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Panzer in die Türkei? - Inhalt


vom:
15.12.1999
Update: 26.04.2000


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Panzer in die Türkei?:

  Hintergrund-Informationen

Ein Gespräch mit Verteidigungsminister Sabahattin Cakmakoglu

»Türkei wird ihre Rüstungsprogramme trotz Erdbebenschäden fortsetzen«

Redaktion Wehrtechnik

»Jedes Land - auch Deutschland natürlich - entscheidet selber, ob es Panzer in ein anderes Land verkaufen will oder nicht. Und die Aufforderung zur Angebotsabgabe, die türkischen Streitkräfte mit Kampfpanzern auszustatten, ist nicht nur nach Deutschland, sondern in fünf weitere Länder gerichtet worden.« Dies erklärte der türkische Verteidigungsminister in einem Gespräch mit der Schwesterzeitschrift »NATO`S NATIONS -AND PARTNERS FOR PEACE« kürzlich in Brüssel. Das Panzerprojekt sei integraler Bestandteil des gesamten Modernisierungsplanes der Streitkräfte. Das Gespräch führten Manfred Sadlowski als Chefredakteur »NATO`S NATIONS«, Norbert Hübner als Chef vom Dienst und Peter Müller als Mönch-Korrespondent Brüssel.


Die Türkei habe auch bei dem Vereinigungsprozeß Europas nach dem Kalten Krieg eine wichtige Rolle als Stabilisierungsfaktor zwischen Europa und Asien wahrgenommen und schon zu Beginn der 50er Jahre große materielle Opfer erbracht.

Im »Partner for Peace« -Programm und im früheren Jugoslawien engagiert
Auf die Rolle der Mittelmeer-Anrainerstaaten »Mediterranean Dialogue« der NATO angesprochen, verwies der Minister auf das »Partner for Peace Training Center« in Ankara und zahlreiche Kurse für friedensunterstützende Operationen. Dies schließe auch zivile Katastrophenschutzplanungen ein. So habe man gerade eben erst eine Konferenz zum Thema »Search and Rescue - Activities in the case of desasters« erfolgreich veranstaltet. Zum Konflikt in der Kaukasus-Region erklärte der Minister: »Die Türkei ist ein Kaukasus-Land, und es ist unser Wunsch, daß die Länder in dieser Region eine Entwicklung und Wachstum an Frieden und Stabilität erhalten.« Die Türkei versuche, diesen Prozeß durch das Schwarze Meer-Wirtschaftsmodell zu unterstützen, das von der Türkei geführt wird.

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Türkei nicht nur aus Brüssel betrachten
Zu den Herausforderungen des neuen Jahrtausends erklärte der Minister, daß der türkische Staat sein Selbstbewußtsein in einer dynamischen Struktur seiner Gesellschaft finde. Es werde alles versucht, um die technologische Infrastruktur des Informationszeitalters zu vervollständigen und gleichzeitig die humanitären und moralischen Werte zu erhalten. »Man darf das gesamte Bild nicht nur von Brüssel aus betrachten, denn die Türkei wird ihre zentrale Attraktivität als ein demokratisches und ein wachsendes Land, sowohl im Balkan, Kaukasus, Zentralasien, Schwarzes-Meer-Region und als Mittelmeerland einbringen«.

Auf die Verteidigungsausgaben der Türkei angesprochen, zeigte sich der Minister auch für die Zukunft zuversichtlich: »unsere geografische Nähe zur Bedrohung aus dem Kosovo mit seinen Risiken und Destabilisierungen könnte sich direkt gegen die europäisch-atlantische Region auswirken. Deshalb benötigt die Türkei weiterhin moderne Streitkräfte.«

Eingeführte Waffen modernisieren statt neu kaufen
Anstatt neue Waffen und Geräte zu beschaffen, werde versucht, möglichst bereits eingeführte zu modernisieren. Die Türkei ist in einer führenden Position unter den NATO-Ländern bezüglich des prozentualen Anteils an Beschaffung von Verteidigungsgeräten undInvestitionen.Deshalb »erwarten wir von unseren Alliierten, diese Anstrengungen zu unterstützen durch richtig verstandene Solidarität in der Allianz«.

Priorität: Ausführung der NATO-Beschlüsse
Die Modernisierung der türkischen Streitkräfte ist auch als Ausführung der NATO-Strategie zu sehen, nachdem als deren Bestandteil die nationale Verteidigungsinitiative (Defence capability Initiative) vom NATO-Gipfel in Washington im April beschlossen worden war. So wird die Türkei die bereits starken Anstrengungen in den vergangenen 15 Jahren in der Allianz jetzt noch erhöhen. »Und ich glaube, daß diese Unterstützungen der türkischen Seite von den anderen Bündnispartnern entsprechend gewertet werden.« Die Erhöhungen in den Modernisierungsanstrengungen werden notwendig durch Verbesserung der Mobilität und Verlegungsfähigkeit von Militärstützpunkten. Auf das zweitgrößte Rüstungsprogramm - den Kampfhubschrauber - angesprochen, erklärte der Minister, daß zur Zeit die Vorschläge der verschiedenen Länder eingegangen seien und geprüft würden. Nicht nur technische und ökonomische sondern auch »andere Faktoren« würden bei der Schlußentscheidung zu berücksichtigen sein. Auch diese Entscheidungen haben eng mit den Entwicklungen in der Defence Initiative der NATO-Länder zu tun.

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Erdbeben im Jahre 1999: keine Auswirkungen auf Modernisierung der Streitkräfte
Dieses Thema zeigte den Minister sehr engagiert und besorgt. 88 Länder haben großartige Hilfe geleistet und setzen diese auch noch fort. Aber letztendlich läge die Verantwortung, die sich aus den hervorgegangenen Schwierigkeiten ergeben, auf den eigenen Schultern. So werden Spareinlagen, die bisher unversteuert blieben, mit einer Art »Quellensteuer« belegt. Damit werden Leute an den Kosten beteiligt, die lukrativ Geld nur deshalb verdienten, weil sie Geldanlagen »arbeiten« lassen.

Von NATO wird Hilfe zur Herstellung der Infrastruktur erwartet
Weiter der Minister: »Wir versuchen, unsere Maßnahmen so zu ergreifen, daß es keine negativen Einflüsse auf unsere Beschaffungsprogramme für die Streitkräfte gibt.« Er verwies gleichzeitig darauf, daß in der Türkei nicht nur durch das Verteidigungsbudget die Streitkräfte unterhalten und modernisiert werden, sondern auch durch zusätzliche Einnahmen. So gibt es Mittel, die zweckgebunden von der Verteidigungsindustrie eingebracht werden. Von der NATO erwartet man nach dem Erdbeben unterstützung bei der Erstellung der militärischen Infrastruktur. Hier sei vor allen Dingen die größte Marinebasis in Gölcük betroffen. Die Türkei erwartet von der NATO materielle Unterstützung, und zwar aus dem Infrastrukturetat. Die notwendigen Schritte seien bereits unternommen worden.

Quelle: Wehrtechnik IV/99, Seite 78-79
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