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Das Ende der Kooperation mit der Sowjetunion
Die Atombombenabwürfe zwischen dem Ende des Krieges in Ostasien und dem Beginn des Kalten Krieges
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Bei den Konferenzen von Teheran im November 1943 und Jalta im Februar 1945 gab es in Bezug auf die Einflussbereiche in Europa eine grundsätzliche Übereinstimmung. Ostasien war noch kein Thema. Die Konferenz von Jalta steht für die Einteilung von Einflusssphären, in der die zwei Supermächte USA und Sowjetunion dominieren sollten. Die Teilung erfolgte weitgehend dort, wo 1943 absehbar war, wo die Armeen zu Ende des Krieges zu stehen kommen würden.
Während des Zweiten Weltkrieges gab es eine Koalition der Alliierten mit der Sowjetunion gegen Hitler. US-Präsident Franklin Roosevelt dachte, diese Kooperation könnte über das Kriegsende hinaus verlängert werden. Roosevelts Vorstellung trug aber bei dem sich abzeichnenden Kalten Krieg den Kern des Scheiterns in sich.
Der britische Premier Winston Churchill war schon überzeugt, dass „Sowjetrussland zu einer tödlichen Gefahr für die freie Welt“ geworden war. Es müsste daher eine Front, „soweit wie möglich im Osten gegen sie errichtet werden, die Armeen der Demokratien“ dürfen von einer endgültigen Regelung nicht abgezogen werden. (1) Die Westmächte benötigten die Sowjetunion nicht mehr für gemeinsame Unternehmungen. Sie könnte sich, wie Roosevelts Nachfolger Harry Truman unmittelbar nach der Vereinbarung von Jalta sagte, „zum Teufel scheren“, wenn sie amerikanischen Bedingungen nicht zustimmen würde. (2)
Im August 1945 folgten die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Sie wurden von Stalin als Machtdemonstration gegen die Sowjetunion und als Erpressungsversuch gewertet, erfolgten sie doch noch bevor sie den vereinbarten gemeinsamen Krieg gegen Japan überhaupt hatte aufnehmen können. Die Abwürfe waren unmittelbar nach der Konferenz von Potsdam erfolgt, die die politische Neuordnung und Entmilitarisierung Deutschlands regelte, ohne dass Stalin bei dieser Gelegenheit davon informiert worden wäre. Am 26. Juli hatte Truman im Rahmen der Potsdamer Erklärung Japan zur sofortigen und bedingungslosen Kapitulation aufgefordert, was die Sowjetunion überraschte, bereitete sie doch gerade erst den Kriegseintritt für den 8. August vor, den sie noch US-Präsident Roosevelt auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 zugesagt hatte. Dennoch versuchte Stalin aufgrund der bestehenden wirtschaftlichen und militärischen Schwäche der Sowjetunion Zeit zu gewinnen, um die Anti-Hitler-Koalition irgendwie zu verlängern.
Gegensätzliche kontrafaktische Argumente
Die Abwürfe der Bomben erfolgten am 6. und am 9. August. Der Zweite Weltkrieg wurde damit in Asien beendet. Die bedingungslose Kapitulation Japans folgte am 14. August. Die USA hatte somit eine geplante Invasion der japanischen Hauptinseln, die für den 1. November 1945 unter dem Codenamen „Operation Downfall“ geplant war, vermieden. Das Unternehmen hätte nach Annahmen der US-Army zwischen 25.000 und einer Viertelmillion amerikanischer Soldaten das Leben gekostet. Zudem wären nach Schätzungen bis zu 300.000 weitere Tote auf amerikanischer Seite zu erwarten gewesen. Diese Annahme ist natürlich kontrafaktisch. Der tatsächliche militärische Wert der Atombombenabwürfe zur Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Asien ist bis heute umstritten. Die ebenso kontrafaktische Gegenfrage lautet, ob es nicht Alternativen zu diesen Waffen gegeben hätte und ob nicht Japan schon vor dem Abwurf zu Aufgabe bereit gewesen wäre.
Diplomatisch-politische Indizien
Starke historische Indizien sprechen dafür, dass Präsident Truman den Abwurf aus diplomatisch-politischen und nicht aus primär militärischen Gründen autorisierte. (3) Die Sowjetunion hatte zuvor den mit Japan 1941 geschlossenen Neutralitätspakt aufgekündigt und war am 8. August 1945 – zwischen den beiden Abwürfen am 6. und 9.August- in den Krieg gegen Japan eingetreten. Truman hatte ursprünglich angenommen, dass die Sowjetunion Mitte August einmarschieren würde. In sein Tagebuch schrieb er am 17. Juli: Stalin und die Sowjetunion „werden am 17. August im Jap-Krieg sein. Das ist das Ende der Japs, wenn das passiert“. (4) Truman dürfte angenommen haben, dass der Krieg lange vor einer geplanten US-Invasion beendet werden konnte. Es ist nicht eindeutig, ob er dabei ausschließlich an die sowjetische Intervention oder auch schon an die Atombombe dachte. Am 24. Juli war dem Luftwaffengeneral Spaatz der Befehl gegeben worden, den Abwurf der Bombe für „bald nach dem 3. August“ vorzubereiten. Die Entscheidung über den Abwurf war offenbar schon Mitte Juli gefallen, sodass die Ereignisse Anfang August darauf keinen Einfluss mehr hatten.
Truman nahm die Entscheidung auf sich: „Ich betrachtete die Bombe als eine militärische Waffe und ich hatte niemals irgendwelche Zweifel, dass sie verwendet werden sollte. Die militärischen Spitzenberater des Präsidenten empfahlen ihre Verwendung, und als ich mit [dem britischen Premierminister] Churchill darüber sprach, sagte er ohne Zögern, dass er die Verwendung der Atombombe befürwortete, wenn sie den Krieg beenden würde.“ (5)
Die Atombomben markierten jedenfalls auch den Beginn des Konfliktes der USA mit der Sowjetunion. Auf Anregung des japanischen Kaisers im Mai 1945 hatte Stalin vorgeschlagen, dass Japan von den USA und der Sowjetunion gemeinsam verwaltet werden sollte. Ein enges Vorgehen der USA mit der Sowjetunion hatte auch der US-Botschafter in Moskau, Harry Hopkins, angeregt, was allerdings in Washington ignoriert wurde. Die Atombombenabwürfe verhinderten die Umsetzung des Planes. Die USA hatten Befürchtungen, dass die Sowjetunion Gebietsansprüche geltend machen könnte. Das hätte zu einer Teilung wie in Deutschland und dann Korea führen können.
Stalin wollte aber auf seinen territorialen Anteil Japans nicht ganz verzichten. Er verlangte am 16. August von Truman die Übergabe der Kurilen-Inseln und den nördlichen Teil der Insel Hokkaido an die sowjetischen Truppen. Truman antwortete, dass alle zu Japan gehörenden Inseln Hokkaido, Honshu, Shikoku und Kyushu General MacArthur zu übergeben seien. Die Kurilen-Inseln hingegen könnten dem Kommando der sowjetischen Streitkräfte unterstellt werden (6).
Psychologische und militärische Konsequenzen
Die Abwürfe der Atombomben auf japanische Städte dienten nicht nur der Beendigung des Zweiten Weltkrieges in Asien, sondern markierten auch den Beginn des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion. Sie sollten nicht nur auf das Kaiserreich, sondern auch auf die Sowjetunion psychologischen Eindruck machen. Man erhoffte sich einen anhaltenden, einschüchternden Effekt. (7)
Die Sowjetunion betrachtete die Abwürfe in der Tat auch als gegen sich gerichtete Aktion und begann selbst an der Entwicklung nuklearer Waffen zu arbeiten. Nach intensiven Bemühungen führte die Sowjetunion bereits vier Jahre später im August 1949 ihren ersten erfolgreichen Atomtest durch.
Anmerkungen
1 Victor Issraelian, Die Anti-Hitler-Koalition, Die diplomatische Zusammenarbeit zwischen der UdSSR, den USA und England während des Zweiten Weltkrieges 19441-1945, Berlin, 1969, 427.
2 Zitiert in David Horowitz, Kalter Krieg, Hintergrund der US-Außenpolitik von Jalta bis Vietnam, Band 1, Berlin 1969, 26, 38.
3 Dazu auch Ward Wilson, Five Myths About Nuclear Weapons, (Mariner Books: Houghton Mifflin Harcourt), 2013. Heinz Gärtner, Der Kalte Krieg, (marixverlag: Wiesbaden), 2017, 198-201)
4 Harry Truman’s Diary and Papers, 1 Hiroshima, 1979, zitiert in The New York Times, 11. Oktober, 1994.
5 Harry S. Truman, Memoirs: Year of Decisions, 1945, (Doubleday & Company: New York), 1955, 419.
6 Harry S. Truman, Memoirs: Year of Decisions, 1945, (Doubleday & Company: New York), 1955, 440–441.
7 Barton J., Bernstein, The Atomic Bombings Reconsidered, Foreign Affairs, Volume 74, No. 1, January/February 1995, 135–152.