Redebeitrag für den Ostermarsch in Unterlüß am 19. April 2025

 

- Sperrfrist: 19.04., Redebeginn: 12 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort –

 

Liebe Friedensfreundinnen und -freunde!

Ich danke für die Gelegenheit, dass ich hier als Vorstandsmitglied der internationalen Friedensorganisation IPPNW, der Ärztinnen und Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges unser friedenspolitisches Anliegen vertreten kann.

Ich möchte dazu drei Punkte ansprechen:

1. Hier vor den Toren des mächtigen Rüstungskonzerns „Rheinmetall“ erscheint unser Friedensanliegen aussichtslos. Aber es ist richtig, heute genau hier zu einer Kundgebung in der jahrzehntelangen Tradition der Ostermärsche aufzurufen.

Wir stehen hier auf gegen die zuletzt immer mehr um sich greifende öffentliche Unempfindlichkeit gegenüber militärischer Gewalt. Es ist eine furchtbare Täuschung, wenn man annimmt, dass „moderne“ Kriege beherrschbar seien und dass sie unvermeidbar sind.

Aber wir stehen hier auch auf gegen den barbarischen russischen Raketenangriff auf Sumy in der Ukraine am vergangenen Palmsonntag.

Da ist der Gedanke nicht fern, wie da noch Frieden werden kann. Trotzdem müssen wir dafür sorgen, dass es gegenüber dem Aggressor nicht zur Verfeindung kommt.

Und wir stehen hier auf gegen das furchtbare Geschäft mit Waffenlieferungen. Besonders erwähnen möchte ich hier den Krieg in Palästina, wo durch deutsche Waffen so unermesslich viel Leid geschieht.

Mein zweiter Punkt:

als Ärztinnen und Ärzte sind wir tagtäglich mit dem Thema „Prävention“ vertraut. Auch deshalb sind wir überzeugt, dass Kriege verhindert werden können. Und dass sie verhindert werden müssen! Die Atomkriegsgefahr ist so hoch wie noch nie. Dieser Gedanke ist so unerträglich, dass er immer wieder verdrängt werden muss. Wir Ärztinnen und Ärzte aus der IPPNW haben uns deshalb zur Aufgabe gemacht, beständig und immer wieder vor dieser Gefahr zu warnen und für eine atomwaffenfreie Welt zu kämpfen. Aus den 80iger Jahren und auch aus der jüngsten Vergangenheit wissen wir, wie menschliche Fehleinschätzungen einen Atomkrieg auslösen können, einen „Atomkrieg aus Versehen“. Diese Gefahr einer unbeabsichtigten Eskalation muss benannt werden. Und auch die unbegrenzten finanziellen Mittel, die der neuen Bundesregierung zur Aufrüstung zur Verfügung stehen, können diese Eskalation vorantreiben.

Und schließlich:

Die gegenwärtig so unsichere Weltlage ist es wohl, die die Politik veranlasst hat, überall ein „Mindset“ zu etablieren, um unter anderem auch unser Gesundheitssystem „kriegstüchtig“ zu machen. Wie soll das gehen, wo unsere Krankenhäuser doch schon durch die Renditeerwartungen der Gesundheitskonzerne in den letzten Jahren an den Rand gewirtschaftet wurden? „Mindset“ kommt mir da eher vor wie ein beschönigendes Wort für „Gehirnwäsche“…

Wir Ärztinnen und Ärzte von der IPPNW sind der Meinung, dass „Wehrertüchtigung“ keine ärztliche Aufgabe ist. Für uns gilt, dass wir Kriege verhindern wollen! Sicher brauchen wir Notfallpläne für sogenannte Großschadenslagen wie Naturkatastrophen oder Attentate. Aber Krieg ist keine Großschadenslage, sondern eine unbedingt zu vermeidende Katastrophe!

„Wir werden Euch nicht helfen können“ hieß es in unserer „Frankfurter Erklärung“ von 1982 für den Fall eines Atomkrieges, als schon einmal versucht werden sollte, unser Gesundheitssystem auf den Kriegsfall vorzubereiten. Diese Erklärung hat leider nichts an Aktualität eingebüßt, ich trage sie hier deshalb zum Abschluss meines Beitrages vor:

„Ich halte alle Maßnahmen und Vorkehrungen für gefährlich, die auf das Verhalten im Kriegsfall vorbereiten sollen. Nur kriegspräventive Maßnahmen kann ich vertreten. Ich lehne deshalb als Beschäftigter im Gesundheitswesen jede Schulung oder Fortbildung in Kriegsmedizin ab und werde mich daran nicht beteiligen. Ich lehne weiterhin jede Maßnahme ab, die einer Kriegsmedizin den Vorrang vor der zivilen medizinischen Notfallversorgung gibt. Das ändert nichts an meiner Verpflichtung und Bereitschaft, in allen Notfällen medizinischer Art meine Hilfe zur Verfügung zu stellen und auch weiterhin meine Kenntnisse in der Notfallmedizin zu verbessern.“

Vielen Dank!

 

Dr. med. Christoph Dembowski ist Kinder- und Jugendarzt in Rotenburg und Mitglied der IPPNW.