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Redebeitrag für den Ostermarsch in Krefeld am 6. April 2026
- Sperrfrist: 6. April, Redebeginn: ca. 14 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort –
Friedensethische Positionen von Kirchen
Liebe Zuhörende,
ich heiße Achim Schmitz und hinterfrage friedensethische Positionen von Kirchen, die ich z.T. problematisch finde, auch wenn ich einigen Passagen zustimmen könnte und die Schriften nur in Stichproben lesen konnte.
In der heiß diskutierten sog. Friedensdenkschrift „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) von 20251 wird christlicher Pazifismus von einer ernstzunehmenden politischen Theorie, die ethisch nicht zu begründen sei, zu einem Ausdruck individueller Gewissensentscheidung und gelebter Frömmigkeit herabgewürdigt. (S. 20) Margot Käßmann zufolge wird Pazifismus damit ins Private abgeschoben.2
Mich empört die Akzeptanz nuklearer Abschreckung: „Der Besitz von Nuklearwaffen kann sicherheitspolitisch notwendig sein, auch wenn ihr Einsatz durch nichts zu rechtfertigen ist. [...] Auch die nukleare Teilhabe oder der Besitz von Nuklearwaffen kann also vor diesem konkreten Hintergrund eine ethisch begründbare Entscheidung sein.“ (S. 114)
Der Internationale Gerichtshof (IGH) wies in seinem auf Anforderung der UN-Generalversammlung am 8. Juli 1996 erstellten Rechtsgutachten3 auf das völkergewohnheitsrechtliche Verbot des Einsatzes von und der Drohung mit Atomwaffen hin.4
Gefährlich finde ich die ethische Rechtfertigung einer sog. „präventiven militärischen Reaktion“, wenn „friedliche Mittel der Konfliktbearbeitung ausgeschöpft“ seien (S. 115 f.).
Das Tötungsverbot ist ein zentraler Kern christlicher Ethik und wird relativiert, da „sich biblisch das 5. Gebot nicht auf das Töten im Krieg oder etwa das Töten aus Notwehr“ beziehe (S. 125).
Peter Bürger publizierte als Reaktion auf die Denkschrift eine Umdenkschrift in zwei Sammelbänden im Auftrag der Solidarischen Kirche im Rheinland und des Ökumenischen Instituts für Friedenstheologie (OekIF).5 Darin kritisieren verschiedene Autor*innen diese Denkschrift, darunter einige aus dem Versöhnungsbund, in dem ich Mitglied bin.
Die AGDF (Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden) sieht eine Schwächung internationalen Rechts und internationaler Institutionen durch eine Fokussierung auf eigene militärische Stärke (S. 41) und eine Überschätzung der Möglichkeiten militärischen Handelns im Blick auf den Schutz vor Gewalt (S. 42). Beklagt wird, dass die Erfahrungen der Fachorganisationen für Friedensforschung, zivile Konfliktbearbeitung und Friedensbildung nicht einfließen (S. 44). Die EKD verzichte darauf, für die Förderung ziviler Konfliktbearbeitung und Sozialer Verteidigung die notwendigen Ressourcen zu fordern, die für die aktuelle Aufrüstung ausgegeben werden. Diese Umorientierung fordere ich.
Barbara und Eberhard Bürger (Versöhnungsbund) vermissen Kreativität für Frieden: z.B. Ministerium für Frieden, Abrüstung und Integration, Bildung in Schulen zu Friedensentwicklung und Sozialer Verteidigung, zu gewaltfreier Konfliktlösung und Gewaltfreier Kommunikation“ (Brief an den EKD-Friedensbeauftragten Friedrich Kramer, S. 84).
In einer von mir unterzeichneten Online-Petition an den Rat der EKD wird gefordert, diese Denkschrift zu überarbeiten.6
Es gibt auch ein römisch-katholisches Friedenswort „Friede diesem Haus“ der Deutschen Bischöfe von 2024.7 Darin wurden Waffenlieferungen an die Ukraine wegen des dort geführten Krieges gerechtfertigt, was ich ablehne (S. 26). Es gibt einen Absatz über aktive Gewaltfreiheit „als Form des Kampfes für gerechten Frieden“ (S. 49-53). Egon Spiegel zufolge wird die Macht der Gewaltfreiheit jedoch nicht auch nur ansatzweise verstanden und als realistische, durchaus einzuübende Alternative erwogen.8
Schockierend finde ich ein „Ökumenisches Rahmenkonzept Seelsorge und Akutintervention im Spannungs-, Bündnis- und Verteidigungsfall“ als internes Arbeitspapier der beiden Großkirchen.9 „Dabei werden mögliche Belastungen für Zivilbevölkerung, Soldatinnen und Soldaten, Einsatzkräfte, Verwundete, Gefallene, Kriegsgefangene und Geflüchtete in den Blick genommen.“ (S. 1) Das halte ich wie den von IPPNW kritisierten Entwurf eines sog. „Gesundheitssicherstellungsgesetzes“ für einen Teil von Kriegsvorbereitung. Statt Kriegstüchtigkeit brauchen wir Friedensfähigkeit, wie sie auch in der Bergpredigt beschrieben wird. Dafür steht z.B. das von Versöhnungsbund, Quäkern und Mennoniten mitgetragene Netzwerk „Church and Peace“.
Eine außerkirchliche Alternative ist die „Handreichung zu Sozialer Verteidigung als nicht-militärischem Bevölkerungsschutz“ von Uli Stadtmann (Bund für Soziale Verteidigung).10
Erste Treffen der Regionalgruppe Niederrhein der Kampagne „Wehrhaft ohne Waffen“ für Soziale Verteidigung hatten wir in der Altkatholischen Gemeinde Krefeld, in der ich Mitglied bin. Interessierte können mich gern ansprechen. Wir treffen uns dort wieder am 20. April. Es ist kein speziell kirchliches Treffen.
Die von mir verwendeten Quellen sind online beim Krefelder Friedensbündnis und beim Netzwerk Friedenskooperative nachzulesen.
Ich danke für Eure Aufmerksamkeit und wünsche Euch trotz allem noch einen schönen Ostermontag.
Anmerkungen:
- (1) Vgl. https://www.ekd.de/ekd_de/ds_doc/denkschrift-welt-in-unordnung-EVA-2025.pdf
- (2) Vgl. https://dfg-vk.de/ausgebuergert-dr-margot-kaessmann-zur-ekd-friedensdenk...
- (3) Der Wortlaut in deutscher Übersetzung findet sich in: IALANA (Hrsg.) (1997): Atomwaffen vor dem Internationalen Gerichtshof. Münster: LIT, S. 29-68
- (4) Vgl. https://wissenschaft-und-frieden.de/artikel/voelkerrecht-versus-atomwaffen/
- (5) Vgl. Bürger, Peter (Hrsg.) (2026): Umdenkschrift zum Evangelischen Diskurs über Krieg und Frieden Kritische Wortmeldungen aus der EKD-Kontroverse https://friedenstheologie-institut.jimdofree.com/praxisfelder/kritik-an-...
- (6) Vgl. https://www.change.org/p/petition-an-den-rat-der-ekd-%C3%BCberarbeitet-d...
- (7) Vgl. https://www.dbk-shop.de/media/files_public/fddbe594c56a6c4b5851c5b3ad1b6...
- (8) Vgl. Spiegel, Egon (2026): Verbrenner und Stromer – „Congrega in unum“ (führe zusammen).In: Bürger, S. 251
- (9) Vgl. https://www.ekd.de/oekumenisches-rahmenkonzept-seelsorge-95115.htm
- (10) Vgl. https://wehrhaftohnewaffen.de/wp-content/uploads/2024/03/Handreichung-zu...
Achim Schmitz ist aktiv im Versöhnungsbund in der Kommission Friedensbildung.