In unserer Zeitschrift "FriedensForum" berichten wir über akutelle Aktionen und Kampagen aus der Friedensbewegung. Gerne senden wir dir ein kostenloses Probeexemplar zu!
Redebeitrag für den Ostermarsch in Braunschweig am 4. April 2026
- Sperrfrist 4. April, Redebeginn: ca. xx Uhr -
- Es gilt das gesprochene Wort –
Liebe antifaschistische und FriedensfreundInnen, liebe Kolleginnen und Kollegen,
Vorweg, „Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ diese Worte aus dem Schwur der selbstbefreiten Buchenwald-Häftlinge 1945 gehören zusammen, auch hier und heute.
Ich heiße Charly Braun. Danke für eure Einladung nach Braunschweig. Eine Friedensdelegation aus Braunschweig ist heute bei uns in der Heide, beim Ostermarsch vor Rheinmetall in Unterlüß – organisiert vom FriedensRatschlag Lüneburger Heide, ein Bündnis aus 7 Landkreisen. Im Austausch bin ich hier. Üblicherweise stelle ich mich als ehrenamtlicher DGB-Kreisvorsitzender und Mehrfach-Funktionär und Aktivist bei ver.di vor. Wegen meiner Reden mit Konversions-Forderungen - (Rheinmetall hat Spitzen-Fachkräfte, die können auch sinnvolle HighTech für Kliniken und prima-Klima produzieren) - wurde ich nicht nur über Lokalpresse persönlich gescholten. Einige Gewerkschafts-Funktionäre betreiben offensiv das Geschäft des Rüstungskonzerns, ohne über zivile Konversion nachzudenken. Ich bin auf jeden Fall für hohe Löhne der Rüstungs-Beschäftigten. Die sollen soviel verdienen, dass es den Personalkostenetat überschreitet. Schlimm genug, dass VW-Osnabrück und andere nach Rüstungsaufträgen lechzen. Gibt es nichts Wichtigeres das wir brauchen?
Währenddessen jagt die Bundesregierung alle paar Tage neue unsoziale Pläne durchs Land. Jetzt setzen sie grad alles dran, das eh schon schwer-kranke Gesundheitswesen sterbens-krank zu machen und unbezahlbar nicht nur für Arme, sondern auch für die sog. „arbeitende Mitte der Gesellschaft“, die Klingbeil (unser lokaler MdB) bei 3-000-4.000 € verortet.
Entschuldigt diesen Wortschlenker, aber es ist unerträglich. Möge sich die Regierung für ihre Aufrüstung durch Sozialabbau doch eine andere Bevölkerung suchen.
Also zurück: Mit anderen ehrenamtlichen KollegInnen verschiedener Gewerkschaften haben wir vor einigen Jahren unsere „Gewerkschaftliche Initiative für Frieden und Militär- und Rüstungskonversion“ gegründet. Für diese Initiative und für den regionalen „FriedensRatschlag Lüneburger Heide“ spreche ich hier heute.
Meine Aufgabe heute in Braunschweig ist nicht, alles Gefährliche und Wichtige in Sachen Krieg und Frieden darzustellen, sondern Heimat- und Sozialkunde zu verbreiten.
Tatsache ist, dass die Lüneburger Heide, genauer die Landkreise Celle und Heidekreis die am stärksten militarisierte Region Deutschlands ist.
Bei Rheinmetall in Unterlüß werden die Mordfahrzeuge gebaut, die Panzertruppenschule im größten Bundeswehr-Heeresstandort Munster ist die Fahrschule, Europas größter Truppenübungsplatz zwischen Bergen und Bad Fallingbostel ist der Trainingsplatz und nach blutigem Einsatz sind Kriegsgeräte im Panzermuseum Munster zu bewundern. Dazu ringsum Fliegerhorste, Kasernen, Munitiondepots, Wehrwissenschaftliches Institut für ABC-Schutz, Feldjäger, Militarialäden, trainierend Reservistenkameradschaften, diverse Militär-Kirchengemeinden und das Touristendenkmal „Lili Marleen“, „Vor der Kaserne vor dem großen Tor, stand eine Laterne und steht sie noch davor ….“
Aktuelle Aufrüstung: Auf dem Riesen-TrÜbPlatz wird in Oerbke bei Bad Fallingbostel die Stationierung von 2 neuen Panzerbataillionen vorbereitet. Internationale Schießübungen haben hier wieder zugenommen. Selbst Singapur trainiert hier Panzer. In Walsrode ist neulich die staatliche Logistik-Firma BW-Bekleidungs GmbH an den Start gegangen. Wie bis 1945 wird demnächst wieder am Chemiestandort Walsrode-Bomlitz NC-Schießpulver – ein Vorprodukt für Munition - hergestellt. Rheinmetall Unterlüß feierte am 27. August 2025 die Einweihung von Europas größter Munitionsfabrik, dafür wurden die Kleingärten platt gemacht. Militarismus prägt den Alltag. Natürlich auch in Medien und den Stadt- und Dorfbildern.
Seit über 125 Jahren wird aus der Heide eine mörderische Blutspur durch Kontinente gezogen. Damit haben sich Generale gute Pensionen verdient und die Raketengleich steigenden Rheinmetall-Profite, machten und machen Aktionäre überglücklich. Kriege, Landnahme, Klimawandel – dazu leistet auch Rheinmetall seinen Beitrag und weitet sein Kriegswarenangebot auf alle Militärzweige und in andere Staaten aus.
„Krieg macht Flucht!“ - Rüstungskonzern Rheinmetall bietet Geflüchteten Ausbildungs- und Praktikumsplätze an (sh. Cellesche Zeitung 25.9.2015). Besser wäre, diese Heuchler würden ihre Waffenexporte einstellen!! Wer Waffenexporte vervielfacht, sollte in der Flüchtlingsdebatte besser das Maul halten !!
Ja, kann Rheinmetall nur Kriegsware herstellen? Nach dem 1. und 2.Weltkrieg war Rheinmetall gezwungen zivile Produkte zu fertigen. Und siehe da, sie haben auch daran nicht schlecht verdient. Bis heute hat Rheinmetall eine Automobilsparte. Es geht also. Allerdings lassen sich seit der sog. Zeitenwende viel viel profitablere Mordsgeschäfte machen. Aufrüstung bringt die Wirtschaft wieder in Schwung, propagieren bürgerliche PolitikerInnen. Rüstung bringt aber auch Krieg, Zerstörung, Tod Tod Tod. Und wie wir gerade erleben, verteuert Krieg unser Leben, schafft Armut , gegen das selbst Rentenversicherungs-Börsenzocken nicht hilft. Im Gegenteil, schon immer haben die kleinen Leute Kriege und Großmachtinteressen ihrer Obrigkeit bezahlt – mit Teuerung, Sondersteuern und mit dem Leben.
Europas größten TrÜbPlatz zwischen Bergen und Fallingbostel haben die Nazis eingerichtet und tausende Menschen ausgesiedelt - allerdings gegen Widerstand der Landbevölkerung zwischen 1934 und 1936. Nach 1945 wurde der Platz gar noch vergrößert. Seitdem wurde hier britisch vor allem für Kriege um Öl trainiert. Und die Bundeswehr für Kundus und mehr.
Als 2015 die British Army Europas größten TrÜbPlatz verließ, Bad Fallingbostel und Bergen in Armut zu stürzen drohte, haben auf unsere lokale gewerkschaftliche Initiative hin, ver.di-Bundeskongress und DGB-Konferenz Niedersachsen-Bremen-Sachsen-Anhalt Forderungen an die Bundesregierung beschlossen. Verlangt wird die Finanzierung einer neuen Wirtschaftsstruktur und die muss sozial, ökologisch und nicht-militärisch sein. Das passt exakt zu den Forderungen der Bürgerinitiative Biosphärengebiet. Der Kriegstrainingsplatz ist von viel seltener Flora und Fauna umgeben. Daraus ein UNESCO-Biosphärengebiet zu machen, schafft nach vergleichenden Berechnungen mehrere tausend zivile Arbeitsplätze.
Es gibt nicht nur reichlich zu tun, die giftigen und gefährlichen Militär-Hinterlassenschaften zu beseitigen. Tourismus und ökologische Landwirtschaft sind ohnehin besser für die Gesundheit. Ja, für die Gesundheit der Menschen in Ukraine, Kurdistan, Südsudan und in der Heide.
ver.di und DGB fordern gemeinsam mit VVN-BdA und Initiative Biosphärengebiet Hohe-Heidmark auch, für die Menschen in den bewohnten Dörfern des TrÜbPlatz (Ostenholz, Oerbke, Belsen) endlich ganz normale kommunale Rechte, statt sog. „Gemeindefreie Bezirke“, wo das Bundesfinanzministerium mit einem Gouverneur durch-regiert. Mit kommunalen Rechten können sich die Menschen endlich gegen Häuserabriss und Ausweitung des Militärs wehren.
Auf dem TrÜbPlatz wurden in 3 Lagern 60.000 Rotarmisten von der Wehrmacht ermordet. Gedenken wurde nach 1945 bis heute immer mal wieder behindert und verhindert. Aus sog. Militärischen Sicherheitsgründen wurde uns für unsere große Erinnerungsfeier 2021 sogar das Grundrecht der Meinungsfreiheit verboten _ für die 2 km öffentlicher Straße zum Kriegsgefangenen-Friedhof. Schluss mit all den Sonderrechten für Militär und Zentralstaat.
- Wir verlangen auch das große ehem. Entlausungsgebäude der Bundeswehr zu entziehen. Wir wollen dass endlich auch in Oerbke antifaschistisch an die Nazi-Verbrechen erinnert wird.
By the way: Kennt ihr „unser Lars“?, wie unser MdB meist freundlich genannt wird.
Kriegsdienstverweigerer aus Munster, der Herzkammer des Militarismus, dann „General“-Sekretär seiner Partei, Rüstungslobbyist, Finanzminister und nun erfolgloser Stratege in Sachen sozialen Sozialabbaus. Deutschland zur Führungsmacht machen, will er. Ganz so wie es 1992 aus geopolitisch-weltwirtschaftlichen Interessen in die „Verteidigungspolitischen Richtlinien der Bundesregierung“ (VPR) geschrieben wurde.
Für die neuen freiwilligen und unfreiwilligen KriegerInnen hier mein Vorschlag für ein dazu passendes Bundeswehr-Gelöbnis. KameradInnen nehmt Haltung an und hebt die Hand zum Schwur! Ich bete das jetzt vor:
„Ich gelobe die Verteidigungspolitischen Richtlinien der Bundesregierung zu meinem persönlichen Grundgesetz zu machen. Also werde ich mit allen mir zur Verfügung gestellten Waffen den freien und ungehinderten Welthandel sowie den freien Zugang zur Hohen See und zu natürlichen Ressourcen ermöglichen.
Ich gelobe Ölquellen und seltene Erden vor dem Zugriff von Russen, Chinesen, Arabern – wenn nötig auch in ihren eigenen Ländern - zu schützen und den europäischen Konzernen und Banken zwecks Ausbeutung und Handel zugänglich zu machen - So war mir Pistorius helfe.“
Ob Munster, Kriegsübungsplatz oder Rheinmetall – zu allen passt Bert Brecht's Lied gegen den Krieg:
„Der Prolet baut ihnen die Kriegsmaschinen, damit sie ums Leben bringen mit ihnen, mancher Proletenmutter Sohn.“ „Der Prolet wird in den Krieg verladen, dass er tapfer und selbstlos ficht. Warum und für wen, wird ihm nicht verraten. Für ihn selber ist es nicht.“
Die Geschichte dieses internationalen Blutspur-Platzes war aber auch immer wieder ein Ort der Friedensbewegung.
- 1960 trafen sich in Bergen-Belsen-Hohne 1200 Menschen des ersten Ostermarsches.
- 1966 wurde hier der Antikriegsfilm „How I won the war“ mit John Lennon gedreht.
- 1985 führte die Organisation „Kämpfende Jugend“ im bewohnten TrÜbPlatz-Dorf Ostenholz mit Schinderassassa, in aktuellen Uniformen Bert Brechts Gedicht „Die Legende vom toten Soldaten“ auf. Also mit ausgraben eines toten Soldaten um ihn erneut in den Krieg zu schicken.
- Währenddessen rauschte Kanzler Kohl anlässlich 30 Jahre Bundeswehr hoch aus einem Panzer ragend ganz in der Nähe durch den TrÜbPlatz.
- Wir haben hier seit 1991 für Schließung des Riesen-TrÜbPlatz und gewerkschaftlich für „Abrüstung JA – arbeitslos NEIN“, später gegen das US-Großmanöver DEFENDER EUROPE2020 demonstriert.
- Unsere Konversionspläne werden gerade von Panzerketten überrollt.
- Jetzt sind wir gewerkschaftlich dabei Bündnisse gegen Sozialabbau und Hochrüstung zu organisieren.
- Aus unserm ersten Camp 2017 gegen Rheinmetall in Unterlüß ist mensch-sei-dank die bundesweite und internationale Bewegung „Rheinmetall entwaffnen“ geworden.
Ich schließe gleich mit gefährlicher Propaganda, gegen die wir aber soziale und Friedens-Chancen haben.
Aufgepasst jetzt wirds brenzlig:
Am 23.3.26 erklärte in öffentlicher Versammlung in Fallingbostel Oberst Wachter, Leiter des BW-Landeskommandos Niedersachsen, aus dem sog. „Operationsplan Deutschland“ einiges zu zivil-militärischen Abläufen im antirussischen Spannungs- und Verteidigungsfall. Ich hab was mitgeschrieben. Nach Oberst Wachter müsse Folgendes klappen:
- sichern von Ernährung und Energie
- Versorgung von 1000 Verwundeten pro Tag
- Verkehrswege offen halten
- wohin mit Toten
Wörtlich: „Das müssen wir Leuten zumuten können“ und in „verdaubaren Portionen“ beibringen. Kinder müssten in „spielerischen Umgang“ Sicherheitsmassnahmen lernen. Krankenschwestern dürfen nicht kündigen und Stadtwerker müssen ihren Job machen, statt sie zur BW einzuziehen. Und schließlich erklärte der Kriegs-Propagandist, wörtlich: „Normalität ist in der Krise elementar. Sie verhindert, dass die Menschen wild rumlaufen und am Ende die Hilfskräfte stören“.
Niedersachsen und vor allem diese Heideregion soll militärische Drehscheibe für schnellen Aufmarsch von halbjährlich 80.000 westlichen KriegerInnen werden. Damit zivil-militärisch alles klappt wird es 2027 eine NATO-Großübung geben, vor allem in Niedersachsen.
Na, dann lasst uns wild rumlaufen und Kriegstüchtigkeit stören !
- Wehrkraftzersetzung statt Wehrpflicht !
- Diplomatie nach außen und hier Stopp der heimlich-unheimlichen Umstellung auf Kriegswirtschaft!
- Abrüsten und auch raus mit allen US- und Atomwaffen aus Deutschland !
- Bundeswehr raus aus Schulen und Ausbildungs-Messen !
- JA zum Widerstand gegen Kriegspropaganda und Militarisierung der Gesellschaft !
- JA zu Milliarden Investitionen für Gesundheit, Soziales, Bildung, bezahlbar Wohnen, Existenzsicherung für Alle und prima Klima !
"Ich wünsch mir die Welt, In der die Leute sagen:
Wir haben endlich den Krieg verloren und können ihn nicht wiederfinden."
Jetzt ruft bitte alle mit mir:
Nie wieder Faschismus – Nie wieder Krieg!
Nie wieder Faschismus – Nie wieder Krieg!
Heinz-Dieter "Charly" Braun ist aktiv beim Friedensratschlag Lüneburger Heide.