Der Guluwalk lässt den Schrei nach Frieden erklingen

von Gaaki Kigambo

Am 22. Oktober haben in mindestens 32 Großstädten in der ganzen Welt Guluwalks stattgefunden als Sympathiebekundungen mit den 40.000 „Nachtpendlerkindern" im Norden Ugandas, die jede Nacht und jeden Morgen bis zu 12 Kilometer von den Vertriebenenlagern zur relativen Sicherheit in den regionalen Stadtzentren laufen müssen.

Guluwalk Day (guluwalk.com) ist eine internationale zivilgesellschaftliche Bewegung, die von zwei Kanadiern gegründet wurde, um Aufmerksamkeit zu wecken und Unterstützung zu zeigen für diese „Nachtpendler" und für die Kindesopfer in dem 19 Jahre dauernden Bürgerkrieg im Norden Ugandas. Auch in Uganda selbst beteiligten sich viele Menschen an den Protesten. Der Guluwalk wurde ursprünglich von zwei kanadischen Leistungssportlern, Adrian Bradbury und Kieran Hayward, ins Leben gerufen. Jede Nacht im Juli gingen sie 12,5 km ins Stadtzentrum Torontos und schlugen vordem Rathausdort ihr Nachtlager auf. Nach ca. vier Stunden Schlaf machten sie sich bei Sonnenaufgang auf den langen Marsch nach Hause, währenddessen sie weiterhin ihren Berufen nachgingen und versuchten, ihre täglichen Routinen aufrechtzuerhalten.
Waren Sie je in der aussichtslosen Situation, dass Ihre einzige Möglichkeit, nur für eine Nacht in relative Sicherheit zu ge¬langen, ein 12 km Marsch quer Feld ein über unwegsames Gelände war, begleitet von Schmerzen, Angst und Unsicherheit?
Ausgelöst durch Meldungen in den internationalen Medien über Kinder im Norden Ugandas, die als Nachtpendler über 12 km zu den Stadtzentren marschierten, um in Sicherheit vor den Kony Rebellen zu gelangen, haben die zwei Kanadier Adrian Bradbury und Kieran Hayward im Juli dieses Jahres entschieden, eine ähnlich lange Strecke in Toronto zurückzulegen - eine Aktion, die sie GuluWalk nannten.
Sie versuchten nicht, den Terror, die Angst und die Unsicherheit nach zu empfinden, die die echten „Nachtpendler" jeden Tag Ihres Lebens erleiden müssen. Das konnten sie auch nicht. Sie wollten diese Geschichte publik machen, um Aufmerksamkeit für das Leiden dieser Kinder zu erzielen.
Ihre Anstrengungen, angetrieben durch den Wunsch, die schlimme Lage die¬ser benachteiligten Kinder zu verstehen, wuchsen schnell wie ein Flächenbrand und führten zu einer drängenden weltweiten Betroffenheit.
Am Samstag haben 41 Großstädte ihre Solidarität mit den „Nachtpendlern„ gezeigt. Bei uns fand der Marsch in Gulu und Kampala statt.
Die Menschenmenge, überwiegend aus Studenten von Makarere und Trinity College Nabbinqo bestehend, aber auch aus Mitarbeitern der vielen Organisationen, die im Norden Ugandas aktiv sind, wurde vor zu vielen langen Reden durch die Ankündigung eines kräftigen Regengusses beschützt. Es war schade, dass der Regen doch nicht einsetzte, denn das wäre ein guter Test der Stärke ihrer Solidarität gewesen.
Von dort ging der Marsch, angeführt von der St Peter's Nsambya Boys' Band, durch Wandegeya auf den Weg zu den Parlamentsgebäuden. Die Kapelle spielte eine Mischung aus traditionellen und christlichen Liedern.
Aber egal, WO sie entlang liefen, begegneten die Zuschauer ihnen offensichtlich völlig ahnungslos und überrascht, ein Zeichen dafür, dass die missliche Lage der Nachtpendler für sie eine Geschichte aus fernen Ländern war.
Während die Reden weitergingen, legten sich viele Ermüdete auf dem Boden nieder oder suchten Erfrischung. Aber das geschah nach nur ca. 6 Kilometern, gerade mal einem Viertel der Strecke, die die Nachtpendler tagtäglich zurücklegen, hier war die Strecke eben und leicht, es war taghell und es gab eine Kapelle zur Unterstützung, und Bedrohungen, Ängste oder Unsicherheiten waren nicht zu spüren.
Wenn die beiden Kanadier, die diese Idee ins Leben riefen, nicht in die Fußstapfen dieser erbarmungswürdigen Kinder im Norden Ugandas treten konnten, dann würde es keiner sonst schaffen. Und der Schrei nach Frieden könnte nicht lauterer klingen.
Der Beitrag erschien am 25. Oktober 2005. Mehr Informationen über die Gulu-walk-Initiative unterwww.guluwalk.com.
Übersetzung: Douglas Bambrick

Ausgabe

Rubrik

Schwerpunkt