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Redebeitrag für die Ostermarsch in Aschaffenburg am 4. April 2026
- Es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Freundinnen und Freunde für Frieden,
mein Name ist Farid Vidia, ich spreche heute für die Menschheit.
Danke, dass ich heute hier zu euch sprechen darf. Wir reden heute über
Menschen – über Menschen in Israel, im Libanon, in der Ukraine, in Russland
und im Iran. Überall sterben unschuldige Menschen, die mit Krieg nichts zu tun
haben.
Lasst uns eine Minute innehalten und an diese unschuldigen Menschen denken.
Krieg und Kriegstüchtigkeit retten kein Leben, sondern vernichten es. Sie
bringen keinen Frieden, sondern Hass, Gewalt und noch mehr Konflikte.
Der Angriffskrieg gegen den Iran wurde mit der Begründung begonnen, die
USA und Israel wollten die Menschen im Iran befreien. Wir sind jetzt in der
fünften Woche dieses Krieges, und jeden Tag gehen Tausende Menschen mit
Iranischen Flagge auf die Straße gegen den Krieg der USA und Israels.
Krieg zu führen und ganze Nationen zu bombardieren ist keine Stärke und bringt
auch keine Demokratie, sondern zeigt Interessen an Rohstoffen.
Am Mittwochabend sagte der US-Präsident Donald Trump vor laufender
Kamera: „Wir werden sie in die Steinzeit zurückversetzen, wo sie hingehören.“
Ist das der Weg zur Demokratie? In Afghanistan wurde ein Land bereits in die
Steinzeit zurückgeworfen, und gleichzeitig wurden Ressourcen unkontrolliert
aus dem Land gebracht. Bei all den Konflikten dürfen wir Afghanistan nicht aus
den Augen verlieren. Afghanistan braucht Frieden und Freiheit – besonders
Frauen haben dort das Recht auf Bildung und Arbeit.
Haben wir aus der Geschichte nichts gelernt? Nationalismus bringt nur Hass,
mehr Eskalation, mehr Waffen und mehr Zerstörung. Dabei sind wir doch alle
Kinder der ersten Homo sapiens, Kinder von Eva und Adam.
Im 21. Jahrhundert sollte uns klar sein, dass Nationalismus keine Zukunft hat,
sondern zum Untergang der Menschheit führen kann.
Wir können unseren Freunden in Israel die Hand zur Freundschaft anbieten, aber
gleichzeitig wissen wir, dass dort auch menschenverachtende Ideologien
verfolgt werden. Wir bezeichnen Israel als einzige Demokratie im Nahen Osten,
und gleichzeitig ist uns klar, dass es dort Strukturen gibt, die bestimmte Gruppen
benachteiligen, wie der neuen eingerührten Todesstrafe. In einer Zeit voller
Bilder und Informationen können wir nicht wegschauen – die Bilder aus der
Weltbank und Gaza zeigen uns eine harte Realität.
In Kriegen gewinnen oft Rüstungsunternehmen. Früher war das ein lukratives
Geschäft – heute betrifft der Krieg auch unsere Energieversorgung und wird zu
einem schicksalhaften Konflikt für uns, auch hier in Deutschland.
Deswegen ist es höchste Zeit, dass wir Begriffe wie „Terrorist, „Antisemit oder
Islamist“ nicht missbrauchen, um Diskussionen zu unterdrücken, sondern
ernsthaft über Konflikte sprechen – auch über unsere Rolle und über
Waffenlieferungen.
Wir können keinen Krieg gewinnen, indem wir ganze Bevölkerungsgruppen
zerstören. Solche Kriege führen niemals zu Frieden.
8,3 Milliarden Menschen leben auf der Welt. Wir sind mit unseren 83 Millionen
nur ein kleiner Teil davon. Die Mehrheit der Menschheit hat eine klare Meinung
zu diesen Konflikten. Wenn wir Kriege weiterführen und Kritik zum Schweigen
bringen, schaffen wir nur mehr Hass.
Ja, wir haben eine besondere Verantwortung aufgrund unserer Vergangenheit.
Aber dieser Verantwortung können wir nur gerecht werden, wenn wir auch als
Freunde Israels Kritik üben, wenn etwas falsch läuft. Nur so können wir
jüdisches Leben in Deutschland und weltweit wirklich schützen.
Jerusalem ist seit Jahrhunderten ein zentraler Ort für die drei abrahamitischen
Religionen – für Juden, Christen und Muslime. Ein Ort mit gemeinsamen
Wurzeln. Doch immer wieder wird er nicht als Chance für Austausch genutzt,
sondern für Machtkämpfe und Kriege missbraucht. Unser Ziel muss es sein, zu
diesen gemeinsamen Wurzeln zurückzukehren.
Entweder wir laufen weiter Nationalismus und Kapitalismus hinterher – mit
mehr Waffen, mehr Kriegen und mehr Toten. Oder wir lernen aus unserer
Geschichte und gehen einen neuen Schritt in der Geschichte der Menschheit.
Wir können sagen: Nein. Wir sind ein Volk – das Volk der Menschen, das Volk
des Homo sapiens.
Und wir gehen gemeinsam in eine Zukunft, in der verschiedene Kulturen und
Glaubensrichtungen friedlich zusammenleben können.
Wie Rumi, der große persische Dichter, sagte:
„Jenseits von richtig und falsch gibt es einen Ort. Dort können wir einander
begegnen.“
Danke.
Farid Vidia ist Kandidat bei Die Linke.