Redebeitrag für den Ostermarsch XX (Stadt) am XX. April 2025 (Datum)

 

- (ggf.) Sperrfrist: XX. April 2025, Redebeginn: XX Uhr -

- Es gilt das gesprochene Wort –

 

„80 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs“

 

Liebe Freunde und Freundinnen,

dieses Jahr jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 80. Mal.                                                    

Am 8. Mai 1945, dem Tag der Befreiung, war ein Moment in dem viele schworen: Nie wieder Krieg. Doch dieser Schwur wurde immer wieder gebrochen.

Auch heute blicken wir in eine Welt voller gewalttätiger Konflikte: Kriege toben in der Ukraine, im Nahen Osten und an vielen anderen Orten auf der Welt. Zusätzlich erleben wir eine Politik, die solche Konflikte befeuert: Weltweit steigen die Militärausgaben, während humanitäre Hilfen gekürzt werden.

Im Entwurf für den Bundeshaushalt für 2025 fielen die größten Kürzungen ausgerechnet auf die Friedenssicherung und die humanitäre Hilfe. Für die Verteidigung sind 1,3 Milliarden Euro mehr vorgesehen als im Vorjahr.

Waffen sind niemals der Weg zum Frieden. Je weniger Waffen es gibt, desto größer ist der Raum für zivile Lösungen. Seit über zwei Jahren wird im Bundestag mehr über Waffenlieferungen, als über Verhandlungen gesprochen. Diese Debatte lässt jedes Gespräch über zivile Lösungen im Keim ersticken und friedliche Lösungen bekommen kaum noch eine Chance, weil das militärische Denken unserer Bundesregierung zu dominant geworden ist. Deshalb appellieren wir an unsere Regierung diplomatische Lösungen im Ukrainekrieg in den Vordergrund zu stellen.

Wir dürfen nicht vergessen: Abrüstung eröffnet eine Welt neuer Möglichkeiten. Sie ebnet nicht nur den Weg zu Frieden, sondern setzt auch Ressourcen frei, die wir in eine bessere Zukunft investieren können. Zum Beispiel zur Förderung von Bildung, die Frieden und Toleranz in den Mittelpunkt stellt.

Doch was bedeutet es eigentlich, Abrüstung und Diplomatie in den Mittelpunkt zu stellen? Es ist mehr als nur eine politische Entscheidung – es ist ein Bekenntnis zu den Werten, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Grundlage für ein neues Europa dienten: Frieden, Solidarität und Menschlichkeit. Es liegt an uns, diese Werte wieder in den Vordergrund zu stellen. Denn Frieden ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Aufgabe, die wir jeden Tag aktiv verfolgen müssen.

Deshalb ist Gewaltlosigkeit keine passive Einstellung. Stattdessen ist sie ein aktiver Einsatz für Frieden und Verhandlungen, wie es der Versöhnungsbund in einer Diskussion zum 70. Jahrestag des Kriegsbeginns formulierte.

Wir fordern deshalb: Diplomatische Lösungen für aktuelle Konflikte, statt militärischer Eskalation.

„Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ Dieses Zitat des Philosophen George Santayana könnte nicht aktueller sein. 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs steht die Welt erneut vor der Herausforderung, Krieg zu verhindern.

Deshalb erinnern wir an die Millionen, die ihr Leben im Krieg verloren, an die Opfer von Hiroshima und Nagasaki, an die tapferen Menschen im Widerstand und an die Millionen Vertriebenen. Ihre Schicksale mahnen uns, jeden Tag für den Frieden einzutreten. Doch unsere Verantwortung endet nicht mit dem Erinnern. Erinnern verpflichtet uns, aus der Geschichte zu lernen und die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen.

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hätten wir uns eine Welt in Frieden erträumt. Wir haben uns hier versammelt, weil wir heute im Jahr 2025 etwas anderes erleben: Kriege, Aufrüstung und Ignoranz gegenüber den Lehren der Geschichte prägen unsere Zeit.
Das muss sich ändern. Erinnern bedeutet Handeln. Erinnern bedeutet, für Frieden einzutreten.

Wir fordern, dass die Worte „Nie wieder“ nicht nur Bestandteil unserer Erinnerungskultur sind, sondern auch unserer Politik. Wir dürfen nicht zulassen, dass Nationalismus, Aufrüstung und Kriegsrhetorik die Welt erneut an den Abgrund führen. Und genau dafür stehen wir heute hier, beim Ostermarsch. Lasst uns gemeinsam laut sein, damit die Stimme der Friedensbewegung wieder Gehör findet.