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Bundeswehr-Erfassung: Informiert handeln, klar verweigern
Umgang mit dem Fragebogen der Bundeswehr
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Über 7.000 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung wurden im Jahr 2025 gestellt – mehr als doppelt so viele wie 2024. Diese Entwicklung ist ein deutliches Signal: Immer mehr Menschen wollen sich nicht an Krieg und Militär beteiligen. Und wir gehen davon aus, dass die Zahlen weiter steigen werden. Kriegsdienstverweigerung darf kein Sonderfall bleiben. Sie muss zur normalen und gesellschaftlich akzeptierten Praxis werden. Wer 18 wird, sollte sich nicht zuerst fragen, wie er oder sie „dienen“ kann, sondern: Habe ich eigentlich schon verweigert?
In diesem Zusammenhang gewinnt der Fragebogen der Bundeswehr – die sogenannte „Bereitschaftserklärung“ – besondere Bedeutung. Der Fragebogen wird an junge Menschen verschickt und wirkt auf den ersten Blick bürokratisch und harmlos. Tatsächlich ist er ein zentrales Instrument der Nachwuchsgewinnung. Ziel ist es, möglichst früh Daten zu erfassen, Profile anzulegen und gezielt Kontakt aufzunehmen.
Abgefragt werden unter anderem Schulabschluss, Ausbildungs- und Studienpläne, berufliche Interessen, Sprachkenntnisse, sportliche Aktivitäten sowie die grundsätzliche Einstellung zum Dienst bei der Bundeswehr. Teilweise wird der Eindruck erweckt, es handele sich um eine rein formale Datenerhebung. Doch wer umfangreiche Angaben macht oder Interesse signalisiert, wird mit Informationsmaterial, Einladungen zu Beratungsgesprächen oder Veranstaltungen kontaktiert. Der Fragebogen ist damit keine neutrale Statistik, sondern Teil einer strategischen Ansprache.
Die DFG-VK empfiehlt deshalb einen bewussten und zurückhaltenden Umgang. Zunächst sollte genau geprüft werden, welche Angaben tatsächlich verpflichtend sind – und welche freiwillig. Freiwillige Zusatzinformationen müssen nicht gemacht werden. Persönliche Details zu Berufswünschen, Motivation oder Interessen gehen die Bundeswehr nichts an, wenn keine Verpflichtung besteht. Wer Daten preisgibt, erleichtert spätere Rekrutierungsversuche.
Wichtig ist außerdem: Niemand ist verpflichtet, eine positive Haltung zum Militärdienst zu äußern oder sich „bereit“ zu erklären. Auch das Ankreuzen scheinbar unverbindlicher Optionen kann später als Grundlage für Kontaktaufnahme dienen. Wer unsicher ist, sollte sich vor dem Ausfüllen beraten lassen. Die DFG-VK empfiehlt daher ganz klar bei der Frage der Bereitschaft im Fragebogen (Auswahlmöglichkeit von null bis zehn) ganz klar die Null anzugeben. Selbst die geringste Angabe einer Bereitschaft (z.B. die Eins auszuwählen) ist eine Bereitschaft, und das wird die Bundeswehr nutzen.
Eine klare Möglichkeit, sich dauerhaft aus der Logik militärischer Verfügbarkeit herauszuziehen, ist die frühzeitige Erklärung der Kriegsdienstverweigerung. Dieses Recht ist im Grundgesetz verankert. Wer aus Gewissensgründen keinen Militärdienst leisten will, kann und sollte das deutlich machen. Gerade in Zeiten, in denen über neue Wehrpflichtmodelle diskutiert wird, schafft eine erklärte Verweigerung Klarheit – politisch wie persönlich.
Dass die Bundeswehr verstärkt um Nachwuchs wirbt, zeigt sich auch an den Zahlen: Über 3.000 neue Rekrut*innen im vergangenen Jahr waren minderjährig – ein neuer Rekord. Deutschland gehört damit zu den wenigen europäischen Ländern, die weiterhin unter 18-Jährige rekrutieren. Besonders junge Menschen stehen im Fokus – in Schulen, auf Ausbildungsmessen und über soziale Medien. Der Fragebogen ist Teil dieser Strategie, frühzeitig Zugriff auf eine ganze Alterskohorte zu erhalten.
Gleichzeitig wächst der Widerstand. Der erneute Schulstreik am 5. März mit deutschlandweit 50.000 Teilnehmenden hat gezeigt, dass sich weiterhin viele junge Menschen gegen Wehrpflichtpläne, militärische Präsenz an Schulen und Rekrutierungsstrategien organisieren. Die Bewegung wird aktiver und besser vernetzt. Sie verbindet Protest mit konkreter Aufklärung – auch über den Umgang mit dem Fragebogen und das Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Ziel ist es, gesellschaftlichen Widerstand gegen Militarisierung aufzubauen und junge Menschen zu ermutigen, selbstbestimmt Nein zu sagen.
Mehr als 7.000 Verweigerungsanträge in einem Jahr sind erst der Anfang. Wenn Kriegsdienstverweigerung selbstverständlich wird, verliert der Fragebogen der Bundeswehr seine Wirkungsmacht.
Alle Informationen unter www.verweigern.info