Redebeitrag für den Ostermarsch XX (Stadt) am XX. April 2026 (Datum)

 

- (ggf.) Sperrfrist: XX. April 2026, Redebeginn: XX Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Liebe Freundinnen und Freunde,

Seit mittlerweile fast siebzig Jahren gehen friedensbewegte Menschen an Ostern auf die Straße. So organisierte die Campaign for Nuclear Disarmament 1958 einen Marsch von London zum Kernforschungszentrum Aldermaston und mobilisierte dabei rund 10.000 Menschen gegen die nukleare Aufrüstung.

Seitdem sind die Gefahren der Atomwaffen jedes Jahr wichtiger Bestandteil der Aufrufe und Reden.

So auch dieses Jahr.

Leider aus gutem Grund.

Die Weltlage könnte nicht besser beschrieben sein als der Zeiger der sogenannten doomsday clock. Ende Januar 2026 wurde die Uhr erstmalig auf 85 Sekunden vor Zwölf gestellt. Die Wissenschaftler*innen der Bulletin of the atomic scientists mahnten damit, dass die Menschheit so nah wie noch nie seit dem zweiten Weltkrieg vor der eigenen Auslöschung steht. Auslöser: das Versagen der Rüstungskontrolle, weltweite (nukleare) Aufrüstung, Klimawandel, die Risiken der KI. Die doomsday clock wurde 1947 u.a. von Albert Einstein ins Leben gerufen.

Da hatten die völkerrechtswidrigen Angriffe der USA und Isreals auf den Iran noch gar nicht begonnen. Damit sind mehrere Atommächte in aktive Kriege verwickelt. Wo die Uhr wohl heute stehen würde?   

2100 Atomwaffen sind in höchster Alarmbereitschaft und innerhalb von Minuten einsetzbar. Der letzten nukleare Rüstungsbegrenzungsvertrag New START ist im Februar ausgelaufen. Der Stopp aller Atomtests wird in Frage gestellt. Alle Atommächte modernisieren ihre Arsenale. Destabilisierende Abwehrsysteme werden ausgebaut (Golden Dome). Vorwarnzeiten werden kürzer und (auch ungewollte) Eskalationen schneller möglich. Über eine europäische, gar deutsche Atombombe wird nicht nur laut nachgedacht. Einer eigenen europäischen Politik der nuklearen Abschreckung wird seit der Rede Macrons Anfang März der Weg geebnet, im Kontext des 5% Ziels der NATO. Mit Deutschland als Schlüsselpartner. Die Stationierung der F-35-Atombomber und der zielgenaueren US-Atombomben B61-12 in Büchel steht bevor. Neue Mittelstreckenwaffen sollen in Deutschland stationiert werden. Die atomare Bedrohung wächst.

Und damit unser aller Sorgen – hier. Und überall auf der Welt.

In dieser Situation wird unser Protest gegen Atomwaffen umso dringlicher.

Mit der Umstellung der doomsday clock ermutigten die Wissenschaftler*innen gleichzeitig zum Engagement, zur Aktion. Mit dem Hinweis, die menschengemachten Risiken könnten auch von uns Menschen gelöst werden. Ein Ansporn, gemeinschaftlich und mit Leidenschaft ins Tun zu kommen.

Und so wie das Thema der atomaren Rüstung alljährlich auf den Ostermärschen präsent ist, so engagieren sich regelmäßig viele Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen für eine atomwaffenfreie Welt. In Deutschland zum Beispiel das Aktionsbündnis „atomwaffenfrei.jetzt“ und viele weitere Partner der International Campaign to Abolish Nuclear Weapons (ICAN) – Friedensnobelpreisträger 2017.  Die Auszeichnung würdigte das Engagement, dass sie die „Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Konsequenzen von Atomwaffen in den Mittelpunkt stellte“.

Das Jahr 2026 ist bedeutsam für unseren Einsatz für eine atomwaffenfreie Welt und bietet viele Anlässe für Aufklärung und Protest: im Januar haben wir den 5. Jahrestag des UN-Atomwaffenverbots gefeiert. Die Überprüfungskonferenz zum Nichtverbreitungsvertrag steht im Mai an und bedarf kritischer Begleitung. Das Gutachten des Internationalen Gerichtshofes, das den Einsatz und die Androhung von Atomwaffen für generell völkerrechtswidrig erklärt hat, wird im Juli 30 Jahre alt.

Nutzen wir unsere eigene Wirksamkeit für unsere Weiterarbeit.

Und so komme ich noch einmal auf den UN Vertrag zum Verbot von Atomwaffen, der am 22. Januar 2021, in Kraft getreten ist, zurück. Ein Erfolg jahrelanger intensiver Kampagnenarbeit! Weltweit hatten sich zivilgesellschaftliche Organisationen und Staaten dafür eingesetzt, die humanitären Folgen von Atomwaffen ins Zentrum der Debatte zu rücken.

Inzwischen haben 99 Staaten weltweit diesen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag unterschrieben, ratifiziert oder sind ihm beigetreten. Ein historischer Durchbruch. Das sind mehr als die Hälfte aller UN Staaten! Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Atomwaffen völkerrechtlich zu ächten.

Für uns ist dies ein Auftrag, unser Engagement für den Beitritt Deutschlands zu diesem Vertrag kraftvoll fortzusetzen. Besonders in diesen herausfordernden Zeiten globaler Aufrüstung und versagender Rüstungskontrolle. Gemeinsam mit unseren vielen Partnern weltweit.

Der Vertrag verbietet den Mitgliedstaaten Atomwaffen zu testen, zu entwickeln, zu produzieren oder zu besitzen. Außerdem sind die Weitergabe, die Lagerung und der Einsatz sowie die Drohung des Einsatzes verboten.

Der Atomwaffenverbotsvertrag ist nach dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofes von 1996 ein sehr bedeutsamer und notwendiger weiterer Schritt zur umfassenden Ächtung und vollständigen Abschaffung aller Atomwaffen.

Ende 2026 kommen die Vertragsstaaten des Atomwaffenverbots zu ihrer ersten Überprüfungskonferenz zur UNO in New York zusammen. Es wäre ein wichtiges Signal, wenn Deutschland diese Konferenz wieder als Beobachter begleitet, wie es dies bereits im Jahr 2022 und 2023 getan hat, um seiner Verantwortung nachzukommen.

Transformieren wir unsere Sorgen in gezielte Aktivitäten, weltweit, bundesweit, lokal.

Informieren wir über die Gefahren der Atomwaffen und die Erfolge des Atomwaffenverbotsvertrags. Beteiligen wir uns um den 8. Juli am 15. Flaggentag der Mayors for Peace in Deutschland. Gehen wir auf die Politik zu und fordern wir von ihnen:

Setzen Sie sich für ein Europa ohne Mittelstreckenwaffen ein! Dringend nötig sind neue Abrüstungsabkommen und ein Nein zur Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland.

Treten Sie dem UN-Atomwaffenverbotsvertrag bei und sorgen Sie für den Abzug der US-Atombomben aus Büchel. Erteilen Sie Überlegungen zu deutschen oder EU-Atombomben eine klare Absage.

Nur gemeinsam können wir den atomaren Wahnsinn stoppen und die weltweite Ächtung aller Atomwaffen erreichen!

Und vertrauen wir darauf, was viele von uns in den 1980er Jahren erreicht haben: den Abzug der atomaren Mittelstreckenraketen aus Deutschland. Damals wie heute darf unser Leitspruch sein: unser Mut wird langen, nicht nur in Mutlangen. Und Ostern ist genau die richtige Zeit für Hoffnung und Zuversicht.

Trotz allem!

 

Hinweise:

  • Länge: 6.368 Zeichen (mit Leerzeichen)
  • Redezeit: 6.07 Minuten
  • Erstellung: RB
  • Stand: Anfang März 2026