Redebeitrag für den Ostermarsch in Münster am 19. April 2025

 

- Sperrfrist: 19.04., Redebeginn: 12 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Liebe Friedensfreundinnen, liebe Friedensfreunde,

unsere neue Bundesregierung schickt sich an zu einer beispiellosen Aufrüstung. Unbegrenzte Schulden können für Kriegsvorbereitung gemacht werden, Bunker werden gebaut, Nahrungsmittelvorräte sollen wir uns anlegen und die Stationierung von Taurus, von atomar bestückbarer US –amerikanischer Mittelstreckenwaffen scheint nur eine Frage der Zeit zu sein. Zurück ist in unserer Gesellschaft eine längst überwunden geglaubte militärische Mentalität. Ich frage mich: Haben wir nichts aber auch gar nichts aus der Geschichte gelernt? Haben wir nicht gelernt, dass Krieg immer neuen Krieg hervorbringt, dass jeder Krieg vorbereitet wird durch Polarisierung zwischen den Guten und den Bösen, durch Entmenschlichung des Gegners, damit das in der Bevölkerung Unterstützung findet, was im Grunde jeder Mensch verabscheut – das gegenseitige Töten und getötet werden.

Wir sagen entschieden NEIN, liebe F. und F., NEIN zu Aufrüstung und Kriegsvorbereitung – und wir sagen JA dazu, alle politischen und diplomatischen Kräfte zu mobilisieren FÜR Friedensverhandlungen, für Abrüstungsschritte und dafür, das tödliche Geschäft mit dem Export von Rüstung zu beenden!

Und ich frage mich: wer soll in dem kommenden Krieg eigentlich kämpfen? Wer soll das Töten erlernen, wer soll sterben? Mein zwanzigjähriger Enkel Jonathan sagte mir kürzlich, dass viele seiner Kumpel zum Bund gehen, weil sie dort wesentlich besser bezahlt werden, als wenn sie woanders eine Berufsausbildung machen, wie er bspw. als Orthopädietechniker. Diejenigen, die an den Kriegsfronten kämpfen, sind immer die, die weniger Chancen im Leben haben, die aus der ärmeren Bevölkerung kommen. Armut und Perspektivlosigkeit fördern die Bereitschaft zu kämpfen. Und das ist weltweit Realität.

Ich bin vor 10 Tagen aus dem Osten der DR Kongo zurückgekehrt. In dem Land, wo seit 30 Jahren Krieg herrscht, konnte ich mit einem Mitstreiter unserer pax christi Kommission Solidarität mit Zentralafrika verschiedene kirchliche und andere Friedensprojekte kennenlernen. Eine der größten Sorgen der Menschen dort ist es, wie sie es verhindern können, dass sich immer mehr Jugendliche den über 100 Rebellengruppen im Land anschließen. Wo Perspektivlosigkeit unter jungen Menschen herrscht, wo Millionen Menschen auf der Flucht sind und es ihnen am Allernötigsten fehlt, bieten diese Gruppen einen gewissen Schutz und Versorgung. Im Gegenzug werden die Jugendlichen zu brutaler Gewalt gezwungen, oft auch gegen Mitglieder der eigenen Familie, um sie gefügig zu machen. So werden junge Menschen kriegstüchtig gemacht.

Und was ist der Treibstoff für diesen jahrzehntelangen äußerst brutalen Krieg? Gekämpft wird hier in erster Linie um die Kontrolle über den Abbau von Rohstoffen wie Coltan, Kobalt, Lithium und anderen, die die reichen Industrieländer für Schlüsseltechnologien wie E-autos und Batterien dringend benötigen. Gerade Kobalt aus dem Kongo ist ein unverzichtbarer Rohstoff für die grüne Energiewende, für Klimaneutralität, die sich das Europäische Parlament bis 2050 zum Ziel gesetzt hat. Wirtschaftsinteressen spielen in diesem Krieg große Rolle – solange Krieg herrscht, ist es möglich, die Rohstoffe illegal über die ruandische Grenze und von dort in die reichen Industrieländer zu exportieren.

Was können wir tun in dieser äußerst komplexen Lage? Ich denke EIN Punkt ist, dass Deutschland als immer noch politisches und wirtschaftliches Schwergewicht in der EU und enger Wirtschaftspartner Ruandas sein ganzes diplomatisches Gewicht in die Waagschale werfen muss, um die Unterstützung der M23 durch Ruanda zu verhindern! Denn seit diese von Ruanda unterstützte Rebellengruppe im Januar die Hauptstädte im Ostkongo Goma und Bukavu besetzt hat, hat der Krieg eine neue Eskalationsstufe erreicht.

Ein anderer wichtiger Punkt, liebe F. und F., ist es, dass der Wettstreit um Ressourcen für unsere auf ständiges Wachstum ausgerichtete Wirtschaft weltweit Konflikte anfeuert. „Diese Wirtschaft tötet!“ sagte Papst Franziskus bereits im Jahr 2013 und seitdem hat sich die weltweite Ungleichheit enorm verstärkt. Im Globalen Süden leiden die Menschen nicht nur unter Krieg, sondern auch an den Folgen des maßgeblich von den reichen Industrieländern verursachten Klimawandels. Denken wir an Überschwemmungen in Indonesien, Bangladesch, an zunehmende Dürren vor allem in der Sahelzone, die den Lebensraum der Menschen immer mehr einschränken und Verteilungskämpfe fördern. Es zeigt sich in allen Bereichen: Frieden kann es ohne Gerechtigkeit nicht geben – und gerecht ist nur eine Wirtschaft, die das Gemeinwohl ALLER sowie Umwelt-und Klimaschutz in den Vordergrund stellt.

Zum Schluss: ich spreche hier für pax christi und möchte mit einem Wort des Propheten Jesaja enden, auf den sich Jesus in seinen Worten und in seinem Handeln immer wieder beruft. Jesaja schreibt im 32. Kapitel: „ Der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein“. Liebe F. und F. – lasst uns gemeinsam nicht müde werden uns für Frieden einzusetzen und für Gerechtigkeit, die für ALLE Menschen Wirklichkeit werden muss! 

Ich danke euch sehr fürs Zuhören!

 

Maria Buchwitz ist Vorsitzenden des Pax Christi Diözesanverband Münster.