In unserer Zeitschrift "FriedensForum" berichten wir über akutelle Aktionen und Kampagen aus der Friedensbewegung. Gerne senden wir dir ein kostenloses Probeexemplar zu!
Redebeitrag für den Ostermarsch Goslar am 4. April 2026
- Sperrfrist: 4. April, Redebeginn: ca. 12 Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Friedensfreund*innen, Liebe Antimilitarist*innen,
ich bin Cem Ince, Gewerkschafter aus Salzgitter und habe seit nun etwas mehr als einem Jahr das Privileg Für Die Linke im Bundestag für meine Kolleg*innen UND für den Frieden zu kämpfen. Ich durfte in friedlicheren Zeiten meine Ausbildung als Elektroniker für Automatisierungstechnik bei Volkswagen machen und konnte in meiner Gewerkschaft, der IG Metall gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen einiges bewegen. Für die Einladung heute zu euch sprechen zu dürfen, danke ich herzlichst.
Der Ostermarsch hat eine lange Tradition in der Friedensbewegung. Was begonnen hat als eine Aktion gegen den drohenden Atomkrieg und für Abrüstung unter dem Eindruck des Kalten Krieges ist heute leider wieder hochaktuell. Wir sollen kriegstüchtig werden und einige verdienen daran prächtig.
Wer heutzutage kein Rückgrat hat und reich werden will, sollte vermutlich Rheinmetall Aktien kaufen. Am Bombenhagel auf zivile Bevölkerungen in Palästina oder im Iran, an der Unterdrückung demokratischer Kräfte wie es eben der NATO-Partner der Türkei seit Jahrzehnten gegen die Kurdinnen und Kurden praktiziert, lässt es sich gut verdienen.
2026 soll der Umsatz von Rheinmetall auf bis zu 14,5 Milliarden Euro steigen.
Die Rüstungsindustrie boomt und alle Zeichen stehen auf Krise. Und die Bundeswehr versucht überall ihre Rekrutierungspropaganda zu platzieren. Auf den Brötchentüten und Pizzakartons, auf der Straßenbahn, an Bushaltestellen und in den Klassenräumen wird die Werbetrommel gerührt, damit sich Jugendliche zum Töten und Sterben verpflichten. Die Pläne der Rekrutierungsmaschine der Bundeswehr gehen auch so weit, dass man sich Schnapsideen, wie das jetzt ins Wasser gefallene Kriegscamp auf dem Brocken ausdenkt. Oder indem man Kriegsgerät vor dem Schloss Arkaden in Braunschweig aufstellt und versucht Kinder spielerisch dafür zu begeistern.
Doch nicht nur menschliches ‚Humankapital‘ soll für die Kriegsvorbereitungen mobilisiert werden, sondern auch unsere Betriebe und Arbeitsplätze sollen künftig zu Waffenschmieden umgebaut werden.
In Braunschweig am Forschungsflughafen hat Rheinmetall im vergangenen Jahr die Leichtwerk AG übernommen und will dort nun Militärdrohnen zum Fliegen bringen.
In Osnabrück heißt es derzeit nach langem Hin und Her, dass das dortige VW-Werk von einen israelischen Raketenhersteller übernommen werden soll, wenn die Produktion des VW T-Roc dort nächstes Jahr auslaufen wird. Und das ist kein Zufall, das ist politisch gewollt! Die Künstliche Nachfrage der Bundesregierung für Rüstung, lässt die Branche florieren.
Initiativen und Pläne aus der Belegschaft vor Ort, die Produktion ziviler Güter etwa durch Kleinbusse und öffentlichen Nahverkehr zu sichern stoßen bei unserer Politik und den Aktionären, die in Salzburg nichts weiter tun als ihre Profite zu zählen auf taube Ohren. Ihnen geht es nur um eigene Interessen und Profit!
Ganz egal wie viele junge Menschen im Schützengraben oder als ‚Kollateralschäden‘ von den dort dann produzierten Waffen in Stücke gerissen werden und egal wie viele Arbeitsplätze bei der Umstellung der Produktion auf Kriegsgerät vernichtet werden.
Und wir brauchen uns auch nicht von der Inszenierung der Waffenschmieden verarschen lassen – denn wenn sie eines können, dann ist es sich vermarkten. Von Rheinmetall selbst heißt es: “Mit unseren Technologien, unseren Produkten und Systemen schaffen wir die unverzichtbare Grundlage für Frieden, Freiheit und für nachhaltige Entwicklung: Sicherheit”. Aber wir wissen: Die einzigen, deren Sicherheit hier geschützt wird, sind irgendwelche Kapitalisten bei Friedrich Merz in der Chefetage.
Wir wissen: Kriegsgerät wird nicht produziert, um auf Rüstungsmessen oder vor Schulklassen stolz präsentiert zu werden oder um die so definierten Gegner des ‚Wertewestens‘ abzuschrecken. Kriegsgerät wird produziert, um zu töten und zu zerstören. Denn an jedem Krieg, an jeder Bombe die auf Kurdistan, auf Palästina, auf den Libanon, auf Venezuela, auf den Iran fällt, und an jedem Leben, dass dadurch ausgelöscht wird, verdient am Ende ein Großkonzern und ein Aktionär.
Und wo sie uns etwas erzählen wollen, dass es um Freiheit und Demokratie, oder seinerzeit noch um ‚feministische Außenpolitik‘ geht, geht es in Wahrheit um knallharte Profitinteressen. Es geht um Bodenschätze, es geht um Absatzmärkte, es geht um Handelswege, kurz gesagt, es geht um Machterhalt.
Dabei nimmt man es in der Auswahl derer, die für ‚uns‘, dem ‚Wertewesten‘ dort die Stellung halten sollen nicht so genau, was demokratische Werte und Völkerrecht angeht. Syriens ehemaliger Machthaber Assad wird mit westlicher Schützenhilfe durch das ehemalige Al-Quaida Mitglied Al-Jolani ersetzt und erst Anfang der Woche hat man ihm dann in Berlin den roten Teppich ausgerollt.
Als möglichen Ersatz für das Terror Regime im Iran wird ein Monarchensohn platziert, dessen Anhänger mit der gleichen Leidenschaft wie das jetzige Regime Feminist*innen, Linke und Kurd*innen aus dem Weg räumen wollen. Und wenn man sich eh schon vor gar nichts mehr schämt, dann entführt man einfach mal Staatsoberhäupter oder versucht Kuba mit einer Totalblockade zu erdrosseln. Alles für die eigenen wirtschaftlichen Interessen.
Dabei kann man Veränderung und Freiheit nicht von außen herbeibomben, sondern sie kann nur von innen und von unten entstehen.
Mit dem Status Quo müssen und lassen wir uns aber nicht abfinden – Wo versucht wird uns Kriegstüchtigkeit in die Köpfe zu bringen, arbeiten wir hingegen aktiv für den Frieden; wo versucht wird die Wehrpflicht wiedereinzuführen, beteiligen sich zigtausende Schüler*innen an Schulstreiks; wo unsere Betriebe für die Kriegsproduktion fit gemacht werden sollen, regt sich der Widerstand der Kolleg*innen und wo Waffen geliefert werden sollen, finden sich auch immer wieder Hafenarbeiter*innen die sich weigern diese zu verladen.
Sie wissen, dass jede Bombe, die nicht an ihrem Ziel ankommt, jede Kugel, jeder Panzer dessen Produktion verhindert werden kann nicht dazu eingesetzt werden kann diejenigen zu töten, mit denen sie über Grenzen hinweg viel mehr gemeinsam haben als mit ihren ‚Landsleuten‘ die zwischen Trüffel und Kaviar nach Neuen Wegen der Profitmaximierung suchen.
Dabei liegt die Verantwortung, die Aufrüstung zu stoppen, nicht bei den Arbeiterinnen und Arbeitern, die ihren eigenen Lebensunterhalt finanzieren müssen.
Die Verantwortung liegt klar bei den Machtgetriebenen Staatsoberhäuptern und Autokraten dieser Welt.
Eine Welt ohne Krieg, eine Welt, in der jeder Mensch in Würde leben kann, ist möglich, egal was sie uns versuchen einzureden. Deshalb organisieren wir uns. So leisten wir mit unseren Mitteln unseren Beitrag, für eine Welt des Friedens.
Hier auf dem Ostermarsch, bei der nächsten Beratung in Sachen Kriegsdienstverweigerung, bei der nächsten Gewerkschaftskonferenz für den Frieden, bei der nächsten Friedensdemonstration oder beim nächsten Protestcamp gegen die Rüstungsindustrie – überall dort kämpfen wir für den Frieden und erinnern Regierungen und Konzernbosse daran, dass Kriegsgeräte aus der Welt geschaffen werden müssen!
Wir sagen klar und deutlich:
Ihre Kriege, ohne uns! Unsere Töchter, Unsere Schwestern,
Unsere Brüder, unsere Söhne & unsere Enkel geben wir nicht!
Vielen Dank!
Cem Ince ist Mitglied des Deutschen Bundestages für die Partei Die Linke.