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Bombodrom Wittstock/ FREIe HEIDe vom: August 2000 | Bombodrom Wittstock/FREIe HEIDe: FREIe HEIDe und »Lebenslaute« demonstrierten gegen Militärübungsplatz Wittstock-Ruppiner Heide: Friedliche Besetzung des Bundeswehr-Bombodroms ND / Tom Strohschneider Im Anschluss an die 63. Protestwanderung gegen den Militärübungsplatz in der Kyritz-Wittstock-Ruppiner Heide in Brandenburg haben gestern Nachmittag Antimilitaristen das Bombodrom der Bundeswehr symbolisch besetzt. Der schon traditionelle Protestmarsch führte am vergangenen Wochenende im Rahmen der Sommeraktionstage nach Angaben der Bürgerinitiative Freie Heide mehr als 250 Menschen vom westlich des Bombodroms gelegenen Schweinrich zum Kommandoturm auf dem Militärgelände. Die Demonstranten weihten ein Mahnmal ein, das die zerstörte Brücke im bosnischen Mostar symbolisiert. Auf einer Tafel wird der Opfer des NATO-Krieges gegen Jugoslawien, dem ersten Kriegseinsatzes der Bundeswehr gedacht. Die Aktivisten fordern »Nie wieder Krieg« und »Keinen Bombenabwurfplatz«. Auf dem 142 Quadratkilometer. großen Gelände in der Wittstock-Ruppiner Heide plant die Bundeswehr 3000 Einsätze pro Jahr mit bis zu 36000 Einzelanflügen. Nach Abschluss eines Konzertes der Künstlergruppe »Lebenslaute« mit Musik von Händel bis Bob Dylan besetzten am Sonntag Nachmittag etwa 30 Personen das Gelände. Mit einer symbolischen Dorf-Neugründung des historischen Herzberg, einem früher auf dem Gelände des Bombodroms gelegenen Ortes, der im 30-jährigen Krieg zerstört wurde, machten die Demonstranten auf ihre Forderung nach einer zivilen Nützung der Wittstocker Heide aufmerksam. Die Aktion endete am Montag mittag friedlich. Dazu beigetragen hatte auch die Zurückhaltung der Polizei. Offenbar, so ein Sprecher der Demonstranten, sei auch innerhalb der hiesigen Polizei Sympathie für die Aktionen gegen das Bombodrom vorhanden. Normalerweise wird das Bombodrom von etwa 70 Soldaten und privaten Wachschutzdiensten streng bewacht. Andreas Peters von »Lebenslaute« erklärte gegenüber ND, dass der Aspekt des zivilen Ungehorsams wichtiger Bestandteil der Friedensaktivitäten sei. Man wollte, so Peters, nach der symbolischen Neugründung des Ortes das »Dorfleben wieder aufnehmen« und so deutlich machen, dass der antimilitaristische Protest »weitergehen müsse«. »Lebenslaute« -ein Zusammenschluss von Friedensaktivisten - gründete sich Mitte der 80er Jahre im Umfeld der Proteste gegen die Stationierung von Pershing-II-Raketen im schwäbischen Mutlangen und beteiligte sich an antirassistischen Aktionen gegen die Abschiebepraxis deutscher Behörden, etwa auf dem Hamburger Flughafen. Bereits vor fünf Jahren veranstaltete die Gruppe ein Konzert gegen das Brandenburger Bombodrom. Peters kündigte an, auch in Zukunft auf dem Militärgelände mit Mitteln des zivilen Ungehorsams gegen Rüstungswahn und Militarismus zu protestieren. So könnte die Friedensbewegung beispielsweise »touristische Rundgänge« veranstalten. |
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Bombodrom Wittstock/ FREIe HEIDe | Dabei bleibt die Kritik der Friedensaktivisten keinesfalls regional oder thematisch beschränkt. Nach einem neuerliche Experten-Gutachten, benötigt die Bur deswehr den Übungsplatz für ihre so genannten Krisen-Reaktionskräfte. Widerstand gegen Militärübungen müsse demnach, so Peters, auch auf die gesellschaftlichen Bedingungen und Ursachen der Rüstungswahns und der militarisierte Außenpolitik der Bundesrepublik eingehen. Im Kern seien die Eliteeinheiten, die die neuen Strategien, von NATO und Bundeswehr nach dem Wegfall des Bedrohungsszenarios Warschauer Pakt umzusetzen hätten. Protestaktionen gegen die Pläne de Bundeswehr zur militärischen Nutzung der Wittstocker Heide finden seit Sommer 1992 regelmäßig statt. Der Widerstand der Friedensbewegung richtet sich dabei nicht nur gegen die Militärübungen au dem Bombodrom, sondern auch gegen dieökologischen Schäden, die bei einer Weiterbetrieb des bereits von der Roten Armee vor 1989 genutzten Übungsplatze drohen. Im Mittelpunkt der von der Bürgerinitiative geforderten zivilen Nutzung steht ein ökologisch verantwortungsvolle Tourismus, der auch Arbeitsplätze in die strukturschwache Region bringen soll. Während des friedlichen Protestes kann es unweit des Camps der Kriegsgegner au einem Zeltplatz zu einem Zwischenfall mi Rechtsradikalen. Auch während der Aktion der Kriegsgegner patrouillierten nach Informationen der Initiative »Lebenslaute« Nazis aus dem nahegelegenen Wittstock durch das Gelände. Man hatte so Peters, den Eindruck, die Rechten würden das Friedenscamp »auskundschaften«. aus: Neues Deutschland 8. August 2000 | ||
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