" bezeichnete. Seitdem habe es bis heute in der Welt keinen Tag mehr ohne Blutvergießen gegeben.

Für Herbert Erchinger fangen Kriege nicht erst an, wenn geschossen wird. Der zweite Weltkrieg, so sagte der Industriepfarrer der evangelischen Landeskirche Braunschweig, habe bereits mit dem Scheitern der Weimarer Republik begonnen. "Jede Demokratie, die kein Mittel gegen die Arbeitslosigkeit findet, die ihre Minderheiten nicht schützen kann und keinen Ausgleich zwischen Arm und Reich schafft, ist zum Untergang verurteilt", warnte er.

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Antikriegstag 1999 - Inhalt
Der Hamburger Schauspieler Rolf Becker schilderte seine Eindrücke von einem Besuch im serbischen Kragujevac. Dort hätten die Bomben der Nato quasi alles zerstört, was der Bevölkerung ein halbwegs menschenwürdiges Leben ermöglicht hätte. Getroffen habe dieser Krieg aber nur die Zivilisten, erklärte Becker. Und die Lage im Kosovo sei durch ihn auch nicht wirklich geändert worden.

In ihren Szenen gegen den Krieg verdeutlichten Die Querköppe aus Peine, dass viele Deutsche aus all den Schrecken der Nazizeit noch immer nichts gelernt hätten. Die Kabarettisten spannten hierbei den Bogen von Vogel-Strauß-Politik bis zur Beschönigung des Greuel selbst durch Kriegsheimkehrer. "Es gibt nicht die Gnade der späten Geburt", stellten sie fest.

Denen, die diesen Abend im Jammertal verbrachten, gingen die Worte der Redner unter die Haut, stimmten sie nachdenklich. Doch auch der teppichweiche Moosboden des Friedhofs konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass am Fuß des Gedenksteins für die 185 hier ermordeten Juden die Scherben zerschlagener Bierflaschen lagen und dass am Mahnmal am Eingang der Gedenkstätte nur zwei Kränze lehnten: Einer vom Deutschen Freidenker-Verband und einer von der PDS Salzgitter-Vorharz. "Nie wieder Faschismus" war auf den Schleifen zu lesen.

aus "Newsclick", Infoienst der Braunschweiger Zeitung, Sazlgitter Zeitung, Wolfsburger Nachrichten vom 2.9.1999

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