In unserer Zeitschrift "FriedensForum" berichten wir über akutelle Aktionen und Kampagen aus der Friedensbewegung. Gerne senden wir dir ein kostenloses Probeexemplar zu!
Redebeitrag für den Ostermarsch Kehl-Straßburg am 4. April 2026
- Es gilt das gesprochene Wort -
"Die Menschheit hat nichts aus der Geschichte gelernt.“
Liebe Freundinnen und Freunde,
"Die Menschheit hat nichts aus der Geschichte gelernt.“ Diesen Satz habe ich einige Male schon gehört. Stimmt das wirklich, was Menschen damit zum Ausdruck bringen wollen?
Wer ist der als Menschheit benannte Adressat, der nichts gelernt hat?
Mahatma Gandhi hat aus der Geschichte gelernt, Trump und Putin nicht, jedenfalls nicht das, um Kriege zu verhindern und überflüssig werden zu lassen.
Ich denke, dass sehr viele Menschen aus der Geschichte gelernt haben. Viele Menschen, die den zweiten Weltkrieg erlebt hatten, setzten sich für Versöhnung ein. Daraus sind viele Friedensbewegungen entstanden, auch die internationale ökumenische Friedensbewegung Pax Christi.
Über Frieden und deren Voraussetzungen und Bedingungen wird geforscht, um aus der Geschichte zu lernen.
Es gibt das Völkerrecht und seit 2021 den Atomwaffenverbotsvertrag, den inzwischen 75 Staaten ratifiziert haben.
Seit Beginn des Völkerrechtswidrigen Krieges von Putin mit dem Überfall auf die Ukraine treffen sich Menschen in der Friedenskirche in Kehl um von Montag bis Freitag um 18 Uhr für den Frieden in der Welt zu beten.
Was macht dieser Krieg mit uns selbst? Gefühle der Ohnmacht, der Ungewissheit und der Angst. Vielleicht ein dritter Weltkrieg? Der Krieg hat weltweite Folgen wie Nahrungsunsicherheit, Teuerung von Lebensmitteln, Lieferengpässe für wichtige Rohstoffe.
Mitgefühl und aktive Solidarität durch humanitäre Hilfe sind richtig und notwendig.
Aber Angst? Angst vor einem dritten Weltkrieg, vor einem Atomkrieg?
Ich weigere mich, Angst zu haben.
Unser biologisches System kann nicht zwischen realen Gefahren und vorgestellten Gefahren unterscheiden, die Folgen können reale körperliche Stresssymptome sein.
Es gibt nicht nur einen vorauseilenden Gehorsam, sondern auch ein vorauseilendes Leiden. Leiden an einer vorgestellten oder befürchteten Situation im Jetzt, die noch gar nicht eingetreten ist und vielleicht auch nicht eintreten wird.
Angst und Hoffnungslosigkeit lähmen und führen zur Erstarrung.
Ich weigere mich Angst zu haben, weil ich an der Vision von einer Welt ohne Kriege festhalten will. - Schwerter zu Pflugscharen.
An eine Welt ohne Kriege und an ein gutes Leben für alle Menschen. Dazu braucht es Hartnäckigkeit, anhaltende Ausdauer, also dranbleiben, einen langen Atem.
Der amerikanische Friedensaktivist Thomas Morton wurde von einem jungen Aktivisten gefragt, ob es denn etwas nütze auf Demos zu gehen. Er bekam die Antwort: „Frag nicht nach dem Erfolg, tu das Gute, weil es gut ist“
1977 wurde von den Frauen der evangelischen Frauenarbeit die Initiative „Kauft keine Früchte der Apartheid“ gestartet. Anfangs belächelt und als lästig wahrgenommen, hat diese Initiative dem südafrikanischen Staat einen erheblichen wirtschaftlichen Schaden zugefügt, was mit zum Sturz des Regimes beigetragen hat. Ein Beispiel für 15 Jahre Hartnäckigkeit.
Erzähl mir vom Frieden war das Motto der ökumenischen Friedensdekade 2023.
Wir Menschen brauchen Mutmach-Geschichten vom Frieden
Dass heute so viele Menschen zusammengekommen sind, motiviert und bestärkt uns alle, uns zu vernetzen und uns in verschiedenen Aktionen für den Frieden einzusetzen.
Vielen Dank.
Helga Schmidt ist aktiv bei Pax Christi.