Sarajevo Peace Event

Pfingsten 2014: für den Frieden nach Sarajevo

von Reiner Braun
Initiativen
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( c ) Netzwerk Friedenskooperative

Sarajevo ist der symbolträchtige Ort  für den Ersten Weltkrieg  und für den Krieg in Europa, den „Jugoslawienkrieg“ der 1990er Jahre. Zu Pfingsten 2014 werden in Sarajevo eine große Friedenskonferenz, ein Jugendcamp und vielfältige kulturelle Veranstaltungen stattfinden.

Der Mord in Sarajevo war der Anfang einer Kriegsperiode, die Europa und die Welt grundlegend veränderte. Der 1. Weltkrieg war bestimmt von ungeahnten Grausamkeiten (erster Einsatz von Massenvernichtungsmitteln), Zerstörung, Vernichtungen, Technisierung des Krieges und totalen Gewaltausbrüchen.

Die offizielle Politik wird dieses Ereignis aktiv interpretieren und für ihre Europapolitik nutzen wollen. Sie verstehen den Friedensnobelpreis 2012 für die Europäische Union  als Ermutigung, ihr Werben für diese EU als Friedenskraft zu intensivieren. Es ist heuchlerisch, Krokodilstränen über vergangene Kriege zu vergießen, diese aber täglich zu führen und zu legitimieren.

Es gilt, den Mythos der Zivilmacht Europas zu zerstören. Europa ist Militärmacht (zwar nicht vergleichbar mit den USA), aber interventionistisch und aufrüstungsorientiert.

Es muss bei dem „Nein Zum Krieg und zu allen Formen der nationalen und internationalen Militarisierung“ bleiben. Es gibt keine Rechtfertigung für Kriege, unter welchem offiziellen Mäntelchen (Menschenrechte, humanitäre Interventionen, Responsibility to Protect oder UN-Sicherheitsratsbeschluss) diese auch dargeboten werden. Überspitzt gesagt, was 1914 das Gift des Nationalismus und Chauvinismus war, ist heute die Propaganda mit scheinbarer Verteidigung der Menschenrechte oder Abwehr des sogenannten islamischen Terrors. Die dahinterstehenden Interessen waren 1914 und sind heute die gleichen: Neuaufteilung der Erde unter ökonomischen und Großmacht-Interessen.

Krieg ist historisch und aktuell demokratiefeindlich
Aufrüstung muss grundsätzlich abgelehnt werden. Waren es 1914 die neuen Tanks und Flugzeuge sowie Giftgas, sind es heute u.a. die Modernisierung der Atomwaffen, die Drohnen als Einstieg in die umfassende Automatisierung und Roboterisierung des Krieges. Es bleibt damals wie heute der Protest gegen den Rüstungsexport und Waffenhandel, als Export von Mord in die ganze Welt.

Krieg zerstörte und zerstört die Natur, deren Erhalt wir mehr als jemals zuvor einfordern müssen. In Verdun wächst bis heute kein Baum.

Abrüstung gehört wieder auf die internationale Agenda – wie es auch nach dem 1. Weltkrieg u.a. im Rahmen des Völkerbundes versucht wurde. Abrüstung für Entwicklung sollte ein Leitbild gesellschaftlich progressiven Handelns sein.

„2014“ muss aber auch der Gedanke erneuert werden: Es gibt Alternativen zum Krieg. Waren es 1914 und in den folgenden Jahren u.a. Rosa Luxemburg, Alfred Fried und Albert Einstein, die gegen die Barbarei des 1. Weltkrieges die zivilen und gesellschaftlichen Alternativen propagierten, sind es heute die vorhandenen umfassenden Konzepte der zivilen Konfliktbearbeitung und Konfliktprävention, die fundamental dem Konzept Krieg gegenüberstehen.

Die Lehre aus dem 1. Weltkrieg ziehen heißt, die Institution Krieg abzuschaffen. Dies geht aber nur, wenn gleichzeitig der Gedanke der globalen Gerechtigkeit und der Kultur des Friedens politisch und moralisch weltweit Fuß fasst.

Sarajevo Pfingsten 2014 – Frieden ist machbar
Friedensbewegte aus vielen Ländern der Erde her werden Pfingsten gemeinsam mit der Bevölkerung der Stadt und der Region in Sarajevo verbringen, um miteinander zu diskutieren und zu streiten, um gemeinsame Begegnungen und Kulturveranstaltungen zu gestalten, um an größeren und kleineren Veranstaltungen in den Räumlichkeiten der Stadt und auf den Plätzen in und um Sarajevo teilzunehmen.

Ein großes Jugendcamp wird im Mittelpunkt stehen. Jugendliche (und jung gebliebene) aus allen Republiken des ehemaligen Jugoslawiens werden sich mit (jungen Menschen) aus Europa  versammeln, in einem Camp selbstorganisiert und mit eigenem Programm.

Friedenskonferenzen und Workshops vom Rüstungsexport bis zur Versöhnungsproblematik, von der Verantwortung bis zu religiösen Fragen, von Anti-Kriegs-Protesten, Verweigerung der Militarisierung bis zur Abschaffung der NATO werden in einem breiten Spektrum behandelt werden. Jede/r kann sein Thema anbieten und gestalten.

Ein Festival, Kulturveranstaltungen, Ausstellungen werden Höhepunkt des Treffens sein.

Vieles wird gar nicht im Programm stehen oder kann nicht geplant werden, der Selbstorganisation und der Spontanität sollen in einer historischen und wunderschönen Stadt Raum und Zeit gegeben werden.

Vorbereitet wird dieses Großereignis durch eine internationale Koalition von Friedensgruppen, denen neben Friedensinitiativen aus den ehemaligen Republiken Jugoslawiens, internationale Organisationen wie IPB, IALANA, INES, Pax Christi, WRI, etc. sowie Friedensgruppen aus ca. zehn weiteren Ländern Europas angehören.

Ein politisch und organisatorisch höchst anspruchsvolles Unternehmen, das bisher nur geringe finanzielle Unterstützung, u.a. bei der Rosa Luxemburg Stiftung und Transform, gefunden hat.

Eine große Herausforderung. Weitere Unterstützung, Hilfe und mitmachen ist mehr als gewünscht. Details auf den Webseiten: www.sarajevopeaceevent2014.eu, www.1914-2014.eu

Es geht nicht nur um Lehren aus der Geschichte (so wichtig diese auch sind), es geht um die Gestaltung einer friedlichen, lebenswerten Zukunft. Wir wollen die „kulturelle Hegemonie“ (Gramsci) für den Frieden.

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Reiner Braun ist Geschäftsführer der IALANA Deutschland und Co-Präsident des Internationalen Friedensbüros (IPB).