Büchel bis 9.8.2016

20 Aktionswochen gegen 20 Atombomben

von Roland BlachErnst-Ludwig Iskenius

Friedensorganisationen erhöhen den Druck auf die Politik mit ihrer neuen Kampagne „Büchel ist überall – atomwaffenfrei.jetzt". Die Forsa-Umfrage, die ein überwältigendes Votum für Abzug und Verbot von Atomwaffen ergab, bestärkt sie dabei.

Eine überwältigende Mehrheit von 85% der BundesbürgerInnen spricht sich dafür aus, dass die auf deutschem Boden gelagerten Atomwaffen abgezogen werden. 93% befürworten nach der neuesten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa, dass Atomwaffen, ähnlich wie Chemie- und Biowaffen, völkerrechtlich verboten werden sollen. 88% sprechen sich dagegen aus, dass die USA die in Deutschland gelagerten Atomwaffen durch neue und einsatzfähigere Waffen ersetzen, wie es für das Jahr 2020 geplant ist.

Dies verstehen wir als klaren Auftrag der Bevölkerung an die Bundesregierung, endlich den Bundestagsbeschluss vom 26. März 2010 umzusetzen. Vor fast genau 6 Jahren hatten die Bundestagsabgeordneten fraktionsübergreifend den Abzug der Atomwaffen aus Deutschland und den engagierten Einsatz für eine atomwaffenfreie Welt gefordert", bekräftigte Inga Blum, Vorstandsmitglied der deutschen Sektion der Internationalen Ärzte zur Verhütung eines Atomkriegs (IPPNW) bei der Pressekonferenz am 23. März. Die IPPNW hatte die Umfrage in Auftrag gegeben, bei der am 17./18. März 2016 etwa 1.000 BundesbürgerInnen befragt wurden.

Die aktuellen Auseinandersetzungen um die atomaren Drohgebärden Nordkoreas, aber auch die Angst vor einer schmutzigen Bombe in Belgien nach den furchtbaren Terroranschlägen zeigen, wie groß die atomare Gefahr ist. Alle Atomwaffenstaaten planen eine umfangreiche Aufrüstung ihrer Arsenale. Die sogenannte Doomsday Clock wurde daher 2015 auf drei Minuten vor zwölf gestellt und dieses Jahr auf dieser Zeit belassen. Das letzte Mal stand der Zeiger 1984, auf dem Höhepunkt der atomaren Auseinandersetzung zwischen Ost und West, auf dieser Uhrzeit. Weltweit existieren weiterhin mehr als 15.000 Atomwaffen. Über 90% dieser Arsenale besitzen die USA und Russland, die meisten davon mit einer vielfachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe. Eine solche Bombe kann, über einer großen Stadt abgeworfen, mehrere Millionen Menschen töten.

1.800 dieser Atomwaffen befinden sich immer noch in höchster Alarmstufe und innerhalb von Minuten abfeuerbereit. "Nach dem Einsatz einer Atomwaffe wäre effektive humanitäre Hilfe unmöglich", meint die Ärztin Inga Blum. Krankenhäuser, Verkehrs- und Kommunikationssysteme sowie Stromversorgung wären zum Großteil nicht mehr vorhanden und humanitäre Hilfe nicht möglich. „Die Mehrheit der internationalen Staatengemeinschaft fordert deshalb aus humanitären Gründen die Ächtung von Atomwaffen und einen Verbotsvertrag" so Sascha Hach, Vorstandsmitglied von ICAN (International Campaign to Abolish Nuclear weapons) Deutschland. Er ergänzt: „Derzeit streben 127 Staaten ein Verbot von Atomwaffen an. Die Bundesregierung ist nicht dabei und hat bei der letzten Generalversammlung der Vereinten Nationen Ende 2015 gegen ein solches Verbot gestimmt."

Vor diesem Hintergrund startete die neue Kampagne „Büchel ist überall – atomwaffenfrei.jetzt" am Samstag, 26. März, mit Fotoaktion am Atomwaffenlager Büchel, dem dortigen Ostermarsch zwei Tage später sowie weiteren Fotoaktionen bei etlichen anderen Ostermärschen.

Die Forderungen der neuen Kampagne lauten:

  • Stopp der nuklearen Abrüstung in Deutschland
  • Abzug aller Atomwaffen aus Büchel
  • Ein Verbot aller Atomwaffen

Drei symbolische Orte der Bedrohung mit Atomwaffen sind für die Kampagne in diesem Jahr ausgemacht:

  • Büchel, der Stationierungsort von Atomwaffen in Deutschland,
  • Berlin, wo die deutsche Atomwaffenpolitik entschieden wird
  • die NATO-Konferenz in Warschau im Juli, wo die zukünftige Atomwaffenstrategie der NATO festgelegt wird.

In Büchel soll an die große 24-Stunden-Musikblockade 2013, das 8-tägige Aktionscamp 2014 und die 65 Tage Präsenz mit 31 Aktionen des Zivilen Ungehorsams angeknüpft werden. Zwischen dem 26. März (6. Jahrestag des Bundestagsbeschlusses) und dem 9. August (Nagasaki Gedenktag) soll vor Ort in 20 Wochen (entsprechend den 20 dort gelagerten Atomwaffen) an möglichst vielen Tagen Präsenz in Form von Mahnwachen, symbolisch bunten Aktionen oder Aktionen des Zivilen Ungehorsams gezeigt werden. Friedensorganisationen, regionale Friedensgruppen und lokale Friedensinitiativen, aber auch Einzelpersonen sind eingeladen, in eigener Verantwortung nach Büchel zu kommen, um gegen die bestehende und zunehmende atomare Aufrüstung ihren Widerstand entgegenzustellen. In einem Aktionskalender auf der Homepage  hptt://www.buechel-atombombenfrei.de kann diese Aktionspräsenz eingetragen und veröffentlicht werden. Auf einer nahe dem Haupttor liegenden „Friedenswiese“ können mitgebrachte Friedenssymbole als Zeichen des Dauerprotestes errichtet werden. Vor Ort wird eine minimale Infrastruktur für Gruppen vorgehalten. Ankommende Gruppen und Einzelpersonen werden von Personen vor Ort empfangen, eingeführt und begleitet. Deshalb ist es ratsam, dass diese Gruppen schon einen Tag vor ihren Aktionen anreisen, um sich mit den Verhältnissen vor Ort vertraut zu machen. Eine Unterbringungsliste mit günstigen Schlafmöglichkeiten kann zur Verfügung gestellt werden. Unter den TeilnehmerInnen werden persönliche Selbstverpflichtungen und Solidaritätserklärungen verteilt, die sie dann zu Hause in ihrer persönlichen und politischen Umgebung weiterverteilen sollen. Die Zahl der gesammelten Selbstverpflichtungen wird regelmäßig veröffentlicht und in einem offenen Brief an die deutsche und amerikanische Regierung sowie an die NATO-Führung kommuniziert. Damit soll in den nächsten Jahren der öffentliche Druck für eine notwendige Wende in der westlichen Atomwaffenpolitik kontinuierlich erhöht und ausgeweitet werden. Ziel in den nächsten Jahren ist die Ausweitung bis zu einer Dauerpräsenz der Friedensbewegung vor diesem Atomwaffenstützpunkt, bis endlich die Atomwaffen in Büchel verschwunden sind.

Mehrere Friedensorganisationen wie die IPPNW, die DFG-VK, der Internationale Versöhnungsbund sowie Aktionsgruppen wie z.B. die GAAA, Pressehütte Mutlangen etc. haben für dieses Jahr schon ihre Beteiligung in Büchel zugesagt. Es gibt allerdings noch viel Raum für Initiativen und Einzelpersonen, ihren Protest gegen das Atomwaffen-Unrecht konkret in Büchel zum Ausdruck zu bringen.

Mehr Informationen können von folgenden Homepages heruntergeladen werden:

www.buechel-atombombenfrei.de

www.atomwaffenfrei.de

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Landesgeschäftsführer DFG-VK Baden Württemberg, Koordinator der Kampagne „Büchel ist überall – atomwaffenfrei.jetzt“
Ernst-Ludwig Iskenius ist Mitglied in der IPPNW.