Friedenssommer 2003 - Friedensradtour meets massdestruction-weapons

von Johannes PlotzkiSabine Römer

Internationaler Versuch einer Zivilen Inspektion der US-Air-Base Spangdahlem - Auf der Suche nach Massenvernichtungswaffen
Die RadlerInnen-Gruppe erreichte als vorletzte Station auf ihrer Tour den Militärstützpunkt Spangdahlem, eine US-Airbase in der Südeifel. Mit der Radroute werden verschiedene Militärstandorte und Atomwaffenstützpunkte verbunden und thematisiert. Nach ihrem Start erreichte die Tour im Rahmen des Friedenssommer 2003 (http://www.bike-for-peace.de ) erst die US-Airbase Ramstein, auf der neben dem Bundeswehrstützpunkt in Büchel/Südeifel die einzigen US-Atombomben der US-amerikanischen Streitkräfte in Deutschland lagern.

Gewaltfreier, aktiver Widerstand gegen Atomwaffen
Am Dienstag, 26.08. erreichte die RadlerInnengruppe mit TeilnehmerInnen aus der Slowakei, Schweden, Deutschland und den USA die Moselstadt Trier, in der während einer öffentlichkeitswirksamen Aktion auf dem Hauptmarkt eine Ausstellung über die atomare Aufrüstung der USA gezeigt wurde. Am Abend sprach im Friedens- und Umweltzentrum der langjährige Aktivist John LaForge, der aufgrund seiner Antikriegs- und Anti-Atomwaffenaktivitäten insgesamt dreieinhalb Jahre im Gefängnis verbrachte. Der skrupellose Einsatz von Uranmunition in den letzten Kriegen durch die USA und Großbritannien gehörten auch zu den von John LaForge angesprochenen Themen. 1987 fuhr er in den USA gemeinsam mit Barbara Katt in nur 3 Monaten über 35.000 Meilen, um die Standorte aller eintausend Interkontinentalraketen bestätigen und bestimmen zu können. Diese einmalige Erfassung ist Teil des Nukewatch Buches "Nuclear Heartland: ein Wegweiser zu den 1000 Raketensilos der Vereinigten Staaten", welches 1988 von Samuel H. Day Jr. herausgegeben wurde.

1984 beschrifteten und zerstörten Barbara und John mit Hammer und Blut zwei Raketenlenkcomputer, die in Minnesota von der Firma Sperry Univac Corp. für die Atom U-Boote hergestellt wurden. Wegen Schwerverbrechen angeklagt standen sie in Erwartung einer 10 jährigen Gefängnisstrafe vor Gericht, wurden aber überraschenderweise freigesprochen, da der Richter den atomaren Rüstungswettlauf verurteilte. Der Internationale Gerichtshof hat in seinem Rechtsgutachten 1996 die Rechtswidrigkeit des Einsatzes und der Androhung des Einsatzes von Nuklearwaffen festgestellt. Durch den Nichtweiterverbreitungsvertrag (Non-Proliferation-Treaty-NPT) ist die Weitergabe von Atomwaffen an Nicht-Atomwaffenstaaten verboten. Trotzdem befinden sich unter Verstoß gegen das Völkerrecht auf den US-Stützpunkten Spangdahlem und Büchel in der Nähe Triers auch Atomwaffen. Von der US-Airbase Spangdahlem, welche die Gruppe am 28.08. erreichte, starteten die Jets zu ihren todbringenden Einsätzen in den Kosovo, nach Afghanistan und zweimal in den Irak. In allen diesen Ländern verschossen sie tausende Tonnen der DU-Munition (DU=depletet uranium [abgereichertes Uran, d.h. Abfallprodukt der Urananreicherung, z.B. in Gronau [NL] oder Almelo [NL]). Der austretende radioaktive Staub dieser Munitionsgeschosse wird über Wind und Wasser kilkometerweit verteilt, verseucht das Trinkwasser und die Nahrungskette und macht ganze Landstriche unbewohnbar.

Die beim Friedenssommer 2003 mitreisende Aktivistin Marion Küpker, Koordinatorin der internationalen und mit hochkarätigen Uranwaffenexperten besetzen Uranwaffenkonferenz im Oktober in Hamburg (http://www.uraniumweaponsconference.de ) erklärt den massiven Einsatz von Uranmunition damit, dass keine Regierung der Welt das Geld aufbringen kann, um an sensiblen Standorten, wie Ölpipelines (Afghanistan) oder Ölfeldern (Südirak) dauerhaft Soldaten stationieren kann, um ihre Hegemonieansprüche geltend zu machen, und von daher die Verseuchung dieser Gebiete mit hochtoxischer Uranmunition jegliche anderen Anspruchsinhaber effektiv zu vertreiben. Um diese als völkerrechtswidrigen Massenvernichtungswaffen einzustufenden Uranmunitionsarsenale auf der US-Airbase Spangdahlem (Süd-Eifel)im Namen des internationalen Völkerrechts zu inspizieren, machte sich heute ein international besetztes Inspektionsteam auf den Weg.

Solidarisch zeigen sich die TeilnehmerInnen mit den ErweiterungsgegnerInnen des Airbase, die unter dem giftigen NATO-Treibstoff JP 8 und dem andauernden Lärm zu leiden haben. Am Abend richtete die RadlerInnen-Gruppe ihr Camp unweit der Airbase Spangdahlem ein, um am folgenden Morgen dann die letzte Etappe zum Atombombenstandort Büchel (Südeifel) anzutreten. Dort fand zuletzt im Mai eine Zivile Inspektion statt, um die dort gelagerten 10 Atombomben der US-Armee zu inpsizieren, welche von deutschen Bundeswehrsoldaten bewacht werden. Diese stellen mit ihren Tornados auch die Trägersysteme für den Einsatz der Atombomben mit der 150-fachen Sprengkraft der Hiroschima-Bombe dar.

Zivile Inspektion der US-Air-Base Spangdahlem - Auf der Suche nach Massenvernichtungswaffen
Am 28. August 2003 versuchte dann eine international besetzte Gruppe aus FriedensaktivistInnen die US-Air Base Spangdahlem/Eifel zu inspizieren. Die acht aus Deutschland, der Slowakei, Schweden und den USA stammenden AktivistInnen suchten den Standort im Rahmen der Friedens-Radtour vom Friedenssomer 2003 zur Abschaffung von Atomwaffen auf. In Spangdahlem, einem der größten außerhalb der USA liegenden US-Militärflughäfen, ist das 52. US-Kampfbombergeschwader stationiert. Neben 5.000 Soldaten befinden sich drei Kampfschwadrone mit Tarnkappenbombern und eine Kontrollschwadron vor Ort. Während des Kosovo-Krieges wurden Geschosse mit abgereichertem Uran hier gelagert und auf die Reise geschickt.

Mit einem Brief an Commander Mueller hatten die AktivistInnen ihren Besuch angekündigt. Darin wurde der völkerrechtswidrige und illegale Besitz von Atomwaffen verurteilt und um ein Gespräch mit dem Commander über die Möglichkeiten der Vernichtung von Atomwaffen gebeten. Die FriedensfreudInnen begannen ihre Inspektion mit einem Besuch des Passbüros des Militärflughafens, wo sich Gäste des Stützpunkts anzumelden haben. Hier erklärte ihnen ein älterer deutscher Zivilist, dass es keinerlei Probleme gäbe und sie sich nur am Eingang nebenan bei den dortigen Wachhabenden melden müssten. An besagtem Eingangstor empfing die Gruppe ein Trupp Bundeswehrsoldaten, die allein für die Bewachung des Militärgeländes zuständig sind. Wiederum verlangten die AktivistInnen Einlass und beriefen sich auf die gerade erhaltene Auskunft des älteren Deutschen. Doch die deutschen Soldaten verwiesen sie des Eingangsbereiches und erklärten, dass das von ihnen kontrollierte und auch als "morning gate" bezeichnete Eingangstor sofort aufgrund der angemeldeten Kundgebung geschlossen werden müsse und sich die Gruppe zum "main gate" begeben solle. Auf die Frage, ob sie wüssten, dass sie hier Atomwaffen bewachen würden, gaben sie ausweichende Antworten, bzw. verneinten. Ein ranghöherer Soldat wurde durch Fragen, warum er Massenvernichtungswaffen bewache, verunsichert, konnte den InspektorInnen jedoch keine Antwort liefern.

US-Commander Mueller zu "high" für Gespräch mit zivilen InspekteurInnen
Am "main gate", das den Besucher mit den Worten "US Air Base Spangdahlem. Seek. Attack. Destroy." (Suchen. Angreifen. Zerstören) begrüßt, trafen die InspektorInnen erstmals einenm amerikanischen Soldaten, der ihnen erklärte, Commander Mueller wäre leider gerade nicht erreichbar, da er sich in der Luft befände. ("He was too high to speak to us", wie es der amerikanische Friedensaktivist ausdrückte). Der GI sagte, er würde den "Second Commander" kontaktieren und die Gruppe informieren, wenn dieser Zeit für ein Gespräch habe. Der Soldat machte auf die weiße Linie vor dem Eingangstor aufmerksam, hinter die die AktivistInnen zurückweichen sollen. Die aufgrund der angekündigten Kundgebung herbeigekommenen deutschen Polizisten mahnten die Einhaltung des Abstands zum amerikanischen Gelände und drohten mit Hausfriedensbruch. Die FriedensradlerInnen beschlossen sich zurückzuziehen und nicht weiter auf eine Antwort des Second Commanders zu warten.

Für die AktivistInnen fügt sich die Verweigerung einer Inspektion des Militärgeländes eindeutig in die Illegalität und Unrechtmäßigkeit der Atomwaffenlagerung ein. Sie fordern (nicht nur) die USA auf, den jüngsten Rüstungswahn zu beenden und ihren Versprechungen nach Abrüstung nachzukommen.

Für Rückfragen und Kontakt zur Inspektionsgruppe: Johannes Plotzki (Tel: 06588-988498)

Zu diesem Beitrag siehe auch den Hintergrundartikel von Thomas Klein auf S. ???.

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Johannes Plotzki ist im Beirat der Informationsstelle Militarisierung und Mitarbeiter von Tobias Pflüger (MdEP).
Sabine Römerist aktives Mitglieder der AG Frieden Trier.