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![]() 11.9.2001 erste Reaktionen vom: 21.09.2001 | Terroranschläge 11.9. - erste Reaktionen: Erklärung des VENRO-Vorsitzenden Reinhard Hermle zu den Terroranschlägen in den USA Reinhard Hermle / Venro Der 11. September hat die Welt verändert. Wie einschneidend die Zäsur sein wird, welche die grausamen Terrorakte von New York und Washington verursacht haben, ist noch nicht einmal annähernd absehbar. Bleiern und lähmend hat sich das schreckliche Geschehen dieses Tages auf unser Bewusstsein gelegt. Vieles von dem, was uns wichtig vorkam und uns umtrieb, verblasst gegenüber der neuen Dimension von Hass, Gewalt und Zerstörung, die in diesen Akten blanken Terrors zum Ausdruck kam. Wenn es die Hoffnung gab, es bestünde ein universelles Einverständnis über Grundregeln des Umgangs der Menschen untereinander, so ist sie pulverisiert wie der Beton der zerstörten Gebäude. Der Glaube, wir lebten in einigermaßen gesicherten Verhältnissen und das Vertrauen in die Kontinuität einer - wenn auch unvollkommen - geordneten und geregelten Alltäglichkeit, sind in unseren Breiten gründlich erschüttert. Eine der offensichtlichen Folgen besteht darin, dass Amerika diesen Angriff auf seine Symbole und zugleich ökonomischen und politischen Zentren vergelten wird. Es rüstet zum Krieg, auch wenn dieser noch keine Konturen und erklärten Gegner hat. Gewaltige Finanzmittel werden bereit gestellt. Und viele Staaten - vor allem die europäischen - werden die USA in diesem Krieg unterstützen. Klar ist, dass es unter den Bedingungen eines Terrorismus, der von ideologischer Verblendung, extremer Brutalität und Menschenverachtung gekennzeichnet ist, keine Sicherheit, keinen Frieden und auch keine nachhaltige Entwicklung gibt. Man kann nur hoffen, dass bei allem, was jetzt geschieht, Vernunft und Augenmaß nicht auf der Strecke bleiben. Eine Stimmung droht aufzukommen, die eher Rachegefühle befördert als den Wunsch nach differenzierter Analyse und abgewogenen Maßnahmen. Gegen diese Stimmung müssen wir uns stemmen, damit es nicht zu neuen Zyklen von Gewalt und Gegengewalt kommt. Deshalb ist es gerade in dieser Situation besonders wichtig daran zu erinnern, dass Sicherheit, Frieden und nachhaltige Entwicklung auch nicht unter den Bedingungen extremer Ungerechtigkeit und Ungleichheit gedeihen. Wir dürfen nicht die 1,2 Mrd. Menschen vergessen, die mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen müssen. Viele von ihnen empfinden das, was ihnen Tag für Tag angetan wird, als strukturelle Gewalt, die einen fruchtbaren Nährboden für Extremismus und Terror darstellt. |
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11.9.2001 erste Reaktionen | Wir waren entsetzt und schockiert angesichts der Bilder des Infernos vom 11. September, weil es so plötzlich, heimtückisch und massiv über so viele unschuldige Menschen herein brach. Der tägliche Tod Tausender Menschen, die an Hunger oder einfachen Krankheiten sterben, wühlt uns nicht so auf. Zu sehr haben wir uns daran gewöhnt und nur selten nehmen die Medien Notiz davon. Mehr denn je kommt es darauf an, Armut zu überwinden, soziale und kulturelle Ausgrenzung zu beenden und die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen. Auch die Armen haben einen Anspruch auf Würde und Gerechtigkeit. Es gilt, den Dialog zwischen den Kulturen und Religionen zu fördern. Muslime unter kollektiven Terrorismusverdacht zu stellen, wäre fatal. Eine Entwicklung, die die Spaltung der Welt in Habende und Darbende, in einen "zivilisierten" Westen und den Rest vertieft anstatt zu überwinden, darf nicht länger hingenommen werden. Ein größeres wirtschaftliches, soziales und ökologisches Gleichgewicht in der Welt wäre eine notwendige, wenngleich nicht ausreichende Bedingung, um den Kampf gegen den Terrorismus zu gewinnen. Deshalb muss auch Entwicklungspolitik als zentrale Zukunftsaufgabe verstärkt werden und bei den Haushaltsberatungen entsprechende Berücksichtigung finden. Wer auf militärische und sicherheitstechnische Maßnahmen allein setzt, denkt und greift zu kurz. Mit noch so gewaltigem Aufwand lässt sich eine Festung Amerika oder Europa in einem weiten Meer von Elend und Ungerechtigkeit nicht längerfristig halten. Es würde eine Sicherheit suggeriert, die nicht besteht. Die Ursachen für Spannungen und Unfrieden, die im Extremfall zu solchen Wahnsinnstaten wie in New York und Washington führen oder dafür instrumentalisiert werden können, bestünden fort. Außerdem erweisen sich die hochkomplexen und oft in Ballungsräumen konzentrierten Verkehrswege und Versorgungseinrichtungen gerade der Industrieländer als viel zu anfällig, als dass ein lückenloser Schutz auf Dauer zu erreichen wäre. Wir müssen alles tun, damit Freiheit, Demokratie und Menschenrechte nicht zwischen Globalisierungsprozessen, die zu viele Verlierer hervorbringen, und verblendeten Fanatikern, die vor Terror nicht Halt machen, zerrieben werden. Es sind Zeiten wie diese, in denen wir unsere Arbeit als Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit verstärkt fortsetzen, um Zeichen für eine Kultur des Friedens und der Gerechtigkeit zu setzen. E-Mail: info@venro.org Internet: http://www.venro.org | ||
Artikel | Einige weitere Texte (per Zufallsauswahl) zum Thema ff4/2000: Krieg in der DR Kongo Terror: Nürnberg Terror: IPPNW Regionalgruppe VS Terror: Linksammlung Terror: Demo in Berlin Terror: Erklärung von Connection e.V. |
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