Dokumentationsstelle für unkonventionelle Literatur der

Bibliothek für Zeitgeschichte

von Barbara Brohmeyer
Initiativen
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Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wurde 1972 die Dokumentationsstelle für unkonventionelle Literatur als eine Abteilung der Bibliothek für Zeitgeschichte eingerichtet. Die Dokumentationsstelle betreut seither das DFG-Sondersammelgebiet "nicht-konventionelle Materialien zur Zeitgeschichte aus dem deutschsprachigen Raum". Anlass für die Gründung der Dokumentationsstelle war die während der Studentenbewegung von 1967/68 veröffentlichte, kaum überschaubare Menge an Flugblättern, Broschüren, Zeitungen, Zeitschriften und Plakaten.

Die Dokumentationsstelle sammelt wissenschaftlich relevante Materialien, die in der Regel nicht über den konventionellen Literaturvertrieb (Verlag, Buchhandel), sondern direkt von den Herausgebern hergestellt und verbreitet werden, die sog. graue Literatur.

Schwerpunkt der Sammlung sind politische Stellungnahmen von Bürgerinitiativen, Friedensgruppen, Dritte-Welt-Gruppen, Ausländer- und Exilgruppen, kleinen politischen Gruppen sowie Einzelpersonen, die sich mit internationalen und innerstaatlichen Konflikten sowie zwischenstaatlichen Beziehungen auseinandersetzen und sich durch die genannten Medien an die Öffentlichkeit wenden.

Schwerpunktthemen:

  •  Studentenbewegung und außerparlamentarische Opposition
  •  Neue Soziale Bewegungen
  •  Friedensbewegung, Rüstungs- und Abrüstungspolitik
  •  Kriegsdienstverweigerung und Zivildienst
  •  Anti-Atom-Bewegung
  •  Rechts- und Linksradikalismus, Antifaschismus
  •  Menschenrechte, Ausländer- und Flüchtlingsproblematik
  • Dritte-Welt-Solidaritätsbewegungen, Entwicklungspolitik

Im Gegensatz zu den Universitäts-, Stadt- und Spezialarchiven dokumentiert die Dokumentationsstelle für unkonventionelle Literatur die politische Kultur der Bundesrepublik von den 60er Jahren bis heute ohne Beschränkung auf eine Stadt, ein Bundesland oder ein bestimmtes Thema. Einzigartig an diesem Bestand ist darüber hinaus die politische Bandbreite der dokumentierten Organisationen und Gruppen, die sowohl das extreme linke wie das extreme rechte Spektrum einschließen.
 

Bestand:
Ca. 14.000 Broschüren, 1.100 Zeitschriften (davon sind 350 abonniert) und Zeitungen, Einzelnummern von ca. 6.000 Zeitschriften und Zeitungen, 120.000 Flugblätter, 25.000 Plakate, Aufkleber und Anstecknadeln.

Im Rahmen eines DFG-Projekts wurde der Flugblattbestand der Dokumentationsstelle auf Mikrofilm übertragen. Nach und nach werden nun die Flugblätter - inzwischen sind es 20.000 - in eine Datenbank aufgenommen. Die Broschüren sind bis 1988 im Zettelkatalog und ab 1989 in einer Datenbank erfasst. Auch die Zeitschriftenbestände können mittels EDV recherchiert werden. Eine Liste der abonnierten Zeitschriften ist auf unserer Homepage einsehbar. Plakate und Kleinmaterialien sind thematisch abgelegt.

Wer sich von seinen politischen Flugblättern, Zeitschriften, Zeitungen, Broschüren oder Plakaten aus den 60er Jahren bis heute trennen möchte, kann uns diese gerne zuschicken. Nach Rücksprache erstatten wir das Porto.

Kontakt: Dokumentationsstelle für unkonventionelle Literatur der Bibliothek für Zeitgeschichte, Außenstelle, Gaisburgstraße 4a, 70182 Stuttgart, Tel. 0711/2124480, Fax 0711/2364450, e-mail bfzdoku [at] mailserver [dot] wlb-stuttgart [dot] de, http://www.wlb-stuttgart.de/~bfz
 

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Barbara Brohmeyer ist Archivarin in der Dokumentationsstelle.