Die Cúpula dos Povos ist unsere Kraft und unser Ruf nach Klimagerechtigkeit

Gipfel der Zivilgesellschaft während der COP30

von Uta Grunert
Schwerpunkt
Schwerpunkt

„Die Klimakrise ist bereits da. Wir können von oben keine Lösungen erwarten. Die Expert*innen werden den Planeten nicht retten!“

Im November 2025 findet die internationale Klimakonferenz COP30 in Belém im brasilianischen Amazonasgebiet statt. Gastgeber Brasilien erwartet Staatschefs und ihre Unterhändler*innen aus aller Welt, die über die Rettung des Weltklimas, neue Ziele und entsprechende Finanzierungen verhandeln sollen.

„Der Wandel kommt von denen, die die Realität erleben, die ihrem Land und Territorium mit der kollektiven Kraft der Zukunft verbunden sind!“

Die brasilianische Bevölkerung spürt die Folgen des Klimawandels. Aber nicht alle spüren ihn gleich stark, je nachdem in welcher Region sie leben und wie ihre Lebensrealität aussieht. Hitze und Dürre nehmen zu, Bilder von ausgetrockneten Amazonasnebenflüssen gingen 2024 um die Welt. Aber auch Waldbrände und Starkregenereignisse mit Hangrutschungen, Toten und vielen Obdachlosen. Die Krise ist menschengemacht und hat viel mit globalen Machtverhältnissen zu tun. Viele Analysen weisen darauf hin, dass die Ohnmacht gegenüber den Folgen des Klimawandels besonders brutal von denen erlebt wird, die zu den Ärmeren der Gesellschaft zählen. Wenn man genauer hinsieht, wird klar, dass auf Grund historischer Folgen von ausbeuterischer Sklavenhaltung und unrechtmäßiger Landnahme im Zuge des Kolonisierungsprozesses und der bis heute regierenden Macht der Stärkeren in Brasilien besonders Schwarze Menschen und Indigene betroffen sind. Die Klimakrise ist also unbedingt auch eine Krise der Ungleichheit und wird in Brasilien von

Gipfel der Zivilgesellschaft
Die Cúpula dos Povos" ist seit dem ersten Umweltgipfel 1992 in Rio de Janeiro der parallele Gipfel der Zivilgesellschaft. Er vertritt inzwischen 800 Gruppierungen und setzt sich aus sozialen Bewegungen, indigenen Völkern, Quilombolas, traditionellen Gemeinschaften und Basisgruppen zusammen. Der Gipfel betont die Diversität und Perspektiven der Basis: Sie leben auf dem Land, in Städten und Peripherien, in Wäldern, am Wasser, gehören traditionellen Gemeinschaften an, sind LGBTIXIAPN+ Personen, Männer, Frauen, interreligiöse Gruppen, Umweltschützer*innen, Arbeiter*innen, Indigene und Quilombolas (Nachfahren der Sklavenaufstände mit per Verfassung geschützten Territorialrechten).

Sie erleben sich als Alltagskämpfer*innen und Anwält*innen im Schutz von Umwelt und Territorien. Viele Völker und traditionelle Gemeinschaften sind durch ihren Lebensstil von der Natur abhängig und ihr darum auch auf spirituelle Weise verbunden. Ihre Gegner sind Konzerne mit Ressourceninteressen und politische Entscheidungsträger*innen, die diese unterstützen. Aber auch ein globales Ungleichgewicht der Lebensstile mit entsprechenden Ressourcen, Energieverbrauch und CO2 Ausstoß. Sie fordern nichts weniger als eine Alternative zum kapitalistischen, umweltverbrauchenden patriarchalen System. Häufig werden sie für ihren Kampf mit dem Tod bedroht oder sogar Opfer von Gewalt.

Klimagerechtigkeit und die Beteiligung an politischen Entscheidungen bei der Bekämpfung des Klimawandels gehören zu den Forderungen des Gipfels. An den Planungen sind 25 brasilianische und 18 internationale Organisationen beteiligt. Unter den brasilianischen sozialen Bewegungen sind z.B. APIB und COIAB (Vertretung indigener Völker Brasiliens und des Amazonasraums) und CONAQ (Schwarzenbewegung der Quilombolas), soziale Bewegungen wie MAB (die Bewegung der von Staudämmen Betroffenen), MAM (die Bewegung der von Bergbau Betroffenen), MST (die Landlosenbewegung). Die vollständige Übersicht findet mensch auf der Webseite der Cúpula: https://cupuladospovoscop30.org/, die auch auf Englisch zugänglich ist. Die Gruppen betonen ihre Autonomie von Regierung und Politik und repräsentieren die Diversität der brasilianischen Bevölkerung. Eine kleine Delegation hat im Juni in Basel, Schweiz, Station gemacht, um danach zur Vorbereitungskonferenz der COP30 in Bonn weiterzufahren. Denn die Cúpula sucht den internationalen Dialog und Mitstreiter*innen für ihre Kämpfe.

Themen der Cupola dos Povos
Die Cúpula dos Povos setzt sich in ihrer inhaltlichen Auseinandersetzung aus sechs unterschiedlichen Achsen zusammen:

1. Kampf um Landrechte: Territorien, Maretorien (Lebensräume im und am Wasser) und das Thema Ernährungssouveränität.

2. Anerkennung historischer Reparationslast: Kampf gegen Umweltrassismus und Unternehmen, die sich an Ausbeutung beteiligen.

Diese Achse spannt einen weiten Bogen auf. Sie richtet sich gegen Unternehmen, die Energie- und Bergbauprojekte ohne lokale Einbindung der Bevölkerung durchführen und sich an Ausbeutung von Ressourcen und Land beteiligen. Hier sind die Schwarzenbewegung und auch Einheiten der afrobrasilianischen Spiritualität eingebunden.

3. und 4. Sozial ökologische und inklusive Transformation, Bewegung für Demokratie.

In diesen Achsen ist neben dem Kampf für eine gerechte Transformation auch der Kampf gegen rechte Gruppierungen verankert, die sich als Klimawandelleugner und Gegner der Demokratie gezeigt haben.

5. Gerechte Stadtpolitik und eine Aufwertung des peripheren urbanen Raums.

6. Feminismus der Basisbewegungen und Stärkung von Frauenrechten in den Territorien.

Was in Brasilien passieren wird
Am 12. November werden die unterschiedlichen Karawanen der brasilianischen Bewegungen in Belém ankommen. Am 13. und 14. November sind Aktivitäten und Podiumsveranstaltungen auf dem Universitäts-Gelände der UFPA geplant. Der 15.11. ist als Globaler Aktionstag ausgerufen worden, hier finden Demonstrationen in Richtung der offiziellen COP statt. Die Cúpula dos Povos erwartet, dass dieser Tag auch international genutzt wird, um ein weltweites Echo ihres Schreis nach mehr Klimagerechtigkeit zu erzeugen. Am letzten Tag, dem 16. November, finden weitere Panels und das Abschlussplenum statt. Dort wird dann auch die Abschlusserklärung vorgetragen.

Die Organisator*innen der Cúpula dos Povos haben bereits mehrere Gelände in Belém für die Unterbringung der Teilnehmenden gesichert. Diese werden für die Karawanen genutzt, die per Boot und über Land aus ganz Brasilien erwartet werden. Eine Reihe von Arbeitsgruppen organisiert gerade die Infrastruktur, Verpflegung und die Unterbringung internationaler Besucher*innen.

Für die Finanzierung der Großveranstaltung Cúpula dos Povos werden noch Spenden und Finanzmittel von internationaler Unterstützung gesucht. Wer die Entwicklungen der Cúpula aus der Ferne verfolgen möchte, findet bei Instagram: cupuladospovoscop30.

 

Der Beitrag erschien erstmals in ila. Das Lateinamerika-Magazin (ila-web.de), Nr. 488, Sept. 2025.

Rubrik

Schwerpunkt
Uta Grunert arbeitet in der Geschäftsstelle der Kooperation Brasilien KoBra e.V. in Freiburg.