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![]() 11.9.2001 erste Reaktionen update: 10.10.2001 | Terroranschläge 11.9. - erste Reaktionen Pressesplitter - Ticker - div. Nachrichtenagenturen ap 17.09. Friedensbewegung kämpft gegen den Strom ap 07.10 Friedensbewegung warnt vor unkontrollierbaren Eskalationen ap 08.10 Auferstehung einer totgesagten Bewegung ap 08.10 Friedensbewegung kritisiert Militäraktionen in Afghanistan dpa 08.10 Friedensbewegung ruft zu Großkundgebungen auf epd 08.10 Friedensbewegung protestiert gegen Bombenangriffe ap 08.10 Tausende protestieren gegen Militäraktionen dpa 09.10 50 000 bei Anti-Kriegs-Demonstration in Berlin erwartet Quelle: ap, 17.09 - 14.22 Uhr Friedensbewegung kämpft gegen den Strom Organisationen fordern Bundesregierung zur Rücknahme der NATO-Erklärung auf - "Aktivitäten für Deeskalation" Von AP-Korrespondentin Inge Treichel Frankfurt/main (AP) Anhänger der Friedensbewegung haben es zurzeit nicht leicht, sich Gehör zu verschaffen. Das Meinungsklima ist beherrscht von Verständnis und Unterstützung für den geplanten Vergeltungsschlag der USA. Mehr als zwei Drittel der Deutschen befürworten laut einer Umfrage die Beteiligung der Bundeswehr an Racheaktionen gegen den islamistischen Tenor. Dagegen setzt die Friedensbewegung "Aktivitäten für Deeskalation". "Die Weil droht nach dem 11. September 2001 kälter und kriegerischer zu werden", hat die Friedenskooperative noch am selben Tag in einer Erklärung veröffentlicht. Sie war eine der ersten, die nach den entsetzlichen Terroranschlägen die Sprache wiederfand. Ihre Organisationen und Gruppen beeilen sich mit Mäßigungsappellen - getrieben von der Furcht, dass "neue Eskalationen folgen". Die Bestrafung muss nach Ansicht der Friedensbewegung auf Anstifter und Helfer der Terroristen beschränkt bleiben. Nach ersten symbolischen Aktionen wie Mahnwachen oder einem "Interreligiösen Friedensgebet" sind in dieser Woche vor allem Diskussionsveranstaltungen geplant. Themen wie "Die Rolle des Terrors in den Religionen" (Veranstaltung am Mittwoch in Pforzheim mit Christen, Juden und Moslems) haben auch in der Friedensbewegung nie zuvor derart im Vordergrund des Interesses gestanden. In Kassel ist für kommenden Samstag eine Aktionskonferenz geplant mit dem Motto "Keine Rache - Keinen Krieg! Dem Terrorismus den Boden entziehen!". Menschenrechtsorganisationen und andere Friedensgruppen fordern die Bundesregierung auf, ihre Zustimmung zum Verteidigungsfall der NATO zurückzunehmen. "Der Bundestag darf einen Einsatz der Bundeswehr nicht sanktionieren", verlangt das Kölner Friedensforum. "Unser Land hat sich der Vorbereitung einer militärischen Vergeltung angeschlossen, ohne Alternativen zu bedenken, die deeskalierend wirken und damit mehr Sicherheit bringen können." Es dürfe auf keinen Fall Gegenschläge geben. denen unvermeidlich Unschuldige zum Opfer fielen, hebt das Friedensforum hervor. "Gegen Terrorismus und wahnsinnsgeleitete Aktionen blinder Gewalt gibt es keinen hundertprozentigen Schutz. Eine Politik, die den Terrorismus wirksam bekämpfen will, muss ihm den sozialen, politischen und ideologischen Nährboden entziehen. Weltweite Hilfe statt Krieg Deutliche Worte sprechen Menschenrechtsorganisationen wie Pro Asyl: "Solange die reichen Industriestaaten mit erheblicher struktureller, vor allem wirtschaflicher, oft auch mit direkter Gewalt verhindern, dass den hungernden und verhungernden Millionen in armen Ländern geholfen wird düngen sie selbst den Boden aus dem Hass, Fanatismus und blindwütige Gewalt hervorgehen." Die Parole lautet: "Wir wollen Gerechtigkeit statt Rache und weltweite Hilfe statt Krieg gegen die Armen." Auf den Nährboden des Fanatismus verweist auch die Deutsche Gesellschaft für Psychologie: "Wer Unschuldige und Unbetroffene umstandslos seiner Ideologie opfert, hat sich aus der Gemeinschaft entfernt. Obwohl sich solche Denkweisen letztlich kaum erklären Lassen, sollten wir doch bedenken, dass solche Haltungen entstehen vor dem Hintergrund schwärender Konflikte und Ungerechtigkeiten, die viele Menschen entwurzelt haben." In die Appelle zur Deeskalation stimmt auch die Deutsche Sektion der Internotionalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges ein: "So wenig, wie uns diese Lösung momentan befriedigend scheint: Auf Dauer helfen nur Gespräche, Verhandlungen und Verträge, um die Welt zu einem friedlichen Ort werden zu lassen." (171422 sep 01) http://www.friedenskooperative.de Quelle: ap, 07.10.01, 17.12 Uhr Friedensbewegung warnt vor unkontrollierbaren Eskalationen Bonn (AP) Nach dem Beginn der Angriffe auf Afghanistan hat die Friedensbewegung vor unkontrollierbaren Eskalationen gewarnt. Die Militäraktionen seien offenbar der Beginn eines Krieges zur Eroberung Afghanistans und des Sturzes des Taliban-Regimes, erklärte der Geschäftsführer des Netzwerks Friedenskooperative, Manfred Stenner, am Sonntagabend. Dies sei keine geeignete Maßnahme zum Stopp des internationalen Terrorismus, sondern wahrscheinlich der entscheidende Impuls für eine unkontrollierbare Gewaltspirale, erklärte Stenner. Die Bombenangriffe würden mit Sicherheit viele Unschuldige in Afghanistan treffen, kritisierte Stenner. Das bedeute Krieg gegen ein ganzes Land. Dies entspreche nicht den von den Grünen akzeptierten begrenzten Operationen gegen die terroristischen Täter, sondern sei ein "richtiger Krieg mit unabsehbaren Folgen". Damit sei das Schicksal der rot-grünen Regierungskoalition besiegelt, erklärte Stenner. Auch die baden-württembergische Initiative "Ohne RüstungLeben" verurteilte den Angriff und kritisierte, dass die diplomatischen und geheimdienstlichen Mittel zur Ergreifung der Attentäter nicht ausgeschöpft worden seien. Für den (morgigen) Montag kündigte das Netzwerk Demonstrationen in zahlreichen Städten und für den kommenden Samstag Großdemonstrationen in Berlin und Stuttgart an. http://www.friedenskooperative.de Quelle: AP-Meldung vom 8.10.2001, 14.58 Uhr Auferstehung einer totgesagten Bewegung Angst vor Terror und Krieg beschert der Friedensbewegung neuen Zulauf - Andere Dimension als beim Kosovo-Krieg Von AP-Korrespondentin Mirjam Mohr, Frankfurt/Main (AP) Die Angst vor Terror und Krieg hat zu einer Renaissance der schon totgesagten Friedensbewegung geführt. Nach dem lange erwarteten Beginn des Militärschlags gegen das afghanische Taliban-Regime wurden am Montag in zahlreichen deutschen Städten Mahnwachen, Demonstrationen und Kundgebungen angesetzt, für das kommende Wochenende sind Grossdemonstrationen in Berlin und Stuttgart geplant. "Wir erleben einen ungeheuren Zulauf, das ging direkt nach dem 11. September los", sagt Manfred Stenner, Geschäftsführer des Netzwerks Friedenskooperative. Zwischen 500 und 1.000 E-Mails erreichen Stenner seither pro Tag, das Telefon steht beim Sammelbecken der deutschen Friedensinitiativen nicht mehr still. "Die Leute wollen wissen: Was kann man tun, damit es keinen Krieg gibt?" Doch mit Freude kann Stenner das Wiedererstarken der Bewegung, die nach dem Ende des Kalten Krieges abgemeldet schien, nicht betrachten: "Das ist nichts, worüber wir uns freuen. Wir befinden uns in einer Situation, die gefährlich für die ganze Welt ist, weil sie zu einem Flächenbrand führen kann." Bereits vor zwei Jahren, als sich die ursprünglich in der Friedensbewegung wurzelnde rot-grüne Bundesregierung am Kosovo-Krieg beteiligte, trat die Friedensbewegung wieder vermehrt in Aktion, allerdings überwiegend als Diskussionsgegner. "Die Menschen waren verunsichert darüber, was richtig ist und was falsch", sagt Stenner. "Damals gab es die Rechtfertigung, dass es sich um einen humanitären Einsatz handele, und es wurde mit den Bildern von Flüchtlingsströmen ein starker öffentlicher Druck aufgebaut", erklärt Jens-Peter Steffen von der Organisation "Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung" (IPPNW). Diesmal habe die Diskussion eine ganz andere Dimension. "Die erste Reaktion war Solidarität mit den Betroffenen aber die Angst vor einer unkalkulierbaren Eskalation war von Beginn an da", sagt Stenner. Laut Steffen führt die enge politische und kulturelle Orientierung auf die USA zu einer unmittelbaren persönlichen Betroffenheit. Auf der anderen Seite stehe diesmal aber ein dubioses, geheimes Netzwerk, das zerschlagen werden solle. Gleichzeitig fragten sich viele, wieso die Beweise gegen das Terrornetzwerk Osama bin Ladens nicht offen gelegt würden. "Für viele sieht das nach der Methode `Vogel, friss oder stirb` aus", sagt Steffen. Dadurch würden vor allem die Folgen der Militäraktion vollkommen ungewiss und für viele nicht nachvollziehbar. "Es ist nur klar: Was in New York passiert ist, kann auch uns passieren. Das geht an niemandem vorbei, betrifft Kinder genauso wie ältere Menschen, bei denen Kriegserinnerungen hochkommen", erklärt Mediziner Steffen. Er glaube, dass die jetzige Friedensbewegung eine ganz neue Qualität habe, da sie ganz offensichtlich in Verbindung mit der Globalisierungsproblematik gesehen werde. Frage nach Ursachen als Rechtfertigung diskreditiert Genau darin sieht Stenner auch einen Hoffnungsschimmer. Nicht nur die jetzt geschmiedete internationale Allianz gegen den Terror sei ein "durchaus richtiger Schritt". Vor allem sei mit der Frage nach den Ursachen der Terroranschläge auch über eine Wende in der westlichen Politik und Fehlentwicklungen bei der Globalisierung gesprochen worden. Zwar diskreditiere etwa der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach jedes Nachdenken über Ursachen als Rechtfertiqung der Anschläge, "aber Blair und Bush sind in dieser Hinsicht schon viel weiter als Bosbach", wie etwa Blairs Rede auf dem Labour-Parteitag gezeigt habe. Allerdings sei zu befürchten, dass es auch hier eher bei Sonntagsreden bleiben und kein Handeln in Richtüng auf eine gerechtere Weltordnung folgen werde. Auch wenn die USA "vernünftiger reagiert haben, als wir zunächst erwartet haben", sei der jetzt erfolgte Militärschlag der falsche Schritt sagt Stenner. Die `absolut notwendige Bekämpfung des Terrorismus` müsse an die Vereinten Nationen und einen Internationalen Gerichtshof gebunden werden. "Das wäre ein Signal an die islamische Welt: Wir machen das gemeinsam mit euch." Zudem würde damit jeder "Anschein von Selbstjustiz" vermieden. Zugleich müsse eine neue Nord-Süd-Politik eingeleitet und daneben der Druck für eine friedliche Lösung im Nahen Osten verschärft werden. "Das wäre etwas, was die Menschen in den Staaten spüren, auf die sich die Terroristen vermeintlich berufen." http://www. friedenskooperative.de, http://www.ippnw.de Quelle: ap 8.10.2001, 14.11 Uhr Friedensbewegung kritisiert Militäraktionen in Afghanistan Dachorganisation befürchtet Spirale aus Terror und Gewalt - Ankündigung von Großdemonstrationen Kassel (AP) Die Friedensbewegung macht mobil gegen die amerikanisch-britischen Militäraktionen in Afghanistan. Die Angriffe seien kein geeignetes Mittel, den Terrorismus zu bekämpfen, erklärte am Montag in Kassel der Bundesausschuss Friedensratschlag, eine der Dachorganisationen der Friedensbewegung. Das Pochen auf das Faustrecht des Stärkeren und der Gedanke an Rache verstießen gegen rechtsstaatliche Prinzipien. Friedliche Lösungen seien von der Politik nicht hinreichend gesucht worden. Es sei zu befürchten, dass sich mit dem Angriff auf Afghanistan die Spirale aus Terror und Krieg, Gewalt und Gegengewalt weiter drehen werde, sagte der Sprecher der Organisation, Peter Strutynski. Die anfangs gepriesene US-Politik, auf Cowboy-Methoden bei der Terrorismus-Bekämpfung zu verzichten, habe sich mit dem jetzt eröffneten Krieg als groß angelegtes Täuschungsmanöver herausgestellt. Die Wochen nach den Anschlägen in New York und Washington hätten die USA nur genutzt, um den größten Truppenaufmarsch zu bewerkstelligen, den die Welt seit dem Zweiten Weltkrieg gesehen habe. Strutynski kritisierte auch die Position von Bundeskanzler Gerhard Schröder, die US-Militäraktionen vorbehaltlos zu unterstützen. Mit dieser Zusicherung würden die Gefühle der Solidarität mit den Opfern der Terroranschläge in den USA nur rnissbraucht. Für den kommenden Samstag rief der Friedensratschlag zu zwei Großkundgebungen in Berlin und Stuttgart auf. Unter dem Motto "Stoppt Terror und Krieg! Aufstehen für den Frieden. Für Solidarität und soziale Gerechtigkeit" sollen die Teilnehmer für eine gcwaltfreie Bereinigung des Konflikts eintreten. Die Friedensbewegung rechnet mit zehntausenden Demonstranten. Das Netzwerk Friedenskooperative erklärte, die Militäraktionen seien offenbar der Beginn eines Krieges zur Eroberung Afghanistans und des Sturzes des Taliban-Regimes. Dies sei keine geeignete Maßnahme zum Stopp des internationalen Terrorismus, sondern wahrscheinlich der entscheidende Impuls für eine unkontrollierbare Gewaltspirale, erklärte der Geschäftsführer des Netzwerks, Manfred Stenner, am Sonntagabend. Die Bombenangriffe träfen mit Sicherheit viele Unschuldige. Auch die Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) verurteilten die amerikanischen und britischen Militärschläge. "Der Krieg wird uns bei der Bekämpfung des Terrors nicht einen Schritt voranbringen. Im Gegenteil: Er führt zu neuem Terror und neuem Leid" erklärte die Organisation. Die Attentäter müssten vielmehr mit allen Mitteln des Rechtsstaates zur Rechenschaft gezogen werden. Um dauerhaft Frieden zu schaffen gelte es, sich den Ursachen des Terrors zuzuwenden. Der Hamburger Friedensforscher Hans-Joachim Gießmann appellierte an die USA, nicht gegen die Charta der Vereinten Nationen zu verstoßen. In der "Saarbrücker Zeitung" sagte der Politologe, die Vereinigten Staaten müssten bei ihren Handlungen das Gebot der Verhä1tnismäßigkeit wahren. Ein Krieg gegen Afghanistan stünde im Widerspruch zur UN-Charta und zur Antiterror-Reso1ution der We1torganisation. Hinzu komme, dass die politische Koalition, um die sich die USA bemüht hätten, sehr zerbrechlich sei, sagte Gießmann. www.friendensratschlag.de Quelle: dpa 8.10.2001 14.07 Uhr Friedensbewegung ruft zu Großkundgebungen auf Kassel (dpa) - Die Deutsche Friedensbewegung hat nach den Militärschlägen in Afghanistan zu Großkundgebungen am Samstag in Berlin und Stuttgart aufgerufen. Am Montag bereits solle es zu Protesten in vielen deutschen Städten kommen, sagte der Sprecher des Bundeausschusses Friedensratschlag, Peter Strutynski, in Kassel. Die Koordinierungsstel1e der Friedensbewegung kritisierte die Militärsch1äge heftig. Zu befürchten sei, dass die Spirale aus Terror und Krieg immer weiter gedreht werde. Quelle: epd 8.10.2001 11:41 Uhr Friedensbewegung protestiert gegen Bombenangriffe Frankurt a.M. (epd). Gruppen aus der Friedensbewegung haben am Montag in zahlreichen deutschen Städten gegen die Bombenangriffe der USA und Großbritanniens auf Ziele in Afghanistan protestiert. In über 30 Orten hätten Initiativen für den Nachmittag zu Demonstrationen, Kundgebungen und Mahnwachen aufgerufen, teilte das Bonner "Netzwerk Friedenskooperative" mit. Für den 13. Oktober seien Großkundgebungen in Berlin und Stuttgart geplant. Bei den Angriffen auf Kabul und Kandahar handele es sich offenbar um den Beginn eines Krieges zur Eroberung Afghanistans und zum Sturz des Taliban-Regimes, sagte der Geschäftführer des Netzwerks, Manfred Stenner. Die Bombardierungen seien keine geeignete Maßnahme zum Stopp des internationalen Terrorismus, sondern wahrscheinlich der entscheidende Impuls für eine unkontrollierbare Eskalation der Gewalt, vor der die Friedensbewegung seit den Terroranschlägen am 11.September gewarnt habe. Schon durch den Militäraufmarsch und die Ankündigung des Krieges sei in Afghanistan ein Flüchtlingsdrama ausgelöst worden, erklärte Stenner. Jetzt drohe ein Putsch oder Bürgerkrieg im Atomwaffenstaat Pakistan "mit unabsehbaren Folgen." Die Initiative "Gewaltspirale durchbrechen" wandte sich gegen die Beteiligung Deutschlands an Militärschlägen in Afghanistan. Es hänge auch von den Aktionen der Friedensbewegung ab, wie die von Bundeskanzler Gerhard Schröder versprochene Unterstützung der USA konkret aussehe, sagte Sprecherin Wiebke Herding. Es sei nun "wichtiger denn je", dass sich die Bevölkerung gegen Militäraktionen und gegen die Beteiligung der Bundeswehr einsetze. Quelle: ap 8.10.2001 21.44 Uhr Tausende protestieren gegen Militäraktionen. Fünfte Zussamenfassung Friedensbewegung befürchtet Spirale aus Terror und Gewalt Großdemonstrationen am Wochenende angekündigt Berlin/Kasse1 (AP) Tausende Menschen haben am Montag in mehreren deutschen Städten gegen die Angriffe der USA auf Afghanistan demonstriert. In Berlin protestierten am Vormittag rund 3.300 Schüler gegen die Militärschläge, am Abend zogen mehrere hundert Menschen unter dem Motto "Frieden und Gerechtigkeit weltweit - Vergeltung ist keine Antwort" vom Alexanderplatz zum Schlossplatz. Auch in Dresden kamen nach Polizeiangaben 3.000 Menschen zu einer Friedensdemo zusammen, in Hamburg rund 250 Menschen, in Frankfurt am Main 150. In zahlreichen weiteren Städten, darunter Hannover, Kiel und Braunschweig, fanden Mahnwachen, Kundgebungen und Demonstrationen statt. Für den kommenden Samstag wurden zu zwei Großkundgebungen in Berlin und Stuttgart aufgerufen, bei denen die Organisatoren mit zehntausenden Teilnehmern rechnen. Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred Kock, mahnte, es sei "noch nicht erkennbar, ob diese jetzt gewählten Mittel dem Ziel der Bekämpfüng des Terrorismus tatsächlich dienen, und ob eine Schonung der afghanischen Zivilbevölkerung in dem bekundeten Maße überhaupt möglich ist". "Friedliche Lösungen nicht hinreichend gesucht" Der brandenburgische Landesvorsitzende der Grünen, Roland Vogt, kritisierte die Angriffe auf Afghanistan. "Die lange gepriesene Besonnenheit des US-Präsidenten, seiner Regierung und einiger an den Militärschlägen beteiligter Alliierter war nichts weiter als Beschwichtigung bis zum Abschluss des militärischen Einkreisungsrings um Afghanistan" erklärte er. Der Bundesausschuss Friedensratschlag erklärte, die Angriffe seien kein geeignetes Mittel, den Terrorismus zu bekämpfen. Es sei zu befürchten, dass sich mit dem Angriff auf Afghanistan die Spirale aus Gewalt und Gegengewalt weiter drehen werde, sagte Friedensratschlag-Sprecher Peter Strutynski. Friedliche Lösungen seien von der Politik nicht hinreichend gesucht worden. Auch das Netzwerk Friedenskooperative verurteilte die Militärschläge als ungeeignet zum Stopp des internationalen Terrorismus. Die Bombenangriffe träfen mit Sicherheit viele Unschuldige. Die Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) erklärten, Krieg führe nur "zu neuem Terror und neuem Leid". Die Attentäter müssten vielmehr mit allen Mitteln des Rechtsstaates zur Rechenschaft gezogen werden. Um dauerhaft Frieden zu schaffen, gelte es, sich den Ursachen des Terrors zuzuwenden. Das Netzwerk ATTAC erklärte, dem Recht des Stärkeren müsse die Stärke des Rechts entgegengesetzt werden. Die Angriffe seien nicht vom Völkerrecht gedeckt. Eine zivilisierte Antwort auf den Terrorismus sei nicht zu verwechseln mit Tatenlosigkeit. Die Schuldigen könnten auch ohne Krieg gefunden und müssten vor Gericht gestellt werden. Die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" kritisierte. den gleichzeitigen Abwurf von Medikamenten und Lebensmitteln als Teil einer militärischen Strategie. Humanitäre Hilfe müsse unabhängig sein und dürfe nicht als Werbung für die Unterstützung militärischer Aktionen benutzt werden, forderten sie. Quelle: dpa, 09.10.2001, 15.10 Uhr 50 000 bei Anti-Kriegs-Demonstration in Berlin erwartet Berlin (dpa) - Zu der für diesen Samstag angemeldeten Anti-Kriegs-Demonstration in Berlin erwarten die beteiligten Organisationen bis zu 50 000 Teilnehmer. Es habe bereits Reaktionen aus dem gesamten Bundesgebiet gegeben, teilten die Organisatoren am Dienstag auf Anfrage mit. Die Polizei geht bisher von mehreren Tausend Demonstranten aus. Eine zweite große Demonstration ist in Stuttgart geplant. Mehr als 50 Gruppierungen haben zu dem Sternmarsch unter dem Motto «Kein Krieg! Aufstehen für den Frieden!» aufgerufen. Darunter sind Organisationen aus der traditionellen Friedensbewegung wie der Friedensrat, die Aktion «Ohne Rüstung Leben» und das Netzwerk Friedenskooperative, aber auch Organisationen von Globalisierungsgegnern wie Attac Deutschland und junge Gruppen wie die sozialistische Jugend sowie die Bundesschülervertreter. Eine Demonstration für diesen Samstag war nach Angaben der Organisatoren bereits vor den ersten Militärschlägen auf Ziele in Afghanistan geplant. Der 13. Oktober sei bereits zuvor als «global action day» ausgerufen worden - in 96 Städten weltweit seien dazu Protestkundgebungen gegen das US-Raketenabwehrprogramm NMD geplant. Nach dem Militärschlag habe sich jedoch kurzfristig ein Bündnis verschiedener Organisationen zusammen geschlossen und das Demonstrationsmotto erweitert. Bereits am Montagabend demonstrierten tausende Menschen in Deutschland friedlich gegen die US-Angriffe auf Ziele in Afghanistan. Allein in Berlin gingen am Mittag mehr als 3000 Schüler und am Abend 3000 weitere Demonstranten auf die Straße. E-Mail: friekoop@bonn.comlink.org Website: www.friedenskooperative.de |
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