Redebeitrag für den Ostermarsch in Lübeck am 19. April 2025

 

- Sperrfrist: 19.04., Redebeginn: 14 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Mittelstreckenraketen verhindern! - Atomwaffen abschaffen!

 

Liebe Friedensfreundinnen und -freunde!

Ich freue mich, dass ich heute zu Euch, zu Ihnen sprechen darf, dass wir uns hier gemeinsam zum Ostermarsch versammelt haben. Ein Dankeschön auch an die Veranstalterinnen und die Organisatoren!

Das Kernanliegen der internationalen Organisation von Ärztinnen und Ärzten IPPNW ist die Verhütung eines Atomkrieges.

Nächstes Jahr sollen Mittelstreckenraketen und -waffen der USA in Deutschland stationiert werden. Sie werden unsere Welt nicht sicherer machen, im Gegenteil: Sie sind Angriffswaffen, kaum zu stopoen, als Erstschlags- und als Enthauptungswaffen konzipiert, sie verändern das strategische Gleichgewicht und bedrohen die Sicherheit in Europa in höchstem Maße.

Die Gefahr eines Krieges und eines Atomkriegs in Europa wird zunehmen!

Auch wenn, wie derzeit geplant, diese Waffen selbst nicht mit atomaren Sprengköpfen ausgerüstet werden.

Die Unterschriftensammlung gegen die Aufstellung dieser neuen US-Mittelstreckenwaffen ist der Berliner Appell, ich bitte Euch alle, ihn zu unterzeichnen!

Die neuen Raketen, Marschflugkörper und Hyperschallwaffen sind eindeutige Angriffswaffen, sie können präzise und mit hoher Sprengkraft ihre Ziele tief in Russland treffen.

Sie sind Erstschlagwaffen, denn zu den wahrscheinlichen Zielen gehören auch russische Kernwaffenlager, Silos und Abschussrampen für Interkontinental-raketen und das russische Frühwarnsystem vor US-Atomraketen.

Die Fähigkeit, die Nuklearstreitkräfte eines Gegners weitgehend zu zerstören und damit die Möglichkeit einer massiven Vergeltung auszuschließen, wird als Erstschlagfähigkeit bezeichnet.

Rakten sind Magneten – sie machen Deutschland, sie machen uns zu einem strategischen Angriffsziel!

Die Raketen, die nächstes Jahr in Deutschland stationiert werden sollen, und die Hyperschallwaffe Dark Eagle fliegen mit vielfacher Schallgeschwindigkeit, die Marschflugkörper bewegen sich unterhalb des Radars, sie alle haben

kurze Vorwarnzeiten. Wegen dieser kurzen Vorwarnzeiten wäre es Russland kaum möglich, einen Angriff mit diesen Waffen abzuwehren.

Aus russischer Sicht geht es um die Gefahr eines Überraschungsangriffs und eines sogenannten Enthauptungsschlages, mit dem die Führungsspitzen einer Regierung ausgeschaltet werden könnten.

Damit entsteht erneut das aus dem Kalten Krieg bekannte Szenario eines europäischen Atomkrieges.

Der Berliner Appell ist inzwischen von 50.000 Personen unterzeichnet worden. Aber das kann nur ein Anfang sein. Sammelt bitte bei jeder Gelegenheit selbst Unterschriften!

Die USA werden ihre Mittelstreckenwaffen gemäß der bilateralen Erklärung vom Juli letzten Jahres nur in Deutschland stationieren. Damit wird das Risiko der Stationierung – anders als im NATO-Doppelbeschluss von 1979 – nicht von anderen europäischen Ländern geteilt. So machen diese Waffensysteme

Deutschland und uns, die wir hier leben, im Spannungsfall zu einem bevorzugten Angriffsziel.

Auch das Risiko, dass es aus Versehen zu einem Atomkrieg kommt, steigt unter diesen Umständen. Durch Fehlalarm, durch Unfall, technische Fehler

oder Missverständnisse, wenn wie vereinbart US-Hyperschallwaffen vom Typ Dark Eagle in Deutschland stationiert werden. Ihre minimalen Vorwarnzeiten sind enorm destabilisierend.

Der Königsweg zur Verhütung eines Atomkriegs ist die Abschaffung aller Atomwaffen.

Der Atomwaffenverbotsvertrag ist das völkerrechtliche Instrument zur Abschaffung von Atomwaffen. Die Mehrheit aller Staaten unterstützt diesen Vertrag, der inzwischen seit Januar 2021 in Kraft ist, und setzt damit auf die nukleare Abrüstung!

Die IPPNW bedauert zutiefst, dass die Koalition von CDU/CSU und SPD sich nicht zu einer atomwaffenfreien Welt und zur atomaren Abrüstung bekennt

und stattdessen an der nuklearen Teilhabe innerhalb der NATO festhält.

Nichts im Koalitionsvertrag weist auf ein ernsthaftes Engagement hin.

Da steht nur: „Unser langfristiges Ziel bleibt das Bekenntnis zu Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung sowie Abrüstung“, mehr nicht.

Und während die geopolitische Lage zu eskalieren droht, wird nun diskutiert, ob Europa nicht eigene Atomwaffen bräuchte.

Doch das wäre der falsche Weg und würde uns nur der Vernichtung näher bringen!

Unbeirrt fordern wir als IPPNW eine Rückkehr zu Dialog, Rüstungskontrolle und Abrüstung. Und die Schaffung eines Systems der gemeinsamen Sicherheit. Dazu gehört auch der Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag!

Ich danke Euch für Eure Aufmerksamkeit!

 

Ralph Urban ist Mitglied des Vorstandes der IPPNW (Internationalen Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkriegs / Ärzt*innen in sozialer Verantwortung).