Redebeitrag für den Ostermarsch in Alpirsbach am 4. April 2026

 

- Sperrfrist x. April, Redebeginn: ca. xx Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort –

 

Liebe Friedensfreundinnen und -freunde,

ich freue mich, dass so viele Menschen heute hier sind, die der Wunsch nach Frieden vereint. Wobei ich glaube, dass dieser Wunsch eigentlich gar nicht strittig ist. Ich glaube, dass den Wunsch nach Frieden eigentlich so gut wie alle Menschen teilen. Ich bin mir ziemlich sicher: Auf ihre Weise wollen auch Donald Trump und Wladimir Putin, Benjamin Netanjahu und Modschtaba Chamenei, Friedrich Merz und Boris Pistorius Frieden.

Strittig ist in unserer Welt nicht der Frieden als Ziel, darauf könnten wir uns schnell einigen. Durchaus strittig ist dagegen der Frieden als Weg. Ghandi hat einmal gesagt: „Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg.“
Und leider Gottes ist es so, dass kaum einer der politischen Entscheidungsträger diesen Weg des Friedens gehen will – weil er machtpolitischen und wirtschaftlichen Interessen zuwiderläuft oder weil einfach der Mut oder auch das Vorstellungsvermögen dazu fehlen.

Im offiziellen Morgengebet der katholischen Kirche wird jeden Morgen ein Abschnitt aus dem Lukasevangelium gebetet, das sogenannte Benedictus, der Lobgesang des Zacharias, des Vaters von Johannes dem Täufer. Dieses Gebet endet mit den Worten: „Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes, und unsere Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.“

Dieses Gebet erinnert daran, dass das göttliche Licht, das Christen in der Person des Jesus von Nazareth wahrnehmen, andere in anderen Formen, dass dieses Licht in unsere Welt hineinleuchtet mit dem Ziel, Menschen dazu zu bewegen, den Weg des Friedens einzuschlagen.

Leider denken die Regierenden fast überall auf der Welt anders. Für sie ist der Friede nicht der Weg. Für sie besteht der Weg, auf vermeintliche und tatsächliche Bedrohungen zu reagieren, in dem, was der amerikanische Theologe Walter Wink den Mythos von der erlösenden Gewalt genannt hat. Das, was uns von der Gewalt erlösen kann, besagt dieser in Geschichte und Gegenwart allgegenwärtige Mythos, ist neue Gewalt, Gegenwalt.
Wenn wir den Krieg überwinden wollen, heißt es dann, müssen wir selbst kriegstüchtig werden, aufrüsten, Milliarden den Rüstungskonzernen in den Rachen werfen, die dann für andere Zwecke, für den Sozialstaat, für den Klima- und Umweltschutz, fehlen, müssen wir junge Menschen wieder massenhaft darauf vorbereiten, andere junge Menschen zu töten, müssen wir bereit sein, Präventivschläge durchzuführen, bereit sein, zu töten, bevor wir vielleicht selbst getötet werden.

Wir sind heute hier, weil wir an diesen Mythos der erlösenden Gewalt nicht mehr glauben, weil wir sagen: Gewalt und Krieg und Rüstung sind nicht der Weg zum Frieden. Nur der Frieden ist der Weg zum Frieden.

Wir mögen mit dieser Überzeugung in der Minderheit sein, aber wir sind mit ihr nicht alleine. Für mich ist es ein Hoffnungszeichen, dass Papst Leo schon unmittelbar nach seiner Wahl klar und deutlich seine Vision eines unbewaffneten Friedens ausgedrückt hat.

Und der Erzbischof von Neapel Domenico Battaglia hat vor Kurzem in einem beeindruckenden Text die Waffenhändler und Rüstungsunternehmer, von denen es ja gar nicht weit von ihr auch welche gibt, zur Umkehr aufgerufen und ihr Tun das genannt, was es ist: ein Geschäft mit dem Tod.

„Hört auf Christus, unbewaffnet und wahrhaftig, der immer wieder sagt:

„Selig sind, die sich für den Frieden einsetzen.“

Nicht diejenigen, die den Krieg berechnen.

Nicht diejenigen, die das militärische Gleichgewicht sichern.

Nicht diejenigen, die Angst verkaufen.

Diejenigen, die sich für den Frieden einsetzen.

Die Welt braucht Hände, die aufrichten, nicht Hände, die bewaffnen.

Sie braucht wachsame Gewissen, nicht blinden Profit.“

Ich würde mir wünschen, dass die Repräsentanten der Kirchen in Deutschland genauso klare Worte finden würden. Dass Christinnen und Christen gemeinsam mit allen anderen Friedensfreunden laut und deutlich sagen: Wir machen nicht mit.

Wir machen nicht mit bei Aufrüstung und nuklearer Teilhabe.
Wir machen nicht mit bei Wehrdienst und Kriegstüchtigkeit.
Wir machen nicht mit bei der Rechtfertigung völkerrechtswidriger Kriege.

Wir verweigern Kriege in jeder Form.
Wir verweigern das Geschäft mit Kriegen
und wir verweigern die Vorbereitung auf Kriege.

Vor vielen Kirchen brennt heute Abend das Osterfeuer. An diesem Feuer wird dann die Osterkerze entzündet und in die dunkle Kirche getragen.
Ich wünsche mir, dass dieses Osterlicht die Schritte der Menschheit tatsächlich lenkt auf den Weg des Friedens.

Danke, dass ihr diesen Weg mitgeht. Frohe Ostern!

 

Dominik Weiß aktiv bei pax Chrisit in Baiersbronn und Diakon in der katholischen Kirche.