Bremerhaven

Friedensdemonstration in Bremerhaven gegen "Defender Europe 2020" bei Sturm und Regen

von Ekkehard Lentz
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Die Bremerhavener "Initiative Mut zum Frieden" und das Bremer Friedensforum riefen am 22. Februar zu einer Demonstration anlässlich des Großmanövers "Defender 2020" in Bremerhaven auf. Bei stürmischem Wind und Regenwetter sah die Seestadt eine ausdrucksstarke Demonstration. Gegen die größte Verlegeübung über den Atlantik seit 25 Jahren demonstrierten laut einer Polizeisprecherin rund 200 Menschen. "Es lief total friedlich ohne Störungen." Das Bremer Friedensforum zählte bis zu 400 Teilnehmer*innen.

Einen Tag zuvor war das erste Schiff mit schwerem Militärgerät aus dem US-Bundesstaat Georgia entladen worden, darunter Abrams-Panzer, Tankfahrzeuge, Container, Kettenraupen und gepanzerte Mannschaftswagen. „Bei ‚Defender Europe 20‘ werden rund 20.000 Soldaten aus den USA und 9.000 aus Standorten in Europa verlegt. Die Bundeswehr nimmt selbst an der Übung teil und unterstützt die US-Army zudem bei Transport und Unterbringung“, so dpa.

Der Aufruf zur Demonstration in Bremerhaven enthielt vier Forderungen: Keine Kriegsgeräte über Bremerhaven, Entspannungspolitik und politische Konfliktlösungen statt militärischer Konfrontation, Kooperation mit Russland in einem gemeinsamen Haus Europa, konsequente Abrüstung und Nutzung der freiwerdenden Mittel für soziale und ökologische Aufgaben. Die Demo unterstützten weitere Organisationen, so die GEW, DFG-VK, VVN-BdA, Die Linke, #Aufstehen, das Netzwerk Friedenskooperative Wesermarsch und das Aktionsbündnis "Bremerhaven bleibt bunt".

Doris Achelwilm, Mitglied des Deutschen Bundestages (Die Linke) demonstrierte in Bremerhaven mit und postete auf ihrer Facebook-Seite: „Mit der Militär-Operation US Defender Europe 2020 werden aktuell bis zum Sommer 37.000 Soldat*innen plus Gerät für Übungszwecke und zur Machtdemonstration von Nato-Zielen wie ‚readiness‘ (Bereitschaft) und ‚reinforcement‘ (Verstärkung) quer durch Europa verlegt. Vor etwa drei Jahren fand über die Drehscheibe Bremerhaven eine ähnliche Truppenverlegung statt, wenngleich der Maßstab der aktuellen Operation noch großspuriger ist. Das sagt einiges. Auch Geschichtsvergessenheit zieht sich mit der gängigen Militarisierung weiter durch. 75 Jahre nach der Befreiung Europas vom Faschismus, in Zeiten, die auf vielen Ebenen destruktiv sind, braucht es andere Signale als die Beteiligung D'lands am ``Defender 2020. Wir haben heute in Bremerhaven für Abrüstung, Dialog und Entspannungspolitik demonstriert. Eine ungleiche Auseinandersetzung, aber nötig."

Marlies und Sönke Hundt hatten das "Glück", dass ihre Anmeldung zum Pressetermin bei der US-Army am Vortag der Demonstration akzeptiert wurde, sie auf die Liste gesetzt und nach genauen Kontrollen tatsächlich auf das Gelände beim US-Frachter "Endeavour" gelangten. Hier ihr kurzes Video: https://youtu.be/MCW9ALysE5s.

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Ekkehard Lentz, * 1955, Mitbegründer und Sprecher des Bremer Friedensforums, arbeitet hauptberuflich als Erzieher in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung. Er nahm 1979 als Friedensbewegter zum ersten Mal an einem Kirchentag in Nürnberg teil und protestierte seinerzeit wie auch bei den weiteren Kirchentagen in Hamburg und Hannover gegen die drohende Stationierung von Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik.