Repression gegen die Antikriegsbewegung

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In Belgrad wurde das Antikriegs-Zentrum am 12. November gestürmt. Gegen die Mittagszeit kamen mehrere junge Männer in das Büro und zerbrachen alles, was sie in die Hände bekamen. Das gleiche passierte im Hauptquartier der Reformistischen Partei und bei YU-Tel, der kritischen Fernsehanstalt in Sarajevo. Ein "Straßenfernsehen" in Belgrad, von oppositionellen Journalisten und der Bürgerrechtsgruppe GAMA organisiert, wurde von den gleichen Schlägern mehrfach angegriffen und mußte aufgegeben werden.

Anfang November 1991 wurde Nenad Canak, führender Friedensaktivist und Vorsitzender einer sozialistischen Oppositionspartei aus Novi Sad verhaftet und sofort der Militärpolizei überstellt. Ihm wurde vorgeworfen, einem Gestellungsbefehl zum Militärdienst nicht gefolgt zu sein. Tatsächlich wurde der Einberufungsbefehl ihm erst nach seiner Verhaftung zugestellt. Canak verschwand zunächst; Amnesty International und andere internationale Menschenrechtsorganisationen forschten nach ihm. Er ist inzwischen wieder auf freiem Fuß, nachdem er zur Ableistung des 45-tägigen Militärdienstes gezwungen worden war. Wahrer Grund für seine Festnahme war seine Teilnahme an den Friedensdemonstrationen in Ada und Senta, Städten mit ungarischer Mehrheit in der Vojvodina, gewesen. Canak ist leider kein Einzelfall. Alle Oppositionellen wissen sich in ständiger Gefahr, zum Militärdienst einberufen zu werden.

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