Redebeitrag für die Hiroshima / Nagasaki-Gedenkveranstaltung am 6. August 2021 in Berlin

 

- Es gilt das gesprochene Wort –

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

mein Name ist Ulrike Lehmann. Ich bin Ärztin und Mitglied der IPPNW - Internationale Ärzte gegen Atomare Bedrohung - Ärzte in sozialer Verantwortung.

Wir sind hier zusammengekommen, um der Opfer der Atombombenabwürfe 1945 auf Hiroshima und Nagasaki zu gedenken. Die katastrophalen Folgen dieses Angriffs, die wir alle kennen, lösten ein weltweites Entsetzen aus. Wer sich Hoffnung machte, die Völker würden angesichts dieses Infernos alles einsetzen für ein friedliches Zusammenleben auf unserem Planeten, sah sich bald getäuscht:

Seit 1945 haben nicht nur die USA, sondern alle Großmächte und viele andere Staaten wie das Nordatlantische Verteidigungsbündnis, die aus 30 Staaten bestehende NATO, zu dem auch Deutschland gehört, ständig aufgerüstet.

Heute wollen wir einen Blick auf den Zusammenhang von Klimawandel und der problematischen Rolle des Militärs werfen. Das Militär spielt eine wichtige Rolle, sowohl als C02-Emittent als auch in seiner Funktion als „Rückversicherung" der reichen Staaten, die, sollten ihre Interessen bedroht werden, die absehbaren Folgen des Klimawandels militärisch meinen bewältigen zu müssen. Zudem verschlingt der militärische Sektor Unsummen von finanziellen Mitteln, die eigentlich zur Prävention und zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels dringend benötigt würden.

Spätestens seit dem Kyotoprotokoll (1997) und der Pariser Klimakonferenz 2015 wissen wir, dass enorme Anstrengungen und finanzielle Mittel eingesetzt werden müssten, um die fortschreitende Erderwärmung mit all ihren verheerenden Folgen aufzuhalten. Trotz dieses Wissens um den bedrohlichen Klimawandel rüsten alle diese Staaten weiter auf.

Bei den Berechnungen der C02-Emissionen aus Verkehr, Produktion und privatem Verbrauch werden aber die durch das Militär entstehenden Emissionen nicht erfasst.

Auch in Deutschland werden die Emissionen aus der Rüstungs-Produktion und den Auslandseinsätzen der Bundeswehr bei den Berechnungen des C02-Ausstoßes ausgeklammert. Diese sind aber enorm hoch, was sich u.a. im Verteidigungshaushalt der Bundesregierung ablesen lässt. Die Ausgaben für diesen Haushalt sollen nun auch in Deutschland durch die Anpassung an das Aufrüstungsziel von 2% der Wirtschaftsleistung weiter gesteigert werden. Statt der Forderung des Tages, Mittel des Bundeshaushalts nun vermehrt dem Umwelt- und Naturschutz zu widmen, ist es gerade umgekehrt:

Die Verteidigungsausgaben steigen stetig an und sind nun mit 53 Mrd Euro 20 mal höher als die für Umwelt- und Naturschutz und Reaktorsicherheit und 4mal höher als die für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Allein die Militärfahrzeuge sind Spritfresser und stoßen Unmengen von C02 aus:

z.B. braucht

  • ein Militärhubschrauber 350 Liter pro Flugstunde...
  • ein Leopardpanzer kommt mit 50 Liter gerade mal 12 km weit...

NATO-Manöver wie Defender 21, wie sie geplant und z.T. schon ausgeführt wurden, stellen einen enormen finanziellen Kräfte- und Personalaufwand dar, der zusätzliche Milliarden verschlingt. Außerdem hinterlassen die Manöver erhebliche Umweltschäden, die nur mit erneuten Reparationsmaßnahmen zu beheben sein werden.

Ein weiteres Beispiel ist die Aussendung des Kriegsschiffes Bayern letzten Montag mit über 200 Soldaten in das südchinesische Meer, übrigens ohne die Zustimmung des Bundestages.

Hier muss auch die Modernisierung der in Büchel lagernden Atombomben genannt werden, die zwar den USA obliegt, die aber im Rahmen der Nuklearen Teilhabe Deutschlands bei der Erneuerung und Anpassung der von deutschen Piloten geflogenen Bomben-Trägerflugzeuge auch den deutschen Verteidigungshaushalt belasten wird. Unsere derzeitige Regierung hat durch Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer dazu schon grünes Licht gegeben.

Die Klimakatastrophe führt in vielen Ländern der Welt zu extremer Trockenheit, verheerenden Überschwemmungen sowie zum Anstieg der Meeresspiegel. Das erleben wir auch bei uns und in den Ländern am Mittelmeer, wo sich z.Zt. weiträumige Waldbrände ausbreiten. Nahrungsmangel, Gesundheitsstörungen, Verarmung der Bevölkerung und Fluchtbewegungen sind die Folgen, woraus häufig wieder militärische Konfrontationen entstehen (z.B.in Somalia und im Südsudan). Die dafür benötigten Waffen werden in der Regel durch die Industriestaaten geliefert.... Hier tut sich ein Teufelskreis auf!

Diese Zusammenhänge sollte man bei der nun bevorstehenden Bundestagswahl bedenken.

Schließen wir uns den Forderungen von Fridays for Future, Parents for Future, allen neu erwachenden Friedensaktivisten und kirchlichen Friedensszenarien an:

Unsere Welt kann nur gerettet werden, wenn es gelingt, den Rüstungswahnsinn zu stoppen, unsere Ressourcen zu schonen und in einer gewaltigen, gemeinsamen Kraftanstrengung Mittel frei zu setzen, für den Erhalt unseres durch die Klimakatastrophe gefährdeten Planeten!

Vielen Dank.