Redebeitrag für den Ostermarsch in Traunstein am 4. April 2026

 

- Sperrfrist: 4. April, Redebeginn: ca. 10 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort

 

Liebe Freundinnen und Freunde

Am 8. März fiel auf Teheran schwarzer Regen.  Giftige Rauchwolken verdunkelten den Himmel. Die Luft stank verbrannt, die WHO warnte vor Rauchvergiftungen. Israelische Raketen hatten vier Öllager in Brand gesetzt. Der ölhaltige Regen fiel auf die Erde und in Gewässer, verschmutzte das Trinkwasser und machte landwirtschaftliche Flächen unbrauchbar. Wenig später griff Iran die Ölraffinerie in Haifa mit Raketen an. Am 18. März bombardierte Israel  South Pars im Iran, eines der größten Erdgasfelder der Welt. 

So geht es weiter. Ölraffinerien, Gasfelder, Öltanker gehen in Flammen auf, verpesten die Luft, bewirken sauren Regen, vergiften das Grundwasser, ersticken das Leben im Meer durch Ölteppiche.

Durch die Angriffe auf die iranischen Atomanlagen wird  Radioaktivität freigesetzt.

Iran droht damit, ein Atomkraftwerk in den vereinigten arabischen Emiraten anzugreifen. Dann hätten  wir das nächste Fukushima.

Wenn man den Zusammenbruch des Klimas beschleunigen möchte, ist es super,

 die fossilen Brennstoffe gleich direkt zu verbrennen.

Was sich im Nahen Osten so unmittelbar und exemplarisch zeigt, gilt überall, wo Kriege geführt werden.

Beispielsweise in Gaza. Ungefähr die Hälfte der Brunnen sind dort zerstört. 70 % der landwirtschaftlichen Flächen unbrauchbar.

Oder in der Ukraine. Ein Drittel des Bodens ist dort durch den Krieg mit giftigen Stoffen kontaminiert: Blei, Kadmium, Arsen und Quecksilber.

Krieg zerstört, das ist sein Wesen und sein Preis.

Das Leben oder die Gesundheit von Menschen. Straßen, Häuser, Städte, Stromwerke, Wasserleitungen, Infrastruktur.

Und die Natur, die Grundlage unseres Lebens. Er tötet nicht nur Menschen, er tötet alles Leben. Er zerstört Natur und Zukunft.

Ich habe ein neues Wort dafür gelernt: Ökozid.

Wir meinen, abseits von dieser Hölle zu leben, und doch spüren wir die Auswirkungen. Das Benzin wird teuer, die Lebensmittel werden teuer. Die Menschen fliehen aus dem Inferno zu uns. Die Wohnungen werden noch teurer.

 Politiker und Medien erzählen uns, dass ein Krieg unvermeidlich bevorstünde. Unsere  einzige Möglichkeit, sei eine gewaltige Aufrüstung.  Und eine „kriegstaugliche“ Infrastruktur.

Das ist an sich schon ein Angriff auf Klima und Umwelt: Stahl, Treibstoff,  Beton.

 Ich möchte eine Zukunft, für meine Kinder und meine Enkel. Drum weigere ich mich das hinzunehmen. Ich glaube nicht an die Alternativlosigkeit von Waffengewalt.

2029 sei es soweit, behaupten die Militärstrategen.

Dann bleiben ja noch drei Jahre Zeit, das zu verhindern. Alles zu tun, um den Frieden zu sichern. Die Konflikte durch Verhandlungen zu lösen, Abrüstungsverträge zu erneuern. Die Eskalation zu unterbrechen, vertrauensbildende Maßnahmen zu treffen.

Das ist es, was ich von meiner Regierung erwarte, und von allen Regierungen der Welt. Sie haben das einmal versprochen:

Ich zitiere aus der Charta der vereinten Nationen, Artikel 2, die sie alle unterschrieben haben:

„Alle Mitglieder legen ihre internationalen Streitigkeiten durch friedliche Mittel so bei, dass der Weltfriede, die internationale Sicherheit und die Gerechtigkeit nicht gefährdet werden. Alle Mitglieder unterlassen in ihren internationalen Beziehungen jede Androhung oder Anwendung von Gewalt gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates.

Das sei naiv, behaupten die Militaristen. Territorien, Unabhängigkeit, Interessen von Staaten ließen sich nur mit Gewalt verteidigen. Nur Stärke verschaffe uns Recht.

Ich hätte da mehrere Gegenvorschläge:

Die UN hat nicht nur eine Charta, sie hat auch einen Internationalen Gerichtshof, der genau zu dem Zweck geschaffen wurde, internationale Konflikte zu klären. Er muss halt angerufen werden. Und anerkannt.

Dann gibt es Möglichkeiten der Prävention: Die alte europäische

 Kunst der Diplomatie, die die Interessen der Machthaber ausgleicht,

und die neuere Kunst der zivilen Krisenprävention durch Friedensdienste. Die schicken ausgebildete „Peace-Worker“ in die Krisengebiete, zu den Menschen, um  Feindseligkeit und Spaltung zu überwinden. Mit Projekten, Dialog, Mediation, Versöhnungsarbeit, Workshops von der Art, wie vor zwei Wochen hier in Traunstein einer stattfand.

 

Und wenn nichts davon hilft? Die Katastrophe sich nicht aufhalten lässt?

Ich möchte  eine Lanze für den gewaltfreien Widerstand und für die zivile Verteidigung brechen.

 2011 wurde eine  Studie veröffentlicht: „Warum ziviler Widerstand funktioniert"; von Chenoweth und Stephan. Sie untersuchten 300 Aufstände ab 1900. Es stellte sich heraus, dass gewaltfreie Aufstände fast doppelt so erfolgreich waren wie gewaltsame.

Wenn Sie jetzt fragen, wo denn diese Erfolge zu finden sind,

hätte ich ein Beispiel aus diesem Land: 1989 führten gewaltlose Demonstrationen in der damaligen DDR zum Zusammenbruch des Regimes.

 Ein zweites aus dem Jahr 1943 in Berlin: 

 Vor dem Gefängnis in der Rosenstraße demonstrierten Frauen so lange, bis ihre jüdischen Männer freigelassen wurden.

Die  zivile Verteidigung ist eine Alternative zum Krieg.  Es geht nicht darum, ein Territorium zu verteidigen, sondern die Zivilgesellschaft. Menschenleben und soziale Strukturen sind wichtiger als politischer Einfluss.

Das glaube ich auch und ich meine, auch unsere Lebensgrundlagen, unsere Umwelt, unser Planet sind wichtiger als Grenzen und Macht. Sie müssen geschützt werden, nicht zerstört.

Ich schließe mich Rita Süßmut an, die gesagt hat: „Diese Welt ist zu schön, um sie den Wahnsinnigen zu überlassen.“

 Zum Schluss möchte einen Demospruch aus den 80ern erneuern, der heute wieder passt:

„Marschieren wir für Putin? Nein! Marschieren wir für Trump? Nein! Wir

 marschieren für eine Welt, die von Waffen nichts mehr hält.“

Vielen Dank!

 

Ana Aigner ist aktiv bei der Friedensinitiative Traunstein Traunreut Trostberg (FI TTT).