Cover FriedensForum 1/1993
1 / 1993

Ex-Jugoslawien

Weitere Themen:

> Der Widerstand im Land - Aktivitäten in Deutschland

Hintergrund

Einleitung: Zum Beispiel Jugoslawien

Nach dem Golfkrieg ist der im­mer weiter eskalierende Krieg in "Jugoslawien" das vielleicht schwerwiegenste Ereignis für die Friedensbewegungen Europas. Er hat das verfestigt, was so viele Men­schen schon nach dem Golfkrieg, den zu verhindern sie nicht in der Lage gewesen waren, fürchteten: Krieg ist wieder zum Mittel der Politik geworden. Er ist nach dem Fall der Mau­ern zwischen Ost und West immer noch auch in Europa gegenwär­tig; von Nordirland über Jugosla­wien bis in die ehemalige So­wjetunion.

mehr ...
Vlasta Jalusic

Was hat Jugoslawien zusammengehalten?

Im Ausland fragt man sich zur Krise in Jugoslawien: Wie konnte es zu einem so schrecklichen und grausa­men Krieg in Jugoslawien kommen, wo wir doch alle in diesem "zivilisierten Europa" leben, in dem so et­was eigentlich nicht mehr vorkommen dürfte? Zuallererst möchte ich betonen, daß die Staaten Europas sehr we­nig über die  wirklichen Pro­bleme und Schwierigkeiten Jugoslawiens zu wissen scheinen und so­mit  kaum fä­hig sind, die komplexe Situation zu durchschauen.

mehr ...

Serbien: Durchmarsch der Radikalen

Der Sieg von Sozialisten und Radikaler Partei in Serbien hat tiefe Sorge im Lande ausgelöst. Ob es sich um Wahl­fälschung gehandelt hat, weiß keiner so genau. Beinahe müßig ist es jetzt auch, zu sagen, daß ein Wahlboykott durch die Opposition wohl die klügere Strate­gie gewesen wäre.

mehr ...
Helsinki Watch

Kriegsverbrechen in Bosnien-Herzegowina

Helsinki Watch, eine internationale Menschenrechtsorganisation, hat im August 1992 einen ersten Bericht über Kriegsverbrechen im Krieg in Bosnien-Herzegowina vorgelegt. Wir dokumentieren Auszüge aus der Einleitung, die gleichzeitig eine Einführung in die politische Situation Bosniens gibt.  

mehr ...
Helsinki-BürgerInnenversammlung

HCA: Woher die Waffen kommen

Der Nachschub an Waffen scheint in Ex-Jugoslawien ein viel geringeres Problem als die Versorgung mit Lebensmitteln und Heizmaterial zu sein. Zumindest in Kroatien scheint Deutschland fleißig mitzurüsten, wenn­gleich Belege für offizielle Waffenverkäufe weiterhin fehlen. Jugoslawische Quellen

mehr ...
Andreas Zumach

Das Versagen der Europäer im Jugoslawienkonflikt

Zum Zeitpunkt, an dem dieser Artikel geschrieben wird, wird in Genf fleißig weiterverhandelt. Doch keine der in der Londoner Konferenz An­fang September feierlich verkündeten dreizehn Prinzipien, denen alle Kriegsparteien zugestimmt hatten, ist in die Realität umgesetzt worden. Krieg, "ethnische Säuberung" und heimtückische Gemetzel an Zivilisten gehen mit unverminderter Brutalität weiter.

mehr ...
Andreas Zumach

Der Ruf nach den Vereinten Nationen

Es dauerte gut sechs Monate, bis sich die Erkenntnis durchsetzte, daß eine europäische Lösung des Jugoslawienkonfliktes nicht möglich war und im Januar 1992 der Ruf nach der UNO erscholl. Kostbare Monate, in denen Zehntausende Opfer eines immer brutaleren Krieges wurden. Bei einem früheren Eingreifen der UNO hätte ein Großteil dieser Leiden vielleicht vermieden werden können. Das gilt für die inzwischen zumin­dest vorübergehend eingestellten bewaffneten Auseinanderdersetzun­gen in Kroatien wie für den Krieg in Bosnien-Herzegowina.

mehr ...
Christine Schweitzer

UNPROFOR- Der "UNO-Witz"?

Nicht erst seit Butros Ghali beim Besuch in Sarajevo ausgebuht wurde, ist bekannt, daß die UNO-Blauhelmtruppe UNPROFOR in Bosnien-Her­zegowina und Kroatien nicht ausschließlich auf Zuneigung stößt. Der Hauptgrund hierfür ist sicherlich, daß man sich von der UNO "mehr", sprich eine militärische Intervention, erhofft hatte. "Lebensmittel sind gut, Waffen sind besser", nach diesem Motto wird die Bedeutung des humanitären Einsatzes von vielen Menschen heruntergespielt.

mehr ...
Helsinki Citizens Assembly

HCA: UN- Protektorat erzwingen

Entmilitarisierung ist essentiell für jeden Waffenstillstand in Bosnien-Herzegowina, der anhalten soll. Auf der Basis der Schaffung eines UN-EG-kontrollierten Protektorats für Bosnien-Herzegowina und die besetz­ten Gebiete Kroatiens, wie es bereits im Sommer 1991 von Ivan Dzidic vorgeschlagen worden war, müsste ein schrittweiser Prozess der Entmili­tarisierung stattfinden.

mehr ...

Keine Militärintervention in Bosnien-Herzegowina

Wir dokumentieren im Folgenden eine Anti-Interventionserklärung, die der Bund für Soziale Verteidigung im Juli 1992 herausgegeben hat. Ihre Kernaussagen sind die gleichen wie in einem ungefähr zur gleichen Zeit publizierten Offenen Brief, der gemeinsam von den War Resisters' In­ternational und dem Internationalen Versöhnungsbund geschrieben worden war. Auf letzteren antwortete das Friedenszentrum Sarajevo mit einer Erklärung, warum es keine Alternative zu der Forderung nach ei­nem militärischen Eingreifen durch den Westen sieht.

mehr ...

Das Internationale Friedenszentrum Sarajevo antwortet

Der Kampf für Frieden, Men­schenrechte und eine humane Gesellschaft gehört zu den grundlegenden Forderungen des Internationalen Friedenszentrums.

mehr ...

Offener Brief der DFG-VK München

Sehr geehrter Herr Bundesvertei­digungsminister! Wir wünschen uns, daß Sie vor einer Intervention der NATO im ehemaligen Jugoslawien genau über die Kosten ei­nes Krieges und mögliche Alternativen nachdenken.

mehr ...

Krisen und Kriege

Sonja Licht

Zivile Gesellschaft - Hoffnung im Krieg

Die Entwicklung einer unabhängigen zivilen Gesellschaft ist essentiell für die demokratische Transformation Serbiens und den Aufbau eines dauerhaften Friedens. Das Keimen von Antikriegs-Initiativen stellt einen wichtigen Schritt hin zum Aufbau einer autonomen zivilen Gesellschaft dar. Seit ersten bescheidenen Regungen von Dissidenten in den siebzi­ger Jahren sind inzwischen viele tausende Menschen an Aktionen von BürgerInnen beteiligt.

mehr ...
Shkelzen Maliqi

Kosovo: Politik des Widerstands

Im Kosovo herrscht ein höherer Grad an Unterdrückung und Verletzung der Menschenrechte und Freiheiten als irgendwo anders in Europa, stellten in den letzten Jahren die Berichte vieler internationaler Beob­achtermissionen fest. Die Diskriminierung der albanischen Mehrheit hat sich allmählich zu einem Apartheid-System ausgewachsen.

mehr ...
Werner Wintersteiner

Das "Wunder" von Gorski Kotar:

Ein alter Mann als Friedensstifter

Ständig werden wir mit unfassbaren Gräuelmeldungen über den Krieg am Balkan konfrontiert. Von der anderen Seite, von den Friedensstif­tern, die es auch gibt, ist kaum die Rede. Deshalb soll hier von einem Mann erzählt werden, dem es gelungen ist, wenigstens in seiner Ge­gend den Kampf abzuwenden und den Frieden zu bewahren. Denn der Krieg bricht nicht einfach aus, er wird gemacht. Viele Menschen tragen dazu bei, Misstrauen und Haß aufzustauen, Waffen herbeizuschaffen, den ersten Schuss abzufeuern.

mehr ...
Werner Wintersteiner

Die Friedensbewegungen - Tendenzen, Projekte, Organisationen

Viele meinen, eine Friedensbewegung könne nur in Vorkriegszeiten eine Rolle spielen, vor oder nach Ende der Kampfhandlungen. Doch sie hat auch während eines Krieges eine wichtige Aufgabe. Die Friedensbewe­gung kann, vielleicht unauffällig, aber deswegen nicht weniger ent­scheidend, zur Beendigung des Krieges beitragen:

mehr ...
Werner Wintersteiner

Überblick über die Gruppierungen in den einzelnen Republiken

Im Folgenden sollen einige der Antikriegsgruppen im ehemaligen Jugo­slawien vorgestellt werden. Es gibt weit mehr Gruppen, als hier erwähnt werden können (s. auch die Adressenliste im Anhang). Slowenien

mehr ...
Beate Ronnefeld

Freiwilligeneinsatz in Kroatien

Am Sonntag, dem 20. Oktober trafen wir mit einem mit Hilfsgütern vol beladenen VW-Bus samt Anhänger in Zagreb ein, einer Stadt, die uns mit ihrer "Normalität" überraschte. In einer Schule versammelten sich zu zwei Einführungstagen 25 Freiwillige aus sieben Ländern (S,F,NL, DK, I,D, HR). Aus Deutschland waren wir zu viert. Fünf kroatische Freiwillige sollten die dringend notwendige Übersetzungs­arbeit übernehmen und zwei von ihnen die Gruppe nach außen vertreten.

mehr ...
Christine Schweitzer

Forum für Frieden und Versöhnung im früheren Jugoslawien?

Vom 17. bis 20. September hat in Verona ein "Forum für Frieden und Versöhnung auf dem Gebiet des früheren Jugoslawien" stattgefunden. Ca 150 TeilnehmerInnen von mehr als 50 verschiedenen Nichtregie­rungsorganisationen, vor allem den Antikriegsbewegungen und politi­schen Parteien aus allen Gebieten des früheren Jugoslawiens besuch­ten das Foru. Dazu kamen mehr als 50 BeobachterInnen aus ganz eu­ropa.

mehr ...

Hilferuf Bosni­scher Journali­stInnen

Einen dramatischen Appell haben Jour­nalistInnenen aus Bosnien-Herzegowina an ihre deutschen KollegInnen gerichtet. In einem Brief schildern die Mitarbeite­rInnen des "Rundfunk und Fernsehen Bosnien-Herzegowina" ihre Situation: Nur noch die Hälfte der 2.000 Mitar­beiterInnen erhalten derzeit eine Lohn­zahlung vom umgerechnet 15 Mark; die KollegInnen in Zwangsurlaub bekom­men gerade ein Drittel davon. "Diese Beträge bedeuten jedoch nichts", heißt es in dem Brief, "da man in Sarajevo nichts kaufen kann. Wir leben von der humanitären Hilfe".

mehr ...

Initiativen

Mani Stenner

Perspektiven der Friedensbewegung 1993

Das neue Jahr wird uns - und mehr noch Menschen in anderen Ländern - eine Menge unangenehmer Dinge bescheren. Nationalismus ist in, Pazi­fismus ist out. Der Krieg wird als realexistierender Totschlaghammer zum Argument gegen die Friedensbewegung, denn wir haben ihn ja nicht verhindert.

mehr ...
Ernst Busche

oder: "Lieber Honig von Bienen als Drohnen für Kanonen"

Bremer Friedensbewegung vor Rüstungsbetrieb

"Wir brauchen solche Aufträge, um Konversion finanziell und technolo­gisch betreiben zu können" - so begründete Hans E.W.Hoffmann, Ge­schäftsführer der Bremer Rüstungsfirma Systemtechnik Nord (STN), einen 250-Millionen-Auftrag zur Entwicklung und Produktion einer Aufklä­rungs-Drohne.

mehr ...
Achim Schmitz , Ulf Terlinden

Nukleare Nostalgie

Nach dem Vollzug der beschlossenen Abrüstungsinitiativen verbleiben in der Bundesrepublik ca. 700 britische und amerikanische nukleare Freifallbomben. Trotz der weltweit veränderten Realitäten hält sich die NATO diese atomare Option für Westeuropa weiterhin offen. Die ca. 50 Freifallbomben (Typ WE 177) der britischen Luftwaffe bei Brüggen / Niederrhein (ca 40 km von Düsseldorf entfernt) gaben uns Anlaß zur Gründung der Initiative "Atombomben raus!".

mehr ...

Schwerpunkt

Andreas Buro

Was macht eigentlich die Friedensbewegung ?

Wo sind denn die 200.000 DemonstrantInnen im Hofgarten? Die Frage wird einem bis zum Erbrechen gestellt. Die Antwort, daß wir in diesem Fall nicht demonstrieren müssen, sondern den entstehenden Friedens-und Antikriegs­gruppen in den Republiken des auseinanderbrechenden Jugoslawien helfen wollen, damit sie mit ihren Problemen besser fertig werden können, wird wie eine faule Ausrede beiseite geschoben. Das Stereotyp sitzt bei der Presse tief: Die Friedensbewegung demonstriert oder sie ist nicht.

mehr ...
Karin Renneberg

Kampagne "Den Winter überleben"

Friedens- und Menschenrechts­gruppen initiierten im Dezember 92 die Kampagne "Den Winter überleben". Einzelpersonen, Familien und Insti­tutionen sind aufgefordert, bosnische Flüchtlinge für einen bestimmten Zeitraum nach Deutschland einzuladen und ihnen Unterhalt und Obdach zu gewähren.

mehr ...
Traudel Rebmann

Trainings in gewaltfreier Konfliktaustragung

In allen Ländern des ehemaligen Jugoslawiens besteht ein großer Be­darf an der Vermittlung von Methoden der gewaltfreien Konfliktaustra­gung. Bislang haben alleine MitarbeiterInnen des Bundes für Soziale Verteidigung bei mehreren Aufenthalten in Zagreb, Osijek (beide Kroa­tien)sowie Belgrad und Pancevo (Serbien und Vojvodina) ca 15 bis 20 Seminare und Trainings über gewaltfreie Konfliktlösung und Mediation abgehalten. Dazu kommen noch etliche Teams aus anderen Ländern, die ebenfalls in diesen Orten tätig sind.

mehr ...
Christine Schweitzer

Ein Solidaritätsbesuch in Sarajevo

Solidarität für Frieden in Sarajevo

Anfang Dezember hat eine Gruppe von ca 500 FriedensaktivistInnen das seit neun Monaten belagerte Sarajevo besucht. Die Aktion war von der italienischen Organisation Beati i costruttori di pace organisiert worden. Es gelang ihr, allein in Italien anfänglich mehr als 1.000 Menschen für den Besuch zu begeistern. Nach ausführlichen Vorbereitungstrainings blieben rund 500, darunter auch eine kleine internationale Delegation mit TeilnehmerInnen aus Spanien, aus der Bundesrepublik, England, Kroatien, den USA und aus Österreich übrig.

mehr ...
Paul Russmann

Runder Tisch zu Jugoslawien:

"Es gibt kein gutes oder schlechtes Volk"

"So viele Blumen und doch eine einzige Wiese! Eine jede darf duften in ihrem Geruch, eine jede darf blühen in ihrer Farbe, eine jede lebt und vergeht nach ihrer Art Warum lernen wir so wenig von der Natur? Auch die menschliche Gesell­schaft ist eine bunte Wiese - und kein Rasen, wo alles dieselbe Farbe trägt, nach demselben Schnitt kurzgehalten wird.

mehr ...

Chronik der Ereignisse

1918: Gründung des "Königreichs der Ser­ben, Kroaten und Slowenen" 1941: Sturz der jugoslawischen Regierung durch einen Putsch serbischer Offiziere, nachdem diese bereit war, dem Pakt der Achsenmächte beizutreten. Darauf greift Deutschland am 6.4. Jugoslawien an. Am 17.4. Kapitula­tion. Am 10.4. Ausrufung des Unabhängigen Staates Kroatien durch den "Ustasha-Führer Pavelic. Ab Juli Partisa­nentätigkeiten.

mehr ...
Andreas Buro

Die Alternative der Friedensbewegung zur Militärintervention

Anhand der bisherigen Diskussionen im Netzwerk Friedenskooperative hat Andreas Buro (Sprecher des Komitees für Grundrechte und De­mokratie) diesen Katalog mit Vor­schlägen ausgearbeitet, für den zunächst er persönlich verantwort­lich zeichnet. Dieses Papier diente auch als Grundlage für das Diskus­sionsforum am 14. September `92 in der Bonner Vertretung des Landes Niedersachsen, das von der Ökolo­giestiftung NRW in Kooperation mit dem Netzwerk Friedenskooperative veranstaltet wurde.

mehr ...