Buchbesprechung „Worte statt Waffen“

Wie Kriege enden und Frieden verhandelt werden kann

von Renate Wanie
Hintergrund
Hintergrund

Auch tief verfeindete Kriegsparteien können miteinander reden und friedliche Lösungen finden, schreibt Jan van Aken in seinem Buch „Worte statt Waffen“. Anhand von konkreten Beispielen aus der Zeitgeschichte und eigenen Erfahrungen zeigt van Aken konkrete Wege auf, mit denen Konflikte ohne Gewalt entschärft werden können. Auch dann, wenn es manchmal unmöglich erscheint. Eine spannende und kenntnisreiche Veröffentlichung, ein kluges und verständlich geschriebenes Buch, das Mut macht. Ein Lichtblick in dunklen Zeiten.

Der promovierte Biologe van Aken arbeitet seit über zwanzig Jahren zu Themen der Außenpolitik, hat zahlreiche Friedensprozesse miterlebt und auch begleitet. Er war von 2004 bis 2006 Biowaffeninspekteur für die Vereinten Nationen und Campaigner bei Greenpeace International, wo er an Initiativen zur atomaren Abrüstung im Nahen Osten mitarbeitete. Ein direktes Bild von der Situation in verschiedenen Konfliktregionen – und möglichen Lösungen – konnte er sich als Abgeordneter der Linken im Deutschen Bundestag machen. Überall stieß er bei seinen Reisen als Abgeordneter auf friedliche Alternativen und zivile Möglichkeiten der Konfliktbeilegung, ob bei lokalen Initiativen zur zivilen Konfliktprävention im Südsudan oder Untersuchungen der Internationalen Atomenergie-Organisation zum iranischen Atomprogramm oder auch bei deutschen Waffenlieferungen in Kriegsgebiete. Van Aken weist darauf hin, dass „zivile Initiativen allzu oft an den Machtinteressen oder Ideologien einzelner Akteur*innen [scheitern]“. Ob und wie die reichen Länder reagieren, hängt nicht selten davon ab, was ihnen und ihrer Wirtschaft nutzt!

Nachfolgend zwei erfolgreiche Beispiele für internationale zivile Konfliktbearbeitung.

Beispiel Blauhelmeinsätze
Bis Blauhelmeinsätze als fester Baustein der UN-Friedenssicherung etabliert waren, dauerte es einige Jahre. Bereits 1956 während der Suez-Krise forderte die UN-Generalversammlung den damaligen Generalsekretär Dag Hammarskjöld auf, einen entsprechenden Plan zur Überwachung eines sofortigen Waffenstillstands und Rückzug der Kriegsparteien vorzulegen. Zur Überraschung der ganzen Welt, so van Aken, legte Hammarskjöld innerhalb weniger Stunden Vorschläge und Prinzipien für den Einsatz von UN-Friedenstruppen vor, die noch im gleichen Jahr von der UN-Generalversammlung beschlossen wurden - als Grundregeln für die Blauhelme gingen sie in die Geschichte ein: *Zustimmung aller beteiligten Staaten, *absolute Unparteilichkeit der UN-Truppe und die *Begrenzung der Gewaltanwendung auf reine Selbstverteidigung der Blauhelme. 

Beispiel Waffeninspektionen
Wie funktioniert eine Biowaffeninspektion? Wie soll man in einem riesigen Land wie beispielsweise dem Irak verbotene Bakterienkulturen finden? Jan van Aken war im UN-Hauptquartier in New York mit der Auswertung aller früheren Irak-Inspektionen befasst und lernte das Prinzip der UN-Inspektionen kennen. Der Irak hatte in den 1980er Jahren tatsächlich ein hochgeheimes, sehr umfangreiches und tödliches Biowaffenprogramm.

Waffeninspektionen können ein überaus starkes Instrument sein, um zugespitzte Konflikte zu entschärfen. Der Ausgangspunkt einer Inspektion ist in der Regel eine Erklärung des betroffenen Landes, deren Wahrheitsgehalt überprüft wird – eine Verifikation. So musste der Irak 1991 z.B. beantworten, ob die zur Produktion biologischer Waffen geeignete Anlage „Al Hakam“ wirklich dort steht, wo offiziell behauptet, und passen die Anlagen zu den deklarierten zivilen Produkten? Um ein illegales Programm zu verheimlichen, gibt es zwei Möglichkeiten: Der Staat verschweigt die geheimen Anlagen oder er listet völlig harmlose und legale Dinge auf, die dort produziert werden. So erklärte der Irak gegenüber der UN, die Anlage diene zur Produktion von Tierfutter.

Eine Grundregel aller Inspektionen ist, alles lückenlos zu dokumentieren, fotografieren, beschreiben, so objektiv und neutral wie möglich. Den Durchbruch im Irak-Konflikt, so van Aken, brachte eine weltweit mühevoll erstellte Materialbilanz. Als Nachweis diente letztlich die Menge der Lieferscheine für Nährmedien, die für die Biowaffenproduktion in den Irak gebraucht wurden.

Frieden ist keine Träumerei
Jan van Aken belegt in seinem Buch mit Argumenten und erfolgreichen Fallbeispielen zivile alternative Wege in Kriegen: Frieden ist keine Träumerei. Er zeigt, wie auch in verfahrensten Situationen und blutigen Konflikten am Ende Waffen zum Schweigen gebracht werden. Er beschreibt, wie Krisenprävention funktioniert, wie Wege für einen dauerhaften Frieden geebnet werden können. Viel zu selten bekommt Krisenprävention überhaupt eine Chance, weil militärisches Denken dominiert. Doch „der friedliche, der zivile Weg sollte immer die erste Wahl bleiben, das Primat allen Handelns.“ 

Jan van Aken (2024): Worte statt Waffen. Wie Kriege enden und Frieden verhandelt werden kann. Ullstein Buchverlage / Econ, 1. Aufl. 2024 / 2. Auflage 2025, 305 S., ISBN 978-3430211154, 22,99 Euro.

Rubrik

Hintergrund