In unserer Zeitschrift "FriedensForum" berichten wir über akutelle Aktionen und Kampagen aus der Friedensbewegung. Gerne senden wir dir ein kostenloses Probeexemplar zu!
Redebeitrag für den Ostermarsch in Rostock am 4. April 2026
- Es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Freundinnen und Freunde,
der berühmte Atomwissenschaftler und Pazifist Albert Einstein prophezeite schon in den 50iger Jahren: "Entweder wir schaffen die Bombe ab oder die Bombe schafft uns alle ab" Heute stehen wir vor einer nie dagewesenen Bedrohung durch Atomwaffen, die die Menschheit endgültig auszurotten kann..Die Atomwissenschaftler (Nuklear Scientists) rückten ihre Doomsday Uhr im Januar diesen Jahres auf 85 Sekunden vor Mitternacht, noch nie seit der ungeheuren Katastrophe von Hiroshima und Nagasaki vor 80 Jahren so nah vor Ihrer eigenen Auslöschung.Die heutigen Bedingungen für diese ungeheuere Bedrohung sind ungleich schlechter als in den
Hochrüstungszeiten des Kalten Krieges in den 80iger Jahren. Denn
- die weiterentwickelten atomaren Technologien sind KI gestützt und einer menschlichen Entscheidung mehr und mehr entzogen. Die Vorwarnzeiten sind auf wenige Minuten reduziert.
- alle begrenzenden atomaren Abrüstungsverträge sind gekündigt.
- es sind keine neuen Verhandlungen zu atomare Abrüstung auf internationaler Ebene in Sicht, die Dialogfähigkeit und Kommunikation über sogenannte rote Telefone sind weitgehend eingestellt, was bleibt sind ständige gegenseitige Drohungen, Mißtrauen und Provokationen der Macht.
- noch nie wurden soviel für eine neue atomare Bewaffnung samt ihrer Trägersysteme ausgegeben als 2025
- alle neun Atomwaffenstaaten rüsten auf statt ab, und niemand scheint sie zu stoppen wollen. Eine kleine Minderheit hält uns alle in atomare Geiselhaft
- Besonders Besorgnis erregend ist, dass Atomwaffenstaaten in letzter Zeit eher beiläufig"taktische Nuklearschläge in Erwägung ziehen. Sogenannte kleine Nuklearschläge lassen sich nicht begrenzen, sie haben und werden katastrophale globale Auswirkungen haben. Deshalb ist es besondersbedrohlich, dass der französische Staatspräsident Macron Atomwaffen als Warnung einsetzenmöchte.
- Das Völkerrecht wird zunehmend ausgehöhlt, obwohl vor 30 Jahren die Völkerrechtswidrigkeit, den Einsatz mit atomaren Waffen zu drohen, der Internationale Gerichtshof festgestellt hat. Das scheintvergessen bzw. an die Seite geschoben zu sein.
- Zivile atomare Anlagen stehen in den gegenwärtige Kriegen der Ukraine und im Iran unter schwersten Beschuß. Sie allein können große Flächen für viele Jahrhunderte radioaktiv verseuchen.
- Die katastrophalen humanitären Folgen eines Atomwaffeneinsatzes verblassen zunehmend bei unserer jüngeren Politikergeneration. So konnte weitgehend unwidersprochen unser jetziger Bundeskanzler sagen: "Ich habe keine Angst vor der Atombombe."
Und was macht unsere Bundesregierung?
- Sie schweigt und schaut weg. Ja, sie befeuert mit ihrer Politik noch weiter die Gefahr, dass auch Deutschland wieder erneut zur Zielscheibe eines Atomwaffeneinsatzes geworden ist. Das wird das Ende unserer Heimat sein.
- Regierungskreise schwafeln mal wieder von der eigenen deutschen oder europäischen Atombombe. Das widerspricht allen völkerrechtlichen Verpflichtungen, die bisher die deutschen Regierungen eingegangen sind.
- Heimlich verhandelt Merz mit dem französischen Präsidenten Macron zur deutschen atomaren Teilhabe des modernisierten französischen Atomwaffenarsenals.
- Sie lässt jeden Tag deutsche Soldaten den Atomwaffeneinsatz in Büchel üben, veranstaltet einmal im Jahr mit anderen NATO-Verbündeten konkret Atomkriegsnannöver (Steadfast NOON) und investiert mehr als 10 Milliarden Euros in entsprechende atomare Infrastruktur und Flugzeuge.
- Sie betreibt aktiv die Stationierung von hochgefährlichen Mittelstreckenraketen auf deutschen Boden, die präemptiv das Atomwaffenarsenal potentiell angreifen und einen Präventivschlag Moskaus provozieren kann. Noch in diesem Jahr sollen diese Mittelstreckenraketen in Deutschland aufgestellt werden. Sie bieten uns keinen Schutz, sondern provozieren neue Gefahren. Sie Situation heute ist weitaus gefährlicher als eine ähnliche in den 80iger Jahren, weil überhaupt kein Verhandlungsangebot an die andere betroffene Seite damit verbunden ist, wie damals bei dem sogenannten Doppelbeschluß.
- Die Bundesregierung weigert sich beharrlich, zumindest als Beobachterin an den internationalen Konferenzen zum Atomwaffenverbotsvertrag teilzunehmen. Im Gegenteil sie setzt beharrlich auf die atomare Abschreckung, die schon im Kalten Krieg nicht funktioniert hat und die Menschheit mehrmals schon an den atomaren Abgrund geführt hat. Daraus ist bisher nichts gelernt worden!!!
Könnte man bei soviel Blindheit und Naivität nicht verzweifeln?
Nein, denn Ihr seid hier auf der Strasse und zeigt den Verantwortlichen, dass Ihr mit dieser hochgefährlichen Politik nicht einverstanden seid.
- Jeder von Euch kann aufklären, unter seinen Nachbarn, Freunde, Familie das bleiernde Schweigen durchbrechen, sich in Gruppen zu organisieren, seine Stimme erheben und lauthals und gemeinsam Euer "Nein" zu dieser atomaren Hochrüstungpolitik zeigen, Widerstand leisten.
- Ihr könnt uns als ärztliche Expert*innen in Eure Kreise einladen, unsere Materialien von Ausstellung über Broschüren und Informationsblätter nutzen, eigene öffentliche Mahnwachen organisieren, Hoffnungsträger*in sein für die Botschaft: Ja zur atomaren Abrüstung, ja zu einem Atomwaffenverbot, wie bisher 99 Staaten, also die Mehrheit der Menschheit sich dafür ausgesprochen hat.
- Ihr könnt im Sommer die mutmachende 80ig-jährige Friedensaktivistin Susan Crane zu Euch in den Kirchengemeinden, Vereinen, Gruppen oder Gesprächskreise einladen. Susan Crane ist im letzten Jahr für über 200 Tage für ihren gewaltfreien Widerstand gegen Atomwaffen in ein deutsches Gefängnis gegangen. Diese hochbetagte Frau kann uns allen viel viel Mut geben. Sie besucht im Juli in unser Bundesland.
Als Ärzte und Ärztinnen müssen wir sagen: Im Falle eines Atomwaffeneinsatzes können wir Euch nicht mehr helfen, deshalb gibt es keine Alternative zur atomaren Abrüstung, Es gibt nur ein Nein zu dieser hoch gefährlichen militärischen Machtpolitik.
Vielen Dank.
Ernst-Ludwig Iskenius, ist aktiv bei der IPPNW Regionalgruppe MeckPom.