Redebeitrag für den Antikriegstag (Stadt) am 1. September 2025 (Datum)

 

- (ggf.) Sperrfrist: 1. September 2025, Redebeginn: XX Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Kein Platz für Populismus

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

86 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkriegs mahnt die Geschichte: „Nie wieder Krieg – nie wieder Faschismus“.

Doch die Realität von heute spricht eine sehr andere Sprache. In der Ukraine, in Gaza, im Sudan, in Äthiopien herrscht Krieg. Und zeitgleich sehen wir weltweit einen alarmierenden Trend: Illiberalismus breitet sich zunehmend aus. Demokratische Werte werden hinterfragt oder systematisch geschwächt.

In den Vereinigten Staaten, in Frankreich, in Ungarn, oder auch in Deutschland gewinnen Populisten zunehmend an Einfluss in Politik und Gesellschaft und stellen unser Miteinander infrage.

Sie fordern Nationalismus statt internationaler Solidarität. Und sie suchen Sündenböcke unter Minderheiten, Geflüchteten, freien Medien. Sie zeigen Verachtung für demokratische Institutionen. Das fördert ein gefährliches Klima, eine „wir gegen die“-Mentalität.

Diese Rhetorik ist inzwischen nicht mehr nur noch eine Randerscheinung. Nein, sie wird nahezu salonfähig. Die neuste Inhaftierungsanstalt für Migranten in den USA, wo Rechte mit Füßen getreten werden, wird nahezu spöttisch „Alligator Alcatraz“ genannt. Universitäten werden verklagt als scheinbare Strategie um freie akademische Meinungsbildung einzuschränken. Und auch in Deutschland werden solche Narrative zunehmend laut.

Pläne zur sogenannten „Remigration“ erinnern erschreckend an Deportationspläne der Nazis. Geflüchtete und Menschen mit Migrationsgeschichte werden von der AfD als prominentestes Feindbild der Gesellschaft propagiert.

Populismus spaltet. Er schwächt den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Durch Hetze, Polarisierung und Feindbilder entsteht ein Klima des Misstrauens.

Und wir wissen: wohin spaltende Ideologien führen zeigt uns die Geschichte. Auch die Nationalsozialisten um Adolf Hitler schafften eine "wir gegen die“ Narrative mit unfassbaren Konsequenzen: Krieg, Vernichtung, der Holocaust. Ein Verbrechen, welches nie wieder geschehen darf.

Unsere Gesellschaften müssen gegen Feindbilder ankämpfen und ein Klima des Friedens, nicht der Polarisierung schaffen.

Demokratischen Institutionen gilt es zu schützen. Denn sie sichern Freiheit und Gleichberechtigung vor dem Gesetz.

Eine freie Presse zum Beispiel steht im Zentrum eines Kampfes gegen Populismus und Polarisierung. Sie ist das Rückgrat einer offenen Gesellschaft. Doch diese Pressefreiheit gerät international unter Druck.

Laut Reporter Ohne Grenzen ist die Pressefreiheit 2025 auf einen neuen Tiefststand gesunken, Deutschland auf Platz 11 gerutscht. Trump klagt wiederholt gegen Medieninstitutionen. In Gaza sterben Journalisten wieder und wieder bei Bombenangriffen.

Das können wir nicht hinnehmen. Reformen um Medienvielfalt zu stärken sind dringend notwendig. International müssen wir uns für die Sicherheit von unabhängigen Journalisten einsetzen um Populismus entgegenzutreten.

Doch obwohl diese Entwicklungen düster sind und die täglichen Nachrichten nur selten Grund zu Optimismus geben: Geschichte ist nicht etwas, was passiert. Sie ist das wir gestalten.

Der Antikriegstag ist nicht nur ein Tag der Erinnerung. Er ist eine Mahnung und ein Auftrag. Denn Frieden entsteht nicht durch Wegsehen. Er wächst durch Solidarität, durch Zivilcourage, durch Zusammenarbeit, Gerechtigkeit und Diplomatie.

Es liegt an uns Demokratie und Menschenwürde nicht nur zu verteidigen, sondern aktiv zu leben. Lasst uns „Nie wieder Krieg“ nicht nur als Mahnung verstehen, sondern als Auftrag und Versprechen für die Zukunft.

Vielen Dank.

 

Hinweise:

  • Länge: 3.500 Zeichen (mit Leerzeichen)
  • Redezeit: 4 Minuten
  • Erstellung: LF
  • Stand: 28. August 2025