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Redebeitrag für den Ostermarsch in Gronau am 18. April 2025
- Es gilt das gesprochene Wort –
Liebe Freundinnen und Freunde,
mein Name ist Robert Hülsbusch, ich bin seit 44 Jahren Mitglied der FI Nottuln. Ich freue mich, dass ich heute hier aus der Sicht der Friedensbewegung etwas sagen darf. Herzlichen Dank für die Einladung und ein ganz besonderes Dankeschön an die Organisatoren dieses Ostermarsches hier und heute, danke besonders an Udo Buchholz. Udo gibt seit Jahrzehnten nicht auf. Immer wieder und wieder ist er unermüdlich aktiv und macht so möglich, dass wir uns heute hier treffen können. Dass wir heute ein deutliches Zeichen an die Politiker in Deutschland und der Welt setzen können: „Wir wollen nicht, dass es so weitergeht! Werdet endlich aktiv für eine zukunftsfähige Entwicklung. Kümmert euch um das Klima! Hört auf mit dieser gigantischen Aufrüstung! Mit dieser Kriegshysterie! Mit dem Kalten Krieg, der jederzeit in einen heißen Krieg umschlagen kann! Baut endlich die Atomraketen ab! Schafft eine neue Sicherheitspolitik, ein gemeinsames Haus Europa, in dem ein friedliches Zusammenleben möglich ist. Die Billionen Euros werden für andere Zwecke gebraucht. Wir wollen nicht, dass Kinder in den Schulen jetzt auf Krieg vorbereitet werden. Dass die Wehrpflicht wieder eingeführt wird. Dass über Bunkerbau nachgedacht wird. Kümmert euch endlich um die wirklichen Probleme dieser Zeit. Dass die Demokratien nicht den Bach runtergehen! Dass Millionen Menschen auch in Deutschland nicht weiter verarmen und abgehängt werden, sich Woche für Woche bei irgendwelchen „Tafeln“ ihre Lebensmittel abholen müssen. Dass das Flüchtlingsproblem in der Welt sich gigantisch zuspitzt. Dass keine Kinder mehr vor Hunger sterben müssen. All dies ist möglich! Wenn ihr nur wollt! Wo sind eure positiven Visionen für eine lebensbejahende Welt. Für diese setzen wir uns ein! Dafür sind wir hier! Dafür marschieren wir heute nicht gegen den Osten und nicht gegen den Westen – sondern für eine Welt, die von Waffen nichts mehr hält. Denn das ist für uns am besten!
Ich verehre nach wie vor Willy Brandt. Der sagte damals: „Frieden ist nicht alles. Aber ohne Frieden ist alles nicht!“ Wenn das doch die Menschen endlich begreifen würden. Ich werde heute nicht über die Brandthemen – Demokratie, Klima, Energie, Armut und Hunger in der Welt… und, und, und sprechen. Wie Willy Brandt sagte: „Frieden ist nicht alles!“ Ich beschränke mich auf die Friedensfrage: „Ohne Frieden ist alles nichts.“
Liebe Freundinnen und Freunde,
in wenigen Tage haben wir den 8. Mai. Dann jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 80. Mal. Ich bin ein Kind dieses Weltkrieges. Ich wurde zwar neun Jahre nach dem Ende dieses Kriegs erst geboren, aber ich habe diesen Krieg „mitgemacht“. 2018 starb meine liebe Mutter im Alter von 92 Jahren. Die letzten Jahre war sie dement. Dennoch war der Kontakt zwischen uns weiter sehr innig. Bis zu ihrem letzten Atemzug hat meine Mama vom Krieg gesprochen. Zunehmend mit dem Alter - immer wieder, immer mehr.
Martha (1926 geboren) war 13 Jahre alt, als der Krieg begann, 18 als er endete. Bis zum Beginn des Krieges war ihre Welt in Ordnung – Mutter, Stiefvater, drei Schwestern, drei Brüder. Eine herzliche kleine Welt, in der die Familie sich wohlfühlte, ein sehr inniges Verhältnis zueinander hatte.
Der Krieg funkte dazwischen. Ihre drei Brüder wurden Soldat. Die ganze Sorge der Familie galt nun den drei Jungs. Immer dachten sie an die im „Felde“. Viele Briefe gingen hin und her. Meine Mutter konnte als alte Frau noch einen Teil der Briefe ihrer Brüder auswendig rezitieren. Besonders den einen Brief ihres Bruders Heiner, der davon berichtete, wie er am Vorabend der nächsten Kampfhandlung in den Himmel guckt und eine Vorahnung hat, dass er den nächste „Kampf“ nicht überleben wird. Und immer wieder Angst um die Brüder. Morgens – jeden Morgen – ein banger Blick durchs Fenster. Kommt der Briefträger? Bringt er die schlechte Nachricht, die die Welt in Scherben legt? Nein – heute nicht. Er geht vorbei. Geht jedoch leider zum Nachbarn. Wenig später die traurige Wirklichkeit. Der Sohn des Nachbarn ist „gefallen“.
Und dann bricht doch die Welt zusammen. Was Heiner vorahnte, trifft ein. Er stirbt als deutscher Soldat in Norditalien, am Futapass. Ende 1944. Die deutschen Soldaten sollen dort das „Großdeutsche Reich“ gegen Amerikaner, Kanadier, Engländer „verteidigen“. Die Invasion kommt vom Süden. Die Deutschen haben keine Chance, werden überrannt. Über 30.000 junge Männer sterben, werden zum Kanonenfutter. Man beerdigt sie – oder was von ihnen überbliebt – gleich dort. Später erhalten sie eine Kriegsgräbergedenkstätte am Futapass. 2018 besuche ich diese Gräberstätte zusammen mit Ulla während unserer Italienreise. Wir finden den Gedenkstein für Heinrich Klane. Ich mache ein Foto. Lege dabei das Bild meiner Mama mit auf die Gedenkstelle. Für einen kurzen Moment sind beide Geschwister wieder vereint. Für einen kurzen Moment. Meine Mutter hat das Foto noch gesehen. Wenige Tage später stirbt sie.
Ihr Leben lang hat sie von Heiner gesprochen. Von ihrem Bruder, der nicht wieder kam.
1 Am Ende des Zweiten Weltkrieges lag Europa in Schutt und Asche. 50 Millionen Menschen waren tot. Noch viel mehr verletzt, verkrüppelt, traumatisiert, vertrieben, heimatlos. Dies gilt auch für die Menschen in Deutschland. Auch sie haben unter dem Krieg gelitten. Aber klar ist: Die Deutschen waren auch Täter, der Krieg ging von Deutschland aus. Wenn wir über das Leiden der Deutschen im Zweiten Weltkrieg sprechen, vergessen wir dies nicht – niemals.
Und von ihrem Bruder Franz. Franz überlebte den Krieg. Er war an der Ostfront, in Russland, Teilnehmer an diesem verheerenden Vernichtungs- und Ausrottungsfeldzug. Teilnehmer an diesem Verbrechen. Danach in russischer Gefangenschaft. Als er nach dem Krieg wieder nach Hause kam, stand er vor der Tür. Seine Mutter öffnete die Tür und erkannte ihren Sohn zunächst nicht. Die ersten Worte von Franz: „Fragt nie danach, was in Russland war!“ Die Familie hielt sich dran. Er hat nie über Russland gesprochen. („Doch von Stalingrad erzählt er nie, Stalingrad, in welchen Land liegt das denn…. Stalingrad packt er nie, irgendwie…“ – heißt es im dem berührenden Lied von BAP, von Wolfgang Niedecken, „Jupp“)
Und dann kam der Krieg nach Deutschland. Luftkrieg. Die Bomber zogen über Senden hinweg. Die Einschläge von Dülmen und Münster hörte man dort. Zu der Angst um die Brüder kam die Angst vor Krieg direkt vor der Tür, die Angst um das eigene Überleben.
Meine Mutter erlebte, wie sie bei Feldarbeiten von einzelnen Flugzeugen angegriffen wurde. Bei der Kartoffelernte. Gezielte Jagd auf Menschen. Schießen wie auf Kaninchen. Nur schnelles Handeln, Fliehen in einen Graben, rettete sie. Dort blieb sie liegen. Todesangst. Dann drehte das Flugzeug ab.
In ihrem ganzen Leben konnte sie Motorengeräusche von Flugzeugen nicht ertragen. Immer wieder die Gedanken an den Luftkrieg. Immer wieder Angst.
Als der Krieg zu Ende ist, bleibt die Angst. Die Angst der Mutter meiner Mutter, Franziska, um ihre Töchter, als die fremden Soldaten (amerikanische GIs) durch die Bauernschaft ziehen, auf den Hof kommen, vorbeifahren. Vier Töchter, im jugendlichen Alter… . Sie werden auf dem Balken im Heu versteckt.
Angst – das war das Lebensthema meiner Mutter. Immer Angst, dass was Schreckliches passiert. Angst um die Liebsten. „Nicht, dass….“ So fingen ihre Sätze an. Angst um ihre Kinder, später Angst um ihre Enkelkinder. Da darf nichts drankommen.
Diese Angst hatte sich tief in die Seele meiner Mutter eingegraben.
Und ich habe diese Angst (zum Teil) „geerbt“ – mit der Muttermilch eingesogen. Auch ich bin ein ängstlicher Mann, immer auf der Hut, immer Angst davor, dass etwas passieren kann. Wenig Ruhe und Gelassenheit. Angst um meine Kinder, um Ulla, um mich. Eine Bürde, die zu tragen mein Schicksal ist. Eine Bürde, die mich mein Leben lang begleitet hat - und dies noch tut. Die nicht weggeht. Der Satz meiner Mutter „Nicht, dass….“ ist auch mein Satz geworden. Und er nimmt oft Leichtigkeit und Lebensfreude.
Bis zum letzten Atemzug hat meine Mutter vom Krieg erzählt. Je älter sie wurde, umso öfter kam jedes Gespräch irgendwann auf den „verdammten“ Krieg. Auf ihre Brüder im Krieg, auf ihre Erlebnisse auf dem Kartoffelacker, auf Heiner, auf Franz…
Mit Interesse, aber auch mit Geduld haben wir, habe ich, zugehört. Immer und immer wieder. Die Angst vor Krieg hat sich auf mich übertragen. Und eine tiefe, tiefe pazifistische Grundeinstellung
Neben der Angst, einer Grundangst, die nicht weggeht, die nicht therapierbar ist, die im Alter noch zunimmt, mit der ich verzweifelt lerne besser umzugehen, neben dieser Grundangst habe ich allerdings aber auch dies von meiner Mutter geerbt – eine tiefe pazifistische Grundeinstellung. Nie wieder Krieg! Krieg ist immer ein Verbrechen! Niemand wird mir einreden können, dass es militärische Vorbereitungen und Handlungen gibt, die „notwendig“, „richtig“, gar „human“ sind.
Krieg ist und bleibt ein Verbrechen. Soldaten sind potenzielle Mörder, dazu ausgebildet, ausgerüstet, vorbereitet. Und so war schnell klar: Ich werde den Kriegsdienst mit der Waffe verweigern – Art. 4 Abs. 3 des wunderbaren Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Meine Mutter hat mich in diesem Entschluss entschieden unterstützt. Auch ihre anderen Jungs, meine Brüder, verweigerten den Kriegsdienst, sind anerkannte KDVler.
Stattdessen – mein Engagement für Frieden, gegen jede Form von Militär und Krieg. Und für eine Gesellschaft und ein Europa, in dem Krieg und Hass nicht mehr gedeihen. In der gutnachbarschaftliche Beziehungen das Miteinander prägen. Freundschaften, auch Freundschaften zwischen Polen und Deutschland. Zwischen Nottuln und Chodziez. Wege zur Entfeindung suchen und finden. Gespräche führen. Dann wird nicht mehr geschossen. Nie wieder.
Und das Schicksal wollte es so: Ich wurde an einem 1. September geboren – am Anti-Kriegstag!
Nicht einfach – Pazifist zu sein in Zeiten des Krieges und Zeiten, wo ein ganzes Land mittlerweile kriegsbesoffen sich auf Kriegstüchtigkeit einstellt - alles für einen Krieg vorbereiten will. Wo selbst Väter und Mütter ihren Söhnen raten, sie sollen Soldat werden und sich auf einen Kampf gegen Russland vorbereiten.
Und dann kommt immer wieder der gleiche rhetorische Trick. Sie waren natürlich im Bonner Hofgarten dabei und damals von der Richtigkeit der Ablehnung des atomaren Wettrüstens überzeugt, also per se und von Haus aus keine Militaristen. Aber heute müsse man anders denken. Weil die Situation sich völlig geändert habe. Da wird doch keiner widersprechen können. Jeder, der diesen Bewusstseinsschwenk nicht mitmacht, hat einfach nicht verstanden.
So in der Frankfurter Rundschau, wo eine Kolumne sind mit den Liedern von Bob Dylan, („Master of War“), Donovan „Universal Soldier“ und Udo Lindenberg, („Wozu sind Kriege da?“) auseinandersetzt. Die gingen gar nicht mehr. Die Lieder wären naiv, passten nicht zu der Zeit, seien niedlich.
Lassen wir uns nicht täuschen. Sehen wir die Lieder weiter so, wie sie gemeint sind. Wir können ganz selbstbewusst sein und unsere Meinung vertreten: Ja, diese Songs spiegeln sehr gut die Realität wider, wenn es um Krieg und Frieden geht: „Ihr (Herren des Krieges) spannt all die Abzüge, damit andere sie abfeuern. Dann lehnt ihr euch zurück und schaut zu, während die Zahl der Todesopfer steigt. Ihr versteckt euch in eure Villen…“ (Dylan). Putin und Selenskyj kommen dann aus ihren sicheren Bunkern und besuchen dann die Lazarette und verteilen Orden.
Und Donovan: Der Soldat „kämpft für Demokratie, er kämpft für die Roten. Er sagt, dass es für den Frieden aller sei… ohne ihn kann das Töten nicht weitergehen.“ Nicht die Soldaten wollen den Krieg. Es sind die Ideologien, die Wirtschafts- und Machtinteressen, die junge Leute in die Schützengräben schicken. Und immer geht es „für ein Gott verdammtes Vaterland!“ (Reinhard Mey). Immer um die Verteidigung von Leben, Freiheit und Werte – auf beiden Seiten.
So sieht das auch Udo Lindenberg – mit seinem Lied aus der Sicht eines 10jährigen Jungen. Das ist weder niedlich noch naiv. Es erfasst genau die Realität des Krieges. Was passiert da eigentlich in den Kriegen: Junge Männer und auch Frauen stehen sich gegenüber und „könnten Freunde sein, doch bevor sie sich kennenlernen, schießen sie sich tot!“ Das ist doch Mittelalter. Zweige im Helm, die Gesichter geschwärzt, robben junge Leute durch das Unterholz, verstecken sich und warten darauf, dass jemand kommt, den sie abknallen können. Das ist doch ein Anachronismus Hoch 10. Das passt doch nicht in die Moderne. Wir sind doch nicht Hirnamputierte!
Ole Nymoen, 27 Jahre alt, hat dies in seinem kleinen Büchlein ausgeführt. Er werde niemals für sein Land kämpfen. Die Staaten dieser Welt stehen sich in Konkurrenz gegenüber und dann bekriegen sie sich auch mal. Und wer muss in die Schützengräben. Nicht die, die diese Konkurrenz durch ihre Politik heraufbeschwören und die dann zum Krieg blasen. Tausende von Menschen sterben und bringen sich gegenseitig um. Nicht weil diese irgendwelche Probleme miteinander haben, sondern weil ihr Staaten verfeindet sind. Er werde immer sich selbst und seine Familie verteidigen oder fliehen, niemals aber ein theoretisches Gebilde wie „das Vaterland“. So sehen das auch Hunderttausende Russen und Ukrainer derzeit. Der Rocksänger Wolf Maahn hat darauf die Antwort: „Ich schlafe mit eintausend Ideologien und bin darin Held. Ich lebe im Osten, im Westen, überall auf der Welt. Wir sind Deserteure, kein Land, auf das ich schwöre!“
Ich wiederhole es hier und jetzt: „Kein Land, auf das ich schwöre…! Merkt euch das, Ihr Herren der Welt. Und merkt euch auch, was Reinhard Mey singt: „Meine Söhne kriegt ihr nicht!“
Wir haben in den letzten Wochen und Monaten wieder mal erfahren: pazifistische gesinnte Menschen werden verhöhnt, nicht ernstgenommen werden. Da liegt ganz offensichtlich ein Missverständnis vor. Gerne kläre ich das noch mal auf:
„Pazifisten haben es einfach“, sagte mir eine Honoration am Rande eines Nottulner Friedensgedenkens für die Ukraine. Radikale Ablehnung von Gewalt und Krieg, also kein Dilemma und keine Gewissensnot. Pazifisten können sich in Ruhe zurücklegen, während andere die notwendige Auseinandersetzung um Reaktionen auf den Überfall auf die Ukraine führen. Das ist ja prima. Aber: Das ist der Irrtum, ein gewollter Irrtum:
Die pazifistische Grundhaltung befreit uns nicht davon, aktiv und politisch rational die Auseinandersetzung zu führen, wie dieser Krieg möglichst schnell und nachhaltig beendet werden kann, befreit uns auch nicht davon, über Notwehr und Verteidigung nachzudenken – wie es z.B. in der UN-Charta steht. Meine pazifistische Haltung ist da klar: Natürlich habe ich in der Befragung als Kriegsdienstverweigerer mit 18 gesagt: Ich würde mich bei einem Angriff auf mich oder meine Liebsten wehren – auch mit Gewalt. Natürlich war für mich während des Bosnienkrieges klar: Wenn für die Bosnier Schutzzonen eingerichtet werden, werden die auch mit Gewalt und Militär gesichert. Was denn sonst? Natürlich kann nicht hingenommen werden, dass über Jahre Scharfschützen von den Bergen um Sarajewo in die Stadt schießen und morden. Da gilt es gemeinsam Einhalt zu gebieten. Das geht nicht nur durch gutes Zureden. Und Srebrenica hätte nie stattfinden dürfen. Warum wurde die Soldateska von Ratko Mladić nicht daran mit aller Gewalt gehindert. Jetzt könnte man meinen: Dann müssen auch die Ukrainer mit weit reichenden Waffen nach Russland schießen dürfen – mit deutschen oder amerikanischen Raketen, abgeschossen von deutschem und amerikanischen Soldaten. Auch in dieser Frage bin ich klar: Müssen und dürfen sie nicht. Die Lage ist diesmal anders: Das ist ein weiterer Eskalationsschritt in Richtung eines großen Krieges zwischen Russland und seinen Verbündeten und dem Westen. Der Krieg und das Sterben werden dadurch nicht aufgehalten. Im Gegenteil: Nach wie vor besitzt Russland die Eskalationsdominanz und wird nicht kleinbei- oder gar aufgeben. Immer noch droht ein großer Krieg. Ich habe 1987 das Buch „Ende. Tagebuch aus dem Dritten Weltkrieg“ von dem damaligen FR-Redakteur Anton-Andreas Guha gelesen. Darin beschreibt Guha – allerdings geografisch auf den amerikanischen Kontinent verortet – ein solches Szenario, wie wir es momentan im Osten erleben. Irgendwann gerät alles außer Kontrolle, auf der schiefen Bahn ins Rutschen und niemand kann einen großen Krieg mehr aufhalten. Sehr realistisch beschrieben! Das sind meine Befürchtungen nach der Analyse des Ukraine-Krieges. Viele Militärs und auch Wissenschaftler sehen das ähnlich, wenn diese auch nicht in die großen Medien damit vordringen.
Werde ich verstanden? Es geht um rationale, vernünftige und kluge Überlegungen, mit dem Ziel, was uns sicher alle eint: Das Sterben und die Zerstörung müssen aufhören. Die Eskalation wird gefährlich. Ein großer Krieg in Europa muss verhindert werden, erst recht ein atomarer Krieg. Aber wie funktioniert das am besten? Darüber zerbrechen wir Pazifisten uns den Kopf. Getreu der Maxime der Deutschen Friedensgesellschaft (DFG-VK):
»Der Krieg ist immer ein Verbrechen an der Menschheit. Ich bin daher entschlossen, keine Art von Krieg zu unterstützen und an der Beseitigung aller Kriegsursachen mitzuarbeiten.« Ich betone: Mitzuarbeiten!!!!
Pazifisten träumen nicht, Pazifismus ist harte Arbeit. Lasst uns alle weiterarbeiten. Zu Aufrüstung, Mobilmachung und Krieg gibt es – mit Wolfgang Borchert - nur eine Antwort! SAG NEIN!
Ein Anliegen habe ich noch: Immer wieder gibt es in einigen Medien Fotos von Kindern im Krieg – im Gazastreifen, in der Ukraine, im Sudan, im Kongo… und wo auch immer. Die Kinder blicken mit leeren Augen in die Kamera, Kindergesichter und doch Züge, wie die von Erwachsenen. Fotos, die einem das Herz brechen. Kinder im Krieg! Das ist größte Verbrechen überhaupt! Genauso wie hungernde Kinder, vom Tod bedroht. Billionen werden „für Bomben Raketen und Tod“ ausgegeben – Geld mit dem der Hunger in der Welt bekämpft werden könnten, Bildung für alle Kinder möglich wäre,…
Das ist strukturelle Gewalt. Das ist ein Verbrechen.
Solange das so ist, soll mir keiner damit kommen, das sei nötig für Frieden und Sicherheit!
Das ist unterlassene Hilfeleistung.
Ich hoffe sehr, dass die Verantwortlichen dafür zur Rechenschaft gezogen werden. Lassen wir sie nicht entkommen!
Vielen Dank!
Lied:
Dieses Lied von Hannes Wader – über einen Soldaten im Ersten Weltkrieg – muss nur an zwei Stellen leicht geändert werden und ist so erschreckend aktuell.
Hannes Wader
Es ist an der Zeit
In der Ukraine im Mittsommergrün,
Dort wo zwischen Grabkreuzen Mohnblumen blühen.
Da flüstern die Gräser und wiegen sich leicht,
Im Wind, der sanft über das Gräberfeld streicht.
Auf deinem Kreuz finde ich toter Soldat,
Deinen Namen nicht nur Ziffern und jemand hat
Die Zahl 2000 und 24 gemalt und du warst nicht einmal
19 Jahre alt.
Ref.
Ja auch dich haben sie schon genauso belogen, so wie sie es mit uns
heute immer noch tun.
Und du hast ihnen alles gegeben,
Deine Kraft, deine Jugend, dein Leben.
Hast du toter Soldat mal ein Mädchen geliebt?
Sicher nicht, denn nur dort wo es Frieden gibt,
Können Zärtlichkeit und Vertrauen gedeihen,
Warst Soldat, um zu sterben nicht um jung zu sein.
Vielleicht dachtest du dir, ich falle schon bald,
Nehme mir mein Vergnügen, wie es kommt, mit Gewalt.
Dazu warst du entschlossen, hast dich aber dann,
Vor dir selber geschämt und es doch nie getan.
Ref.
Soldat gingst du gläubig und gern in den Tod?
Oder hast du verzweifelt, verbittert, verroht?
Deinen wirklichen Feind nicht erkannt bis zum Schluss,
Ich hoffe, es traf dich ein sauberer Schuss.
Oder hat ein Geschoss dir die Glieder zerfetzt,
Hast du nach deiner Mutter geschrien bis zuletzt?
Bist du auf deinen Beinstümpfen weiter gerannt?
Und dein Grab, birgt es mehr als ein Bein, eine Hand.
Ref.
Es blieb nur das Kreuz als die einzige Spur,
Von deinem Leben, doch hör meinen Schwur,
Für den Frieden zu kämpfen und wachsam zu sein,
Fällt die Menschheit noch einmal auf Lügen herein.
Dann kann es geschehen, dass bald niemand mehr lebt,
Niemand, der die Milliarden von Toten begräbt.
Doch längst finden sich mehr und mehr Menschen bereit,
Diesen Krieg zu verhindern, es ist an der Zeit.
Ref.
Robert Hülsbusch ist aktiv in der FI Nottuln.