Redebeitrag für den Ostermarsch in Ellwangen am 4. April 2026

 

- Es gilt das gesprochene Wort -

 

Liebe Freundinnen und Freunde, 
Willkommen zum Ellwanger Ostermarsch 2026 für eine Welt ohne Gewalt, ohne Aufrüstung, ohne Atomwaffen, für die Geltung u. Achtung von Menschenrechten und Völkerrecht, für eine friedliche Zukunft!
Den Teilnehmern aus z.B.: Aalen, Heidenheim, Schwäb. Gmünd/Mutlangen, Schwäb. Hall, Nördlingen, Crailsheim und …, herzlichen Dank f. Eure Unterstützung! Dank an das Jugendzentrum und die Musiker der Perkussion-Gruppe Upsurdo, und an Andrea Batz und Walter Belge für ihre Liedbeiträge! Angesichts der aktuellen Weltlage müssten hier eigentlich Tausende stehen. Denn seit dem Ostermarsch 25 hat sich Vieles verschlimmert u. vieles Schlimme ist geblieben. Im Rundbrief der Berta-v-Suttner-Stiftung der DFG-VK vom März 26 heißt es: „In atemberaubender Geschwindigkeit werden die Leitplanken einer friedenssichernden Politik verrückt: 4 J nach der Ausrufung der ‚Zeitenwende‘ ist Deutschland der viertgrößte Waffenexporteur, die Massen-Wehrerfassung junger Menschen ging ohne großen Widerstand durch den Bundestag und benötigte nur 23 sec. Für die Abstimmung im Bundesrat, die Erfahrung von Doppelstandards bei der Anwendung des Völkerrechts vertieft sich für den größten Teil der Welt.“ Tatsächlich: Vieles ist verschlimmert, vieles Schlimme ist geblieben.

Die Aufzählung ist lang:

  • Putins völkerrechtswidriger Angriffskrieg auf die Ukraine seit 4J,
  • Die seit 2½J anhaltenden militär. Schläge der israelischen Regierung in Gaza – mit massiven Völkerrechtsverletzungen - nach dem brutalen Terrorangriff der Hamas auf Zivilisten im Okt.23
  • der völkerrechtswidrige Angriffskrieg von Israel und USA auf den Iran (und den Libanon), der die Gewalt im Nahen Osten weiter eskaliert mit inzwischen weltweiten Auswirkungen
  • die völkerrechtswidrige Militäraktion der USA in Venezuela
  • die kriegerischen Aktionen im Sudan, an der pakistan.- afghan. Grenze u. viele andere

In der Friedensbewegung, die sich nach wie vor für ein „Frieden schaffen ohne Waffen“ starkmacht, sehen wir die rücksichtslose hassgesteuerte Brutalität und die anhaltenden Waffenlieferungen als fatalen Irrweg an, der die Menschen weiter denn je vom Ziel eines friedlichen Zusammenlebens entfernt. Wir fragen die Akteure: Seid Ihr wirklich überzeugt, durch Kriege Frieden erreichen zu können?
Und wie antworten die Bundesregierung und die EU auf die aktuelle Weltlage? Sie tun sich schwer - mit Ausnahme von Putins Ukrainekrieg, dem Hamas-Überfall auf Israel und Trumps Grönland-Anspruch - sie tun sich schwer, die konsequente Einhaltung von Völker und Menschenrechten einzufordern.

Man ruft nach Militär, nach viel mehr Militär, nach Wehrpflicht, z.T. sogar nach deutscher Nuklearbewaffnung. Proklamiert wird die sog. „atomare Teilhabe“ an US-Atomwaffen oder die Ausdehnung des frz. sog. „atomaren Schutzschirms“ über die BRD. Beides weckt gefährliche Illusionen. An den US-Waffen, ebenso wie an den französischen, wäre Deutschland nicht Teilhaber. Sie würden, auch wenn auf dt. Boden installiert, ausschließlich in der Verfügungsgewalt der Amerikaner od. Franzosen bleiben, ohne jegliches dt. Mitspracherecht.

Außerdem suggeriert der Begriff Schutzschirm, dass D vor angreifenden Raketen mit Nuklearsprengköpfen geschützt wäre. Tatsächlich wäre [bei mehreren gleichzeitig angreifenden Hyperschallraketen mit Mehrfachsprengköpfen und] bei einer Reaktionszeit von wenigen Minuten keinerlei Schutz der Bevölkerung möglich.

Mit den Begriffen „atomare Teilhabe“ und „atomarer Schutzschirm“ werden wir nur über die tatsächlichen Gefahren getäuscht. [Getäuscht werden wir auch mit dem beschönigenden Begriff „taktische“ Atomwaffen, nämlich solchen mit geringerer Sprengkraft u. Reichweite als „strategische“ Waffen, Übergang fließend.] Irreführend ist auch der verniedlichende Begriff „Mini-Nukes“, so als ob damit ein lokal begrenzter Schlag ausgeführt werden könnte. Ihre Sprengkraft liegt in d. Größenordnung der Hiroshima/Nagasaki-Bomben, also sind diese „Mini-Nukes“ absolut schreckliche weitreichende Waffen und ihr Name eine unverantwortliche Verharmlosung!

„Wir werden Euch nicht helfen können!“, lautete der Titel eines medizin. Kongresses zur Verhütung des Atomkriegs 1983 in München. Dies stimmt heute unverändert, kein Gesundheitssystem der Welt kann in diesem Fall helfen. Die einzige Sicherheit, die durch militärische Aktionen u. Aufrüstung erhöht wird, ist die Sicherheit, dass die Klimakatastrophe uns noch früher und noch härter treffen wird.

Aber welches Konzept hat die Friedensbewegung, die Ostermarschbewegung? Die Begriffe: zivile Konfliktbearbeitung, unbewaffneter ziviler Schutz, gewaltfreier Widerstand, wehrhaft ohne Waffen, soziale Verteidigung oder auch „couragiert widerständig“(das Motto der Ökum. Friedensdekade im Nov.26) stecken den Rahmen ab, d.h. wehrfähig ja, und zwar gewaltfrei wehrfähig, kriegstüchtig nein. Der Schwerpunkt der Verteidigungsfähigkeit darf nicht auf militärischer Aufrüstung liegen, sondern auf Verhandlungen, Diplomatie und systematisch koordinierten Kontroll- und Abrüstungsverträgen. Dankbar erinnern wir uns in diesem Zusammenhang z.B. der SPD-Größen Egon Bahr u. Willi Brandt, die - gegen den entschiedenen Widerstand der Kalten Krieger – hartnäckig ihre Entspannungspolitik vorantrieben.

Aber kann solche Gewaltfreiheit erfolgreich sein? Die Antwort der Wissenschaft lautet:

Leider nur in ca.50% der Fälle, aber damit immerhin doppelt so erfolgreich wie militärische Aktionen.

Also: Massenweise Friedensstifter / Friedensforscher in die Schulen, statt Soldaten. Wir brauchen Schulung in Gewaltprävention, Friedenspädagogik, Gewissensschärfung, gewaltfreie u.konstruktive Konfliktbearbeitung, gewaltfreie Sprache, interreligiösen Dialog.

Wie wäre es mit einem kostenlosen Deutschlandticket für die Rundreise der Friedenskräfte in die Schulen statt kostenloser Führerscheine für Soldaten ?

Wir singen jetzt das Lied: „Und wenn es nur ein Zeichen ist …. „ (Andrea Batz, Gitarre)

Vielen Dank.

 

Dr. Dietrich Böhme ist aktiv beim Bündnis Mahnwache Ellwangen.