Sissi Fries auf der Demonstration "Nie wieder Deutschland" am 12.05. in Frankfurt

von Sissi Fries

Liebe Leute,
ich begrüße hiermit alle Ati-WiedervereinigerInnen "im Namen des Deutschen Bundestages" und wünsche Eurer Demo erfolgreichen Verlauf! Schön wär 's! Doch das Gegenteil ist der Fall! Denn endlich haben sie ihr Ziel erreicht: In einer Allparteinkoalition haben sie am 09. November zum Jahrestag der Reichsprogrommnacht die Nationalhymne gegrölt und heute ist "Deutschland - Deutschland über alles" ein Fakt.
Der Staatsvertrag ist unterschriftsreif, die freiheitlich-demokratische Grundordnung das Gebot der Stunde, Die DDR hat kapituliert - ist nur noch Geschichte. Die Deutschen sind also wieder wer! Sie sind vereinigt, Wirtschaftsmacht Nr. 1 in Europa, militärisch überlegen in der NATO. Wen wundert's da noch, wenn Hupka, Rechtsaußen der CDU, sich gegen das "Grenzdiktat der Polen" wehrt, hat doch niemand mehr das Recht, den Deutschen Größenwahn aufzuhalten. Alle haben es akzeptiert: Deutschland ist Weltmacht und EG und NATO sind an der Erprobung Osteuropas beteiligt. Endlich können die Deutschen Auschwitz ad acta legen - sie haben lange genug den Krieg verloren - die Einheit ist jetzt ihr wohlverdienter später Kriegsgewinn!
Unterstützung finden die "hohen PolitikerInnen" in ihrem Volk - das ein Volk geworden ist. Ordung, Sauberkeit, Ausländer raus, Deutsch ist ist Parole in jeder guten Wohnstube. Es fruchtet, was immer gehegt und geflegt wurde: nationalistisches Gedankengut im Interesse expansionistischer Ziele. Und hierbei fällt der Systemunterschied äußerst gering aus. Geschichte wurde nirgendwo verarbeitet! In der BRD fanden Richter aus der NAZI-Zeit ihre neue Heimat, wurde Versöhnung mit der Vergangenheit zum Programm gemacht - und in der DDR wart Antifaschismus von oben verordnet und dabei gleichzeitig Deutschsein für angeblich sozialistisch Disziplin genutzt.
Dies heißt auch, dass diese sogenannte Revolution in der DDR nie eine gewesen ist. Es war und ist eine nationalistische Bewegung - auch wenn die InitiatorInnen anderes wollten.
Die Mehrheit der Deutschen in BRD und DDR wollten die Einheit - im Interesse von Wohlstand, Reisefreiheit, im Interesse von Deutschsein ist anders, besser- von Deutschland ist stark. Sie haben ihr Ziel erreicht - auch wenn zumindest nach der Volkskammerwahl in der DDR die Minderheit der Zweifler und Kritiker größer wird.
Zitat von Gabriela Valentin, Jerusalem:
"Sehen sie, es ist doch bekannt, das der Osten nicht judenfreundlich ist, und im Westen sind ohnehin ganz schön viele Nazis, die laut sind. Wer weiß, wie viele leise Nazis es dort gibt, die jetzt auch bald laut werden."
Solche Menschen, wie die Jüdin Gabriela Valentin, aber auch alle anderen, die gegen die Mainstream "Einheit" schwimmen, werden als Chaoten und Randalierer denunziert, sind Nestbeschmutzer und Stalinisten. Der Stalinismusvorwurf ist folglich ein Vorwurf gegen Andersdenkende - gegen AntiwiedervereinigerInnen. Es hat nichts mit einer Auseinandersetzung über Stalin zu tun! - eher noch mit einem Trauma der Deutschen - mit Stalingrad.
Wie Herman Gremliza dazu treffend bemerkt:
"Stalinismus ist, was dem konsumfreundigen Citoyen den Einkaufsbummel vermiest: Lenin und Castro und das Ladenschlußgesetz."

Solche Einschüchterungsversuche gab es schon im Vorfeld der Demo und sind auch heute deutlich erkennbar. Als MitveranstalterIn protestiere ich gegen diese massiv Polizeiaufgebot! Wir haben eine Demonstration nach dem Versammlungsgsetzt angemeldet und führen diese danach durch! Dies ist unser Recht! Die Vorankündigung der Polizei und ihrer Auftraggeber können folglich nur als Versuch der Unterdrückung und Kriminalisierung von Positionen gegen die Wiedervereiningung bewertet werden. Wir haben damit gerechnet, wenn wir wissen um die Parteilichkeit der Polizei. - Wir wissen um die vielen "Schönhubers" in der Polizei. Wir fordern sie trotzdem auf, sich zurückzuziehen und polizeiliche Übergriffe sein zu lassen. Wir werden trotz all dieser Abschreckungsversuche uns weiter gegen die nationalistischen und expansionistischen Ziele wehren.
Wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen! Wir wollen kein Selbstimmungsrecht der Deutsch - denn es ist ein Selbstbestimmungsrecht von Imperialisten! Wir werden weiterhin für die Überwinden dieses Systems - für eine andere solidarische und internationlistische Zukunft kämpfen.
Für mich hat dabei der Widerstand gegen diese Einheit noch eine besondere Komponente. Ich komme aus Günzburg - der Stadt Josef Mengeles. Der Stadt, in der die Nachkommen immer noch die stärksten Arbeitgeber sind, in der ein Betrieb immer noch Mengele heißen darf und in der der Stiefsohn von Josef Mengele auf Bitte um eine Spende für eine Synagoge immer noch sagen darf:
"Für Juden gebe ich nichts."
Wer allerdings glaubt, es handele sich um eine Provinzgeschichte, dem möchte ich noch aus einer offiziellen Festschrift der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt über das Verschuer-Institut für Erbbiologie und Massenhygiene zitieren:
Zitat:
"Eine Fülle von Mitarbeitern und Assistenten, darunter der später berüchtigte Josef Mengele, arbeitetn an teils durchaus soliden, anthropologischen, teils auch an zeitgenössischen ö- ideologischen Themen."
Liebe Leute,
Die Söhne und Töchter und KZ-Wächtern und SS-Schergen finden, daß sie ein Volk sind und ein Reich werden wollen. 
wir nicht!
Nie wieder Deutschland!
 

Ausgabe