Kurdistan Informations-Zentrum - Dokumentation - Köln, 17.05.1997


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Die türkische Besatzungsarmee marschiert in Südkurdistan ein. Unversehrt wird sie nicht wieder heraus kommen.

Wir dokumentieren im folgenden eine Erklärung der Europavertretung der Nationalen Befreiungsfront Kurdistans vom 16.05.1997 zum Einmarsch von Einheiten der türkischen Armee auf das Gebiet von Südkurdistan (Nordirak)

Die faschistischen türkischen Besatzungseinheiten haben, zusammen mit der verräterischen KDP am Donnerstag, dem 14. Mai, morgens um 3.00 Uhr ihre Operationen im Süden Kurdistans begonnen. Von Silopi aus sind Tausende von Soldaten der Landstreitkräfte in Richtung Habur zur Grenze aufgebrochen und führen jetzt in den Bergen von Haftanin, Metina, Ciya-ye Spi und Breneres, vom Boden und aus der Luft, Bombardements durch. Dabei bewegen sie sich auf bewohnte Gebiete zu.

Bevor der türkische Staat sich der aktiven Unterstützung seiner westlichen Verbündeten und der verräterischen KDP nicht sicher war, hatte er keinen Mut zu dieser Operation. Erst nachdem einige westliche Staaten, allen voran die USA, ihre Unterstützung zugesichert und die KDP ihre direkte Teilnahme an dem Krieg erklärt haben, kam es zum Einmarsch. Von dem Übereinkommen zwischen den USA, Israel und der Türkei mit den kurdischen Kollaborateuren gegen unseren Kampf (genauso wie 1992-1995) haben wir schon seit Januar gewußt. Es ist uns auch bekannt, daß bei den Gesprächen zwischen der KDP und PUK in der Nähe von Erbil ein größerer Einfluß der "Friedenskontrollkräfte" angestrebt wurde. Und obwohl es sogenannte Friedenskräfte sind, stellen sie, ausgestattet mit modernen Waffen Kriegskräften dar.

Dabei ist offensichtlich, daß die in Südkurdistan lebenden Türkmenen von diesen Kräften benutzt werden sollen, um ein neues ZYPERN zu schaffen. Auf der anderen Seite hat das strategische Übereinkommen zwischen der Türkei und Israel in der Region zu einer neuen Militarisierung und Blockbildung geführt. So zielt der Block USA-Israel-Türkei darauf, in Kurdistan die imperialistisch-zionistische und kemalistische Herrscherschaft zu institutionalisieren und ihre Position zu festigen. Egal von welcher Seite aus man es betrachtet: klar wird, daß für Südkurdistan durch die jetzigen Operationen und Pläne eine neue Phase beginnt, die um ein Vielfaches schlimmer ist, als die vorherige, und die einen großen und lang anhaltenden Einfluß haben könnte. So werden in Zukunft die USA und die westlichen Staaten in der Region nicht mehr nur politische Ziele verfolgen, sondern sich gleichzeitig praktisch an sämtlichen Entwicklungen beteiligen.

Die momentane Operation richtet sich nicht nur gegen das kurdische Volk und die PKK als führende Kraft. In dem seit 14 Jahren in Kurdistan gegen unser Volk geführten schmutzigen Krieg hat keiner der Kriegstreiber etwas erreicht. Im Gegenteil. Angefangen bei dem Militär und weiter über die wirtschaftliche, politische und diplomatische Ebene fanden sich alle in einer Sackgasse wieder. Nachdem sich die Spuren des Rauschgifthandels bis hin zur stellvertretenden Ministerpräsidentin verfolgen ließen, wird nun versucht, das erfolglose Handeln der Regierung mit Angriffen gegen unser Volk und der Besetzung Südkurdistans wettzumachen.

Diese Operation ist ein totaler Angriff auf u.a. das türkische, kurdische, arabische und persische Volk, sowie auf deren Einigkeit. Wut und Haß sollen zwischen den Völkern gesät werden.

Diese Operation soll den Status und das Gleichgewicht der Region aus der Fassung bringen.

Diese Operation verfolgt auch das Ziel, die 15 Tausend schutzlosen kurdischen Flüchtlinge, die in Etrus Schutz gesucht haben, mit Gewalt in die faschistische Türkei zurückzubringen.

Diese Operation soll den Einfluß der PKK, die die einzige Hoffnung für die Befreiung der vier Teile Kurdistans ist, brechen.

Diese Operation richtet sich gegen den Schlag, den wir dem Verrat in Kurdistan versetzt haben.

Mit dieser Operation wollen die Türkei und ihre Verbündeten eigene Kräfte in Südkurdistan stationieren, um so ihre Herrschaft zu zeigen.

Wir fragen alle, die diese Operation unterstützen oder geflissentlich übersehen:

Kann es tatsächlich möglich sein, daß nicht der türkische Staat sich terroristisch und unrechtmäßig verhält, indem er vor den Augen der Welt den "Boden des Irak", die Berge, die schutzlose Zivilbevölkerung grundlos bombardiert, Massaker begeht und sämtliche internationalen Verträge verletzt, soll die PKK terroristisch und illegal sein, weil sie das kurdische Volk verteidigt? Die, die Terrorismus praktizieren und die von ihnen begangenen Verbrechen anderen zuschieben, lassen nichts unversucht, um ihre imperialistischen Interessen durchzusetzen. Der türkische Staat verkündet täglich: Die PKK ist am Ende. Wir haben sie an den Rand getrieben. Wir haben ihr das Genick gebrochen. Wir haben Tausende ihrer Sympathisanten umgebracht. Diesen Staat und alle ihm vertrauenden Verbündeten muß man fragen:

Wenn die PKK am Ende ist, warum dann diese Panik? Warum diese Angriffe und Operationen mit Tausenden von Soldaten? Warum wird die PKK dann als strategischer Hauptfeind bezeichnet? Das heißt doch, ihr habt euch geirrt. Ihr werdet euch auch mit dieser Operation irren.

Wenn auf die Behauptung der Türkei, die PKK bedrohe die Einheit des türkischen Staatsgebietes, von den europäischen Staaten geantwortet wird: "Die Türkei hat das Recht ihre Grenzen zu schützen, der Terrorismus muß bekämpft werden", warum schweigt Europa dann zu den Operationen auf der anderen Seite der Grenze? Sind das keine Grenzverletzungen? Sind das keine Verletzungen der von euch selbst geforderten `Sicherheitszone`?

Die Türkei, die sich selbst und ihre Verbündeten immer Glauben machen will, die PKK sei auf militärischem Weg zu vernichten, wird auch bei dieser Operation wieder erkennen müssen, daß - wie all die Male zuvor - das Militär nichts gegen die PKK auszurichten vermag. Aus dieser und ähnlichen Operationen, die in Abständen immer wieder durchgeführt wurden, ist bis jetzt immer die kurdische Volksbefreiungsarmee (ARGK) erfolgreich hervorgegangen und hat damit an Stärke gewonnen.

Die Kräfte, die sich seit Jahren für eine politische und friedliche Lösung der kurdischen Frage einsetzen, sollen wissen, daß der türkische Staat mit seiner Herangehensweise und der von ihm durchgeführten Operation die Lage noch mehr kompliziert und eine Lösung in weite Ferne rückt. Falls Europa zu alledem, wie in der Vergangenheit, weiterhin schweigt, wird das die Türkei bei ihren Plänen ermutigen.

Wenn wir nur die Zahlen betrachten, die uns vorliegen, kann man feststellen, daß schon jetzt, am zweiten Tag der Operation, die türkischen Kräfte und die verräterischen KDP-Kollaborateure eine große Niederlage hinnehmen mußten: in Silopi 8 Dorfschützer, an der Derkarmündung wurden bei einem Guerillaangriff 2 Fahrzeuge zerstört und zwei mit Soldaten besetzte Jeeps getroffen, an der Sinahtmündung wurden bei einem Gefecht 6 Soldaten getötet, in der Gegend von Beri Sosen wurden bei einem Guerilaangriff 6 Soldaten mit ihren Waffen gefangen genommen. Bis jetzt wurde während der Operation niemandem von der Guerilla auch nur ein Haar gekrümmt.

Durch die Ausweisung aller Pressevertreter aus der Region beweist der türkische Staat, daß er seine Massaker gegen die schutzlose Zivilbevölkerung im Geheimen durchführen will,

Wir rufen unser Volk und unsere Institutionen in diesen historischen Tagen auf:

Unser im Exil lebendes Volk, unsere Kader, unsere Funktionäre, die Vertreter unserer Einheiten und Institutionen müssen all ihre Kraft dazu verwenden, um den Aufruf von Abdullah Öcalan zu MOBILISIERUNG noch aktiver in die Tat umzusetzen.

Allen voran rufen wir unser gesamtes Volk auf, gegen die Besatzungsoperation, die auf unsere Vernichtung zielt, alles was notwendig ist zu geben, und sei es die Bereitschaft, sich selbst am Kampf zu beteiligen. In dieser historischen Situation muß die Mobilisierung täglich 24 Stunden erfolgen, sei es mit Protesten, Kundgebungen, Demonstrationen, anprangern des Verrats und wenn nötig weiteren Aktionen.

Wir kritisieren und warnen alle Kräfte, die den Verrat der KDP unterstützen:

"Falls sie ihre Angriffe an der Seite der Türkei nicht einzustellen, können wir jetzt schon sagen, daß das Ende für sie folgenschwerer sein wird als für den türkischen Staat. Wir rufen sie auf, bevor noch mehr Zeit vergeht, ihre Unterstützung für die Türkei zu beenden, gegen die Vernichtungsoperation einzuschreiten und auf der Seite des kurdischen Volkes zu stehen. Niemand hat es bis jetzt geschafft, uns von unserem eigenen Boden, von Kurdistan, zu entwurzeln oder zu entfernen, und die KDP wird das erst recht nicht schaffen".

Alle westlichen Staaten, die erst durch ihre wirtschaftliche, militärische und politische Hilfe der Türkei die Möglichkeit gegeben haben, sich als Barbar und Besatzer zu gebärden, rufen wir auf, sich gegen diese Operation zu stellen, ihre Unterstützung zurückzunehmen, zu protestieren und, wenn sie wirklich an eine politische Lösung glauben, sich für diese aktiv einzusetzen und Einfluß auf die Türkei auszuüben. Sie müssen sich bewußt darüber sein, daß Schweigen Zustimmung und Unterstützung bedeutet.

Des weiteren müssen sie sich bewußt darüber sein, daß jeder Angriff gegen unser Volk und dessen führende Kraft, die PKK, unmittelbaren Einfluß auf die in Europa lebenden Kurden hat und deren Reaktionen bestimmt. Unsere Reaktionen werden sich dem Umfang der Operation entsprechend ständig verändern.

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ERNK Europa Organisation, 16. Mai 1997

Kurdistan Informations-Zentrum, Postfach 101937, D-50459 Köln, Tel.: 0221/1300422, Fax: 0221/1300424, E-mail: Kizkoeln@aol.com

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