Redebeitrag für die Hiroshima / Nagasaki-Gedenkveranstaltung am 6. August 2021 in Bonn

 

- Es gilt das gesprochene Wort –

 

Gegen Vergessen!

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

vor 80 Jahren ist die Wehrmacht in die Sowjetunion einmarschiert. Aus diesem Anlass fanden hier in Bonn drei Gedenk- und Informationsveranstaltungen statt: Am 18. Juni ein Online-Vortrag des Bonner Osteuropa-Historikers Prof. Martin Aust, am 22. Juni eine Versammlung vor dem Bonner Rathaus und am 26. Juni ein Treffen bei den Kriegsgräbern auf dem Nordfriedhof. Ich zitiere Herrn Aust kurz: "Als die deutsche Wehrmacht am 22. Juni 1941 die Sowjetunion überfiel, lag der Auftakt zum deutschen Vernichtungskrieg mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 bereits mehr als eineinhalb Jahre zurück. Der Krieg wurde nun radikaler. Er war von Anbeginn ein Vernichtungskrieg gegen das politische System der UdSSR, seine Funktionsträger und die Zivilbevölkerung. Zugleich begann der Genozid an den Jüdinnen und Juden Europas. Zuvor besetzte Länder bekamen die Radikalisierung gleichfalls zu spüren. Den Holocaust verübten die Deutschen zum einen in Gestalt von Massenerschießungen in der Sowjetunion, zum anderen vernichteten sie die Jüdinnen und Juden in eigens dafür errichteten Lagern vor allem im besetzten Polen. Extreme Gewaltpraktiken trugen deutsche Einheiten ferner von der Ostfront an andere Orte im besetzten Europa, etwa nach Warschau, Lidice und Oradour. Der 80. Jahrestag des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion mahnt uns Deutsche unserer Erinnerungsverantwortung gegenüber den Opfern in der Sowjetunion und ihren Nachfahren, insbesondere in Belarus, Ukraine und Russland." Soweit Prof. Aust. Er hat auch am 22. Juni vor dem Rathaus zu diesem Thema gesprochen. Unsere Oberbürgermeisterin hingegen hatte ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt. Das haben wir sehr bedauert; denn angesichts der Krise in den Beziehungen zu Osteuropa dürfen wir uns nicht zurückziehen. Wir hatten Vertreter von Belarus, Ukraine und Russland eingeladen. Ukraine hat sich leider nicht beteiligt. Die Reden des Bonner Generalkonsuls der Russischen Föderation und des Botschafters der Republik Belarus waren beeindruckende Appelle an die Bereitschaft zur Versöhnung. Der General-Anzeiger verwendete als Aufmacher für seinen Bericht ein Foto eines Transparents, das Teilnehmer entrollt hatten. Darauf stand: "Dank Euch, Ihr Sowjetsoldaten". Ja! Denn diese haben die meisten Opfer dafür gebracht, dass wir vom Faschismus befreit wurden. Ihrem schnellen Vormarsch verdanken wir auch, dass auf Deutschland keine Atombombe fiel. Ich habe mich gewundert, dass es zu dem Artikel keine Leserbriefe gab. Er hätte gern noch die musikalische Begleitung durch ein russisches Akkordeon-Duo loben können. Was ich hier auch hervorheben möchte, ist der Bericht über das Deutsch-Russische Jugendparlament, welches Kontakte zwischen Kaliningrad, Moskau und Bonn pflegt. Diese jungen Leute haben uns dann noch geholfen, die dritte Veranstaltung vorzubereiten: Es gibt nämlich auf dem Nordfriedhof für sowjetische Zwangsarbeiter Grabsteine mit kyrillischen Buchstaben, und wir haben uns sagen lassen, wie deren Namen richtig ausgesprochen werden. Die Schicksale dieser Toten - viele davon Kinder - werden zur Zeit im Auftrag der Gedenkstätte Bonn erforscht. Am 26. Juni wurden die Namen verlesen und Blumen auf die Steine gelegt. Die Musik des Akkordeon-Duos war hier besonders eindrucksvoll. Orte wie dieser erinnern uns daran, dass wir heute und in Zukunft eine besondere Verantwortung für den Frieden haben und auf den Abbau von Spannungen zwischen den Staaten hinwirken müssen.

Für besondere Unterstützung danken wir dem Verein "Gegen Vergessen - Für Demokratie".

 

Remmer Mayer-Fennekohl ist aktiv bei der Beuler Friedensgruppe.