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Redebeitrag für den Ostermarsch in Suhl am 19. April 2025
- Sperrfrist: 19.04., Redebeginn: 10 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort –
Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Mitmenschen,
wir haben uns heute hier an der Friedenseiche versammelt, weil uns etwas zutiefst verbindet: der Wunsch nach Frieden. Nicht nur als Abwesenheit von Krieg, sondern als Zustand von Gerechtigkeit, Sicherheit und Menschlichkeit. Doch während wir sprechen, werden in vielen Teilen der Welt Bomben abgeworfen, Menschen sterben, Werden verletzt oder vertrieben, Kinder hungern und sind traumatisiert, wird ihre Zukunft zerstört. Deshalb will ich uns fragen: In was für einer Welt wollen wir leben? Wollen wir wirklich in einer Welt leben, in der Waffen mehr kosten dürfen als Bildung? In der Mauern gebaut werden statt Brücken? In der Macht wichtiger ist als Mitgefühl und Solidarität? In der Politiker nach den alten Denkmustern handeln und nicht Willens und in der Lage sind, über ihren Schatten zu springen? Gleiches Maß, gleiches Recht für alle? Die Welt nicht einteilen in die Guten und in die Bösen! Vergessen wir bitte nicht, dass die Blaupause für den zu verurteilenden Aggressionskrieg Russlands gegen die Ukraine viel früher liegt. Nämlich schon im rechtswidrigen Eingreifen der USA in Jugoslawien. Das war ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg über den keiner mehr spricht. Aber das rechtfertigt natürlich nicht neue Kriege.
Wir als Suhler Friedensinitiative stehen schon lange an einem Punkt, an dem wir nicht mehr schweigen wollen. Der Frieden beginnt auch mit Worten – mit Zuhören, mit Gesprächen, mit der Anerkennung des anderen, mit dem Mut zur Versöhnung, mit Solidarität.
Frieden ist kein Zustand, der einfach vom Himmel fällt. Er ist ein tägliches Handeln. Er beginnt in unseren Familien, in unseren Schulen, auf unseren Straßen – und ja, auch hier, auf einem Platz wie diesem an der Suhler Friedenseiche. Wir haben eine Stimme. Lasst sie laut sein. Lasst sie unbequem sein. Lasst sie eine Stimme für die sein, die keine mehr haben.
In was für einer Welt wollen wir leben? Ich meine: Wir wollen in einer Welt leben, in der Unterschiede keine Bedrohung sind, sondern ein Reichtum. In der Kinder keine Angst vor Sirenen haben müssen, sondern vor Mathearbeiten. In der mit friedlichem Handel Geld verdient wird und nicht mit Waffenhandel. Immer mehr Geld für Aufrüstung ist destruktiv.
Auch vor dem Einmarsch von Russland in die Ukraine ist der Verteidigungshaushalt am stärksten gewachsen: zwischen 2018 und 2023 von
38,5 auf 51,8 Milliarden. 2025 wird er ein Volumen von 55 Milliarden Euro haben. Da passen die Haushalte von Bildung, Forschung, Klima, Energie, Gesundheit, Umweltschutz und Reaktorsicherheit zusammen rein. Aber während wir diese Posten in den letzten Jahren immer weiter gekürzt haben – übrigens auch die Gelder für Katastrophenschutz –, ist der Verteidigungshaushalt immer weiter gewachsen.
Es ist an der Zeit, dass die Interessen der Rüstungsindustrie nicht länger unsere Politik bestimmen. Es ist an der Zeit, dass wirtschaftlicher Erfolg nicht durch Aufrüstung, sondern durch Abrüstung erzielt wird. Wir wollen keine Stationierung von US - Mittelstreckenraketen in Deutschland. Wir lehnen die Lieferung von Marschflugköroern TAURUS in die Ukraine ebenso ab. Wir wollen Dienst am Frieden statt Einführung neuer Wehrpflicht.
Liebe Freundinnen und Freunde,
eine Friedenspolitik erfordert nicht nur einen Kurswechsel, sondern auch einen Mentalitätswechsel. Auch wenn die gegenwärtige Entwicklung genau in die andere Richtung geht, dürfen wir nicht aufhören, unsere Stimme zu erheben und Verantwortung zu übernehmen. Nicht durch die Lieferung von Waffen, sondern durch den Aufbau von Vertrauen, durch Diplomatie und durch die Schaffung langfristiger Perspektiven. Lasst uns diesen Weg gemeinsam gehen – für eine Zukunft, in der Deutschland nicht als Waffenexporteur Schlagzeilen macht, sondern als Vorbild für Frieden und Menschlichkeit. Weil Frieden jede Schlagzeile wert ist. Erinnern wir uns: Das große Karthago führte drei Kriege, es war noch mächtig nach dem Ersten, noch bewohnbar nach dem Zweiten und nicht mehr auffindbar nach dem Dritten. Das soll uns eine ernste Warnung sein. Ich bitte euch: Lasst uns also nicht aufhören zu fragen: In was für einer Welt wollen wir leben? Lasst uns handeln und unsere Verantwortung wahrnehmen. Und lasst uns beginnen, sie gemeinsam zu bauen – hier und jetzt.
Vielen Dank.
Ina Leukefeld ist ein aktives Mitglied der VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten).