In unserer Zeitschrift "FriedensForum" berichten wir über akutelle Aktionen und Kampagen aus der Friedensbewegung. Gerne senden wir dir ein kostenloses Probeexemplar zu!
Redebeitrag für den Ostermarsch in Wedel am 4. April 2026
- Es gilt das gesprochene Wort -
Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde in der schönen Elbestadt Wedel,
die Ostermarschbewegung ist sehr lebendig. In weit mehr als hundert Städten zeigt sie sich auf der Straße seit gestern bis Montag. Gut, dass traditionell auch heute wieder der Ostermarsch hier in Wedel dazu gehört.
Danke, dass ich heute einige Worte an euch richten darf. Ich bin aktiv im Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung. Wir sind sehr gespannt, ob sich übermorgen der Trend der Mobilisierung auf der Straße fortsetzt, der am Antikriegstag im letzten Jahr einen Höhepunkt erlebte was die Zusammensetzung unserer Demo betraf: Halb so alt und doppelt so viele.
Die begonnene Wiedereinführung von Kriegs- und Zwangsdiensten, auch Wehrpflicht genannt, treibt junge Menschen auf die Straße. Zweimal wurden wir in Schulen eingeladen wo ich mich davon überzeugen konnte, dass sich die Jugend in Abstimmungen klipp und klar positioniert:
Ich bin was – ich kann was – ich brauche keine Uniform!
Das ist der Gau für die regierenden Militarisierer aller gesellschaftlicher Bereiche.
Die Jugendlichen, die diesmal Ostermontag in Hamburg die drei Lautsprecherwagen moderieren werden – weshalb tun sie das? Vielleicht bekämpfen sie durch eigenes Handeln ihre berechtigte Angst davor, dass die Regierenden die ganze Welt in Brand setzen. Der Massenprozeß gegen die Aktivisten von „Rheinmetall entwaffnen“ richtet sich gegen 80 junge Menschen, die für steigende Aktienkurse nicht ihr Leben geben wollen.
Friedensaktive tragen heute in Unterlüß ihr Transparent was auch regelmäßig samstags am Goetheplatz in Altona zu sehen ist:
Mordsgeschäft und Bombenstimmung. Dazu die Kurve des Aktienkurses von Rheinmetall, der sich von 50 auf über 1400 Euro in den letzten drei Jahren verdreißigfacht hat.
Von US-Präsident Eisenhower stammt der Satz: Kriege werden nicht nur mit Waffen geführt, sondern wegen Waffen.
Als vor vier Jahren das 100 Milliarden-„Sondervermögen“ durch den Bundestag gepeitscht wurde sagte Rheinmetallchef Pappberger: „Dies reicht nur für ein Strohfeuer“. Und jetzt hat er seinen Flächenbrand und kippt überall Waffen rein, wo er nur kann und gleichzeitig geben die Profiteure des Todes in allen Politikbereichen den Ton an, weil sie durch ihre selbstgemachten Kriege sich aus unseren Steuergeldern auf unsere Kosten immer maßloser bereichern. Blackrock, dem größten Rheinmetall-Aktionär, ist es egal, wer unter ihm regiert, wenn es auch sehr komfortabel ist, dass sein Europa-Koordinator Friedrich Merz rübergemacht hat ins Politikgeschäft und fortan Europa gegen Russland und China und die USA bewaffnen will. Für Europa wird wieder offen der deutsche militärische Führungsanspruch ausgesprochen. Und es gilt nach wie vor: Wenn deutsche Regierende laut Europa rufen, dann meinen sie Deutschland. Diese Tradition ist genauso alt, wie die Gier des Westens nach den Bodenschätzen unter russischer Erde. Es ist lebensgefährlich in einem Land zu leben, das Öl, Gas, Uran und seltene Erden unter seiner Erde trägt.
Liebe Friedensfreundinnen und Friedensfreunde,
„Wir wollen nicht für eure Profite sterben“ war auf Plakaten der Hamburger Schulstreik-Demos zu lesen. Und zweimal durften wir auch dabei sein.
Unser Motto stammt aus den 1980er Jahren: Enkelin und Opa für Frieden in Europa!
Die Frage meiner damals noch nicht 10jährigen Enkelin quält viele von uns: Opa, kriegen wir jetzt einen Weltkrieg? Sie hatte sie zum Kriegseintritt Rußlands in der Ukraine im Februar 22 gestellt, nachdem dort bereits 14tausend Menschen ihr Leben durch den Beschuss der Kiewer Putschregierung verloren hatten. Das undenkbar Schreckliche ist mit dem Krieg gegen Iran noch ein Stück näher gerückt.
Schon jetzt hat die systematische Tötung der Bevölkerung in GAZA, die nach dem Waffenstillstand weitergeht und auf den Libanon ausgeweitet wurde, mehr Zivilisten das Leben gekostet als vier Jahre russische Truppen in der Ukraine. Trumps martialische Drohungen sind erdrückend menschenverachtend. Die größte Sorge der Bundesregierung bestand bisher darin, die USA würden mit Russland einen Frieden schließen, einen Deal machen, was sich die Mehrheit der leidgeprüften und kriegsmüden Ukrainer auch wünschen.
"Zwischen dem Schwachen und dem Starken ist es die Freiheit, die unterdrückt, und das Gesetz, das befreit." Jean-Baptiste Henri Lacordaire (1802 -1861)
Diese Erkenntnis der französischen Revolutionäre vor über 200 Jahren haben auch diejenigen Kräfte, die den Krieg lieben, sehr verinnerlicht. Für ihre Interessen missachten sie die Regeln, die unsere Welt nach dem letzten Weltkriegsinferno zusammenhalten sollten und der Menschheit eine Zukunft auf diesem Planeten geben könnten. Sie brechen das Völkerrecht damit sich die Schwachen nicht befreien können indem sie für die eigene „Freiheit" Bomben werfen.
US-Außenminister Rubio hat auf der sogenannten Sicherheitskonferenz in München vor kurzem offen davor gewarnt, der Westen dürfe seine Vorteile, die er in 500 Jahren Kolonialismus erworben hat nicht aus der Hand geben. Das Angebot an europäische Länder, Juniorweltmachtpartner zu werden, wurde in München mit stehenden Ovationen beklatscht.
In der letzten Woche sind viele vor dem Plakat von Fried:A am Goetheplatz stehen geblieben:
Sensation! Bundespräsident spricht die Wahrheit!
Darunter:
Steinmeier bezeichnet den Krieg der USA und Israels als völkerrechtswidrig …
Ungestraft kann das Pentagon im Auftrag der US-Öl-Mafia den Präsidenten Venezuelas Nicolas Maduro und seine Ehefrau entführen. Der Prozeß, den die Kidnapper gegen ihn zurzeit anstrengen erinnert an den Reichstagsbrandprozeß der deutschen Faschisten. Die USA sind Serientäter gegen das Völkerrecht und die Regierung unseres Landes hat immer mitgehangen und alle Farbenrevolutionen und Völkerrechtsbrüche wohlwollend begleitet. Mitgefangen sind wir alle und nicht nur an der Zapfsäule. Die Regierung des Iran hat sich danach erkundigt, ob Deutschland Mittäter beim völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen ihr Land ist. Und sie kann sehen, dass über die Relaisstation in Ramstein die Drohnen gesteuert werden und Bundeswehr-Tankflugzeuge israelische Jets betanken.
Wir verlangen von Kanzler Merz nicht länger seinen Amtseid zu brechen, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden und es dem spanischen Regierungschef Sanchez gleichzutun, der US-Angriffe auf den Iran über US-Airbase in seinem Land verboten hat.
Die ganze Welt weiß es, warum die Völkerrechtsverbrecher den Iran bomben. Ihr Motto lautet: „Was macht unser Öl unter eurer Erde?“ Nicht zum ersten Mal mussten im letzten Monat dafür tausende Menschen im Iran ihr Leben lassen.
Blackrock, Boeing, Rheinmetall ist es egal, wer ihre Kriege führt, ob sie Bush, Obama, Nethanjahu, Trump heißen. Der jetzige unprovozierte, völkerrechtswidrige Angriffskrieg ist lange geplant. Schon Bush Junior hatte ihn nach 9/11 2001 in einer langen Reihe aus seiner Sicht erforderlicher Kriege gegen Terrorstaaten angekündigt. Wir alle wissen, was seitdem geschehen ist: Verbrannte Erde, Tod und Leid in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien. Nirgends konnten die vorgeblichen Kriegsziele erreicht werden. Nie ging es um Moral – immer um Interessen.
„Nicht unser Krieg“: Mit diesem Motto bewerben wir in Hamburg den Ostermarsch 2026. Jetzt springt selbst Merz auf und das ist kein Aprilscherz. Er schlägt bisher Trumps Einladung an die Straße von Hormus aus. In die Ukraine, die bekanntlich Israel mit Drohnen beliefert, wollte er Taurus liefern um Russland zu besiegen.
Wir diskutieren bestimmt nachher noch unsere gemeinsame Friedensaktionsagenda für 2026. Deshalb erlaubt mir noch diese
Schlussbemerkung:
Es lichtet sich der Lügennebel, wir würden von Russland bedroht und müssten daher den sogenannten Verteidigungshaushalt in astronomische Höhen schrauben. 80% der Weltbevölkerung wollen den Kolonialismus der USA und ihrer Vasallen und Lakaien nicht länger ertragen. Die Dollardiktatur und ihre militärische Vorherrschaft ist stark angeschlagen. Die internationale Friedensbewegung hat keine geringere Aufgabe als zu verhindern, dass die untergehenden Regierungen ihrer Länder die Menschheit in den Abgrund reißen.
Vielen Dank!
Holger Griebner, ist aktiv beim Hamburger Forum.